Der Umgang mit Kater und Alkohol

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Viiii
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Der Umgang mit Kater und Alkohol

Beitragvon Viiii » 04.11.2013, 10:30

Hallo zusammen

Ich möchte mir etwas von der Seele schreiben.
Gestern hatten wir Besuch und dann wird immer mehr Alkohol getrunken. Meine Schwester (18) hat auch richtig zugeschlagen, ich habe zwar nicht gesehen wieviel musste aber mehr gewesen sein...sie trank über den ganzen Tag verteilt immer wieder Wein. Am Abend, als der Besuch gegangen war, hat sie weitergemacht und mittlerweile auch schon lauthals gesungen. Mein Vater war in einem ähnlichen Zustand. Ich dachte sie wird schon wissen was sie macht, da sie am nächsten Tag ja arbeiten muss und sie auch zwischendurch immer wieder gegessen hat.
Ich hielt mich aus dem Ganzen raus und ging schlafen. Meine Mutter weckte mich dann um 5 Uhr morgens und wollte meine Tabletten gegen Übelkeit für meine Schwester haben. Ich habe sofort gefragt was denn los sei. Ihr sei schlecht vom Alkohol...na super...
Mein Panik hielt sich in Grenzen, ich steckte mir also Ohrstöpsel rein, damit ich eventuelle Geräusche nicht höre und probierte weiter zu schlafen. Ging natürlich nicht mehr.
Solche Tabletten sollte man ja nicht mit Alkohol mischen, ich dachte mir aber, dass ja schon eine Weile vergangen war und mir ist schlussendlich egal was sie macht, sie ist selber schuld, wenn es ihr schlecht ist.
Als dann Zeit war um aufzustehen, rief ich zu erst meine Mutter auf dem Handy an, bevor ich mich aus dem Zimmer traute. Sie sagte mir, sie hätte sich nicht übergeben müssen, sie ginge aber heute nicht arbeiten, da sie die halbe Nacht nicht geschlafen hat. Da wurde ich sehr wütend. Für so etwas habe ich wirklich überhaupt null Verständnis...
Ihr ging es schon ein paar Mal schlecht wegen Alkohol, also sollte sie ihre Grenzen langsam kennen. Und doch macht sie solche Sachen immer wieder. Mittlerweile ist mir das egal am Wochenende und ich schüttle nur den Kopf darüber. Meistens macht sie es auch so, dass ich nichts mitbekomme. Dass sie sich aber an einem Sonntag (!) so nicht im Griff hat und meine Eltern sie sogar noch lieb zuhause im Bett liegen lassen....das geht gar nicht. Ich bin auch müde, da ich wegen ihr nicht schlafen konnte. Ich sitze jetzt trotzdem müde hier und arbeite...
Habe dann am Morgen erst ein mal Dampf rausgelassen bei meinen Eltern und habe Ihnen Vorwürfe gemacht, dass sie keine gute Vorbilder sind in der Handhabung von Alkohol. Da mein Vater ja mitgemacht hat. Natürlich war das nicht fair von mir. Mein Vater hat dann meine Schwester noch verteitigt und zeigte mehr Verständnis für sie als für meine Angst. Er macht immer wieder Witze über meine Phobie.
Ich bin mir jetzt ernsthaft am überlegen, ob ich nächstes Jahr doch Teilzeit und nicht Vollzeit studieren soll, damit ich ausziehen kann. Denn solche Situationen will ich nicht mehr miterleben müssen. Und auch die Einstellung meiner Eltern gefällt mir immer weniger. Ich bin so unglaublich wütend, wenn solche Sachen passieren. Es verletzt mich immer unglaublich fest, denn sie nehmen kein Rücksicht auf meine Angst. Ausserdem finde ichdas äusserst verantwortungslos, dass sie wegen einem Kater zu Hause bleibt und sich so nicht in Griff hat.
Wer in der Nacht ein Held ist, soll es auch am Tag sein.
Ausserdem habe ich noch Angst, dass sie doch brechen musste und die anderen mir das verchweigen. Doch mittlerweile verschweigen sie mir solche Sachen nicht mehr, weil ich ja lernen muss damit umzugehen. Das behaupten sie zumindest. Und natürlich habe ich auch Angst, dass es nicht der Alkohol ist, sondern dass sie krank sein könnte.
Ich musste das mal loswerden und mich würden eure Meinungen dazue sehr interessieren.

Glycerine
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Re: Der Umgang mit Kater und Alkohol

Beitragvon Glycerine » 04.11.2013, 12:33

Ich schildere dir meine Meinung mal knapp und kurz:

Ich sehe es ähnlich wie du, dass es wohl nicht normal ist wegen eines Katers der Arbeit fernzubleiben und sich auf einem Sonntag so zu betrinken.
ABER es ist ihr Leben und du solltest sie nicht maßregeln, schließlich ist sie alt genug, solche Dinge selbst zu entscheiden und mit den möglichen Konsequenzen zu leben.

Falsche Rücksichtnahme bringt dir nichts, da gebe ich deinen Eltern recht. Du wirst unter Umständen immer wieder mit dem Erbrechen konfrontiert werden, ob zu Hause oder woanders. Und offensichtlich bist du schon sehr phobisch, denn es ist nicht üblich, seine Mutter anzurufen, bevor man das Zimmer verlässt, weil jemand erbrochen haben könnte.

Die Frage ist doch: Was löst das in dir aus? Was fühlst du, wenn deiner Schwester schlecht ist? Wieso willst du für sie die Verabtwortung tragen, indem du sie maßregelst? Das sind Punkte, an denen man anknüpfen kann.
„Im Leben geht es nicht darum,zu warten bis das Gewitter vorbeizieht, es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen. “

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Re: Der Umgang mit Kater und Alkohol

Beitragvon sehnsucht » 06.11.2013, 00:48

Ich kann dich verstehen. Wenn man selbst was trinkt ist das leicht zu regulieren, man trinkt eben einfach nicht viel, damit es nicht passiert. Aber die Mitmenschen ... Denen ist es ja meist egal ob sie nun kot*en müssen oder nicht.
Fast immer wenn meine jüngere Schwester auf eine Party geht, sag ich ihr vorher "trink bitte nicht so viel & sollte es wirklich mal zu viel werden dann geh bitte mit zu einer Freundin & schlaf bei der". Ist wahrscheinlich egoistisch, weil ich meine wer testet in der Pubertät nicht seine Grenzen in Bezug auf Alkohol aus & kommt mal besoffen nach hause? Ist ja irgendwie ne Erfahrung, die die meisten in dem Alter machen (ich habs nicht getan wegen der Angst, war also noch nie richtig betrunken), aber wenn meine Schwester wirklich mal richtig betrunken nach Hause kommen würde & sich übergeben müsste, ich glaub ich würde durchdrehen. Man darf eigentlich keine Rücksicht erwarten was die Phobie betrifft, ich tue es trotzdem irgendwie & ich glaub die meisten anderen auch.

Sheilchen
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Re: Der Umgang mit Kater und Alkohol

Beitragvon Sheilchen » 06.11.2013, 09:05

Hallo Viii

Ich kann Dir so gut nachfühlen! Es ging mir selber jahrelang so, da mein Vater Alkoholiker war und ich tagtäglich mit dem Alkh-Konsum in Berührung kam. Auch hat er sich sehr oft übergeben, was ich jedoch "nur" gehört habe, nie gesehen. Dadurch hat sich eine unglaubliche Wut auf alle Alkh-Trinker entwickelt. Ich selber trinke keinen Tropfen Alkohol.

Dies hat natürlich dazu geführt, dass ich meinem Mann und meinem Umfeld auch ständig Vorschriften gemacht habe, wieviel Alkohol sie denn trinken sollen. Das hat oft zu Streit geführt.

Schlussendlich habe ich aber gelernt, dass jeder für sich selber verantwortlich ist. Klar stört es mich auch heute noch enorm, wenn sich jemand wegen Alkh übergibt, denn ich habe ja dann das Herzklopfen und die Angst, aber schlussendlich ist diese Person ja selber schuld!

Umso länger ich also mit meinem Mann zusammen bin (7 Jahre) und er trinkt öfters mal, umso besser kann ich mittlerweile damit umgehen. Ich werde nicht mehr ständig wach in der Nacht und kriege eine Kriese, wenn er Nachts aufs Klo geht.

Ich denke, so blöde wie es tönt, aber umso besser Du versuchst Dich damit abzufinden und Dich abzulenken und versuchend darüber "hinwegzusehen", umso bessers wirst Du eines Tages damit umgehen können.

