Verhalten nach der WG Party

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cloudyday
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Verhalten nach der WG Party

Beitragvon cloudyday » 29.10.2013, 21:36

Hallo ihr Lieben,

ich bin seit Samstag, nach der ersten Party in meiner WG (meiner ersten großen Feier daheim) mal wieder in einer extrem Situation und würde gerne eure Meinungen hören (von Menschen die die Angst zu 100% nachvollziehen können) wie ich mich jetzt am besten verhalten soll bzw ob es richtig war wie ich mich verhalten habe.
Zuerst aber ein paar Infos zu mir und dem Verlauf meiner Angst.
Die Emetophobie hab ich bewusst seit ich 10 Jahre alt war (oder auch schon früher so genau kann ich den Beginn nicht ausmachen). Bei mir ist auch kaum ein Unterschied zwischen der Angst vorm Fremdkotzen und dem eigenen Erbrechen. Seitdem gab es ständig diese auf und abs. Mein absoluter Tiefpunkt war vor ca. 4 Jahren kurz vorm Studiumsbeginn. Zu der Zeit konnte ich kaum das Haus verlassen und wenn dann nur mit rießen Panik, Übelkeit und Fluchtgedanken (ich konnte nicht s-bahn fahren ohne ständig auszusteigen, hab nur noch "gut verträgliches" Essen gegessen und auch nur daheim, hatte ständig das Gefühl allen Menschen um mich herum wäre schlecht und sie würden sich gleich übergeben, hab mich nicht mehr mit Freunden getroffen etc) Zu der Zeit bin ich mit Übelkeit aufgewacht und wieder eingeschlafen sie war eigentlich dauerhaft präsent.
Irgendwann wurde mir dann alles zuviel und ich hab einen zweiten Therapieversuch gewagt (bei dem ersten wusste meine Therapeutin selbst ncihts damit anzufangen). Ich hatte richtiges Glück weil die 2. wirklich viel verändert hat. Es war zwar heftig weil ich ständig Konfrontationen ausgesetzt war aber mittlerweile kann ich die meiste Zeit angstfrei leben. Nur sind da eben noch diese Situationen in denen ich direkt damit konfrontiert werde und mit denen ich noch nicht so ganz umzugehen weiß (vorallem wenn sie an Orten passieren die für mich "Sicherheit" versprechen wie in meiner WG oder bei meinen Eltern daheim).
Ich wohn seit 2 Jahren in einer 3er WG und bisher war das im Bezug auf die Phobie noch nicht so tragisch (es hatte noch niemand einen Magen Darm Virus noch gab es Erlebnisse dass sich jemand übergeben musste). Zeitweise hatten wir auch einen Hund hier der dann doch ab und an in den Flur gespuckt hat aber komischerweise komm ich bei Tieren und Babys besser damit klar als bei erwachsenen Menschen.
Jetzt ist aber vor 3 Wochen unsere neue Mitbewohnerin eingezogen die ein großer Halloween Fan ist und jedes Jahr eine WG Halloween Party macht. Ich weiß nicht warum aber vor der Party war mir gar nicht bewusst was das bedeutet.
Letztendlich war es dann für mich eine richtige Horror Party. Das einzige Glück war dass wir mein Zimmer als Abstellraum genutzt und abgeschlossen haben. Es waren dann auch mehr Leute da als ich erwartet habe und Anfangs war es auch echt schön bis immer mehr Alkohol geflossen ist. Irgendwann gegen 4 hab ich mich dann mit meiner anderen Mitbewohnerin und einer Freundin in mein Zimmer schlafen gelegt. Das ganze ging dann noch bis ca. 8 Uhr. Ich lag die ganze Zeit im Bett mit Horrorvorstellungen im Kopf und Panik was da nun alles draußen passiert.
In der Früh sind wir dann aus dem Zimmer. Der ganze Boden war voller essen und klebrig von was auch immer und im Klo hat es auch ausgesehen und nach Erbrochenem gerochen (es war aber nicht eindeutig zu erkennen). Dazu muss man sagen dass es für mich unheimlich schlimm ist nicht zu wissen was los war. Die Panik ist zwar trotzdem da wenn ich genau erfahre was passiert ist aber dann gibt es wenigstens einen konkreten "Tatort" den ich mir zurück erobern kann.
Ich bin dann erstmal zu einer Freundin geflüchtet und erst am Abend wieder heim. Meine Freundin und die eine Mitbewohnerin (Beide wissen davon und unterstützen mich da auch nur eben nachvollziehen können sie es nicht) haben dann das Bad geputzt. Ich hab dann auch noch mit meiner neuen Mitbewohnerin geredet was denn alles passiert ist und sie meinte sie hätte nicht mitbekommen dass sich wer erbrochen hat. Somit denke ich mal dass es nur aufm Klo passiert ist aber das innere Gefühl denkt trotzdem dass es überall sein könnte oder dass sie mir was verheimlicht um mich zu schützen.
Kennt ihr das, dass gerade diese Unwissenheit alles viel schlimmer macht? Wenn ja wie geht ihr damit um? Leider hilft es nicht wenn ich versuche das logisch anzugehen das Gefühl es wäre überall überwiegt immer.
Naja jedenfalls hab ich mich gestern erstmal nur in mein Zimmer zurückgezogen um erstmal nur auszuhalten überhaupt in der Wohnung zu sein. Aus der Therapie und aus Erfahrung weiß ich dass das Gefühl des unwohl seins dann weggeht. Aber es ist immer noch so dass ich das Gefühl hab dass außerhalb meines Zimmers und vorallem im Bad Erbrochenes sein könnte.
Heute hab ich mich dann rausgetraut zum "nachputzen".
Es hat ganze 4 Stunden 2 Kraftreiniger und ein Sagrotan sowie 10 Klorollen und 5 paar Handschuh gebraucht bis jetzt alles wenigstens einigermaßen nach meinem Gefühl sauber ist und ich zumindest wieder einigermaßen aus meinem Zimmer kann. Ich weiß nicht ob ich in der Hinsicht richtig gehandelt hab. War es falsch das putzen so maßlos zu übertreiben? Ich mein ich fühl mich jetzt zwar etwas besser aber ich weiß dass es nicht unbedingt gut ist so arg zu übertreiben.
Und ich weiß auch nicht so recht wie ich jetzt weitermachen soll. Einfach abwarten und aushalten und wieder versuchen mich hier normal zu bewegen.
Ich hoffe so sehr dass es bald von selbst besser wird und ich nicht jeden Schritt nach erbrochenem Ausschau halten muss :-(

