Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgehen?

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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tanyamoustache
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Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgehen?

Beitragvon tanyamoustache » 07.07.2012, 17:38

Hallo, ihr Lieben,

hier im Forum liest man oft, dass viele von euch sich gerne einmal zu viel zumuten und es daher wichtig ist zu erkennen, wo die eigenen Grenzen liegen und dass man sich selbst auch manchmal eine Pause gönnen muss.

Ich kenne das nur zu gut. Die Frage, die sich mir dabei stellt, ist, wie ihr erkennt, dass es wirklich Zeit für eine Pause ist, und wann hingegen ihr trotz körperlicher Beschwerden etc. trotzdem nach draußen geht und einfach weitermacht, weil es vielleicht in dem Moment wichtig ist, nicht einzuknicken?

Für mich ist es sehr schwierig, da eine Balance zu finden. Ich neige dazu, mich abzukapseln, wenn ich mich einmal zurückziehe, andererseits gibt es auch Phasen, in denen ich trotz körperlicher Beschwerden versuche, alle meine Pflichten (ich zähle da jetzt auch mal soziale Pflichten mit dazu, denn als solche empfinde ich sie oft) zu erfüllen, und merke dann erst im Nachhinein, dass ich mich komplett überfordert habe.

Z.B. bin ich heute zu einem Geburtstag eingeladen, der mindestens eine Stunde mit der Bahn entfernt ist. Ich habe wenig geschlafen, denen ganzen Tag schon Durchfall, sollte eigentlich an einer Hausarbeit arbeiten, es regnet aus Eimern... Das sind alles Gründe, die mir im Kopf herumschwirren, warum ich da eigentlich nicht hingehen will. Andererseits denke ich, dass das doch nur Vermeidungsverhalten ist und ich deshalb gerade zum Trotz hingehen sollte, um mir selbst zu beweisen, dass ich es kann.

Ich habe das Gefühl, ich kann selbst gar nicht erkennen, wann ich auf etwas keine Lust habe, weil ich, seit ich denken kann, die Gefühle unterdrücke, die mir sagen, dass ich irgendwo nicht hingehen möchte, und damit auch ziemlich oft ganz gut gefahren bin.

Ich hoffe, ich konnte klar machen, worum es mir geht. Also: Kennt ihr das Problem? Wenn ja, wie geht ihr damit um und wie findet ihr da euer Gleichgewicht?

Viele Grüße,
Tanja

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Parasomnia
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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon Parasomnia » 07.07.2012, 17:48

also ich kenne das gefühl sehr sehr gut. und leider habe ich keinen richtig guten tipp für dich. ich neige auch dazu, völlig zu negieren, wenn es mir nicht gut geht, es zu bagatellisieren und einfach weiterzumachen. ich muss ja funktionieren, ich kann doch jetzt nicht einknicken, ich muss mich zusammenreißen. da steckt sehr viel von dem drin, was mir von kleinauf vermittelt wurde. ich habe aber festgestellt, dass ich trotz allem eine ganz leise stimme in mir habe, die mir irgendwann sagt: hey, halt mal an, ist das nicht ein bisschen viel gerade? bloß meistens überhöre ich sie geflissentlich. vielleicht hast du sie auch, hörst aber nur nicht genau hin?

ansonsten weist mich meine psyche irgendwann schon in die schranken. wenn ich es zu sehr übertreibe, kommen panikattacken und übelkeit wieder in regelmäßigeren abständen, ich fühle mich von den einfachsten sachen überfordert - wie den müll rauszubringen oder wäsche zu waschen - und wenn ich soweit bin, weiß ich, dass ich einen gang zurückschalten muss. das ist selbstverständlich nicht das non plus ultra und man sollte es vorher bemerken. aber wie genau man das macht, da bin ich auch ratlos. was glaubst du denn - hast du durchfall, weil du nervös bist? könntest du nicht auch morgen lernen? heißt, schiebst du das lernen vor? wer hat denn geburtstag? wie wichtig ist dir das dort?
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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 07.07.2012, 18:13

