Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußten..

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klisi
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Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußten..

Beitragvon klisi » 28.03.2012, 06:53

Hallo ihr Lieben,

mein Problem mit der Emo ist speziell die Unkontrollierbarkeit und dass ich es, wenn es passieren sollte, nicht auf die Toilette schaffe und mich dann alle anstarren...
Bisher habe ich das relativ gut hinbekommen. Mein Freund half mir dabei, indem er sagte, dass man ja meistens merkt, wenn einem schlecht ist und es nicht so plötzlich kommt und man dann halt einfach schon vorher aufs Klo geht. Das half mir etwas und auch die Tatsache, dass ich immer eine Kotztüte dabei habe.

Seit ein paar Wochen geht es etwas besser und ich bin dazu übergegangen, dass ich die Kotztüte nicht mehr in meiner Hosentasche trage, sondern in meiner Handtasche, denn auf Arbeit ist ja immer nen Klo...

Nun erzählten mir gestern zwei Leute, dass sie sich total unvorhersehbar übergeben mußten. Die eine beim Zähneputzen und die andere ganz plötzlich im Wohnzimmer und sie hatte es nicht mehr ins Bad geschafft und übergab sich dann auf dem Fußboden...

Zudem träumte ich auch vorgstern Nacht davon, dass es mir nicht gut ging und ich zu meinem Kind sagen mußte (was ich in Wirklichkeit nicht habe), du Kleines, Mama gehts grad nicht gut, lass uns mal hinsetzen...

Seitdem geht bei mir wieder total der Film ab... Was ist, wenn es doch nicht immer merkt und wenn mir sowas passiert? Was denken dann die Leute und wer macht das sauber...
Das Ganze wird noch gepusht durch anderen Streß, den ich habe, leider ein Teufelskreis :(

Ich frage mich immer, wieso müssen mir die Leute das erzählen??? Ich konnte es mittlerweile ab, wenn sie allgemein drüber gesprochen haben und so, aber nicht solche stories, wenn das alles ganz plötzlich kam :(

Dann denke ich mir immer, ich will die Emo nicht mehr, ich will dass es aufhört und warum hat sie überhaupt mich ausgesucht???

Dieses Forum hilft mir wirklich sehr, weil ich weiß, dass ich nicht alleine damit bin und ich weiß, wo ich mir Beistand holen kann.

Danke dafür!!!

Einen trotzdem schönen Tag wünscht

klisi

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Parasomnia
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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon Parasomnia » 28.03.2012, 08:40

Liebe klisi,

ich kann deine Gedanken dazu gut verstehen, wenngleich sich das bei mir mittlerweile auch schon etwas gelegt hat.

und warum hat sie überhaupt mich ausgesucht???

Versuch, das mal von einer anderen Seite zu sehen. Die Phobie hat sich nicht dich ausgesucht, sondern - und Achtung, lies erst zu Ende - du dir die Phobie. Weil sie für dich irgendeinen Zweck erfüllt. An irgendeinem Punkt in deinem Leben hat sie sich aufgrund der herrschenden Umstände entwickelt und das hatte Gründe. Selbstverständlich war das keine bewusste Wahl, wer wünscht sich sowas schon, aber sie hatte irgendwann einen Sinn. Um ein Beispiel zu nennen: Für mich hatte sie in Zusammenhang mit meiner Somatisierungsstörung den Zweck, mich von meinen richtigen Gefühlen abzulenken. Statt, dass ich traurig war, wurde mir schlecht, ich war nicht wütend, mir war übel. Und das war so, weil die darunter liegenden Gefühle vermutlich zu schwer auszuhalten gewesen. Außerdem ist die Phobie eine Manifestation meiner Angst vor allem Unkontrollierbaren. Ein Symbol für mein Bedürfnis, ALLES zu kontrollieren, damit bloß nichts Unvorhergesehenes passiert.

Das sehe ich auch bei dir.
Klar gibts auch Leute, die sich von jetzt auf gleich übergeben, aber ganz ehrlich - ich habe das noch nie erlebt. Weder ich selbst noch iiirgendjemand, den ich bisher in meinem Leben kennengelernt habe. Abgesehen natürlich von Besoffenen, die übergeben sich manchmal auch von einer Sekunde auf die andere. Was ich damit sagen will: Es ist sehr unwahrscheinlich. Und warum sich von einer Sache, die derart unwahrscheinlich ist, das ganze Leben ruinieren lassen? Meine Mutter wird jetzt bald 56, die hat sich noch NIE völlig unvorhergesehen übergeben. Und manchmal erzählen Leute auch ziemliche Horrorgeschichten, die vielleicht bloß zur Hälfte wahr sind. Aber, wie gesagt: Du könntest auch jeden Tag von einem Ziegelstein am Kopf getroffen werden und eine Gehirnerschütterung erleiden (und möglicherweise kotzen!), du könntest jeden Tag auf dem Zebrastreifen stolpern und ein Auto kann dich anfahren. All die Dinge sind genauso unwahrscheinlich (oder vermutlich noch einen Tick wahrscheinlicher) als sich von jetzt auf gleich zu übergeben. Denkst du über die anderen Dinge nach? Nope. Warum dann über eine Sache, die NOCH unwahrscheinlicher ist?
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
(Hannes Wader)

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon zauberin87 » 28.03.2012, 11:17

Hallo Klisi,

mir machen solche Erzählungen auch meistens Angst, diese Angst legt sich bei mir dann immer erst ein paar Tage später wieder, wenn ich merke, dass nur weil ich das jetzt mal gehört habe und bei solchen Erzählungen ja auch gern übertrieben wird, mir das ja nicht auch passieren muss. Ist dir sowas schonmal passiert? Wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert? Das sehe ich also genauso wie Parasomnia.

Das mit den Träumen kenne ich. Letzte Nacht habe ich was ähnliches geträumt. Auch von einem kleinen Mädchen, ein Nachbarskind, auf das ich früher aufgepasst habe. Sie war krank und wollte unbedingt mit mir zur Toilette gehen, damit ich bei ihr bin und sie keine Angst hat. Und ich habe mich in dem Traum in ein Zimmer eingeschlossen und bin dann anschließend, weil ich ihren verzweifelten Schrei um Hilfe nicht hören konnte, aus dem Fenster geklettert und runtergesprungen. Da bin ich aufgewacht - mit unfassbaren Schuldgefühlen.

klisi hat geschrieben:Ich frage mich immer, wieso müssen mir die Leute das erzählen??? Ich konnte es mittlerweile ab, wenn sie allgemein drüber gesprochen haben und so, aber nicht solche stories, wenn das alles ganz plötzlich kam :(


Warum schützt du dich nicht davor, so etwas zu hören? Warum hast du den Personen nicht gesagt, dass es dir grade nicht recht ist, so etwas zu hören, bist weg gegangen oder hast dir im Notfall die Ohren zugehalten?

Es ist natürlich immer ein heikles Thema. Ich hoffe, ich trete hier jetzt keine Protestwelle los. Ich möchte das kurz erklären, wie ich es meine.

Ich bin auch immer davon ausgegangen, dass ich das eben ertragen muss, wenn mir jmd. sehr detailliert über sein rückwärts essen berichtet. Das ist schließlich normal und ich will ja auch normal sein.
In der Therapie habe ich dann mehrfach mit den Psychotherapeuten über Schutzmechanismen gesprochen und gelernt, dass man sich das nicht gefallen lassen muss bzw. es nicht als normale Konversation zu "ertragen" hat.

Es hat doch nichts mit vermeiden zu tun. Wenn man in so einer Situation einfach grade nicht die Kraft hat, damit richtig umzugehen und sich völlig aus der Bahn werfen lässt, denke ich, ist es okay, wenn man dem Gegenüber einfach sagt, dass man das gerade nicht hören möchte oder ob sich nicht ein anderes Thema finden lässt oder, dass man selbst die Initiative ergreift und von angenehmeren Dingen erzählt.

Damit meine ich NICHT: Sein Umfeld impfen mit "Ich bin ein Emo - bitte keine Kotzgespräche mehr in meiner Gegenwart!"

Ein Schutzmechanismus, so wurde es mir erklärt, ist zum Beispiel auch, wenn man sich die Ohren zuhält oder die Augen zu macht, bei nem Film oder auch in der Realität. Sieht vllt. blöd aus, wenn man aber derzeit nicht soweit ist, mit solchen Erlebnissen rational umzugehen, sie weniger zu dramatisieren, dann bewahrt es einen doch vor schlimmerem Schaden.

Die Grenze zum Scheuklappenaufsetzen ist wohl recht schwammig. Soweit bin ich einfach selbst noch nicht, den richtigen Weg/Umgang zu finden. Aber es war für mich eine enorme Erleichterung, es nicht mehr einfach "ertragen" zu müssen, wenn ich selbst entscheiden kann, wann ich was hören möchte und dafür keine "Strafe" zu erhalten. Strafe wäre für mich sowas wie: "Stell dich mal nicht so an" oder "Hab dich nicht so", gerne auch "Hach, sind wir heut empfindlich". Solche Sätze erreichen bei mir, dass ich mich noch wertloser fühle, als ich es durch die Emo eh schon "bin". Diese meine Schwäche lässt mich für mich selbst und - in meinen Gedanken - bestimmt auch für andere wertlos erscheinen.

Was meinen denn die anderen zu Schutzmechanismen?

Liebe Grüße, die zauberin

Ohlone
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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon Ohlone » 28.03.2012, 12:40

Hmmm, spannende Frage nach dem Selbstschutz. Ich denke, man muss zum einen den schmalen Grad zwischen Schutz und Vermeidung erkennen und nutzen und zum anderen gucken, inwiefern die Erfahrung einen in der Arbeit gegen die Phobie weiterbringt, oder ob sie evtl. die Angst weiter stabilisiert. Blöd an der Sache ist ja, dass ich erst hinterher merke, was die ein oder andere Konfrontation nun mit mir gemacht hat. Ich arbeite in emotional schwierigen Situationen seit einiger Zeit damit, mir vor Augen zu halten, dass da ein Teil meiner Persönlichkeit ist, der eben nicht "erwachsen" denkt, sondern in einer kindlichen Gefühlswelt verharrt. Und genau diesen Teil versuche ich zu beleuchten, mich innerlich mit ihm an einen Tisch zu setzen, ihn nicht auszusperren, ihn da sein zu lassen und Raum zu geben, mit dem Ziel, auch diesen Teil
in mir irgendwann reif werden zu lassen. Die Emo ist das schreiende Kind, was gehört werden will.

Mit dieser Herangehensweise wird einem auch bewusst, wie absurd es ist, sich mit der Kotzerei an sich zu beschäftigen und arbeitet an anderen Baustellen weiter. Aber ich kann dem Teil zuhören, ihn anerkennen und ihm Schritt für Schritt dabei helfen, nicht mehr wie ein Kind fühlen zu müssen.

Sorrow
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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon Sorrow » 28.03.2012, 12:52

Das ist es eigentlich auch, was mir am meisten Angst macht, trotz des Wissens, dass es sehr selten passiert. Ich habe mir eine Weile eingeredet, dass würde mir schon nicht passieren, weil ich davon ausging, dass es meistens eher Horrorgeschichten war oder aber die Leute einfach ein wenig übertreiben. Bei Kinder klar, aber bei Erwachsenen, die merken das, jedenfalls so lange sie in voller Kraft ihres Verstandes und ihrer sonstigen körperlichen Funktionen sind. Dachte ich. Kurz vor Silvester war ich mit meiner Ma zu Besuch bei meiner Schwester. Wir teilten uns ein Zimmer unterm DAch. Direkt in der ersten Nacht wurde ich wach. Meine Mutter stand an der Treppe und hatte sich übergeben. Alles lief die Treppe runter, das konnte ich nicht sehen, aber meine Schwester putzte unten und berichtete wie es ihr den Nacken runterlief. Später erfuhr ich, dass meine Mutter sich vorher schon einmal übergeben hatte, da hatte sie es bir zur Toilette geschafft. Da es ihr danach wieder gut ging, dachte sie das wars. Wir alle wurden eines besseren belehrt und ich musste feststellen, es ist nicht nur eine Horrorvision, sondern es passiert wirklich!

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon zauberin87 » 28.03.2012, 15:35

kamikatze hat geschrieben:Schutzmechanismen sind per se gut und richtig. Allerdings ist, wie du bereits sagtest, die Grenze zwischen Schutz und Vermeidung sehr schwammig. Die Gefahr ist sehr groß, dass man, wenn man das eine praktiziert, ins andere abrutscht und ich halte es für den gemeinen Emo für gefährlich, da er einfach einem sehr großen Fluchtimpuls erliegt, wenn er mit der Phobie konfrontiert wird. Daher halte ich es für richtiger, dem erst garkeinen Raum zu geben und sich in solchen Situationen zu üben, bis sie einen nicht mehr kratzen - das ist alles ne Konditionsfrage..


Dazu würde ich gerne was fragen, also zu dem sich in Situationen üben, bis sie einen nicht mehr kratzen. Das Thema hatte ich schonmal kurz mit Geli durch einen anderen Beitrag inspiriert, besprochen. Ich hoffe, ich habe dich da jetzt recht verstanden. Also du meinst, man soll sich in "gefährlichen" Situationen üben, in dem Fall hier ist es ja ein Gespräch übers Kotzen, bis man keine oder weniger Angst davor hat. Ich nehm jetzt mal das Beispiel, worüber ich auch mit Geli geredet habe, wenn das okay ist? Und zwar "lange Autofahren". Also bei mir war das auch tatsächlich der Fall. Mein Bruder hat mich von Duisburg mit dem Auto abgeholt um nach Hause - nach Berlin - zu fahren. Das sind so 500 km, also gute 5 Stunden Fahrt. Und ich hatte so bammel, habe mir die Situation aber angenehmer gemacht, in dem ich mit meinem Bruder über meine Angst geredet habe und wir vereinbart hatten, dass ich jederzeit bescheid sagen kann, wenn ich eine Pause brauche. Die Fahrt war sehr gut, wir haben schön Mugge gehört und uns gut unterhalten. Also habe ich ja eine positive Erfahrung gemacht und nun könnte man annehmen, dass ich beim nächsten mal relaxter an die Sache rangehe. Und da springt der Hase im Quadrat - das ist bei mir nicht so. Ich kann 100 mal hin- und herfahren - ich hätte jedesmal genauso Angst davor. Vielleicht bin ich auch zu skeptisch? Aber das ist dann doch auch nur ne Scheinsicherheit, wenn man annimmt, hmm, einmal gut gegangen, wird wieder gutgehen. Ich stelle mich solchen Situationen zwar, aber das ist eher ein "Schweinehundüberwinden" und kein wirkliches Vertrauenfinden. Verstehst du, was ich meine? Was denkst du dazu?

kamikatze hat geschrieben:Letztendlich ist es so, dass man einen gewissen Toleranzbereich hat, in dem man Dinge annehmen kann. Je weiter es auf den äußeren Rand dieses Bereiches zugeht, desto schwieriger wird es für einen selbst, damit umzugehen. Ist man am äußeren Rand angekommen, hat man das Gefühl, man kann nicht mehr, oder man klappt darunter zusammen. Meine Erfahrung allerdings ist, dass man automatisch lernt, diesen Toleranzbereich weiter zu stecken, je mehr man sich an der Grenze aufhält. Der tatsächliche Kollaps passiert -mir zumindest- höchst selten und ich merke jedesmal, wenn ich an die Grenze stoße, sie einfach ein Stückchen weiter stecke. Das übrigens nennt man Lebenserfahrung, und die erstreckt sich in jeden erdenklichen Bereich - eben auch in den der Phobie. Das Ereignis an sich bleibt immer an der selben Stelle - wie es bewertet wird, liegt an einem selbst und wie weit man die Grenze davon wegbringt. Je weiter der Grenzbereich wird, desto unempfindlicher wird man dem Ereignis gegenüber.

Die Frage, ob man sich das antun muss, erst so weit zu gehen, ist natürlich Interpretationssache. Allerdings halte ich persönlich das für das Maß aller Dinge, denn das bringt mich weiter im Leben, es macht mich abgeklärter und es lehrt mich vor allem den Umgang mit den Dingen (welche auch immer das sein mögen). Würde ich immer nur im selben Kreis bleiben, würde ich stagnieren und das ist nicht der Sinn meines Lebens, Normalität hin oder her.


Das finde ich sehr schön geschrieben. Ob man sich das antun muss? Ich denke auch, dass ist von Fall zu Fall verschieden und es sollte sich danach richten, wie weit man ist. Ich geh jetzt mal von jmd. aus, der noch sehr viel Angst hat, viele Vermeidungsstrategien hat und vllt. noch MCP oder Kotztüten bei sich trägt. Ich denke für so jmd. (ich bin davon nicht so weit entfernt) ist es leichter kleine Schritte zu wagen, damit es eben nicht zum Kollaps kommt, denn das kann doch wieder zu Rückschlägen führen. Und Schutzmechanismen tragen eben dazu bei, sich zwar vor solchen Situationen nicht zu verstecken, aber ihnen auch nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Wie man sie nun richtig anwendet, das ist ein Lernprozess, bei dem man bestimmt auch Fehler machen kann.

Und vielen Dank, dass du geantwortet hast!

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon zauberin87 » 28.03.2012, 16:07

Ohlone hat geschrieben:Ich arbeite in emotional schwierigen Situationen seit einiger Zeit damit, mir vor Augen zu halten, dass da ein Teil meiner Persönlichkeit ist, der eben nicht "erwachsen" denkt, sondern in einer kindlichen Gefühlswelt verharrt. Und genau diesen Teil versuche ich zu beleuchten, mich innerlich mit ihm an einen Tisch zu setzen, ihn nicht auszusperren, ihn da sein zu lassen und Raum zu geben, mit dem Ziel, auch diesen Teil
in mir irgendwann reif werden zu lassen. Die Emo ist das schreiende Kind, was gehört werden will.


Hey :) Danke, dass du das Kind gehört hast. ;) Also ich bin noch nicht so weit in meiner Therapie gekommen, da andere Dinge Vorrang hatten, aber kurz angeschnitten wurde genau das auch bei mir. Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich als Kind eine sehr unangenehme Erfahrung in Bezug aufs Erbrechen gemacht habe. Ich schreibe jetzt bewusst nicht das böse Wort "Auslöser", aber vllt. kann ich sagen, dass diese Erfahrung der Emo eine Gestalt gegeben hat. Diese kindliche Gefühlswelt bzw. das was ich damals erlebt habe und nicht richtig verarbeiten konnte, versuche ich zwar als erwachsene Frau rational zu betrachten (ich weiß, dass das Erbrechen nichts schlimmes ist, einen nicht umbringt), aber ich werde immer wieder von der Angst eingeholt - ich lasse das Kind noch nicht zu mir vordringen. Ich habe gerade mit meinem Freund darüber geredet, der diese Traumgeschichten übrigens auch sehr spannend findet. Ich habe ihm den ganzen Traum erzählt - mit allen Details (ich kann mir meine Träume meist sehr detailliert merken), und da wars eben auch so, dass ich versucht habe das Kind hinter einer Tür vor mir zu verbergen, es bloß nicht in meine Nähe kommen zu lassen, es könnte mich ja ankotzen. Obwohl mich das Kind hinter der Tür angefleht hat, ihm doch zu helfen. Ein furchtbares Gefühl übrigens.

Ohlone hat geschrieben:Mit dieser Herangehensweise wird einem auch bewusst, wie absurd es ist, sich mit der Kotzerei an sich zu beschäftigen und arbeitet an anderen Baustellen weiter. Aber ich kann dem Teil zuhören, ihn anerkennen und ihm Schritt für Schritt dabei helfen, nicht mehr wie ein Kind fühlen zu müssen.


Ich fühle mich gerade so gut verstanden. Ich bin mal gespannt, welche Gefühle und Erlebnisse bei mir dahinter stehen. Danke für deinen Beitrag!

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon Presse10 » 28.03.2012, 18:58

Das Kotzen bei Erwachsenen außerhalb von Toiletten im sichtbaren Bereich fast unmöglich würde ich auf jeden Fall nicht behaupten.
Meine Mutter hat ja am 17. Juli 1999 auf die Innenseite der vorderen Beifahrertür im Auto meiner Patentante gekotzt.
Klar war es ihr vorher schon schelcht. Ist es ihr auch öfters im Auto. Muss dann aber nicht immer brechen. Dann kam es aber sehr plötzlich und als wir angehalten haben, hat sie dann auf die Innenseite der vorderen Beifahrertür gebrochen, weil sie es bis nach draußen nicht mehr geschafft hat.
Auch sonst gibt es betsimmt Situation, in denen es anderen schlecht its, man aber nicht unbedingt damit rechnet brechen zu müssen, weil sich nicht Emos nicht so viele Gedanken machen. Unter Umständen kann es dann doch aber sehr plötzlich kommen und man schafft es nicht mehr auf die Toilette.
Die Situation mit meiner Mutter ist bestimmt noch sehr sehr sehr lange kein Einzelall unter den Erwachsenen.

Lg Christian

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon mainzerin » 28.03.2012, 19:19

weißt du, ich bin da irgendwie total gaga. ich höre mir solche stories immer an, obwohl ich sie sooooooooooo eklig finde. das ist wie horrorfilme schauen mit händen vorm gesicht, aber unbedingt wissen wollen, was abgeht. ich versteh mich da selbst nicht.

und diese horrorszenarien vom "plötzlichen kotzen" ohne vorankündigung, die habe ich auch und genau die laufen auch immer als film in meinem kopf ab. und ja, es ist fast unwahrscheinlich und deswegen würde ich das auch gerne loswerden oder zumindest den film abstellen können, wenn er kommt.

mach dir doch mal den spaß und frag mal denjenigen, der dir erzählt, er hätte die ganze nacht über der schüssel gehangen, wie oft er den wirklich gebrochen hat. in den meisten fällen nicht mehr als 2-3x.

ich hatte auch mal so ne geschichte mit meinem freund, da waren wir im auto unterwegs, er in seinem fußballtrikot und er hatte am abend vorher gebechert und morgens kaffee auf nüchternen magen und dann joggen gewesen. ich weiß es noch ganz genau. auf dem weg zu meinem papa sagte er, es wäre ihm soooo schlecht (er ist gefahren) und hat aber nicht angehalten. dann irgendwann hat er sich vor schmerzen richtig das gesicht verzogen, da sagte ich, dass er anhalten soll und weiiiiiiiiiiiiiiiit weg gehen soll. und dann hab ich ihn nur noch von hinten gesehen, wie er in den wald gereihert hat mit seinem fußballtrikot an. und immer, wenn er heute das trikot trägt, muss ich dran denken. ist das nicht irre? der weiß doch heute nicht mehr 1. dass er da gekotzt und schon gar nicht, was er da an hatte.........

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon Presse10 » 28.03.2012, 19:35

@ mainzerin

doch das kenne ich auch. Bei mir ist es wie gesagt auch die Faszintation des Schreckens. Deswegen komme ich auch von den Kotzgedanken gar nicht los und muss jeden Tag die ganze Zeit daran denke. Wie iin vorherigen Erzählungen bereits erläuter bin ich mir auch zu 90% sicher, dass mir eine passende Fremdkotzkonfrontation helfen würde die Phobie sehr stark zu reduzieren. Dadurch würde ich Fremdkotzen im Hier und Jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit als etwas Normales erleben und auch die Faszination würde nachlassen. Dadurch würden auch die Zwangsgedanken erheblich nachlassen.
Deshalb hoffe ich sehr, dass sich in absehbarer Zeit für mich eine Gelegenheit für eine passende Fremdkotzkonfrontation ergibt.

Lg Christian

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon klisi » 28.03.2012, 21:58

Hallo Ihr,

man, da ist ja richtig was im Gange bei euch ;)

@Parasomnia : Du hast Recht! Bei mir ist es auch so, dass wenn ich Streß habe, mir dann schlecht wird und wenn ich traurig bin, dann ist mir auch übel... Vielleicht ist das einfacher, als wenn man über seine Probleme nachdenken muss...

Ich selbst hatte noch keine Situation in der ich mich plötzlich übergeben mußte. Wenn es nachts war, dann bin ich auch aufgewacht und habe es aufs Klo geschafft. Eben halt als Kind einmal nicht und das liegt wohl noch in meinem Unterbewußtsein rum... Ich werde das wohl mal mit meiner Therapeutin besprechen!

Vielen lieben Dank für die Antworten,

klisi

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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon zauberin87 » 28.03.2012, 23:12

klisi hat geschrieben:man, da ist ja richtig was im Gange bei euch ;)


Ja, Gott sei dank! :D (Auch wenn der damit wenig zu tun hat. :P)

klisi hat geschrieben:@Parasomnia : Du hast Recht! Bei mir ist es auch so, dass wenn ich Streß habe, mir dann schlecht wird und wenn ich traurig bin, dann ist mir auch übel... Vielleicht ist das einfacher, als wenn man über seine Probleme nachdenken muss... klisi


Genau darüber rede ich gerade mit meiner Therapeutin. Emo als Deckmantel. Das habe ich hier auch schon oft gelesen. Meine Therapeutin erklärte mir das wie folgt: Die Übelkeit stellt sich bei mir ein, um meine Aufmerksamkeit zu erregen oder wenn man sich mit den Gefühlen, die man eigentlich wirklich hat, nicht auseinandersetzen kann, sie nicht ertragen kann, sie nicht deuten kann.
Und dazu kommt, dass wenn ich meinem Umfeld sage: "Mir ist grad übel" dann wird das eher verstanden, als wenn ich sagen würde, was mich vielleicht wirklich beschäftigt. Übelkeit wird akzeptiert, man wird in Ruhe gelassen, es wird Rücksicht genommen. Wenn man aber sagen würde: "Ich hab grad so Hass auf dich" oder auch "Ich bin grad total verzweifelt wegen xy" dann ist einem das in dem Moment zu viel oder unangenehm oder vielleicht einfach grad nicht möglich, drüber zu reden.

Ich hab jetzt die Aufgabe bekommen, mal bevor die Übelkeit eintritt zu überlegen. Also ein Beispiel: ich sitze am rechner, mir zwickts im Bauch, mein Emohirn meldet sich: Könnte das eine beginnende MDG ankündigen? Also da sitze ich nun und grübele, was das sein könnte. Ich denke aber gar nicht weiter! Ich steigere mich hinein, hmm, sind das nur Blähungen? Wie wars bei Freunden? Hmm, hatte Freundin xy nicht gestern auch Bauchzwicken und ist dann aufs Klo gerannt? Würde ich die ganze Zeit so denken, wäre mir spätestens nach zehn Minuten übel. Meine Aufgabe: Denke zu ende. Okay, es könnte eine MDG sein, es könnten aber - genau wie bei den 20 Mio. Mal zuvor - einfach Blähungen sein. Entweder sie gehen vorbei und ich kann ganz normal weiter am Rechner arbeiten oder es wird schlimmer und ich bekomme MDG. Dann werde ich zum Arzt gehen, werde mir helfen lassen und werde wieder gesund werden. Entdramatisierung - ein herrliches Wort. Aber eben genau das ist gemeint, sich nicht reinsteigern, sondern raussteigern. Wenn es funzt, sich so lange bekloppt zu machen, bis einem übel ist, dann muss es auch entgegengekehrt funzen - das lerne ich grade.

Noch dazu soll ich, wenn ich zu hause bin und so eine Situation tritt ein, ruhig laut mit mir selbst reden also: "Boah fühl ich mich grad mies, weil xy schon wieder anruft. Aber ich kann der Person ja auch einfach sagen, dass ich nicht reden möchte. Ich kann das Telefonat verschieben." Das ist jetzt nur ein Beispiel. Ich hoffe, es kommt rüber, was ich zu sagen versuche. Ich bin auf dem Gebiet selbst noch nicht sicher, kann auch keine Erfahrungen geben, weil ich gestern erst den letzten Termin hatte und so eine Situation noch nicht direkt wieder aufgetreten ist. Aber vielleicht findet ihr diese Idee ganz gut? Was meint ihr dazu?

klisi
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Re: Wenn einem andere erzählen, wie sie sich übergeben mußte

Beitragvon klisi » 29.03.2012, 19:35

Hallo Zauberin,

das mit dem sagen "mir ist übel" im Umfeld, denke ich auch so. Es ist leicht verständlich, alle kümmern sich um dich (ist das vielleicht auch ein Grund!?) und man kann es leichter aussprechen, als "ich habe gerade dies oder jenes Problem". Manchmal kann man das ja auch nicht benennen, was ja viel schlimmer ist.

Ich steiger mich leider auch viel zu sehr rein. Ich sage mir - hey, du hast nur Panik, das ist nicht echt. Dann meldet sich das Emohirn und sagt - aber was ist, wenn dir wirklich schlecht ist? Habe gestern fast durchgehend Angst gehabt und war dadurch so angespannt, dass ich abends total fertig war! Ich bin einfach nur froh, dass die Woche bald rum ist, aber ich weiß, ich muß das in der Griff kriegen, denn es schlaucht einfach nur. Zum Glück kann ich mit meinem Freund drüber reden. Er versteht mich zwar nicht ganz, aber er gibt mir immer ganz gute Tipps.

Das mit dem laut aussprechen hilft mir auch. Manchmal fange ich dann auch zu weinen an und dann entlädt sich alles. Ich schreibe auch Tagebuch, was auch hilft. Dann wird einem noch so manches klar, wenn man es sich danach mal durchliest. Ordnet irgendwie die Gedanken...

Grüße, klisi


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