Liebe Grüße und danke wenn ihr euch meinen Roman durchgelesen habt :-)

sehnsucht
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Re: Verhalten nach der WG Party

Beitragvon sehnsucht » 29.10.2013, 23:00

Ich kann dich echt verstehen, insbesondere weil ich das auch kenne mit den "sicheren Orten". Wenn ich jetzt zum Beispiel bei einer Freundin bin, die sich in ihrem Bad übergibt, ich das mitbekomme, finde ich das zwar schon sehr schlimm, wenn das aber bei mir zuhause passieren würde, wüsste ich nicht was passieren würde, ich würde abdrehen. Ich hab auch mal in einer WG gewohnt, da weiß man eben nie was so in den Räumen außerhalb seines eigenen Zimmers passiert. Du hast aber ja nun alles mehr als gründlich geputzt (was wie du ja wahrscheinlich weißt eigentlich kontraproduktiv ist, weil man diesem Zwang nachgibt, aber ich denke ich hätte nicht anders reagiert), also wie gesagt es ist jetzt alles sauber, falls überhaupt mal etwas dreckig war, probiere jetzt gegen die Angst anzugehen, auch wenn es nicht einfach ist, das schlimme Gefühl wird immer weniger werden.

Glycerine
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Re: Verhalten nach der WG Party

Beitragvon Glycerine » 29.10.2013, 23:23

Dass dein Putzzwang nicht normal war, ist dir wahrscheinlich selbst klar. Das klingt für mich schon sehr extrem und ist auch bearbeitungsbedürftig!

Ich persönlich habe nicht das Problem, dass Orte für mich ,,entweiht" sind, wenn jemand dort erbrochen hat. Fakt ist: Sie sind es auch nicht. Alkohol in höheren Mengen kann manchmal zu Erbrechen führen. Die Frage ist: Was löst das in dir aus? Wieso war es nötig, den anderen hinterherzuputzen? Da kommt in mir direkt die Assoziation des Vertrauens auf. Wieso haben die Reinigungsmaßnahmen deiner Mitbewohner dir nicht gereicht?
Wieso musst du jedes Detail wissen, das passierte? Man muss da etwas tiefer blicken. Welche Gefühle ruft das Geschehen in dir hervor?

Es ist nicht gut, wenn deine Mitbewohner da falsche Rücksicht auf dich nehmen. Du musst nicht vollgekotzte Toiletten putzen können. Aber es gehört zur Arbeit an der Emo dazu, den Umstand akzeptieren zu können, dass jemand erbricht. Ob Alkohol fließt oder nicht. Du wirst keinen ,,sicheren" Ort finden, wenn damit einhergeht, dass dort niemand erbricht. Denn faktisch ist das immer und überall möglich. Die Tatsache ist für uns Emos hart, aber sie gehört zum Leben dazu.

Mein Rat wäre: Blicke etwas tiefer. Setze dich mit den dahinterstehenden Gefühlen auseinander und nimm zur Not noch einmal Hilfe in Anspruch, bevor deine Zwangshandlungen oder das Vermeidungsverhalten zunehmen.
„Im Leben geht es nicht darum,zu warten bis das Gewitter vorbeizieht, es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen. “


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