Dauernd "Filme" im Kopf!

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

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coosu

Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon coosu » 14.05.2012, 21:05

Hallo Ihr Lieben!

Ihr kennt das bestimmt....egal zu welcher Tageszeit und welcher Situation: Mein Kopf spielt wie automatisch die "Filme" ab, wie ich mich übergeben muss oder auch schon, dass ich Bauchschmerzen krieg, oder dass mir einfach übel wird, obwohl in diesem Moment eigentlich noch alles in Ordnung ist.

Es wird immer schlimmer...
Vor ein paar Monaten kam das hauptsächlich nachts, wenn ich wach wurde und erstmal im Halbschlaf regestrieren musste wann ich was gegessen hab und und und....
Inzwischen ist es von Morgens bis Abends so!
Am schlimmsten ist es wenn ich mit jemandem zusammen essen soll....Freund, Familie, Partys oder sowas.
Da sitze ich dann am Tisch, stocher in meinem Essen rum und versinke in Gedanken:
- vertrage ich diese Art Speise?
- Esse ich wirklich langsam genug?
- Kaue ich genug?
- ist irgendwas verdorben und ich schmecke es nicht raus?

Die Leute um mich sind irritiert wenn sie mit mir essen...sie lachen mich teilweise aus, mein Freund und die Familie machen sich Sorgen weil sie sowas schon alles kennen und es schon eine Zeit lang echt ausgeartet ist....

Aber auch alleine kriege ich kaum einen Bissen runter....ich habe Angst, dass ES passiert wenn niemand da ist, der mir helfen könnte!!!

Noch vor einem Jahr war alles GANZ anders und ich konnte vor lauter "Freiheit von der Angst" kaum aufhören in mich hinein zu futtern.....

Ich kann kaum schlafen (vorallem wenn ich alleine bin), zähle dauernd die Stunden wie lange das letzte Essen vorbei ist, desinfiziere mir dauernd die Hände, esse nur ausgewählte Sachen und gehe schon wieder kaum irgendwo hin weil ich einfach zuviel Angst habe!

Ich versuche mich ruhig zu halten, und lutsche Ingwer-Lutschpastillen gegen Übelkeit wie Bonbons aber nix hilft !

Ich habe solche Angst vor dem Tag an dem es wirklich wieder irgendwann passiert und habe jeden Tag die Panik, dass heute dieser Tag ist :/

Lampe123

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Lampe123 » 15.05.2012, 20:42

He :)

Mir kamen gerade zwei Gedanken als ich deinen Text gelesen hab

Hast du schonmal darüber nachgedacht, ob du Probleme mit dem Allein-Sein hast!?
Ist was, worüber ich mir in letzter Zeit viele Gedanken machen... Einerseits lege ich viel Wert darauf auch Zeit für mich zu haben und anderseits merke ich wie meine Laune in den Keller geht, wenn ich bis abends noch mit niemanden gesprochen hab.
Kennst du das?

Die Gedanken, die du während des Essens beschreibst, kenne ich auch sehr gut. Meine Vielfalt in Sachen Ernährung ist leider dadurch sehr eingeschränkt. Mal bin ich mutiger und dann esse ich nur noch "sichere" Sachen...sehr phasenabhängig.

Dein letzter Satz hat mich doch am meisten zum Denken angeregt. Wie dämlich ist es jeden Tag darauf zu warten, dass ES heute passiert... Nicht, dass ich nicht auch Wochen habe in denen es mir so geht und natürlich denke ich mehrmals täglich daran. Aber wie doof ist das??
Da beschäftigen wir uns eine Ewigkeit mit einer Sache, die dann auch mal 10 Jahre auf sich warten lassen kann...
Ich nehme das für mich als neue Kampfansage :D
Die Emo soll und darf einfach nicht mehr mein ganzes Denken bestimmen und wenn es mal wieder härter kommt, denke ich genau daran.
Vielleicht hilfts :o

Liebe Grüße

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Parasomnia
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Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Parasomnia » 17.05.2012, 09:41

Diese "Filme" kenne ich auch. Aber mittlerweile bin ich in der Lage, sie auch anzuhalten. Gestern saß ich beispielsweise im Bus, plötzlich wurde mir total übel und ich glaubte kurz, bestimmt muss ich jetzt gleich kotzen und komm nicht aus dem Bus, weil der gerade erst angefahren war. Dann habe ich mich aber wirklich auf diesen Gedanken konzentriert und quasi ein imaginäres Stoppschild gesetzt. Diese Filme sind irreal, sie spiegeln lediglich deine kruden Angstgedanken. Mir gings nämlich den ganzen Tag soweit gut, ich hab gegessen, wieso sollte ich also plötzlich von einer Sekunde auf die andere kotzen? Diese Stopps musst du dir auch irgendwie einbauen. Versuch, sie zu ignorieren, genau das Gegenteil von dem zu tun, was sie dir eingeben. Sieh es als eine Art Ringkampf, den du gewinnst.
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
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coosu

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon coosu » 19.05.2012, 21:58

Also ob ich Angst vor dem Allein-sein hab weiß ich irgendwie nicht...es ist genauso wie du sagst "Lampe123":
Ich genieße es schon auch mal allein zu sein und bin eigentlich auch öfter mal allein, aber ich habe auch gerne jemanden um mich.

Ich habe aber auch Angst-Zustände, wenn mein Freund bei mir schläft...
Und sie sind dann auch nicht weniger schlimm als wenn ich alleine bin.
Dabei versucht mein Freund alles um mich ruhig zu bekommen.....

Ob mich was belastet, was das so stark hervorrufen könnte weiß ich nicht so genau.....ich bin allgemein ein Mensch, der (seiner Sicht nach) allen Kummer der Welt auf seinen Schultern trägt...
Ich bin sehr schnell zu verletzen und mache mir die meiste Zeit darüber Gedanken was andere über mich denken könnten.
Ganz schlimm wird es WENN ich mich mal behaupte und jemandem sage, wenn er mich schlecht behandelt oder so.
Ich bin immer jedermanns Kummerkasten und lasse auch alles mit mir machen weil ich Angst habe, dass mir jemand den Rücken zu drehen könnte.

Ich würde sagen, dass da IRGENDWO die Ursachen liegen könnten....

Heute erst war ich beim Lebensmittel einkaufen.
Ich ging ganz normal rein und stand vor einem Regal und plötzlich gings mir so wie du es beschreibst Parasomnia:
Ich dachte nur noch : Ich muss mich übergeben !!! Ich muss hier raus !!!
Ich konnte mir die Regale nicht anschauen und bin mit gesenktem Kopf ohne irgendetwas im Korb raus aus dem Laden.

Peinlich war nur, dass ich dann 10 mins später wieder rein musste, weil ich ja nicht ohne Grund da rein bin !!! :/
Da gings mir dann plötzlich wieder gut und ich holte was ich brauchte.

Dann hab ich sogar zu Abend gegessen....
Während dem Essen schon hatte ich Angst und stellte mir wieder alles genau vor....
Aber ich musste was essen weil ich mich schon den ganzen Tag drum gedrückt hatte.

Jetzt bin ich wieder über Nacht alleine und ich merke wie die Anspannung steigt und ich auf jedes Zucken in meinem Bauch reagiere -.-

Lampe123

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Lampe123 » 20.05.2012, 20:38

Hallo coosu,
ich hoffe, deine Nacht war nicht sehr schlimm!!

Das mit dem nur noch raus kenne ich auch zu gut. Man steht im Geschäft und auf einmal kommt der Schweiß. Dann der Gedanke: Gleich geht es los! ...
Meistens schaffe ich es auch drinne zu bleiben, aber manchmal geht es auch nicht...wie im Januar an der Arbeit. Dann ist es wirklich wie du sagst. Es fängt ein Film an, den man nicht mehr stoppen kann.

Ich neige auch dazu, mir zu viele Gedanken über die anderen zu machen.
Hab ich vielleicht was gesagt, was dem anderen nicht passt? Oder blöd findet?
Früher habe ich trotzdem immer weiter meine Meinung vertreten, aber an der Arbeit merke ich, dass ich mich doch oft zurücknehme. Ich finde das eigentlich sehr schade, weil es doch zu mir gehört. Leider merke ich einfach immer mehr, dass gewisse Ansichten nicht erwünscht sind und da ich nur einen befristeten Vertrag habe und eine Kollegin, die teilweise ganz schön hart und fies ist, schweige ich immer mehr...

Aber warum macht man sich ständig darüber Gedanken, was die anderen denken könnten?
Hat das "nur" was mit dem Selbstwertgefühl zu tun? Oder steckt da mehr hinter?
Ich finde mich nämlich bis auf die Emo ganz gut wie ich bin :)

Ich wünsche uns allen eine gute Nacht, denn die sind auch für mich am schlimmsten. So kommt die MDG doch meistens, wenn man im Bettchen liegt und daher größere Angst...

Also, schlaft alle schön!!

coosu

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon coosu » 26.05.2012, 11:40

Oh weh Lampe123...hört sich nach einem ziemlich schlechten Arbeitsklima an :/
Da habe ich eine etwas andere Situation....mir macht mehr der Druck der Arbeit selbst Schwierigkeiten...
ich hab auch noch eine (ungewollte) leitende Funktion und habe manchmal das Gefühl der Verantwortung nicht gewachsen zu sein.
Trotzdem liebe ich meinen Job über alles!
Dort bin ich ein anderer Mensch...aufgeschlossen, selbstbewusst und irgendwie freier.
Aber selbst da kommen die Angst-Attacken immer öfter und ich muss öfter den Raum verlassen und mich runterholen.
Und das ist wirklich furchtbar !!!!

In meinem Privatleben sind es Freunde und Familie, die mich immer und immer wieder an mir selbst zweifeln lassen...
Ich versuche immer für jeden da zu sein und bekomme selten Dank dafür, eher Ablehnung wenn ich aus irgendeinem Grund mal nicht da bin....
Seit ein paar Wochen versuche ich auf die Ratschläge von meinem Gesprächstherapeuten hin mehr auf mich zu achten und zu tun und zu sagen wonach ich mich wirklich fühle....
Und plötzlich bin ich z.B. um 2 Freundschaften ärmer, die ich eigentlich sehr geschätzt habe.
Das macht mich sehr traurig und die Nächte wurden seitdem auch schlimmer und ich träume dauernd von Essen und und und...

Gestern erst wieder bin ich mitten in der Nacht wach geworden, fing sofort an die Stunden zurückzuzählen wann ich zuletzt gegessen habe, bin aufgestanden, in mein Badezimmer gegangen und es ging nur noch abwärts...
Zittern, Schweißausbruch, Weinen.....
Mein Freund hatte natürlich wieder Nachtschicht und ich habe mich allein gefühlt und andauernd überlegt, wen ich nun anrufen könnte, der im Notfall zu mir kommt WENN es passiert...
Aber da ist niemand mehr, weil ich Angst habe noch irgendjemandem außer meinem Freund Vertrauen zu schenken.

Ich möchte NIEMANDEM auf der Welt mehr Vertrauen schenken und zeigen, dass es mir nicht gut geht...und das macht alles noch schlimmer!

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Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Parasomnia » 26.05.2012, 13:44

Ich möchte NIEMANDEM auf der Welt mehr Vertrauen schenken und zeigen, dass es mir nicht gut geht...

Weil du was befürchtest?
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
(Hannes Wader)

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coosu

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon coosu » 26.05.2012, 17:52

Weil es sich immer wieder heraus stellt, dass man im Streit plötzlich keine Angst-Krankheit mehr hat oder etwas in der Art, sondern einen "Schlag" oder einen "Schaden"....

Alles was man nach außen trägt, kann gegen einen verwendet werden....

Ich wurde schon mal vor 3 Jahren von einer Freundin, die seit dem Kindergarten meine beste Freundin war einfach im Stich gelassen weil sie mich für "durchgeknallt" hielt als ich nach etlichen Jahren herausfand, dass ich kein Magen- sondern scheinbar ein Kopfproblem hab !

Meine Eltern haben damals den Krankenwagen gerufen weil ich vor lauter Panik nicht mehr atmen konnte und dann ging es erstmal zur Beobachtung auf die Psychiatrische Station.....
Als ich das meiner Freundin dann erzählt habe, ist sie total auf Abstand gegangen.

Damals habe ich lange gebraucht um das zu verwinden!
Ihre Argumentation war damals: "Dir kann keiner von uns dabei helfen und es beeinflusst mein eigenes Leben zu stark!"

Ich bin total eingebrochen, habe angefangen zu Hungern um auf gar keinen Fall mehr Übelkeit hervorzurufen und innerhalb von einem halben Jahr danach ging es wieder in die Psychiatrische....
Magersucht.....
Ich wollte mich selbst zu stark kontrollieren um "gut" zu sein sodass mich niemand mehr so behandelt und auch um meinen Körper unter Kontrolle zu haben, wenn ich schon nichts anderes kontrollieren kann.
Und dazu gehörte auch das Brechen....

Hätte ich meinen Mund gehalten, wäre es nicht so gekommen....
Wenn ich jetzt jemandem anvertraue, dass ich Angst habe, warum ich Angst habe usw. darf ich mir ganz oft wieder anhören : "du spinnst!"
Und dann wird über dich geredet, als hättest du einen kompletten Schaden !!!!

Lampe123

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Lampe123 » 26.05.2012, 19:54

Ja, das Arbeitsklima ist nicht wirklich so toll, aber an der Teamsitzung wird sich sowieso in absehbarer Zeit etwas ändern. Das hilft mir drüber hinweg zu kommen.

Du schreibst, dass dich deine Freunde und deine Familie dich zweifeln lassen...
Kenne ich nur teilweise. Denke, wenn man sich selbst so gut findet, wie man ist, dann ist einem die Meinung der anderen auch egal. Oder was sagen bzw. tun deine Freunde/Familie genau, was dich verunsichert?

Mich würde auch interessieren, was dein Therapeut dir genau gesagt hat. Hat er wirklich geraten, die Freundschaften zu kündigen? Ich glaube, ein guter Therapeut, sagt einem nicht, was man tun soll, sondern hilft zu reflektieren und evtl. auch gewisse Entscheidungen zu treffen. Wenn es dir nach dieser Veränderung offensichtlich schlechter geht, kann es ja nicht gut für dich gewesen sein. Würde das mal überdenken...

Ich finde es schade, dass du dich nicht so vielen anvertrauen kannst. Allerdings gibt es da auch so einen blöden Spruch: Wenn sie nicht zu dir stehen, auch mit Krankheit, sind es keine wahren Freunde.
Ganz ehrlich?! Ich finde, dass stimmt. Es kann niemand nachempfinden wie es dir geht außer er/sie leidet selbst an Emo (oder vielleicht an einer anderen Phobie - dann annähernd), aber eine Freundin wird es tolerieren und akzeptieren. Ich selbst habe einen sehr kleinen Freundeskreis, aber die wissen alle bescheid und ich weiß, ich kann mich auf sie verlassen.
Auch an der Arbeit wissen die, die eng mit mir zusammen arbeiten, bescheid. Das war wirklich ein schwerer Schritt, weil ich auch Angst vor Ablehnung hatte und dann war die Reaktion sogar relativ positiv und nun werde ich z.B. aus für mich schlimmen Situation rausgehalten (soweit das geht).
Was mir auffällt ist, dass ich in der dunklen Zeit im Jahr viel mehr gegen Filme im Kopf ankämpfen muss und mir die Sonne und die Wärme total gut tut. Kennt ihr das auch?

coosu

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon coosu » 27.05.2012, 13:25

Nein, nein....der Therapeut hat mir nicht geraten meine Freundschaften zu kündigen...
Sondern mich nicht immer zu verstellen und auch mal zu sagen was ich denke statt immer nur einzustecken!
Z.B. kommen alle zu mir wenn sie Kummer haben, aber geht es ihnen gut, meldet sich niemand mehr...
Oder fest ausgemachte Verabredungen werden 10 Minuten vorher abgesagt weil sie genau wissen, dass ich nicht sauer bin und das nächste Mal auch wieder sage: "Ja ist schon ok."
Wenn ich mich aber verspäte, absage oder gar mal nicht ans Telefon gehe weil ich müde bin oder zu tun habe, werde ich wirklich dann ignoriert oder ich werde angeredet, dass man sich nicht auf mich verlassen kann.
Also gehe ich IMMER ans Telefon, entschuldige mich für jeden unsinnigen Mist und bin IMMER für alle parat....

Seit ich aber auch mal "NEIN" sage, weil ich nicht möchte oder etwas nicht richtig finde, bekomme ich die volle Breitseite von den besagten Freundinnen...sie reden entweder GAR nicht mehr mit mir oder nur wenn sie was brauchen !
Und das geht mir an die Nieren!
Und genau das verunsichert mich so !!!!

Ich hatte nicht vor eine der Freundschaften zu kündigen, sondern eher auch etwas mehr auf mich innerhalb einer Freundschaft zu achten und nicht nur für die anderen eine Freundin zu sein !!!!

Ich selbst bin mit mir wenig zufrieden....
Ich halte immer mich für den schlechten Menschen....
Auch äußerlich (figurtechnisch) habe ich starke Komplexe.
Ich denke oft, dass ICH es mir verdienen muss, dass andere mich mögen.

Lampe123

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Lampe123 » 29.05.2012, 17:43

Hallo coosu,
bin froh, dass dir nicht dein Therapeut dazu geraten hat.
Finde es auch gut, dass du mehr auf dich achten möchtest. :)

Leider muss ich dir auch ehrlich sagen, dass deine Freundschaften nicht wirklich toll klingen. "Freunde", die einen ignorieren, wenn man mal nicht ans Telefon geht, sind für mich kindisch. Es scheint nicht so, als hätten sie wirklich Interesse an dir. :?

Du bist ja wirklich sehr kritisch mit dir. Das tut mir erstmal sehr leid zu hören, weil es einem das Leben ganz schön schwer machen kann. Aber woher kommen die Zweifel? Wurdest du schon immer viel in Frage gestellt? Hattest du bisher wenig Erfolgserlebnisse in deinem Leben? Schonmal darüber nachgedacht, dich von deiner Familie etwas zu entfernen, wenn sie dir nicht gut tun?

Fragen über Fragen... :D

coosu

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon coosu » 29.05.2012, 19:54

dass meine Freundschaften scheinbar nicht die besten sind denke ich mir auch sehr oft aufgrund dieser Tatsachen...
das komische ist nur, dass ich an anderen immer NUR die guten Seiten sehen will und mir alles schön rede ... zumindest scheint es mir langsam so wenn ich es für mich selbst reflektiere.

ich bin auch immer sehr, sehr, sehr verletzt, auch wenn z.B. mein Freund mir dann immer sagt: "Du weißt doch wie die sind...stress dich da nicht so rein!"
Und das versuche ich momentan auch....mich irgendwie emotional ein bisschen zu distanzieren !
Das fällt mir immer am schwersten.
Meldet sich z.B. eine meine Freunde bei mir und braucht jemanden zum Reden, bin ich auch noch total stolz, dass ICH die Person bin an die sie sich wenden...
Dabei fühle ich mich im Nachhinein nur ausgenutzt wenn sich dann wieder keiner rührt, wenn wie gesagt keine Probleme bei ihnen da sind.

Ich denke, ich habe noch nie viel Anerkennung bekommen....
Bin ein Scheidungskind, dazu noch die ältere von mir und meiner Schwester und hatte früh das Gefühl meinen Vater unterstützen zu müssen....das habe ich getan und es war immer selbstverständlich.
Dazu wurde ich von dem Zeitpunkt der Scheidung an als Kindergartenkind plötzlich sehr sehr stark übergewichtig...
Wahrscheinlich Frust-Fressen denke ich im Nachhinein.
Die Angst war damals schon da!
Fressen, fressen, fressen und dann weinend durch die Wohnung laufen und nach Papa rufen :/
Als Teenager kam dann die erste lange "Angst-Phase" in der ich schon mal wegen Bulimie behandelt wurde weil meine Familie darauf getippt hat, dass ich nach dem Essen wirklich brechen gehe weil ich am Tisch immer gesagt habe, dass mir übel ist, danach aus purer Angst im Bad verschwunden bin und dann auch noch wirklich schnell vom starken Übergewicht ins Untergewicht kam.
Aber in der Zeit in der ich als Kind so übergewichtig war, war ich in meiner Familie nur die Dicke.
Alles was ich gemacht habe war irgendwie scheinbar nie lobenswert.

Meine Mutter (zu der ich nur selten Kontakt habe) leidet übrigens auch unter Emetophobie.
Sie war alkoholkrank und kam oft heim und hat sich schreiend übergeben.
Das denke ich ist der Hauptgrund, dass ich diese Phobie überhaupt habe.
Heute weiß ich von ihr, dass sie vor Angst oft wochenlang das Haus nicht verlässt und auch ähnlich "Alltags-Macken" hat wie ich, obwohl ich höchstens 1-2mal im Jahr mit ihr spreche. (also kann ichs mir nicht abgeguckt haben)

Aber alles was mich verunsichert macht mir Übelkeit...deshalb denke ich, dass da viele Faktoren zusammen spielen.

Ich denke ich habe schon immer versucht mich "lieb zu stellen" dass ich "gesehen" werde !

Lampe123

Re: Dauernd "Filme" im Kopf!

Beitragvon Lampe123 » 02.06.2012, 13:23

Hallo coosu,
Beim Lesen deines Beitrags kam mir ein Gedanke. Teilst du mit deinen Freunden irgendwelche Interessen?
Denn es klingt so, als würdet ihr euch nur treffen, wenn es einem schlecht geht...
Wenn man z.B. ähnliche Hobbys hat, dann sieht man sich einfach häufiger und macht Sport zusammen oder so.Ich glaube, dann haben alle was davon und keiner braucht sich ausgenutzt fühlen.
Früher hatte ich auch wenig Kontakte, die ich regelmäßig gesehen hab und das waren dann auch so "Psycho-Sitzungen-Treffen". Irgendwann hab ich aber erkannt, dass von meiner Seite einfach immer viel zu wenig kam... Und dann habe ich angefangen, die Leute auch mal zu fragen, ob sie Zeit haben und etwas unternehmen möchten. Vorher fiel mir das immer sau schwer, weil ich Angst vor einer Absage hatte, aber was sollte passieren!? Der Versuch war es zumindest wert. Irgendwann war alles besser, als alleine depri zuhause rumzusitzen.

Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich drei war. Seitdem reden sie kein Wort mehr miteinander. Bin die Jüngste von drei Geschwistern (zwei Brüder) und sehe, dass als schlimmste Rolle in einer Scheidungsfamilie ;). Was mal wieder beweist, dass man sich selbst doch immer als größtes Opfer bei sowas sieht :D .

Es tut mir leid zu hören, was du noch alles so mitgemacht hast und kann gut nachvollziehen, dass du dich lieb gestellt hast, um gesehen zu werden.
Ich saß früher auf der Treppe bei uns und hab lauthals geweint: keiner hat mich lieb. Die Reaktion war großes Gelächter aus dem Esszimmer, aber im Nachhinein habe ich das Gefühl mich irgendwie selbst in diese "Opferrolle" hineingebracht zu haben.
Denke, man muss wirklich auch auf die anderen Menschen zu gehen, sich selbst finden und dazu stehen.
Den Kopf in den Sand stecken bringt keine Anerkennung, sondern aufstehen und kämpfen.

lol....was lässt sich das alles gut sagen. Nur die Umsetzung fällt einfach schwer.

Hoffe, du kannst irgendwas mit meinen Gedanken anfangen.


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