Hm, ich hab seit einigen Monaten Probleme mit der Verdauung und mache deshalb gerade auch eine Darmsanierung, bald wird auch eine Darmspiegelung gemacht. Ich bezweifle also, dass der Durchfall durch Nervosität bedingt ist. Allerdings stellt er jetzt auch kein so großes Hindernis dar, immerhin habe ich ihn ziemlich oft, nur heute eben ein bisschen schlimmer als an anderen Tagen.
Und Lernen sollte ich tatsächlich, aber auf der anderen Seite bin ich so unmotiviert, dass ich das heute wahrscheinlich eh nicht mehr machen würde.
Ich ziehe mich in letzter Zeit ziemlich aus meinem Umfeld zurück - eben auch auf Grund der körperlichen Beschwerden - und habe letzte Woche, als ich mich mit Freunden getroffen habe, gemerkt, wie sehr mir das doch eigentlich fehlt. Andererseits ist das ja auch eine größere Party heute, wo sowieso alle betrunken sein werden und ich dann auch wieder erklären muss, warum ich mich denn in letzter Zeit von allem so fern halte und nicht mehr so in Ausgehstimmung bin wie früher - das finde ich eben auch supernervig. Die Person, die Geburtstag hat, mag ich ganz gern, allerdings ist es wirklich nicht tragisch, wenn ich da nicht aufkreuze.
Beim Aufschreiben wird mir gerade ein wenig klar, dass ich wirklich gar keine Lust habe, da hinzugehen, aber mich vor mir selbst irgendwie rechtfertigen muss.

Diese ganz leise Stimme in mir hatte ich auch mal, nur wollte sie aus Prinzip immer zu Hause bleiben. Ich habe dann aufgehört, auf sie zu hören, und habe trotzdem alles gemacht, und irgendwann hat sie sich dann nicht mehr gemeldet und die Dinge haben mir tatsächlich Spaß gemacht. Seitdem bin ich natürlich umso misstrauischer, wenn ich merke, dass ich mich mal wieder zu Hause einigeln will. Ich hab da wirklich so gar keine Gefühl mehr dafür, wann es vielleicht gut wäre, irgendwelche Sachen zu unternehmen, und wann ich wirklich einfach meine Ruhe haben will. :roll:

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon Parasomnia » 07.07.2012, 18:28

und habe letzte Woche, als ich mich mit Freunden getroffen habe, gemerkt, wie sehr mir das doch eigentlich fehlt.

ich finde ja, das ist ein ziemlich starkes argument, findest du nicht? gehen kannst du immernoch.
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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 07.07.2012, 18:42

Ja, doch, eigentlich schon. Oder zumindest ein Argument dafür, dass ich mich allgemein wieder mehr nach draußen wagen sollte. :?

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon Parasomnia » 07.07.2012, 18:45

ich kenne das aber wirklich gut. mein freundeskreis ist sehr klein, um nicht zu sagen, kaum vorhanden. wenn ich rausgehe, gehe ich arbeiten und für alles andere bleibt nicht mehr viel zeit. aber man muss dann irgendwie versuchen, sie sich zu nehmen. ich weiß nicht, wie es dir geht, aber je länger ich ausschließlich mit mir allein bin desto schlechter geht es mir. ich kann damit überhaupt nicht umgehen und versacke quasi in meiner zeit mit mir selbst. besonders in urlauben ist das sehr schlimm und da ich jetzt gerade urlaub habe, versuche ich es anders zu machen. ich weiß selbst, dass man total oft keine lust hat, irgendwas zu unternehmen und dass man vor sich gründe findet, zuhause zu bleiben. gibt es denn dinge, vor denen du angst hast, wenn du rausgehst oder ist es mehr so eine generelle unlust?
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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 07.07.2012, 19:41

Ja, das kenne ich auch sehr gut, wenn ich zu lange alleine mit mir selbst bin, verliere ich total den Bezug zur Außenwelt und mich mit jemandem zu verabreden, kommt mir dann plötzlich wie ein total anstrengendes Unternehmen vor.
Wovor ich hauptsächlich Angst habe, ist, dass ich mich vor allen Leuten erklären muss und keine Gesprächsthemen finde. Das war die letzten Jahre eigentlich nie ein Problem, da war ich viel unterwegs und war Small-Talk-technisch gut drauf. Wo ich aber in der letzten Zeit so viele körperliche Wehwehchen habe und mich ziemlich intensiv mit mir selbst und meinen Ängsten auseinandersetze, habe ich einfach das Gefühl, dass ich bei Partys - noch dazu nüchtern - keinen guten Gesprächspartner abgebe. "Und was machst du so?" "Hm ja, ich hab ziemliche Verdauuungsprobleme und saniere jetzt meinen Darm, bald geht's auch ab zur Darmspiegelung. Und dann hab ich noch diese Phobie, an der ich in letzter Zeit versuche zu arbeiten. Meine Ernährung hab ich auch umgestellt, esse jetzt nur noch gedünstetes Gemüse und keinen Zucker mehr. Ansonsten les ich gerade dieses Meditationsbuch, um ausgeglichener zu werden, und schreibe nicht wirklich an der Hausarbeit, die ich eigentlich schon im Mai fertiggestellt haben wollte." :lol: Irgendwie stelle ich mir Spaß anders vor. Und ich möchte das alles auch nicht unbedingt vor so vielen Leuten ausbreiten... nur, was bleibt dann noch übrig? Zur Zeit verstelle ich mich eigentlich immer, wenn ich mich mit Leuten unterhalte (besonders wenn ich jetzt nicht so gut mit ihnen befreundet bin) und da kann ich einfach auch gleich zu Hause bleiben.
Das nervt mich ja selbst unglaublich, aber so sieht es in meinem Leben gerade nun mal aus. :?

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 08.07.2012, 12:51

Ich sehe, worauf du hinaus willst, aber ich glaube, das hat nichts damit zu tun... Ich wäre genauso im Zweifel gewesen, wenn es nur eine ganz normale Party gewesen wäre. Da war gestern nicht die Sache an sich, sondern die ganzen Begleitumstände entscheidend. Das einzige an Geburtstagen ist, dass sie eben ein bisschen "verpflichtender" sind als andere Festivitäten, aber wie gesagt, in dem Fall gestern hätte mein Nichterscheinen wirklich nichts ausgemacht.

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon Parasomnia » 08.07.2012, 12:54

Warst du denn dort? Und wenn ja, wie war's?

Irgendwie stelle ich mir Spaß anders vor. Und ich möchte das alles auch nicht unbedingt vor so vielen Leuten ausbreiten... nur, was bleibt dann noch übrig?

Ich weiß, dass diese Themen irgendwann einen ungeheuer großen Raum einnehmen. Dennoch kann man sich doch aber über andere Dinge unterhalten. Du hast doch Interessen außerhalb der Phobie, nehme ich an. Du magst bestimmte Musik oder Bücher oder Filme oder was weiß ich. Du studierst irgendwas, was dich vermutlich - hoffentlich - interessiert. Du erlebst auch da Dinge. Wieso glaubst du, dass du mit den Leuten zwangsläufig nur über deine Beschwerden reden kannst?
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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 08.07.2012, 14:36

Ja, ich war dort und bin im Nachhinein ganz froh darüber. Ich hatte zwar nicht den Bombenspaß, aber wenn ich nicht hingegangen wäre, hätte ich heute bestimmt den ganzen Tag darüber nachgegrübelt. Außerdem ging es mir den ganzen Abend auch ziemlich gut - keine körperlichen Beschwerden irgendeiner Art außer eben Müdigkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob das genauso gewesen wäre, wenn ich zu Hause geblieben wäre.
Und einen Absatz von meiner Arbeit hab ich davor auch noch geschrieben. :top:

Und du hast recht, natürlich gibt es in meinem Leben noch andere Dinge außer der Phobie und dem ganzen anderen Scheiß, mit dem ich mich so rumschlage. Aber bei mir zumindest ist es in Phasen, in denen ich mich hauptsächlich mit mir selbst und meinen ganzen Problemen beschäftige, so, dass diese ganzen Dinge in den Hintergrund rücken und völlig unwichtig werden. Wenn ich dann auf einer Party bin und mit jemandem über Musik oder Bücher rede, kommt mit das dann so unglaublich überflüssig und oberflächlich vor und ich bin dementsprechend lustlos. Und mein Studium.. naja, so spaßig ist das gerade nicht, da rede ich dann doch lieber über was anderes. :lol:

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon Parasomnia » 08.07.2012, 14:45

Wenn ich dann auf einer Party bin und mit jemandem über Musik oder Bücher rede, kommt mit das dann so unglaublich überflüssig und oberflächlich vor

Das verstehe ich schon. Wenn man das ins Verhältnis setzt zu dem, womit man sich sonst so rumschlägt, mag es überflüssig und bedeutungslos sein. Aber es ist ganz wichtig, dass man die Krankheit nicht sein ganzes Leben vereinnahmen lässt, dass man sich auch andere Interessen bewahrt und das kommuniziert. Ich kenne auch Phasen, in denen ich absolut keinen Kopf für Dinge habe, die ich sonst eigentlich liebe. Da bin ich einfach nur völlig erledigt. Aber glücklicherweise finde ich immer wieder zu dem zurück, was mir viel bedeutet und manchmal ist es fast wie eine Neuentdeckung. Und man lernt einfach auch wesentlich eher Menschen kennen, wenn man sich nicht nur über seine Beschwerden auslässt.

Super, dass du hingegangen bist, übrigens. :top:
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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 08.07.2012, 19:43

Das verstehe ich schon. Wenn man das ins Verhältnis setzt zu dem, womit man sich sonst so rumschlägt, mag es überflüssig und bedeutungslos sein. Aber es ist ganz wichtig, dass man die Krankheit nicht sein ganzes Leben vereinnahmen lässt, dass man sich auch andere Interessen bewahrt und das kommuniziert. Ich kenne auch Phasen, in denen ich absolut keinen Kopf für Dinge habe, die ich sonst eigentlich liebe. Da bin ich einfach nur völlig erledigt. Aber glücklicherweise finde ich immer wieder zu dem zurück, was mir viel bedeutet und manchmal ist es fast wie eine Neuentdeckung. Und man lernt einfach auch wesentlich eher Menschen kennen, wenn man sich nicht nur über seine Beschwerden auslässt.

Da stimm ich dir in allem zu! Ist nur leider - wie bei vielem im Leben - in der Theorie einfacher als in der Praxis... :)

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon kimsi20 » 11.07.2012, 12:18

Hallo :)

Ich finde das Thema sehr interessant und habe mir auch schon oft Gedanken darüber gemacht :cry:
Vor einem Jahr (bevor es bei mir richtig los ging), habe ich neben meinem Studium noch 3 Neben-
jobs gemacht und mich in der verbleibenden Zeit dann noch allen sozialen Verpflichtungen gewid-
met. Mir ging es damit ganz gut (dachte ich zumindest) und es war für mich sehr schmerzhaft als
ich dann 3 Monate fast nur zu Hause und bei meinem Arzt verbracht habe und alles Andere ins Wasser
gefallen ist.

Zu dieser Zeit sind dann aber auch Menschen aus meinem ganz nahen Umfeld an mich herangetreten
und haben mir gesagt, sie hätten sich schon lange gefragt, wann es mir mit all den Aktivitäten zu
viel wird. Dass ich ja immer nur von A zu B renne und ihnen schon die Hälfte von dem, was ich mache
zu viel wäre. Das hat mich natürlich zum Nachdenken gebracht, vor allem weil ich von vielen Freunden
gehört habe, dass sie starke gesundheitliche Probleme hartten weil sie sich ständig übernommen haben.

Deshalb habe ich auch in der Zeit, als es mir besser ging nur noch sehr wenig gemacht und dachte ich tue
mir damit was Gutes. Mittlerweile denke ich jedoch dass nicht dieses ständige Auf-Axe sein schädlich für
mich ist. Es ist eher so, dass ich damit halt viele Erwartungen und Druck verbunden sehe, was sich dann wieder
auf meinen Körper auswirkt.. Kennt ihr das? Gerade im Studium will ich halt immer 100 % geben und bin dann
unzufrieden, wenn ich merke dass das nicht klappt :roll:

Wie geht ihr da mit Erwartungen um? Und könnt ihr noch richtig zwischen positivem und negativem Stress
unterscheiden? Ich oftmals nicht wirklich..

