EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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Feldweg
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EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 08.11.2012, 13:38

Hallo Ihr Lieben,

Ich hatte mich zwar bereits vorgestellt, aber, ausgelöst durch die MDG meines Freundes und den damit verbundenen Rückschlag bei mir, kommen mir ganz neue Gedanken, die Frage, nach dem: "was steht dahinter"

Meine Wurzeln liegen in einem "ganz einfachen Leben". Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, mit vielen Tieren u.s.w. . Bei den Großeltern. Mein Opa war Berufsmusiker dazu und Förster. Ich lernte von Anfang an, tiefen Respekt vor dem Leben zu empfinden und die Schönheit des "unverfälschten" zu erkennen. Zudem hat er mir "die Musik " sozusagen "vererbt". Ich spiele seit dem 3. Lebensjahr Klavier und kann schon sagen, dass es sich um eine Begabung handelt, "die man nicht erlernen kann", bzw. "zu der ich nicht viel selbst beigesteuert habe".
Er erkrankte an Leukämie, als ich 8 Jahre alt war. Ein wesentliches Symptom, war das Erbrechen (ohne Chemo). Ich war komplett allein in dieer Zeit, da die Familie selber "durchgedreht" ist. Wir sprechen hier von den späten 80iger Jahren in der ehem. DDR - und die Medizinische Versorgung/ Möglichkeiten waren mehr als dürftig. Wir haben mit Brennöfen gefeuert und Tel. gab es auch nicht. Nicht mal warmes Wasser aus der Leitung - ein uraltes Bauernhaus von 1850 eben, das auch später nicht modernisiert wurde. Das hat mich auch nie getört.
So - mit vortschreiten der Leukämie habe ich das Klavierspielen zu verweigern begonnen, da es zu schmerzhaft für mich wurde. Auf seiner Beerdigung 1990 habe ich nochmal gespielt - es war sein letzter Wunsch. Dann Jahre nicht mehr. Ich habe mich sozusagen abgeschnitten, von genau dem, was ich EIGENTLICH brauchte, wie die Luft zum Atmen.
Ebenso der Umgang mit Tieren schränkte sich stark ein - zu schmerzhaft, weil ich dies immer wieder assoziiert habe mit der Zeit, die durch diese schreckliche Krankheit vorbei war.
Im Jahr 2000 nährte ich mich dem Klavier zum ersten Mal wieder - und es war, als "würde der Himmel auf die Erde fallen". Es war, als habe es die 10 Jahre dazwischen nicht gegeben, in denen ich nicht gespielt habe. Aber LEICHT ist es bis heute nicht, immer wioeder Schmerz - ich tue es trotzdem.

Nun habe ich vor einem Jahr einen wunderbaren Menschen kennen gelernt, der nicht nur auf einem Bauernhof lebt - sondern auch noch Pianist ist! Bähhhm - alles wieder da. Ich WEIß, dass es um eine Konfrontation geht, genau mit diesem Teil meines Lebens, den ich versucht habe auszumerzen, weil einfach zu schmerzhaft. Ich liebe es doch so!!!!!!!! Und verweigere immernoch, mich ENDLICH dem hinzugeben, was ich so dringend brauche.
Ich spiele also Klavier, lasse mich ungern bestätigen - es fühlt sich "fremd" an- und hacke wieder Holt, melke Kühe u.s.w. und ich weiß es einfach - die Aussöhnung damit ist lange dran. Es tut so weh, immer kommen die Bilder, wo ich mich als 10 jährige sehe, wie ich die Kotzeimer meines Opas schleppe und bete, dass er "doch endlich sterben möge", damit die Tortour ein Ende hat. "Schuld" spielt also auch eine wesentliche Rolle. Man hätte mich damals schützen müssen, aber das wurde leider versäumt- VORWÜRFE mach ich aber deshalb niemandem.

Was glaubt Ihr - liegt der Schlüssel in der beständigen Annährung an all diese Dinge, Es mir gut gehen zu lassen bedeutet Z.Bsp. UNBEDINGT wieder Klavier zu spielen - UND dem Dämon dabei so lange ins Gesicht zu schauen, bis ich mir das wieder gestatten kann, einfch, weil es SCHÖN ist

Ich fahre in ein paar Tagen zu meinem Freund ( mit Angst) . Jeden Tag Klavier, Pferde, die Gerüche von Stall und Holzkohlenfeuer......UND ICH FREUE MICH AUF DIE NEUEN/ ALTEN EINDRÜCKE DABEI

Drückt mir die Daumen und herzlichen Dank fürs Lesen

Feldweg
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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 08.11.2012, 13:42

verzeiht die x-Fehler , ich bin sehr aufgeregt im Moment

Ohlone
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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Ohlone » 08.11.2012, 16:04

Hallo Feldweg,

dein Beitrag hat mich sehr berührt! Ich finde er zeigt auf eindrückliche Weise, dass die Emo den Teil unseres Selbst repräsentiert, den wir irgendwann abzuschneiden versucht haben, der einfach nicht mehr sein durfte, weil es zu schmerzhaft war, ihn anzunehmen. Jeder von uns hat hier seine ganz eigene Geschichte, die doch ganz unterschiedlich sein können.

Der Gedanke, den ich spontan beim Lesen hatte war in etwa folgender: "Was die Frau tun muss, ist trauern!" Und damit meine ich eine Trauer, die dir irgendwann erlaubt, die Traurigkeit über den Verluste deines Opas loslassen zu können. Da klingt deine neue Lebenssituation doch wie ein Wink des Schicksals. Pippilottas Bild mit der Brücke finde ich sehr passend, denn darum gehts.

Ich bin selbst Musiker und weiß, welche Kraft in der Musik steckt. Sie symbolisiert für mich das rein emotionale, zu dem wir in unserer Erwachsenenwelt nur noch wenig Zugang haben. Deshalb kann ich auch noch nachvollziehen, dass du dich selbst verlassen hast, als du aufgehört hast, Klavier zu spielen. Die Musik kann dir dabei helfen, wieder Zugang zu den Gefühlen zu bekommen, von denen du dich seinerzeit abgeschnitten hast und für die stellvertretend die Emo in dein Leben getreten ist.

Alles Gute auf dem Weg!

Feldweg
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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 08.11.2012, 17:53

Ich bin ganz gerührt und Tränen kullern, nur vom lesen. Ich danke Euch.
Und JA - ich verstehe es als einen "Wink des Schicksals". das mit meinem "Freund" und der Musik.

Als ERWACHSENE heranzugehen und zu spielen, geingt partiell - Aber ich muss so sehr aufpasen - einfach "laufen lassen" klappt nicht, denn ich manövriere mich sofort hinein ins Elend.
Dazu kommt nun noch, dass ich, was das Klavier betrifft, u.a. total auf CHOPIN stehe - nun nicht gerade ein Ausbund an Leichtigkeit und Frohsinn. Ich merke an der Auswahl der Komponisten, wo ich stehe - ein bisschen zumindest .

Also - ich BIN keine Musikerin, ich hätte eine werden können - das Musikstudium hatte ich schon an, wenn ich mit 15 Jahren nicht komplett geblockt hätte. -

wer weiß, was noch kommt. :( :shock: :ja:

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon tanyamoustache » 08.11.2012, 22:25

Hallo Feldweg,

danke für den interessanten und - da stimme ich Ohlone zu - berührenden Beitrag!

Was mir beim Lesen sofort ins Auge gesprungen ist, ist die Stelle mit den Schuldgefühlen. Ich habe mal gelesen, dass Kinder, wenn sie etwas schlechtes über ihre Eltern oder andere Bezugspersonen denken, sofort Schuldgefühle deswegen bekommen, weil die Eltern bzw. anderen Bezugspersonen ja im Kindesalter noch unantastbar sind, und die negativen Gefühle dann wie als Selbstbestrafung gegen sich selbst richten. Für mich persönlich klingt das sehr schlüssig.

Möglicherweise hast du dir das Klavierspielen ja auch deswegen so lange verboten, weil dein Opa dir es beigebracht hat und in dir die ganze Zeit über immer noch das Gefühl schlummerte, dass du es gar nicht verdient hast, so viel Freude daran (oder überhaupt Freude) zu haben, wo du am Ende doch so schlimme Dinge über ihn gedacht hast.

Heute kannst du die Situation natürlich rational beurteilen und feststellen, dass man dich in dieser schwierigen Zeit hätte schützen müssen, dies aber versäumt hat. Als Kind kann man so etwas noch nicht gedanklich einordnen, geschweige denn emotional verarbeiten. Vielleicht würde es dir also wirklich helfen, wenn du durch das Klavierspielen in deine kindliche Gefühlswelt eintauchst und versuchst, die Gefühle in einen neuen Zusammenhang zu bringen und so irgendwie für dich zu verarbeiten.

Das wäre mein Ansatz bei der ganzen Sache...

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Ohlone » 08.11.2012, 23:58

Kannst du dir vorstellen, dass es möglich wäre, über das Klavierspielen Zugang zu den positiven Erinnerungen an deinen Opa zu bekommen, ihm quasi dadurch Ehre zu erweisen? Vielleicht hilft dir ja ein Ritual dabei, diesen Teil der Erinnerungen auch wieder zuzulassen?

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 09.11.2012, 00:50

Also: danke nochmal und zum besseren Verständnis füge ich noch was dazu:

Ich habe das Klavier-spielen NICHT von meinem Großvater gelernt! Also, es hat VERSUCHT, so lange er noch nicht komplett der Leukämie ausgeliefert war. Diese Versuche scheiterten kläglich, da ich immer heulte und von Musiktheorie nicht den leisesten Schimmer habe. Ich kann bis heute nicht eine Note. Ich kann sie mühsam lesen - aber NICHT umsetzen. DAS ist das Drama. Ich war zu DDR- Zeiten an eine Hochschule für Musik und die Methoden waren leider furchtbar brachial. Ich habe so oft geweint im Unterricht. WOHER ich dennoch spielen kann, erschließt sich mir selbst nicht . Vor 3 Jahren startete ich einen erneuten Versuch, mir ENDLICH diese Noten beibringen zu lassen. Wieder nix. Mein Lehrer ist rasend vor Wut gewesen, und ich habe geschmissen, bin aus Angst geflohen. Auslöser für die Eskalation war, dass ich mir in den Kopf gesetzt hatte von Chopin einen Walzer zu spielen (Op, 69 Nr. 2) und er hat gesagt : " Niemals - dafür fehlt Dir jede Grundlage". Nun, es dauerte ganze 2 Wochen und ich hatte ihn drauf. Als ich dann die Noten dazu gesehen habe, ist mir schlecht geworden. :shock:
ER fühlte sich hintergangen und veralbert, schrie herum und sagte, ich würde ihn wohl verarschen (sorry) Also: Flucht meinerseits. Ich habe niemanden verarscht. Ich spiele rein nach Gehör - es passt einfach , muss ich aber ERKLÄREN, was ich da mache: geht nix mehr.

Mein Großvater hat mich irgenwann "machen lassen" - ohne sich einzumischen und ich höre ihn heute noch sagen zu meiner Großmutter: "würde ich sie zwingen, wäre das das Ende" JA - ich vermisse ihn - also den "gesunden - nicht erbrechenden". Der kranke Opa ist noch nicht integriert - zu groß ist die Panik .
Immer wieder hat er gesagt: " Versprich mir Kind, dass Du spielst und niemals aufhörst" Ja - ich konnte das nicht versprechen und schon gar nicht einhalten. Es war so wichtig für ihn, weil die Familie über Generationen Klavier gespielt hat. Bei meinem Vater (seinem Sohn) war Schluß. Mein Pa ist ein Mathematikgenie - aber Musik ??? - keine Chance. Nuja und bei mir ist es wieder "durchgebrochen" sozusagen. Klar, dass das seine Hofnung schürte.
Ich denke, es geht darum, es FÜR MICH zu tun - nicht für ihn. Wenn er mich hier unten sehen sollte :wink: , dann denke ich ist er am glücklichsten, wenn ICH es bin. :oops:

und genau DAS ist es: irgendwann habe ich mir das Recht auf Glücklichsein - ohne dafür eine Leistung erbringen zu müssen aberkannt. Und DAS zu erlernen phuuuu -

Danke Euch sehr fürs Verfolgen

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 09.11.2012, 02:23

Nochmal ich,

Ich habe mit meinem Freund (der auch Klavier spielt) eben lange telefoniert (er wohnt 400 km von mir entfernt). Das Treffen steht. Ich hoffe, die Nerven zu behalten und tatsächlich zu fahren am Samstag. Er hat mir übers Telefon vorgespielt- TRÄNEN - sofort. EGAL. Ich komme nur an den Schmerz über die Musik, so ist das. Er weiß, was es für mich bedeutet und er sicherte mir zu, ehrlich zu formulieren, wenn es ihn überfordern sollte - damit wir dann was anderes machen, für den Moment. Er sagte: " Du bist eine wunderbare Frau und es ist mir eine Ehre, Dich hier zu begleiten - MIT dem Klavier" Oh Mann
Ich danke für diese Fügung - und ich werde mich stellen, JAWOHL.

Ich werde Euch berichten, was sich in der Woche zugetragen hat bei ihm. Mein Partner freut sich für mich. Die beiden kennen und mögen sich.

Ich danke Euch und schickt mir Kraft. BLOß keine Flucht, sage ich mir. Es ist an der Zeit. Fast 22 Jahre der Verdrängung sind GENUG, wie ich finde.

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Sase » 10.11.2012, 23:33

Hallo Feldweg,

was für ein berührender, bewegender Beitrag. Da schon viele auf deinen Eingangspost eingegangen sind, will ich mal nochwas zu deinem "Nachschlag" sagen. Auch wenn du sicherlich erst das Trauma überwinden musst, dass mit deinem Talent, deiner Seele, deiner eigenen Sprache - der Musik - verbunden ist, kam mir beim Lesen eben etwas, was ich dir als Außenstehende unbedingt sagen will: Obgleich alles zusammenhängt, könnte es dennoch auch Sinn machen, dass was du erlebst ein bisschen in zwei Ebenen zu spiegeln. Einmal deinem Talent als Pianistin und zum anderen deinem Trauma. Das was dieser letzte Musiklehrer mit dir gemacht hat, ist (ich hab gar kein Wort dafür) eines Pädagogen nicht würdig. Nichtsdestotrotz, hat es dich sehr wahrscheinlich vor allem deshalb so sehr verletzt und in die Flucht geschlagen, weil dein Talent mit dieser schweren Bürde belastet ist, es sozusagen mit einer Schwachstelle einhergeht. Denn, dass du was drauf hast, das fühlst du tief im innern schon, auch wenn du dich vielleicht nicht so ganz traust, dass nach außen zu vertreten. Das hast du hier eindrücklich und wirkliche berührend geschrieben.

Ich finde es toll, dass du dich diesem Thema stellst, ich wünsch Dir alles Glück und würde mich - wie wahrscheinlich alle - total freuen, wenn du berichtest, wie es dir ergangen ist.
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon aniiram » 12.11.2012, 22:04

Feldweg hat geschrieben: Auslöser für die Eskalation war, dass ich mir in den Kopf gesetzt hatte von Chopin einen Walzer zu spielen (Op, 69 Nr. 2) und er hat gesagt : " Niemals - dafür fehlt Dir jede Grundlage". Nun, es dauerte ganze 2 Wochen und ich hatte ihn drauf. Als ich dann die Noten dazu gesehen habe, ist mir schlecht geworden. :shock:
ER fühlte sich hintergangen und veralbert, schrie herum und sagte, ich würde ihn wohl verarschen

voll cool! :D also solche Dinge, da brauch ich schon Noten. aber hab früher vieles auswendig am klavier gespielt. oder mal die sachen anders gespielt, wenn ich der meinung war, dass sie so, wie sie dastehen, nicht so gut klingen, wie ich sie spielen könnte :D das hat meinen klavierlehrer manchmal zur verzweiflung gebracht. quasi: warum ich nicht einfach nach den noten spielen kann.
ich spiele manchmal poplieder nach. aber chopin, das habe ich noch nicht geschafft - zu viele töne irgendwie *gg*

Feldweg hat geschrieben:Es war so wichtig für ihn, weil die Familie über Generationen Klavier gespielt hat. Bei meinem Vater (seinem Sohn) war Schluß. Mein Pa ist ein Mathematikgenie - aber Musik ??? - keine Chance. Nuja und bei mir ist es wieder "durchgebrochen" sozusagen. Klar, dass das seine Hofnung schürte.

hat dich das unter Druck gesetzt, dass alle (bis auf deinen Vater halt) Klavier gespielt haben und dass du auch das Talent hast und er dann Hoffnungen in dich setzte? vielleicht wollte er, dass du Pianistin wirst und auch Geld damit verdienen kannst/berühmt wirst (hat er Geld mit seiner pianistischen Tätigkeit verdient, oder war es ein Hobby? vielleicht ist da auch ein unbewusster Wunsch bei ihm da gewesen, dass du seine nicht wahrgewordenen Träume erfüllst - und du das eigentlich nicht so wolltest? nur so ne idee).
"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten." - Albert Einstein.

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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 16.11.2012, 00:59

Danke, Ihr Lieben, für die Resonanz, ich bin gerade vor 12 Stunden wieder nach Hause gekommen, von meinem Freund, dem Pianisten.
Ich gehe gleich auf den letzten Beitrag ein - nein, mein Großvater wollte ganz sicher nicht, dass ich SEINE (unerfüllten) Träume weiter führe. Er leitete zu seiner Zeit selbst eine Musikschule und hatte einen entsprechend guten Ruf. Seinen Lebensunterhalt konnte er freilich auch davon bestreiten. Ich bin sicher, es war sein Herzenswunsch - eben weil er die Musik, insbesondere das Klavier so liebte.

ALSO: Mein Freund und ich - wir haben uns "die Seele as dem Leib gespielt". Er hat mich auch immer wieder allein gelassen, damit ich "mit mir" sein kann am Klavier. OH GOTT :? so viele Gefühle - die der Verzweiflung und die der Freude - mitunter auch berauschende :ja: Ich habe Tränen vergossen und gejohlt vor Freude - alles da.
Aber neben den Stunden zu zweit, den Gesprächen, der Hingabe am Instrument, den Waldläufen und Momenten mit den Tieren ist noch was ganz entscheidendes passiert - was SO nicht geplant war.
Ich habe den Ort meiner Kindheit aufgesucht, ich war DORT. Am Haus meines Großvaters, das von außen noch genauso aussieht. Nach Jahren zum ersten Mal habe ich mich getraut - und durfte folgende Erfahrung machen: JA - ich habe geweint, getrauert - etwas, was bisher zu kurz gekommen ist, ganz offensichtlich- Ich bin gelaufen durch die Straßen meiner Kindheit, stundenlang, allein - mein Bekannter ist bewusst NICHT mitgekommen, ich wollte es so. UND: ich durfte feststellen, dass ich "mich nicht mehr verliere - trotz des Schmerzes leise Dankbarkeit verspüre und eine vorsichtige Stärke in mir.

Mein Magen spinnt leider beinahe ununterbrochen. Ich versuche, anzunehmen, was ist - und erstmal NICHT dem Impuls nachzugeben unbedingt eine internistische Abklärung zu erwirken. Theoretisch ist mir klar, dass es nur entsprechend ist, dass mir so dauerübel ist - aber der Kopf plärrt dagegen: "das darf doch nicht wahr sein, wann ist denn endlich Ruhe!!!!!?". Hm. schwierig. Einzig direkt AM Klavier war mir niemals schlecht - und im direkten Kontakt mit den Tieren.
Geduld ist wohl gefragt - oder ? ich bin nicht sicher.

Gut, dass ich gefahren bin. Ich danke Euch für Eure Anteilnahme und melde mich sehr bald . Es muss sich erstmal "setzen" alles.

Und noch eins weiß ich jetzt: ich BRAUCHE ein Instrument - hier bei mir - bisher hab ich das vermieden, aber ich denke, es IST AN DER ZEIT.

Herzliche Grüße

Feldweg
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Re: EMO und die (vermutete) Verknüpfung mit der Kindheit

Beitragvon Feldweg » 07.01.2015, 19:03

hey hey.

Jahre sind vergangen - also fast :-) und ich bringe Euch auf Stand ok ?

Ich spiele wieder Klavier, habe mich um einen neuen Lehrer gekümmert, einen, den ICH ausgesucht habe - und von Angst keine Spur mehr. Ich habe TÄGLICH Tiere um mich :-) und schnuppere Landluft, wann immer ich es will.

Ich wende mich mutig den sooo geliebten - und vernachlässigten Anteilen meines Seins zu - und es ist MEHR SUPERKLASSE - als schmerzhaft.

Und alles, was noch nicht geht - wird radikal azteptiert. Punkt.

LG


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