Arbeiten mit Emo

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

Moderatoren: Basti, Dianati, *

Nick
Beiträge: 7
Registriert: 28.12.2013, 20:51

Arbeiten mit Emo

Beitragvon Nick » 05.01.2014, 15:19

Hallo. Ich hab mal eine Frage an euch. Wie macht ihr das mit der Arbeit?

Hab nur einen Teilzeitjob (den ich Liebe) und muß erst am Mittwoch wieder arbeiten. Dafür vier Tage hintereinander. Und das ist mein Problem. Am ersten Tag gehts mir gut da ich davor ja nur zuhause war und mich nirgends anstecken konnte. Aber ich mache mir jetzt schon einen Kopf was am zweiten, dritten und vierten Tag sein wird. Ich arbeite im Einzelhandel und habe tierische Angst davor mich mit Magen Darm anzustecken und das ich mich dann auf der Arbet übergeben muß. Es macht mich jetzt schon wahnsinnig, vor allem weil zwei meiner Kollegen zur Zeit Magen Darm haben. Am liebsten würde ich mich krank melden, aber das geht natürlich nicht. Möchte nicht meinen Job verlieren. Kann gerade an nichts anderes denken und hab schon alles geputzt und gebügelt um mich ab zu lenken :D

mimi
Beiträge: 642
Registriert: 14.04.2013, 14:43

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon mimi » 05.01.2014, 16:58

Hallo Nick,

wieso solltest du dich an deinen freien Tagen nicht anstecken können? Dich steckt vielleicht kein Kollege oder Kunde an, dafür aber vielleicht deine Familie, Freunde, die nette Frau, der du im Bus deinen Platz angeboten hast, der unsympathische Kerl, der beim Einkaufen vor dir stand, vielleicht gehst du Pizza essen und du verdirbst dir den Magen... Oder eben nicht.

Was ich damit sagen will: es kann immer und überall passieren, dass du krank wirst. Solltest du wirklich so plötzlich was bekommen, dass du dich im Laden übergeben musst - irgendwer wird's schon putzen. Und dann bist du zwei Tage krank und gehst nächste Woche wieder zur Arbeit..

Wovor genau hast du denn Angst?
Lady Angst bittet zum Tanz, ich nehm die Beine in die Hand - ich sing nie mehr die alten Lieder und ich brenne den Tanzsaal nieder!

Nick
Beiträge: 7
Registriert: 28.12.2013, 20:51

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon Nick » 05.01.2014, 17:57

Na ja. Wenn ich nicht arbeite bin ich eigentlich nur zuhause. Alleine. Da ist die Ansteckungsgefahr wirklich sehr gering.

Und Angst habe ich genau davor, das es irgendwer weg wischen muß. Sprich...ich es nicht bis zum Klo schaffe. Dann kommt noch dazu das mir dann wahrscheinlich der Kreislauf weg geht und ich nichts mehr kann ausser jammern. Dann rufen die einen Krankenwagen usw. und zu guter letzt könnte ich dadurch meinen Job verlieren und es macht sich jeder lustig über mich. Im meinem Kopf spielen sich viel Szenarien ab. Ich weiß das das nicht gut ist, aber ich komme nicht dagegen an. Im Sommer hab ich in einem Restaurant gearbeitet. Da hatte ich das Problem nicht. Ich vermute mal weil Sommer war und man dann nicht ständig hört "der und der hat gerade Magen Darm usw"

mimi
Beiträge: 642
Registriert: 14.04.2013, 14:43

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon mimi » 05.01.2014, 18:12

Darf ich fragen, warum du die ganze Zeit zuhause bist? Aufgrund der Emo?

Ist dir das denn schonmal passiert? Für mich wirkt es nämlich ehrlich gesagt so, als hättest du in dem Fall ein bisschen den Realitätsbezug verloren - bitte versteh das nicht falsch.

Im Normalfall wird niemand einen Krankenwagen rufen, nur weil du dich übergeben musst - wenn dein Kreislauf leidet, wird man dir vermutlich ein Glas Wasser anbieten und dich entweder heimfahren lassen oder heimbringen. Deinen Job verlierst du auch deswegen mit nahezu 100%iger Sicherheit nicht wegen sowas.

Vielleicht hilft es dir, die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten - im worst case, was würden deine Kollegen sagen, was dein Chef - realitätsnah natürlich ;) und was könnte dir helfen, wenn es wirklich dazu kommen würde, dass es dir schlecht werden sollte? Vielleicht ein Paar Minuten "Rückzug", zum beruhigen? Irgendwas in die Richtung, eine Art "Notfallplan"?
Lady Angst bittet zum Tanz, ich nehm die Beine in die Hand - ich sing nie mehr die alten Lieder und ich brenne den Tanzsaal nieder!

Nick
Beiträge: 7
Registriert: 28.12.2013, 20:51

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon Nick » 05.01.2014, 18:33

Das hat zwei Gründe. Ja, die Emo ist ein Grund. Habe Angst alleine weg zu fahren, da ja dann was sein könnte. Der andere Grund ist, das ich hier kaum Leute kenne und keine Freunde habe. Wohne auch erst seit drei Jahren hier.

Ich glaube ich habe wirklich etwas den Realitätsbezug verloren, den passiert ist mir sowas noch nie. Hatte zwar 2009 den Novo-Virus, aber da war ich zuhause. Ich denke mir nur halt immer, da ich das letze mal vor vier Jahren Magen Darm hatte, muß es mich ja bald wieder erwischen. Ich weiß das ist bescheuert, aber wenn es drum herum alle kriegen, warum sollte ich dann davon verschont bleiben?

