Abteilungsessen :(

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

Moderatoren: Basti, Dianati, *

Lisbeth

Abteilungsessen :(

Beitragvon Lisbeth » 06.06.2013, 08:17

In meiner frühen Kindheit ging es los.... Ich konnte nichts essen wenn viele Leute in einem Raum waren, wenn es stark nach Essen gerochen hat oder wenn sich jemand viel Mühe mit dem Kochen machte.
Bis heute ist es leider so. Jetzt bin ich 22.
Nächste Woche steht wieder ein Abteilungsessen an. Davor kann ich mich diesmal nicht drücken...
Bei der 1. Weihnachtsfeier ist mir zum Glück was dazwischen gekommen und bei der 2. habe ich mir extra die Weisheitszähne rausnehmen lassen damit ich nichts essen muss.
Mittlerweile wird mir aber schon schlecht wenn ich nur ein Restaurant betrete und weiß: Hier muss ich etwas essen oder hier muss ich jetzt sitzen.
Ich habe schreckliche Angst mich zu übergeben, dass es die anderen mitbekommen.
In meiner Jugend war ich 3 Jahre in psychologischer Behandlung, seit Dez 2011 wieder.
Am liebsten hätte ich einen Autounfall oder so damit ich nicht hin gehen muss.
Was macht ihr in solchen situationen?
LG

Benutzeravatar
tanyamoustache
Beiträge: 219
Registriert: 24.06.2012, 21:53
Wohnort: Berlin

Re: Abteilungsessen :(

Beitragvon tanyamoustache » 06.06.2013, 09:36

Hallo Lisbeth!

Ich hab deinen Eintrag im Vorstellungsforum gelöscht, damit das Thema hier nicht doppelt herumgeistert! Vielleicht magst du stattdessen noch mal eine "richtgie" Vorstellung schreiben, die sich nicht nur auf ein ganz spezielles Problem bezieht?

Zu deiner Frage: Mir fiel Essen in Gesellschaft früher auch extrem schwer, heute ist das nur noch so, wenn ich mit meinen Eltern zusammen esse und es irgendeinen besonderen Anlass gibt. Wie bei dir hängt das an einer gewissen Erwartungshaltung zusammen, die man an sich selbst hat. Man denkt, man muss unbedingt essen und malt sich die schlimmsten Szenarien aus, weshalb das nicht klappen könnte. Ich hab mir in meiner Kindheit angewöhnt, einfach trotzdem zu essen, hatte dabei aber weiterhin riesige Angst und habe mich die ganze Zeit innerlich nur angeschrien, dass das jetzt klappen muss. Ich wollte nur vermeiden, dass es eine Szene am Tisch gibt und ich angeschrien werde. Deshalb kann ich mir heute eigentlich Essen reindrücken, egal wie schlecht es mir geht. Das ist aber natürlich nicht die Art, damit umzugehen, die ich dir empfehlen würde.

Vielmehr solltest du dich fragen, wovor du dich denn fürchtest, wenn du es tatsächlich nicht schaffst zu essen? Hast du Angst davor, was die anderen sagen könnten und dass sie dich verurteilen? Und wenn ja: Wieso sollten sie das? Du bist eine erwachsene Frau und es ist erlaubt, mal keinen oder wenig Hunger zu haben oder anderweitig nichts essen zu wollen, weil es einem gerade nicht wohl ist. Das ist für niemanden ein Grund, böse auf dich oder enttäuscht von dir zu sein (auch nicht für den Koch). Es ist ganz wichtig, da zu lernen, für sich einzustehen, denn nur dann kann man auch entspannter in diese Situationen reingehen.

