Faszination Angst/Ekel?

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dariusbritt
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Faszination Angst/Ekel?

Beitragvon dariusbritt » 13.12.2013, 15:50

Vorweg: Worüber ich im folgenden schreibe könnte evtl. triggernd sein. Es geht zwar nicht um konkrete Konfrontationssituationen, aber Themen, die bei mir selbst gelegentlich auch ziemliche Angst auslösen.

Hallo ihr lieben!

Ich habe in letzter Zeit viel über etwas nachgedacht und möchte gern wissen, ob es vielleicht jemand so oder so ähnlich kennt.
Im Moment hole ich mein Abitur nach und ich habe einen sehr guten Schnitt, womit mir natürlich in Sachen Studium ziemlich viele Türen offen stehen. Da mich - vielleicht auch durch die Emo bedingt - Medizin in der Theorie sehr interessiert, habe ich mich auch in diese Richtung informiert. Allerdings kommt es für mich natürlich nicht in Frage. Dennoch konnte ich es nicht lassen, bis spät in die Nacht hinein über einzelne Studieninhalte zu belesen. Besonders spannend, fand ich es Erfahrungen und Berichte von/über den sog. Präpkurs (also, Anatomie - Leichen sezieren etc) zu lesen. Dabei finde ich es auch irgendwie "aufregend" zu sehen, wie weit ich gehen kann - wie weit lässt es die Angst zu? Bisher konnte ich z.B. wirklich nur darüber lesen, mich reizt es aber immer wieder, wenn ich links zu Videos sehe. Aber klicken - no way. Einfach weil ich weiß, wie große Angst ich schon allein bei dem Gedanken bekomme. Aber dieser Reiz ist eben da.

Das ist nicht das erste Mal, dass es mir so ging. Vor ein-zwei Jahren, wollte ich die Serie Six Feet Under anfangen und bin auf dem Schulweg immer an 2 Bestattungsunternehmen und einem Krankenhaus samt pathologischem Institut in einem gesonderten Häuschen davor vorbeigekommen. Deshalb habe ich eines Nachmittags angefangen, mich über den Beruf des Bestatters zu informieren (also, was er eigentlich genau macht etc). Musste dann allerdings bei der Hälfte des Wikipedia Artikels aufhören zu lesen, weil es so unvorbereitet doch ziemlich krass war, vor allem da ich sehr dazu neige, mir alles grafisch auszumalen :? Aber auch da war es so ein gewisser Reiz von "Wie weit kannst du gehen?"

Solche Momente habe ich (leider ?) nur beim Lesen und bei mir zu Haus, wo ich mich sicher fühle und weiß, ich kann aufhören, wann ich will. In anderen Situationen, fällt es mir nicht so leicht. Selbst in eine Arztpraxis, die ich ja theoretisch auch jederzeit verlassen kann, schaffe ich es nicht hinein, ohne gezwungen - ja schon fast gezerrt zu werden. Ich wünschte, dieses Interesse würde mir helfen, mich und meine Angst auch in anderen Situationen auszutesten. Denn dann wäre es ja auch nicht mehr SO unrealistisch, vielleicht über ein Studium in diese Richtung nachzudenken? Vielleicht nicht gerade dann Medizin, was in dem Fall ja dann doch Hardcore wäre, aber vielleicht etwas weniger krasses? Aber im Moment ist das ja alles wirklich Spinnerei, da ich es nicht einmal schaffe, mir Bilder anzusehen. :D

Aber ... Kennt ihr sowas?

Ich denke da nämlich echt viel drüber nach in letzter Zeit, also, warum und wieso.. .

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Re: Faszination Angst/Ekel?

Beitragvon Sase » 13.12.2013, 17:18

Ich hab mir als Kind nach und nach so ein medizinbuch für leihen (wie sieht eine bindehautentzündung aus... Wie eine eiterbeule etc. Pp.) die Neugier und Faszination war größer als der Ekel den ich damit abtrainierte.
WOrüber genau machst Du dir Gedanken? Das Neugier ein großer Gegenspieler von Angst ist, ist schon bei Kindern so. Nutze dieses doch, damit kannst du doch toll arbeiten. Und es sind ja, wenn ich's richtig verstanden habe, normale Dinge die dich interessieren. Schämst Du dich vielleicht dafür? Ich mein, Du willst ja nicht gerade eine Leiche fleddern... Jemand sehr bekanntes der sich für ekeliges interessiert und auch davon fasziniert ist, ist Mark benecke (aka der Madendoktor) was denkst Du über so jemanden?
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

dariusbritt
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Re: Faszination Angst/Ekel?

Beitragvon dariusbritt » 13.12.2013, 19:21

Ich denke darüber nach, ob die Faszination nur von dem 'Nervenkitzel' kommt, also von diesem "Wie weit kann ich wohl gehen?", oder von tatsächlichem Interesse. Mal rumgesponnen; Ich "trainiere" weiter (vielleicht so weit, dass ich tatsächlich ein Praktikum im Pflege/medizinischen Bereich machen kann) und fange ein Medizinstudium an. Da wirft sich mir die Frage auf, ob ich das ganze dann noch immer so interessant finde, um wirklich ein komplettes Studium durchzuziehen? Immerhin ist es - Interesse hin oder her - mit verdammt viel Arbeit verbunden. Nicht umsonst ist der NC für diesen Studiengang so hoch/niedrig (was sagt man da?) angesetzt.
Also wie gesagt, ich gehe nicht davon aus, dass ich wenn es an der Zeit für ein Studium ist, schon so weit bin, Leichen anfassen oder gar aufschneiden zu können, zumal das wirklich einer der krasseren Trigger bei mir ist. Aber irgendwie denke ich eben doch über sowas nach. Und naja, ich wusste zwar, dass ein Teil der Emetophobiker eine Art "Kotz-Fetisch" hat oder dazu neigt, aber nicht, ob ich mit solchen Gedanken oder Situationen allein bin oder ob man das beides entfernt miteinander vergleichen kann.
(oder meinstest du, weshalb ich vor solchen Dingen Angst habe ...?)

Von Mark Benecke habe ich bisher nur in Zusammenhang mit die PARTEI gehört, daher kann ich dazu nicht viel sagen. Habe auch mal gegooglet aber nicht viel über ihn bzgl Madendoktor gefunden. Zwar, dass er Kriminalbiologe oder so ist und auch Zoologie studiert hat, aber mehr nicht.

samadhi
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Re: Faszination Angst/Ekel?

Beitragvon samadhi » 13.12.2013, 19:44

Ich kann das tatsächlich gut nachvollziehen. Ich bin medizinisch auch interessiert, habe deshalb eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten gemacht. Ich finde zwar den menschlichen Körper und viele Erkrankungen sehr interessant, könnte aber niemals praktisch damit umgehen. Bei Tieren sieht das anders aus. Sicherlich gab es da auch absolut ekelhafte Situationen, aber ich hab immer die Fassung bewahren und mich wieder abregen können. Nach der Ausbildung wollte ich eine Ausbildung zur biologischen Präparatorin machen, bin aber leider nicht genommen worden.
Ich denke, man ist als Emo grundsätzlich schonmal sehr reizempfänglich und findet dann ekelhafte Dinge eben nicht nur ekelhaft, sondern eben auch interessanter als viele andere. Das hat sicher irgendwas mit bestimmten Gehirnregionen zu tun, ich meine da mal was gelesen zu haben (Neurowissenschaften finde ich auch super spannend, aber ein Gehirn sezieren? Näääää!
Hast du schonmal drüber nachgedacht, wie sich dein medizinisches Interesse bei Tieren auswirken würde? Eventuell wäre das eine Alternative, wenn es dir bei Menschen zu schwer fällt. Bei Tieren fällt die Identifikation eigentlich weg, das ist nämlich mein Problem bei Menschen.
Ansonsten würd ich dir echt mal ein freiwilliges Praktikum empfehlen, um mal reinzuschnuppern, aber da musst du natürlich selbst wissen, ob du dich dazu in der Lage fühlst etc.
Mark Benecke schlägt derzeit viel Kapital aus seinem Beruf, hält Seminare, zeigt sich in diversen TV-Shows und vermarktet seine Tätigkeit ganz wunderbar. Ich find den Typen etwas over the top, einen realistischen Einblick in seinen Job bekommt man da jedenfalls nicht ;)

dariusbritt
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Re: Faszination Angst/Ekel?

Beitragvon dariusbritt » 05.01.2014, 06:17

Tiermedizin interessiert mich leider kaum bis gar nicht. Ich kann gar nicht beschreiben wieso. Ich finde den menschlichen Körper einfach so viel faszinierender. Vielleicht gerade weil es für mich mit das größte Tabuthema ist. Ich meine, ich ekle mich zwar auch ungemein wenn jetzt z.B. bei Menschen, Tiere & Doktoren eine Kuh aufgeschnitten wird oder ähnliches, aber da ist jetzt nicht so der Reiz da, es trotzdem zu testen, wie lange ich es aushalte oder dass ich mich danach dann noch darüber belese. Ich habe in letzter Zeit tatsächlich darüber nachgedacht, ob VetMed eine Alternative wäre, aber ist es definitiv aus eben genannten Gründen nicht.

:!: Der folgende Teil ist (denke ich) sehr triggernd, da ekel-Zeug. Wollte nur nochmal gewarnt haben. :!:

Ich komme von dem ganzen Thema einfach nicht weg. Ich habe neulich herausgefunden, dass eine gute Bekannte von mir sogar Medizin in Oxford studiert (dachte bisher sie studiert irgendwas Wirtschaftliches) und habe sie natürlich direkt gebeten, mir etwas darüber zu erzählen. Und das fand ich irgendwie noch krasser, als was ich über das deutsche Medizinstudium gelesen habe. Also in D ist es wohl so, dass man den Präpkurs am "ganzen" Körper macht und einzelne Teile auseinandernimmt, aber eben am Körper. Bei ihr ist das wohl so, dass sie dann die jeweiligen Körperteile bekommen und sich das dann steigert, bis sie vor kurzem eben (nur) den kompletten Oberkörper da liegen hatte. Wo ich das gelesen habe, musste ich echt erstmal Schlucken. Ich finde Amputate bzw Körperteile ohne den Rest NOCH schlimmer, als an einem ganzen Toten rumzudoktern. Nimmt sich jetzt beides nicht viel, um ehrlich zu sein, aber ich fand's krass. Aber eben auch wieder cool. Vielleicht ist es auch irgendwo der Neid, dass sie es schafft, das ganze als solch eine Banalität zu behandeln (und ich bin generell ziemlich neidisch auf sie, das nur nebenbei :mrgreen:).

------------- Trigger Ende -------------


Hach ich weiß nicht. Der Ehrgeiz, mir das ganze Ekelgefühl (in sofern es wirklich Ekel und nicht nur Angst ist) und die Angst abzutrainieren ist so groß gerade, obwohl ich nicht glaube, dass es realistisch ist. Aber da spricht wohl wieder der Perfektionist in mir; Wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe, dann muss ich das auch zu 100% so umsetzen und gebe mich nicht mit einer Alternative zufrieden. In den nächsten 2 Jahren ändert sich das ganze wahrscheinlich sowieso noch dreimal. Aber im Moment deprimiert und motiviert es mich zu gleichen Teilen, dass ich so empfindlich bin.

Gleichzeitig habe ich allerdings ein bisschen das Gefühl, dass mich das ganze mich-theoretisch-damit-befassen nur empfindlicher macht? Da ich mir ja immer alles bildlich vorstelle und genau das das Problem bei Gesprächen darüber ist, habe ich den Eindruck, dass ich alles, was ich mir beim durchlesen merke und vorstelle, in solchen Situationen wieder vorhole und erneut vorstelle und damit dann Panik in mir auslöse. Also jemand erwähnt einen Armbruch und ich gehe gedanklich dann alle Worst Case Szenarien, von denen ich je gelesen oder die ich mir je vorgestellt habe durch und bekomme Angst.

Ich mache mir wahrscheinlich einfach nur generell zu viele Gedanken über alles. :(


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