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Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon tanyamoustache » 11.07.2012, 12:58

Ich glaube, so viel zu tun, dass andere dachten: "Meine Güte, wie schafft die das nur?", hatte ich noch nie. Ich neige zum Müßiggang bzw. zur Prokrastination und es passiert mir leicht, dass ich besonders im Sommer mein Studium deswegen schleifen lassen :wink: Komischerweise sind das dann aber nicht die Phasen, in denen es mir gut geht, weil ich ja dann denoch die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen habe.
Positiven Stress mochte ich dafür immer sehr, da ging es mir eigentlich nie schlecht abgesehen von Erschöpfung und Müdigkeit, und wenn ich dann mal gemerkt habe, dass wirklich alles zu viel ist, dann hab ich mir eben zwangsläufig eine kleine Pause gegönnt.
Seit ich nun aber vermehrt Probleme mit der Verdauung habe, ist Stress jeder Art für mich anstrengend, weil er eben dazu führt, dass ich nicht so essen kann, wie ich es eigentlich sollte, und dann resultieren daraus jede Menge körperlicher Beschwerden. Die sind meistens aber auch da, wenn ich keinen Stress habe, nur dann eben in anderer Form. Deswegen weiß ich mittlerweile auch gar nicht mehr, ob mich denn lieber schonen oder einfach trotzdem alles mitmachen soll. Das nervt unheimlich.
Das mit den Erwartungen kenne ich auch, meistens sind die Erwartungen, die ich an mich selbst stelle, unglaublich hoch, weil ich meine Mitmenschen auf keinen Fall enttäuschen möchte. Wahrscheinlich muss man da wirklich bei sich selbst anfangen und lernen, Grenzen zu ziehen und es auch mal zu akzeptieren, dass man andere Menschen eventuell enttäuscht. Man kann ja (im privaten Umfeld zumindest) meistens über alles reden.
Ansonsten habe ich leider auch noch keine endgültige Antwort auf die Frage für mich gefunden. :?
Hattest du denn in der Zeit, als du so viel zu tun hattest, nie das Gefühl, dass das alles zu viel ist? Und kamen die körperlichen Beschwerden dann ganz plötzlich und die Emo wurde dann durch diese sozusagen wieder hervorgeholt?

kimsi20

Re: Wann eine Pause machen und wann einfach trotzdem rausgeh

Beitragvon kimsi20 » 11.07.2012, 13:42

Ja genau so war es! Ich hatte 3 Wochen lang keine freie Minute (Mo-Mi komplett uni, do früh uni und von Do Mittag bis Sa Arbeit, Sonntag dann Freunde Familie und lernen :x ) dann an einem Monatag habe ich meine Bahn zur Uni verpasst und musste zwangläufig eine Stunde warten. Ich habe mich in
ein Cafe gesetzt, die Leute beobachtet und mir noch gedacht: Mensch, lange her dass du mal ne Stunde zur Ruhe gekommen bist. Dann kam mein Zug und 5 Minuten später ging es mir hundeelend und der ganze Terror begann..

Bei mir ist es wahrscheinlich ähnlich wie bei dir. Mein Magen ist wohl von Natur aus nicht 100 % in Ordnung und meine Verdauung auch nicht und das begünstigt dann natürlich all die Probleme mit der Psyche. Oder andersherum :mrgreen: ?

Mir geht es auch so, dass ich dadurch kaum noch ein Gefühl dafür habe, was der Körper steuert und was der Kopf. Ich fühle mich häufig schlapp und krank und weiß aber nicht ob sich mein Körper jetzt wirklich Ruhe und Nachsicht verdient hat. Wie findet man das schon raus..

Wenn ich bei anderen Emos lese wie sie Ihre Symptome abchecken (kann man noch an Essen denken? Gesichtsfarbe..usw.) bringt mich das leider nicht
so weiter. Wenn mir schlecht ist kann ich noch nichtmal an Zwieback oder Wasser denken.. und käsebleich bin ich momentan auch ständig :oops:

Als ich jünger war hatte ich oft psychische Übelkeit, beispielsweise vor dem Sportunterricht. Die war aber wie weggeblassen wenn ich dann auf der Bank saß oder meine Mama mich abgeholt hat. Da konnte ich schon 5 Minten später wieder sonstwas essen..

Wie ist das bei Dir/ Euch?


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