Vielleicht nimmst du für den Anfang einfach etwas Kleines, einen Salat oder so? Und wenn das gut klappt und du die Situation überstehst, kannst du dir hinterher sagen, dass das doch gar nicht so schlimm war, und beim nächsten Mal einen größeren Schritt wagen. Auch gut ist es immer, sich während des Essens über etwas zu unterhalten, dass wird das Essen schnell auch nur zur Nebensache. Gibt es jemandem in deinem Leben, der von deiner Phobie weiß und dich unterstützt? Vielleicht könntest du mit dieser Person auch üben und öfter essen gehen, sowas automatisiert sich auch ziemlich schnell. Oder du probierst es allein, auch wenn dann damit eine solche "reale" Situation nicht so gut simuliert wird.

Kaum zu glauben, früher habe ich im Restaurant essen gehasst, heute möchte ich das eigentlich nur noch machen, weil es da immer so gut schmeckt.

Liebe Grüße,
Tanja

Lisbeth

Re: Abteilungsessen :(

Beitragvon Lisbeth » 06.06.2013, 09:52

Hallo Tanja!

Ich weiß gar nicht wovor ich eigentlich diese schreckliche Angst habe. Eigentlich nur davor dass es mir wieder so unendlich schlecht geht.
Ich kippe dann auch manchmal um, kotze und komm nicht mehr vom Klo weg.
Ich bin halt eh schon sehr dünn und wenn ich dann nichts esse denken die anderen vielleicht "jetzt isst sie wieder nichts"

Das mit dem Salat habe ich schon versucht. Im Freundeskreis funktioniert das super (die wissen auch alle davon), da schaff ich manchmal auch ne Pizza wenn ich
einen guten Tag hab. Aber mit der Arbeit ist das was anderes, alles so angespannt (also für mich). Mein Freund unterstützt mich total, z.B bei Familienessen. Den nehme ich da immer mit :) er hat eine total beruhigende Art und dann klappt auch alles. Mit der Arbeit jedoch ist es so schrecklich.... da kann ich ihn nicht mitnehmen.

Eigentlich weiß jeder davon, die meisten haben es schon live mitbekommen.... Eltern natürlich zur Genüge, Freunde, Freund....
In meiner Arbeit wissen nur 3 davon aber die können das nicht nachvollziehen.

Ich nehme dann immer verschiedene Tabletten (Domperidon von Hexal etc) aber nichts nützt was :(

Liebe Grüße

Benutzeravatar
Bellchen
Beiträge: 347
Registriert: 22.01.2009, 23:22

Re: Abteilungsessen :(

Beitragvon Bellchen » 13.06.2013, 17:29

Hi Lisbeth,

das kommt mir alles total bekannt vor, was du schreibst!

Ich habe bei solchen Essen auch (fast) immer solche Probleme. Ich denke dann immer, jetzt gucken die alle, was und wie viel ich esse (weil ich so dünn bin) oder die erwarten jetzt, dass ich was esse. Ich hab dann selber immer den Druck, ich muss jetzt was essen, alle erwarten das ... Und dadurch hab ich dann vor solchen Situationen immer schon wie einen Kloß im Hals, leichte Übelkeit, keinen Appetit und bekomme nichts runter. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, geht das. Die stellen dann manchmal erstaunt fest, dass ich total schnell oder richtig viel gegessen habe. Oder auch bei der Familie (also Eltern, Schwester, ... bei richtig großen Familienfeiern sieht das auch wieder anders aus). Komischerweise habe ich auch kein Problem mit dem Essen, wenn ich mich mitten in ne Einkaufsmeile setze. Die Leute kenne ich nicht und da ist mir dann egal, was die denken könnten und schwupps ist der Pizzasnack, das Schinken-Käse-Croissant oder sowas in paar Minuten aufgegessen!

Bei meiner letzten Arbeit hatte ich einmal nen Tag vor dem Weihnachtsfrühstück ne Magen-Darm-Grippe bekommen und kam um das Essen herum. Und später einmal als es zu ner Geburtstagsrunde Kuchen gab und ich da gerade nen guten Tag hatte und mich mit den anderen unterhalten habe dabei, da habe ich auch ganz normal ein Kuchenstück gegessen. Im Grunde weiß man, dass man es kann, aber durch den Druck (den man sich teilweise selber macht) geht dann nichts mehr.

Letztens bei einer Geburtstagsfeier einer Freundin, wo aber auch viele mir unbekannte Leute da waren, habe ich zum Abendbrot (es gab auch noch vieles verschiedenes, also ein Gewirr an Gerüchen, dazu noch die unbekannten Leute und mir war total übel) dann nur ein kleines Stück trockenes Brot gegessen. Ich wurde auch paarmal gefragt, ob ich doch nicht das oder jenes probieren will, aber ich hab immer gesagt, ich habe keinen Appetit. Dann später stand Schokolade auf dem Tisch, da habe ich dann was essen können. Da war der Druck weg. Es stand was auf dem Tisch, man KANN essen, aber MUSS NICHT, weil es keine "Mahlzeit" ist.

Bei mir kommt sowas auch immer auf den Tag drauf an. Aber ich versuche mir jetzt nicht mehr den Druck zu machen, dass ich unbedingt was essen muss, oder ne ganze Portion aufessen muss. Und ich versuche mir zu sagen, dass es mir egal sein kann, was die anderen denken und dass sicher nicht alle nur auf mich achten. Ich glaube auch, dass das das größte Problem ist, dass ich mir zu viele Gedanken mache, was andere denken. Als Kind habe ich immer kleine Bissen gemacht (wenn ich zu viel im Mund hatte, habe ich manchmal gewürgt und wenn mir übel war, habe ich auch nur "geknabbert") und bei jeder Familienfeier, in der Schule beim Essen, immer haben alle geguckt, auf mich eingeredet, ich solle große Bissen machen, mehr essen, oder sonstwas. Dadurch hat sich dann bei mir die Angst vorm Essen entwickelt. Ich habe das gehasst, dass da alle auf mich eingeredet haben, hatte das Gefühl ich wäre zu blöd zum Essen und hatte vor jedem Essen Angst und deshalb erst recht nichts runter bekommen.
Dadurch dass ich immer untergewichtig war, kamen dann noch die Gedanken, dass die denken könnten, ich sei magersüchtig.
Aber eigentlich ist das egal, ob man nun was isst oder nicht vor den Kollegen, wenn du nichts isst, denken die du hast Magersucht, isst du normal/viel, denken die am Ende, dass du nach dem Essen alles rauskotzt. Wer schlecht über einen denken will, der macht das auch so, egal was du isst.

Versuche dich selbst nicht so unter Druck zu setzen, da unbedingt essen zu müssen. Entweder dir geht es nicht gut und du bestellst nichts. Oder wenn du Essen bestellst, dann kannst du ja auch ein kleineres Gericht wählen oder Salat oder fragen, ob es auch halbe Portionen gibt. Oder hast du ein Gericht, was auch noch "rutscht" wenn du sonst schon nicht mehr an anderes ran kannst? Am besten was bestellen, was nicht so viel ist und was du noch am ehesten runterbekommst. Und versuche dir klar zu machen, dass bei so einem Geschäftsessen auch viele mit Unterhaltungen zu tun haben, selber essen und nicht jeder gucken wird, wie du isst.

tanyamoustache hat geschrieben:Vielmehr solltest du dich fragen, wovor du dich denn fürchtest, wenn du es tatsächlich nicht schaffst zu essen? Hast du Angst davor, was die anderen sagen könnten und dass sie dich verurteilen? Und wenn ja: Wieso sollten sie das? Du bist eine erwachsene Frau und es ist erlaubt, mal keinen oder wenig Hunger zu haben oder anderweitig nichts essen zu wollen, weil es einem gerade nicht wohl ist. Das ist für niemanden ein Grund, böse auf dich oder enttäuscht von dir zu sein (auch nicht für den Koch). Es ist ganz wichtig, da zu lernen, für sich einzustehen, denn nur dann kann man auch entspannter in diese Situationen reingehen.


Das finde ich super zusammengefasst.


Zurück zu „Alltag mit Emetophobie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast