Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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blondie1982
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Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon blondie1982 » 05.06.2012, 08:31

Als es bei mir damals (98) anfing war ich 16. Meine eltern haben sich auch immer gewundert was mit mir los ist, ständig krank, ständig in der schule ausgefallen, wo ich vorher eine zuverlässige gute schülerin war, immer Verabredungen abgesagt. Ich bin dann damals einfach zu einer psychologin gegangen, ohne meinen eltern was zu sagen. Sie wissen bis heute nicht das ich Emo bin, nur das ich eine angsterkrankung habe. Als ich damals zur therapie bin und ich es irgendwann gesagt hatte, fragte meine mutter mich, ob dies eine modeerscheinung sei und das jetzt jeder von uns jungen leuten machen muss :roll: naja mir war das halt irgendwie klar das sowas von ihr kommen wird. Ich glaube das ist auch der grund warum ich nie mit ihnen drüber gesprochen habe. Sie haben es halt so hingenommen, wenn ich ausgefallen bin Schule/Arbeit habe ich ärger bekommen, ich soll mich mehr zusammenreißen usw. Das ich Emetophobie habe habe ich erst vor ein paar Jahren festgestellt.

Am ende bin ich den Weg alleine gegangen ohne es ihnen wirklich zu erzählen. Selbst als ich mit 24 in einer tagesklinik war, habe ich es erst viel späte erzählt. Sie haben es auch nicht mitbekommen, da ich 300 km weit weg wohnte (bin mit 19 weggezogen). Am ende musst du für dich selber wissen was du machst und wem du es sagst. Es heißt ja nicht das deine eltern so reagieren wie meine. Du kennst sie besser. Ich würde sie einfach mit den tatsachen konfrontieren, das hätte ich damals auch machen sollen.

Aber denk immer dran, jemand der das nicht hat und nicht kennt, kann es nur sehr schwer verstehen!
Das Schicksal ereilt einen oft gerade auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.
Jean de la Fontaine

Doris

Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon Doris » 05.06.2012, 11:36

Hallo Kathrin,

wenn Du ein gutes Verhältnis zu Deinen Eltern hast, würde ich mit ihnen eine Zeit ausmachen, wo niemand stört und ihr in aller Ruhe reden könnt. Dazu würde ich mir die beiden Texte ausdrucken und ihnen zu lesen geben: http://www.emetophobie.de/interessantes.html . Dadurch können sie vielleicht besser verstehen, wovon Du sprichst. Menschen, die so etwas nie gehabt haben, tun sich schwer, das zu verstehen. Da hilft ein wissenschaftlicher Text oft, weil die Emotionen raus sind.

Die Schulpsychologin ist vielleicht eine Möglichkeit - auch der würde ich die Texte mitnehmen. Vielleicht kann sie Dir helfen, einen geeigneten Therapeuten zu finden.

Viel Glück dazu!

Doris

Sahne
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Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon Sahne » 05.06.2012, 15:39

Hallo

Ich habe diese Phobie seit ich denken kann. Aber nur in Akutfällen. Wie oft habe ich mir als Kind die Ohren zugehalten,wenn ich Geräusche gehört habe. Aber es hat mich erst im Jugendalter bedrückt als ich typische Aktivitäten die Jugendliche machen nicht machen konnte. Disco/Partys. Ich habe dann angefangen Lehramt zu studieren und habe mir keine Gedanken über die Emo gemacht. Dafür musste ich auf eine Freizeit als Betreuerin mit. Dort war ein Vielkotzkind. Irgendwann haben die gesagt, wie willst du in die Schule?

Damals habe ich herausgefunden, dass ich eine KRankheit habe. Ich habe es nur meiner Mutter erzählt. Dann meiner Freundin (Freundschaft wäre fast zerbrochen).
Ich habe die Offenheit nicht bereut! Auch wenn hier oft geschrieben wird, es ist nicht richtig. Aber ich habe mit meiner Mutter ausgemacht - sie warnt mich vor. Seitdem kann ich nachts durchschlafen.
Meine Freundin hatte Verständnis für EmoAllüren. Heute gehe ich mit ihr regelmäßig auf den Wasen.
Dann vertraue ich die Krankheit den Personen an denen ich vertraue, oder die eventuell Emo-Allüren mitbekommen könnten.
Und die Offenheit ist eine ERLEICHTERUNG für mich in meinem Leben. Nicht weil übermäßig Rücksicht genommen wird. Weil verstanden wird in Situationen. Ich bin seitdem auch öfter konfrontiert worden und es ist besser als zu vermeiden.

Erzähle es deinen Eltern. Vielleicht haben die Angst vor Spinnen, Flugzeug fliegen - das ist mein Ansatz. Jeder hat Angst vor etwas und die Emo ist sogar recht verbreitet.

LG Sandra

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Parasomnia
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Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon Parasomnia » 05.06.2012, 17:37

Auch wenn hier oft geschrieben wird, es ist nicht richtig.

Es wird nicht unbedingt behauptet, dass es falsch sei, anderen von der Emo zu erzählen. Schwierig und vorallendingen wenig sinnvoll ist es, deshalb falsche Rücksichtnahme vom Gegenüber zu fordern. Deshalb sagen viele, sie wollen gar nicht, dass ihre Umgebung davon weiß, damit sie den Dingen ganz normal begegnen müssen, ohne mit Phobiker-Samthandschuhen angefasst zu werden. Und ich muss auch sagen, seitdem ich meine Beschwerden nicht mehr auf die Goldwaage lege und das auch von anderen nicht verlange, geht es mir besser! Natürlich kann man erwähnen, dass man diese Phobie hat, aber reden sollte man eher über das Dahinter.
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
(Hannes Wader)

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Sahne
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Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon Sahne » 05.06.2012, 19:41

Hi Hi

Das meinte ich genauso. Es wird nicht behauptet es sei falsch es meiner mutter gesagt zu haben, sondern falsch, weil ich dadurch eine "falsche Rücksichtnahme" bekomme. Das finde ich auch. Man sollte genau das vermeiden. (Finde die Abmachung mit meiner Mutter auch schlecht - aber ich finde halt auch Durchschlafen wichtig). ....
Sonst versuche ich die falsche Rücksichtnahme auch zu vermeiden...

lg sandra

kimsi20

Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon kimsi20 » 11.07.2012, 15:57

Hallo :)

Ich finde auch, dass es sehr erleichtern sein kann seinem engeren
Umfeld von dem Problem zu erzählen. Meine Eltern sind zum Glück
sehr verständnisvoll wenn es um sowas geht. Sie haben beide in
ihrem Leben Erfahrungen mit Krankheit, Angst und Depression gemacht
und würden das deshalb bei mir nie auf die leichte Schulter nehmen.
Meine Mama hatte jedoch eine sehr schwere Kindheit in der sie chronisch
krank war und ständig nur im Krankenhaus, oder beim Arzt war. Deshalb
hat sie mir oft gesagt ich soll mich zusammenreißen, als ich als Kind psy-
chische Übelkeit hatte. Darüber haben wir vor einigen Jahren gesprochen und sie hat
mir gesagt, dass sie immer Angst hatte ich würde genau so krank werden und
das gleiche durchmachen müssen. Deshalb hat sie versucht das von sich wegzu-
drücken und mir immer einzubleuen ich solle stark sein. Sie sieht ein dass das ein
Fehler war und ich weiß nun warum sie so gehandelt hat. Es gibt mir ungeheure
Kraft zu wissen, dass ich auf meine Eltern zählen kann und mit Ihnen auch über
die Emo sprechen kann.

Ich würde Dir also raten es auf jeden Fall zu versuchen. Der Tipp von Doris, Deinen
Eltern die beiden Artikel zu zeigen ist bestimmt ein guter Weg sie mit dem Theme
vertraut zu machen! Wenn du dann doch merkst, dass sie dich nicht verstehen kannst
du das Gespräch schlimmstenfalls immernoch abbrechen :shock:

Auch die Idee mit der Schulpsychologin finde ich gut! So hast du jemanden, der Dir
helfen kann auf Deinem Weg. Die Psychologin an meiner ehemaligen Schule war zum
Besipiel sehr kompetent und hat mir in einer schwierigen Situation (nichts mit Emo)
auch sehr gut geholfen. Wenn du da eine Vertrauensbasis aufbaus ist es ja vlt. sogar
denkbar, dass sie dich zu dem Gespräch mit Deinen Eltern begleitet? Das wäre doch
toll :ja:

auf jeden Fall wünsche ich dir ganz viel Mut und Kraft :mrgreen:

.:Svenja:.

Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon .:Svenja:. » 25.08.2012, 16:11

Hey,
ich weiß nicht ob ich hier in diesem Thema richtig bin, aber ich habe ein ähnliches Problem und wollte deshalb nicht gleich ein neues Thema eröffnen. Aber wenn ich hier doch falsch bin sagt Bescheid und dann tuts mir Leid.
Naja, auf jeden Fall habe ich das Problem, dass ich mit der Angst überhaupt nicht mehr zurecht komme. Ich bin echt verzweifelt und will unbedingt eine Therapie machen, bin aber erst 16 Jahre alt, und weiß nicht, wie ich das meinen Eltern sagen soll. Meine Mutter weiß zwar ein bisschen über meine Ängste Bescheid und ich kann ihr eigentlich alles erzählen, aber ich will sie damit nicht belasten. Sie ist in letzter Zeit sowieso schon so traurig, unzufrieden mit ihrem Leben und macht sich auch so schon große Sorgen um mich, weil ich nächstes Schuljahr auf eine neue Schule wechsel. Da will ich ihr nicht noch mehr Sorgen und Belastung zufügen. ... Und mein Vater versteh sowas nicht. So wie ich das mitbekommen habe, hält er Phobien für Unsinn und so wie ich ihn kenne, würde er nur sagen, dass ich mich zusammen reißen, einfach nicht drauf achten und es vergessen soll.
Kann mir jemand vielleicht helfen, wie ich das meinen Eltern beibringen soll?

Und noch was anderes: Weiß jemand, ob die Krankenkasse so eine Therapie übernehmen würde? Und wenn ja, muss man sich da vorher vom Art überweisen lassen? Wir haben sonst nämlich nicht genug Geld dazu ...

lg Svenja

Dianati
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Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon Dianati » 25.08.2012, 17:30

Bei einem zugelassenen Psychologen, der über die Krankenkasse abrechnen darf, wirst du kein Geld für eine Therapie brauchen.
Man kann auch direkt dorhin gehen, allerdings würde ich in deinem Alter vorher alles mit deinem Arzt besprechen und eventuell auch nachfragen ob er jemanden empfehlen kann.
Aus der Sicht einer Mutter, würde ich zudem empfehlen es zumindest deiner Mama zu sagen. Sie scheint sich Sorgen um dich zu machen, vielleicht merkt sie, dass mit dir etwas ist, was sie nicht genauer definieren kann. Ich glaube nicht, dass sie möchte, dass du alles alleine erträgst. Bedenke immer, dass es Menschen gibt, die feine Antennen haben und es ihnen dadurch, dass sie unwissend sind noch schlechter fühlen können. Niemand wird jetzt wissen was deine Mutter sagen wird, aber verheimlichen finde ich den falschesten Weg.

Auf unserer Homepage findest du auch einen Leitfaden, den du dir ausdrucken kannst und deiner Mutter zu lesen geben kannst. Vielleicht fällt es dir damit einfacher zu beschreiben, was in dir vor sich geht.
LG Dianati
Moderatorin

.:Svenja:.

Re: Wie soll ich es meinen Eltern sagen

Beitragvon .:Svenja:. » 26.08.2012, 18:29

Erstmal danke für deine Antwort Dianati :)
Du hast Recht, wenn ich es ihr nicht sage macht sie sich eventuell nur noch mehr Sorgen. Doch wie soll man sowas nur sagen?
Das mit dem Leitfaden ist zumindest schonmal ein guter Anfang, aber trotzdem muss ich ihr das noch irgendwie beibringen.


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