Es wird immer schlimmer....

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Julie
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Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Julie » 09.08.2013, 21:06

Hallo,
ich habe mich hier neu angemeldet und muss jetzt mal schreiben....
Ich habe diese Emetophobie bewusst ca. erst seit 4 Jahren.
Davor hatte ich zwar auch Ängste,die hatten aber nichts damit zu tun.
Nun ist es seit Wochen wieder so schlimm,das ich das Haus kaum verlasse,kaum mehr schlafe und auch kaum was esse.
Meine Angst besteht ohne Ausnahme mittlerweile 24 Stunden.
Ich kann an nichts anderes mehr denken,als das mein Mann MD mit nach Hause bringt oder wir uns durch "verseuchtes" Essen anstecken könnten.
Meine Panikattaken sind kaum mehr auszuhalten und die "Horrorszenarien" was ist wenn es passiert, sind immer da.
Hilft mir mein Mann wenn ich krank werde? Komme ich zurecht wenn mein Kind brechen muss? Schaffe ich das alles? Halte ich das alles aus? Wenn ich brechen muss,hört das dann auch schnell wieder auf? Läuft daheim alles noch,wenn ich erkranke? Das sind nur ein paar Gedanken die mir im Kopf rumschwirren,wenn ich an Magen Darm Grippe denke.
Mein Leben macht mir kaum mehr Spaß und ich weiß nicht mehr,wie ich das bewältigen soll.
Ich habe vor nem Jahr mit ner Therapie begonnen,jedoch nach ner Zeit wieder abgebrochen,da meine Psychologin kaum darauf einging.
Also hat mir das rein gar nichts gebracht.

Ich bin auch so froh,das mein Kind derzeit Schulferien hat,obwohl ich weiß,das es 100 andere Möglichkeiten gibt,sich anzustecken.
Dummerweise drücke ich mich auch zur Zeit vor Unternehmungen mit meiner Familie aus Angst und gleichzeitig bekomme ich eine unglaubliche Wut vor mir selbst. Wenn ich mich dann doch überwinden kann, mit weg zu gehen,dann geht es mir danach so schlecht und ich überlege mir,ob wir uns wohlmöglich angesteckt haben. Auch schlafe ich nur im Wohnzimmer wenn mein Mann Anzeichen eines Infekts hat.Letztes Jahr hatte ich im Winter einen regelrechten Waschzwang.Das ist jetzt nicht mehr so arg,aber Hygiene ist bei mir sehr sehr wichtig.

Auch habe ich Angst darüber zu sprechen,in dem Glauben,es erwischt uns dann erst recht :roll:. Mit Freunden treffe ich mich nur noch selten, essen gehen ist für mich tabu geworden. Mein Mann beeindruckt das alles nicht, er meint nur dazu meine Angst wäre übertrieben - was ich ja selbst ganz genau weiß,aber gar nichts dagegen tun kann,fühle mich total hilflos und alleine. Ich weiß auch nicht,ob dieser schlimme "Emoschub" damit zu tun hat,das mich mich im Moment allgemein sehr viel belastet und an mir nagt.

Jedenfalls hatte ich das vor Jahren noch nicht so. Auch als meine Tochter noch ganz klein war und sehr oft gebrochen hat auch wegen Noro und so,hat mich das wenig gestört und ich habe es einfach so hingenommen wie es war. Und jetzt denke ich sogar, ich übertrage noch die ganze Angst auf mein Kind. Ich kämpfe innerlich so mit mir,wenn sie ins Schwimmbad möchte oder auf den Spielplatz oder jemand zu Besuch kommen soll. Mich schreien die Keime dann nur so an,obwohl ich weiß,das mein Kind nicht darunter leiden darf.

Warum ich heute nicht mehr so unbeschwert sein kann,weiß ich nicht. Ich vermisse diese Unbeschwertheit die ich damals noch hatte.
Ich beneide meine Mitmenschen die dann nur lachend sagen : Na und,wenn ich mich anstecke mit MD dann dreh ich halt ne Runde mit der Kloschüssel,was solls :shock:
Ich möchte so gerne meine Therapie weiter machen,jedoch mit einem anderen Psychologen
Weiß jemand von euch,ob man den Therapeuten einfach so wechseln kann?
Ich hoffe,das war jetzt nicht allzu lang, und danke fürs lesen :ja:
Ich bewundere euch für die Kraft die ihr da alle aufbringt mit der Emo umzugehn und ziehe meinen Hut vor euch.

Schönen Abend euch.
Julie

Feldweg
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Re: Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Feldweg » 09.08.2013, 23:30

Hallo,

mir viel ein Satz sofort auf:
"Ich habe vor nem Jahr mit ner Therapie begonnen,jedoch nach ner Zeit wieder abgebrochen,da meine Psychologin kaum darauf einging.
Also hat mir das rein gar nichts gebracht." schreibst Du.

Ich möchte Dir aus meiner Erfahrung berichten, dass auch mein Therapeut partout NICHT auf die EMO eingegangen ist - und ich dachte, ich werde verrückt, dachte, er nimmt mich nicht ernst.
Heute bin ich dankbar dafür, denn ich hätte es damals gar nicht schultern können. Heute bespricht er das Thema "Erbrechen" ganz offen - so offen, dass es mir sogar heute noch zu viel wird - manchmal - dann benenne ich das und er rudert vorsichtig zurück.

Hast Du Deine Therapeutin direkt gefragt, was sie mit ihrem "Ausklammern" bezweckt, ihr mitgeteilt, dass Du Dich (ggf.) nicht GEHÖRT fühst?

LG

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Re: Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Julie » 10.08.2013, 10:28

Hallo Feldweg,

also bei meiner Psychologin war die einzigste Reaktion in unseren Gesprächen,das sie sagte, die Wahrscheinlichkeit einen Magendarmvirus zu bekommen,ist genauso niedrig,wie einen Herzinfarkt zu erleiden und das müsste ich einsehen.
Auch als ich mit ihr näher auf meine Angst eingehn wollte, kam von ihrer Seite nichts,außer wie ich mit meinen Panikattaken umgehn soll...
Ich war echt sehr enttäuscht,da ich mir Hilfe versprochen hatte,die ich meiner Meinung nach aber nicht bekommen habe,und meine Verzweiflung wurde größer und ich brach die Therapie ab.

Feldweg
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Re: Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Feldweg » 10.08.2013, 11:35

ok - so hört sich das anders an - bei mir entstünde der Eindruck, des "Abgewiegelt - werdens" :twisted: . Nicht gut. Von daher ist der Abbruch wohl die bessere Wahl.
An Respekt und Sensibilität hat es bei meinem Thera. nie gefehlt - Ich drücke Dir die Daumen, dass es weiterhin gelingt, gut AUF DICH zu hören. Das ist der einzige Weg - so oder so.

Wie siehts denn derzeit aus bei Dir?

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Re: Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Julie » 10.08.2013, 12:51

Ja kam mir auch irgendwie nicht ernst genommen vor. Sie hatte wohl auch selten mit dieser Problematik zu tun.
Es ist auch nicht leicht einen Therapeuten zu finden,bei dem man sich gut aufgehoben fühlt.
Find ich schön,das du scheinbar einen guten Therapeuten hast :ja:
Bin aber auch froh,hier auf nette Menschen zu "treffen", die (leider) auch dasselbe durchmachen.

Derzeit bin ich wieder mittendrin in meinem Problem. Und das bei dem tollen Wetter :(
Ich bin ständig erschöpft durch den Schlafmangel,nehme auch wieder ab,durch die Furcht vor dem Essen.
Ich darf gar nicht dran denken wie es sein wird wenn die Akutzeit des MD wieder kommt :roll:

Hat eigentlich jemand Erfahrung gemacht mit natürlichen Mitteln gegen Nervosität und innerliche Unruhe ?

Glycerine
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Re: Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Glycerine » 11.08.2013, 00:39

Wie hat sich die erste Angst denn bemerkbar gemacht? Wie fing es an? Was fühlst du konkret, wenn du ans Erbrechen denkst, also wenn du dahinter blickst: Scham, Hilflosigkeit, Wut, Kontrollverlust?
„Im Leben geht es nicht darum,zu warten bis das Gewitter vorbeizieht, es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen. “

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Re: Es wird immer schlimmer....

Beitragvon Julie » 11.08.2013, 11:53

Es fing bei mir eigentlich an,nachdem meine Tochter den Noro hatte und die ganze Nacht durchgebrochen hat und wir mit umziehen,duschen,Bett überziehen und putzen kaum hinterher kamen (und mein Gatte dann auch noch dabei meckerte weil er ja arbeiten musste) und mein Mann und ich danach auch flach lagen. Ich war zu nichts in der Lage zu tun,außer zu schlafen. Ich konnte ja nichts gegen diese Magenkrämpfe und akute Übelkeit tun,nichts half. Obwohl ich da nicht brechen musste, hatte ich ab der Zeit danach richtig Angst davor und das entwickelte sich immer weiter.

Ich glaube das meine Angst dabei etwas mit der Situation ausgeliefert zu sein zu tun hat.Dieser Kontrollverlust dabei. Ich kann ja nicht steuern wie lange die Übelkeit und das Erbrechen anhält. Ich bin dem ja machtlos sozusagen.Vielleicht spielt da aber auch geringes Selbstwertgefühl mit eine Rolle. Außerdem empfinde ich richtige Übelkeit als eine der schlimmsten Empfindungen,die ein Mensch haben kann. Zumindest seh ich das bei mir so.


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