Liebe Grüsse
sheilchen
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Sahlina
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Re: Der Umgang mit Kater und Alkohol

Beitragvon Sahlina » 07.11.2013, 18:14

Das sheilchen :) ,ich grüße dich

Ja Alkohol ist so eine Sache. Ich habe früher selbst viel Alkohol getrunken und frage mich heute, wie ich das geschafft habe. Heute trinke ich nicht mal mehr ein Glas Sekt. Wir schmeißen auch ab und an mal die ein oder andere Party, wo viel Alkohol getrunken wird und normalerweise würde ich durchdrehen, aber inzwischen denke ich eben auch so, das die, die zu viel getrunken haben selbst schuld sind. Gott sei dank übertreibt es nie jemand bei unseren Partys. Erst letztes Wochenende hatten wir zwei Mädchen zu Besuch und alle fingen schon mittags um 11 mit Sekt an. Über den Tag verteilt tranken die Mädels 6 Flaschen und anfangs war ich überhaupt nicht begeistert. Doch sie tranken langsam, assen zwischendurch und wir spielten spiele. Im laufe der Zeit beruhigte ich mich und dachte immer wieder daran, das die Mädels auch ihr Leben haben und nicht wegen mir auf ihren Spaß verzichten sollen. Es reicht schon wenn ich dank der Phobie so eingeschränkt bin, bzw mich selbst einschränke.

Viiii
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Re: Der Umgang mit Kater und Alkohol

Beitragvon Viiii » 14.11.2013, 16:13

Auf die Frage, was das in mir auslöst, kann ich antworten, dass mich das verletzt...ich weiss, dass volle Rücksichtsnahme nicht gut ist. Ich sollte ja damit konfrontiert werden und ich kann dem nie ganz aus dem Weg gehen, das ist mir klar. Ich erwarte auch keine 100% Rücksicht. Eine minimale wäre aber manchmal ganz nett...vor allem von der Familie...früher haben sie mich immer zu sehr davor geschützt, haben es mir verheimlicht, wenn jemand erbrechen musste, mit dem Ergebnis, dass ich es ihnen jetzt zum Teil nicht mehr glauben kann, wenn sie sagen, dass niemand erbrochen hätte...und meine Schwester weiss ja sehr gut, dass ich eine phobische Angst davor habe und könnte sich manchmal echt ein bisschen zurückhalten mit dem Alkohol...
Ich will für sie auch keine Verantwortung tragen, es hat mich nur so schockiert, dass meine Eltern das scheinbar so locker genommen haben. Im Nachhinein habe ich aber erfahren, dass sie mit ihr darüber gesprochen haben, also ist da alles gut.
Ich habe durch meine Eltern, die ab und zu am Wochenende auch mal zu tief ins Glas geschaut haben und manchmal immer no schauen, auch eine Wut auf die Alkohol-Trinker entwickelt...ich habe auch sehr sehr lange nur sehr wenig getrunken. Erst seit einem Jahr mache ich wieder Annäherungsversuche zum Alkohol. Und das auch sehr vorsichtig. Ich war auch schon mal recht beschippst, aber richtig betrunken war ich, glaube ich noch nie. Möchte es auch nicht unbedingt sein.
Bei meinen Eltern habe ich mich damit einigermassen abgefunden, sie müssen auch fast nie erbrechen. Ich gehe ihnen dann einfach ziemlich aus dem Weg. Es macht mich aber immernoch jedes mal wütend, weil ich es hasse, wenn das vor allem meine Mutter alleine zu Hause macht. Ich glaube nämlich, dass meine Mutter ein kleines Alkohol Problem hat, denn sie trink fast immer was, wenn sie wütend oder genervt ist. Und ich merke es ihr immer sofort an. Wenn sie dann in so einem Zustand etwas kocht, vergeht mir der Appetit sofort und ich habe schon paar mal nichts gegessen, weil es mir von der Vorstellung übel war, dass sie betrunken gkocht hatte...das kann jetzt viellecht niemand nachvollziehen, es ist aber leider so...
Ich halte aber die Leute nicht vom trinken zurück (ausser manchmal meine Mutter, wenn sie es aus Frust macht). Meinen Freund und seine Freunde mache ich deswegen nie an.Mein freund weiss, dass er einfach so weit aufpassen sollte, dass es ihm nicht schlecht wird. Das hat bis jetzt auch immer gut geklappt (*Holz anfassen*)...letztes Wochenende hat sogar ein Kumpfel von meinem Freund mir gesagt, dass ich cool sei, da ich nie meckere, wenn sie sich betrinken. Das fände er toll, denn es gibt viele Frauen, die das den anderen vorschreiben. Das hat mich schon gfreut, dass er mir das so gesagt und und dass es demfall auch geschätzt wird von den anderen. und das ist ja schon eine Leistung von mir mit Emetophobie. Ich denke einfach, dass es sowieso nichts bringt jemanden davon abhalten zu wollen, denn wenn man in Partystimmung oder so ist, trinkt man dann trotzdem und dann ist eineme egal, was die anderen sagen...


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