Mein Notfallplan ist eigentlich das ich immer ne Tüte dabei habe. Da ich nächste Woche an der Kasse bin, ist auch nicht viel mit zurück ziehen.

mimi
Beiträge: 642
Registriert: 14.04.2013, 14:43

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon mimi » 05.01.2014, 18:51

Wenn du nur zuhause sitzt, wirst du kaum Freunde finden, da wo du wohnst ;)

Ich hab auch immer geglaubt, dass es mich jedes Jahr erwischen muss - bin seit gut 2 Jahren verschont. Vielleicht ist es sinnvoller, sich zu fragen "warum sollte ich denn jetzt bitte krank werden?"

Sicher sind auch nicht alle krank, nur erzählen es die, die es sind wohl gern - und wir sind eben eher fixiert auf solche Erzählungen...

Vielleicht findest du ja eine andere Notfall-Strategie? Eine nette Kollegin, die kurz mit dir tauschen könnte? Oder irgendwelche Ablenk-Taktiken, die du unauffällig vom Platz aus machen kannst? Notfalls auch die tüte, die dich beruhigt?
Lady Angst bittet zum Tanz, ich nehm die Beine in die Hand - ich sing nie mehr die alten Lieder und ich brenne den Tanzsaal nieder!

dariusbritt
Beiträge: 181
Registriert: 17.06.2013, 21:23

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon dariusbritt » 05.01.2014, 20:03

Ich habe die gleichen oder ähnliche Probleme mit dem Arbeiten gehen.

Im Moment nicht unbedingt, da ich bei der ILS mein Abitur mache, da ich mir durch hohe Fehlzeiten jegliche Chancen dies auf den "normalen" Weg zu machen, versaut habe und ich mich mit meinem jetzigen Abschlusszeugnis (zwar erweiterter Realschulabschluss, aber eben exorbitant hohe Anzahl an Fehltagen) als einzige Vorlage nirgends bewerben möchte. Ist natürlich nicht optimal, aber ich habe nebenbei Therapie und überwinde mich zu anderen Angstsituationen. Der Schulabschluss steht für mich momentan allerdings an erster Stelle.

Aber ich weiß das eben noch von ehemaligen Praktika und es wird auch in Zukunft wieder auf mich zukommen. Ich habe auch immer Probleme damit viele Tage am Stück zu arbeiten. Ich weiß allerdings nicht genau weshalb. Ich glaube die Angst vor Ansteckung ist schon auch da, aber ist nur wirklich akut, wenn ich auf Arbeit bin und währenddessen dort jemand krank wird oder am nächsten Tag wegen Krankheit fehlt. Ich habe auch gar nicht so riesen Angst, mich auf Arbeit übergeben zu müssen, weil ich weiß, dass ich dann nach Hause kann, weil ich dann wirklich krank bin. In der Situation habe ich mehr Angst davor, WIE ich nach Hause komme. Und ein weiteres Problem ist, dass ich Angst habe, dass ich vor Erschöpfung krank werde. Was natürlich auch kompletter Schwachsinn ist. :roll:

Ich werde jedoch versuchen mir dieses Jahr zumindest einen Aushilfsjob oder einen Ferienjob zu suchen, damit ich nicht nur "Alltags"-Konfrontationen (Einkaufen etc.) sondern auch Sachen, die mir wirklich noch relativ große Angst machen, die aber für mein späteres Leben enorm wichtig sind (Arbeiten, direkter Menschenkontakt etc).

Traumtänzerin
Beiträge: 33
Registriert: 09.12.2013, 14:27

Re: Arbeiten mit Emo

Beitragvon Traumtänzerin » 09.01.2014, 01:33

Hallo Nick :)

Also ich habe das glück, dass ich in einem einzelbüro bin. (Bin rechtsanwaltsfachangestellte)

Es ist wirklich sehr beruhigend allein zu sein, wenn man es sein möchte. Deine Angst kann ich verstehen. An einer Kasse, an der man nicht mal eben aufstehen kann und n paar Meter gehen kann, um frische Luft zu schnappen oder aus seinem angstkreislauf zu entfliehen, zu sitzen, würde mich auch beunruhigen.

Aber weißt du was? Das ist doch dieses Ding mit der Konfrontation. Versuche es auszuhalten. Mach dich nicht verrückt (ich weiß es ist leichter gesagt als getan). Aber erfreue dich an deinem Job. Genieße es, nicht von der Außenwelt abgeschnitten zu sein und versuche normale Tage zu verbringen.

Ich persönlich lenke mich viel auf der Arbeit ab. Ich versuche, so wenig es geht an all die übelkeit zu denken. Es funktioniert manchmal. Mir persönlich hilft einmal tief einatmen, mich strecken und n paar min ans Fenster zu gehen. Klar ist das in deiner Situation schwierig. Aber Versuch dich zu sammeln und lenk deinen Fokus auf die Arbeit.

Ich weiß, es klingt so einfach. Ich merke auch selbst, dass ich anderen diese Tipps gebe. In der Situation - glaub mir - bin ich auch alles andere als entspannt.
Aber manchmal glaube ich, wenn wir uns ein bisschen konfrontieren und versuchen den Alltag gut zu meistern, kommen wir mit unserer Angst besser klar - auch in Zeiten, in denen die mdg gerade wieder umhergeht. Ich versuche mich momentan nicht zu isolieren. Auch, wenn ich es liebend gern tun würde. Aber, zusammenreißen. Zum Sport gehen, spass haben. Am Wochenende weggehen. Und normal versuchen zu essen.

Ganz schön lang geworden, der Text.

Ich sende dir viel kraft und alles gute :)


Zurück zu „Alltag mit Emetophobie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast