Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Zwischenmenschliches, Schwierigkeiten durch Schule oder Arbeit, eigene Macken und die Suche nach Gemeinsamkeiten, lustige Situationen oder auch mal unangenehme... - das alles ist genau hier richtig!

Moderatoren: Basti, Dianati, *

Benutzeravatar
Sunny29
Beiträge: 76
Registriert: 11.03.2011, 09:38
Wohnort: Nürnberg

Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon Sunny29 » 03.03.2012, 15:41

Hallo,
ich weiss nicht ob es dem/der einen oder anderen auch so geht- aber ich beobachte an mir immer mehr einen enormen sozialen Rückzug.
Ich fühle mich erst dann einigermassen sicher und entspannt wenn ich alleine bei mir daheim auf der Couch bin (oder irgendwo anders alleine).
Bei Panik und Angstgefühlen ist Gesellschaft sowieso unmöglich, da ertrag ich es überhaupt nicht und inzwischen ist es schon so dass Gesellschaft bei mir Angst und Unwohlsein auslöst.
Dieses Woe wollte mich eine Freundin besuchen kommen, die etwas weiter weg wohnt. Eigentlich habe ich mich drauf gefreut, aber jetzt bin ich wieder abgetaucht..schalte das Handy ab stelle mich wie "tod". Und so gehts mir oft. Ich mache Verabredungen aus und sage die dann kurzfristig ab oder bin gar nicht im Stande Nachrichten zu beantworten und ignoriere einfach alles.
Selbst wenn der Postbote oder Handwerker kommt ist das für mich kaum "erträglich"- fühl mich dadurch bedrängt - warum auch immer.
Warum fühle ich mich nur wohl wenn ich alleine bin...ich kann doch nicht ewig so weiter machen oder!
Kennt jemand dieses starke Verlangen nach Allein sein? Viele schreiben ja sie brauchen jemanden um sich wenn die Panik kommt..bei mir ist das genaue Gegenteil der Fall!

Einsamkeit und Emo - in welchem Zusammenhang könnte das stehen?

silvy1978
Beiträge: 90
Registriert: 30.12.2011, 10:57

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon silvy1978 » 03.03.2012, 17:10

Hallo Sunny!

Mir geht es ähnlich wie dir.
Ich bin am liebsten allein daheim auf meiner Couch, mag niemanden sehen oder hören, ignoriere Anrufe oder SMS. Besuche gibt es kaum und wenn, dann bin ich furchtbar gestresst :(
Ich könnte auch ohne Probleme tagelang nur zu hause hocken, ohne irgendwelche Kontakte - das wäre herrlich! Nur daheim fühle ich mich sicher und geborgen.
Verabredungen sind für mich ein Greuel und nur mit großer Anstrengung zu meistern.
Wenn es mir schlecht geht, will ich allein sein. Da ertrage ich niemanden um mich rum.

Ich weiß ja nicht, wie das bei dir ist, aber bei mir sind das (u.a) die Symptome für eine Depression.
Wie lange hast du das schon?
Ist das jetzt neu für dich?
Bist du in Behandlung?

Liebe Grüße,
Silvy

Benutzeravatar
Sunny29
Beiträge: 76
Registriert: 11.03.2011, 09:38
Wohnort: Nürnberg

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon Sunny29 » 03.03.2012, 20:31

Die Emo habe ich schon lange, seit ich 11 Jahre alt bin.
Ich war als Kind schon viel alleine, wurde zum Teil ausgegrenzt bzw meine Eltern erlaubten mir nicht soviel.
Aber später war ich eigentlich viel unterwegs, auf Konzerte, Partys..Shoppen- konnte alles problemlos machen trotz Emo. War zwar immer eingeschränkter aber solche Probleme wie jetzt sind mir völlig fremd.
Dass ich mich immer mehr zurückziehe habe ich seit ich mit der Therapie begonnen habe, so vor etwa 1 1/2 Jahren. Bin auch immer noch in Behandlung, da für mich wirklich jeder Tag eine Herausforderung ist.
Kennst du das dass dir dann sogar übel wird wenn du in Gesellschaft anderer Menschen bist? Bekomme da richtige Beklemmungsgefühle und starkes Unwohlsein- dann nimmt die Angst vorm Brechen so stark zu dass ich sofort nach Hause muss weil ich das Gefühl habe ich müsste jede Sekunde brechen.
Meistens geht es dann daheim auf der Couch etwas besser, aber sobald ich das Haus verlasse und in Kontakt mit anderen Menschen bin geht es nach ner gewissen Zeit wieder los mit den körperlichen Beschwerden und der damit verbundenen Panik. Das ist für mich ein Teufelskreis, aus dem ich nicht mehr raus komme.
Bist du denn in Behandlung? Kam die Depression von deiner Emo? Ich denke das geht alles irgendwie Hand in Hand :(

klisi
Beiträge: 20
Registriert: 29.12.2010, 15:40
Wohnort: Berlin

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon klisi » 06.03.2012, 19:29

Hallo Sunny,

mir geht es ähnlich! Und jetzt wo ich dein Geschriebenes lese, wird mir auch einiges klarer... Ich fühle mich auch am wohlsten, wenn ich alleine bin, egal wo, das kann auch in der Stadt beim shoppen sein. Ich glaube es liegt einfach daran, dass wenn ich einen Panikanfall habe, mich keiner sehen kann, weil mir das sonst peinlich ist. Ich habe einige Zeit gebraucht, um mich in der Nähe meines Freundes wohl zu fühlen, gerade wenn ich merke, dass ich einen Panikanfall bekomme.... Aus dieser Angst heraus, dass Leute um einen rum sind, die mitbekommen könnten, dass ich einen Panikanfall bekomme, kommt es bei mir sicher auch, dass ich Angst davor habe, mit anderen Leuten Essen zu gehen. Da denke ich - ach, wenn mir schlecht wird... und die anderen bekommen das mit...

Es ist wirklich ein Teufelskreis!!! Man muß sich einfach sagen - lass die anderen das doch mitkriegen, ist mir schnuppe...

ich hoffe, dass ich etwas helfen konnte...

Liebe Grüße, Steffi

Benutzeravatar
Bellchen
Beiträge: 347
Registriert: 22.01.2009, 23:22

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon Bellchen » 06.03.2012, 20:16

Ich hab an mir in letzter Zeit auch beobachtet, dass ich mich mehr zurückziehe. Mit Freunden habe ich mich kaum noch getroffen und sogar bei E-Mails lange vor mir hergeschoben eh ich mich aufraffen konnte, was zu schreiben. Irgendwie will ich einfach meine Ruhe haben.
Aber ich denke nicht, dass das bei mir mit Panik zu tun hat, weil ich Panikattacken nur noch äußerst selten habe. Bei mir liegt es wahrscheinlich einfach daran, dass ich mich mit meinem Job teilweise überfordert fühle und ich dadurch mehr gestresst bin und dass ich zu Hause selten meine Ruhe habe.

Ich weiß ja nicht wie das bei dir ist. Fühlst du dich gestresst?

Oder hast du vielleicht eine soziale Phobie? Wenn du Angst hast, dich vor anderen Leuten zu blamieren, könnte die Angst die Übelkeit auslösen und dadurch kriegst du ja dann auch Angst, dass du dich erbrechen musst.

Wenn man sich zurückzieht kann es ja viele Gründe geben. Stress, Depression, Ängste, ... vielleicht hast du auch durch die Therapie gedanklich so viel mit dir selber zu tun, dass dir das zu viel ist noch mit Menschen zu kommunizieren. Ist ja schon komisch, dass das mit der Therapie anfing.
Hast du bei deiner Therapie mal darüber gesprochen, dass du dich so sehr zurückziehst?

Wie reagieren denn deine Freunde, wenn du so oft Treffen absagst? Wissen sie den Grund? Wäre ja auch schade, wenn du dann Freunde verlierst durch so eine Phase jetzt.

silvy1978
Beiträge: 90
Registriert: 30.12.2011, 10:57

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon silvy1978 » 11.03.2012, 11:08

Hallo!

Evtl. hat je die Therapie irgendetwas aufgewühlt?
Rede dringend mit deinem Therapeuten darüber und auch mit deinem behandelnden Arzt!
Es kann sein, daß du eine Depression dazu bekommen hast, oder eben eine Panikstörung, oder eine Sozialphobie oder, oder...
Nimmst du Ad´S?

LG,
Silvy

Glycerine
Moderatorin
Moderatorin
Beiträge: 1105
Registriert: 09.03.2012, 09:44

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon Glycerine » 12.03.2012, 09:55

Ich kann nachempfinden, was ihr durch macht. Auch ich erkenne Züge davon an mir selbst.
Aber auch da möchte ich euch gerne fragen : selbst wenn euch eine Panikattacke in der Öffentlichkeit heimsuchen sollte. Was könnte schlimmstens passieren?Dass fremde Leute euch ablehnen?Seid ihr darauf angewiesen von diesen Leuten gemocht und anerkannt zu werden?!
Und wenn es unter Freunden passiert. Könnt/wollt ihr Ihnen nicht vertrauen, dass die euch in dieser Situation unterstützen?

Auch wenn ihr vermeidlich annehmt, dass es euch bedeutend besser ginge, wenn ihr euch zu Hause einigelt, ich befürchte, das ist ein Trugschluss. Jeder braucht soziale Kontakte und wenn ihr euch die EMO weg,,denkt'', dann würden Freunde doch zu der Vorstellung eines normalen Lebens gehören, nehme ich an. :wink:
„Im Leben geht es nicht darum,zu warten bis das Gewitter vorbeizieht, es geht darum, zu lernen, im Regen zu tanzen. “

Taivas

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon Taivas » 26.07.2012, 12:28

hallo, mir geht es auch ähnlich, nicht so extrem, aber wenn mir schlecht ist HASSE ich gesellschaft.
manchmal wird mir in der schule schlecht und eine freundin von mir redet mich gerne mal zu, wenn mir dann
übel ist nervt das total. mir geht es auch sofort besser, wenn ich im unterricht mal kurz an die frische luft gehe, weil da draußen niemand ist,
im klassenzimmer fühl ich mich bei so vielen leuten echt eingeengt... oder neulich, da waren wir mit der ganzen familie essen, weil meine großmutter geburtstag hatte. da waren so viele leute, auch fremde. ich hab gegessen und schwups! schon war mir übel. bin dann für ne halbe stunde rausgegangen, irgendwann kam mein bruder und hat mir gut zugeredet (was mich echt gerührt hat... :lol: ) aber ich wollte so ungerne wieder rein, einfach aus der angst, dass mir wieder schlecht werden könnte und alle mich dumm angucken. auch zuhause wird mir manchmal übel und dann bin ich viel lieber ALLEIN in meinem zimmer.
da gibt es außerdem das problem, wenn ich bei meinem vater übernachte (meine eltern sind geschieden). ich muss dann mit meinem bruder in einem raum schlafen und das macht mir echt zu schaffen. mir wird dann richtig schlecht und ich kann kaum schlafen...

aber dass ich nicht mal die tür öffne, oder emails vor mir herschiebe kenne ich nicht ^^

Benutzeravatar
Becks.
Beiträge: 35
Registriert: 04.03.2011, 17:56

Re: Flucht in die Einsamkeit- was könnte dahinter stehen?

Beitragvon Becks. » 01.08.2012, 12:05

Dass ich mich immer mehr zurückziehe habe ich seit ich mit der Therapie begonnen habe, so vor etwa 1 1/2 Jahren. Bin auch immer noch in Behandlung, da für mich wirklich jeder Tag eine Herausforderung ist.


Genau die Erfahrung habe ich auch gemacht. Vor Beginn meiner Therapie ging es mir eigentlich ziemlich gut, ich konnte alles ohne Einschränkung machen und hatte halt nur hin und wieder mal einen Panikanfall. Als ich dann mit der Therapie begonnen hatte, wurde nach und nach alles schwieriger, ich hatte regelmäßiger Angst- und Panikzustände und viele Dinge fallen mir heute noch sehr viel schwerer als vor der Therapie.
Ich habe darüber schon oft mit meinem Therapeuten gesprochen und die einleuchtendste Erklärung war eigentlich ganz simpel: Dadurch, dass ich begonnen habe mich mit allem zu beschäftigen, was ich zuvor erfolgreich verdrängen konnte, kamen auch die Schwierigkeiten. Zum einen ist es also so, dass durch die intensive Beschäftigung mit der Emo diese einen viel größeren Platz in meinem Leben bekommen hat und sich dadurch heftiger äußern. Zum anderen standen auf einmal die Gefühle im Raum, die hinter der Emo stehen, und damit war und bin ich auch heute noch teilweise ziemlich überfordert.
Ich spüre mich selbst einfach viel intensiver und dazu gehört auch, dass viele Dinge schwerer fallen als zuvor.

Ich glaube, dass das ein sehr langwieriger Prozess ist und sich nicht von heute auf morgen wieder umkehren lässt. Umkehren wäre in meinen Augen sowieso der falsche Weg. Immerhin ist das Ziel ja die problematischen Gefühle zu integrieren und sie nicht wieder auszuschließen. Und dazu gehört nunmal die intensive Beschäftigung mit diesen, was unter Umständen sehr schmerzhaft und schwierig ist.


Zurück zu „Alltag mit Emetophobie“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast