Therapie-FAQ (häufig gestellte Fragen zur Therapie)

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Steffi

Therapie-FAQ (häufig gestellte Fragen zur Therapie)

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 00:56

Das hier ist sie nun, die Therapie-FAQ!

Hier findet ihr Antworten auf häufig gestellte Fragen rund um das Thema Therapie.

Wenn euch noch ergänzende Fragen einfallen sollten schreibt sie bitte in diesen Thread :arrow: Fragensammlung oder schickt einfach eine kurze PN.

Das Allerwichtigste: Ein dickes fettes Dankeschön an Sunflower, ohne sie wäre das gar nicht möglich gewesen :bussi:

Ich denke es werden noch einige Fragen dazukommen, schaut einfach ab und zu mal rein ;)

Liebe Grüße,
Steffi

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:00

Welche Therapiearten gibt es? Welche Therapieart ist für mich geeignet?

Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten für folgende Therapierichtungen übernommen:
1.Verhaltenstherapie
2.Psychodynamische und tiefenpsychologische (psychoanalytische) Verfahren

Daneben existieren weitere Therapierichtungen, deren Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen werden. Dazu gehört auch die Gesprächspsychotherapie, deren Erfolge wissenschaftlich gesichert sind.

Verhaltenstherapie

Ziel dieser Therapieform ist es, dem Patienten zu zeigen, wie bestimmte Verhaltensweisen, Gewohnheiten, Denkstile und Ereignisse das Verhalten, das Denken, das Fühlen und den Körper beeinflussen und möglicherweise psychische Störungen auslösen und/oder aufrecht erhalten. Daraus werden dann gedankliche (kognitive) und praktische Verhaltensübungen abgeleitet, um Veränderung zu bewirken.
Dieser Therapieansatz macht einen Vergleich zwischen dem Ist-Zustand und dem erwünschten Zielzustand und guckt, welche Probleme und Hindernisse dem Erreichen des erwünschten Zielzustandes im Wege stehen, an welchen Fähigkeiten es einem Menschen fehlt. Dabei bezieht sich das Verfahren sehr auf das aktuelle Leben und aktuelle Probleme und streift Hintergründe und Ursachen nur, wenn sich Geschichten aus der Vergangenheit deutlich auf die Gegenwart auswirken.
Es wird weniger danach geguckt, WARUM etwas so ist, sondern vielmehr daran gearbeitet, Dinge anderes zu machen.
Verhaltenstherapie ist das therapeutische Verfahren, für das die meisten Wirksamkeitsnachweise vorliegen. Es gilt v.a. bei Angststörungen und Depressionen als Mittel der Wahl (ca. 80% Erfolgsquote bei ordnungsgemäßer Behandlung). Verhaltenstherapie ist zudem das Verfahren, welches am schnellsten zu Änderungen führt und erste Erfolge zeigt. Gerade für Menschen ohne jegliche Therapieerfahrung ist diese Therapierichtung zu empfehlen.
Typische Behandlungselemente einer Verhaltenstherapie sind verschiedene Arten von Konfrontationsverfahren, kognitive Verfahren (Arbeit an Gedanken und Denkweisen) und Entspannungsverfahren. Typisch für diese Therapieform sind „Hausaufgaben“ in Form von praktischen Übungen und Gedankenprotokollen, die zwischen den Therapiesitzungen bearbeitet und in den Sitzungen besprochen werden.

Psychoanalytische und tiefenpsychologische Verfahren

Bei diesen Therapierichtungen versucht der Therapeut, die vermeintlichen tieferen Ursachen der Erkrankung aufzudecken. Die Basis dafür ist die Annahme, dass emotionale Probleme seit der Kindheit im Unbewussten vorhanden sind.
Dem Patienten soll verdeutlicht werden, welche Auswirkungen frühere Emotionen und Beziehungen auf gegenwärtige Erfahrungen haben, um so neue Auseinandersetzungsformen mit der Gegenwart und Zukunft zu entwickeln.
Dieses Verfahren versucht nicht direkt, aktuelles problematisches Verhalten zu beeinflussen, sondern zielt vorrangig auf ein Verständnis dieses Verhaltens ab.
Es hat im Hinblick auf Angststörungen den Nachteil, dass der Betroffene nicht angehalten wird, negative Verhaltensweisen wie z.B. Vermeidungsverhalten zu verändern. Dadurch kommt es eher spät und zufällig zu Verhaltensänderungen.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:04

Wie finde ich einen Therapeuten / eine Therapeutin?

Zu unterscheiden ist grundsätzlich zwischen Psychiatern, „Ärztlichen Psychotherapeuten“ und „Psychologischen Psychotherapeuten“.
Psychiater sind Ärzte mit einer Facharztausbildung für Psychiatrie (häufig in Kombination mit Neurologie). Diese sind auf psychische Erkrankungen spezialisiert, können Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen und Medikamente verordnen. Sie sind der ideale Ansprechpartner, wenn man sich z.B. ein Antidepressivum verschreiben lassen möchte. Die meisten Psychiater führen selber aber keine längeren Psychotherapien durch.

Ärztliche Psychotherapeuten sind Ärzte (egal welcher Fachrichtung) mit einer Zusatzausbildung. Sie dürfen ebenfalls Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen ausstellen und Medikamente verordnen. Ihre psychotherapeutische Tätigkeit wird i.d.R. in den normalen Praxisalltag integriert, was problematisch sein kann (Zeitmangel, Störungen durch medizinische Notfälle,...).
Psychologische Psychotherapeuten sind Diplom-Psychologen mit einer mehrjährigen Zusatzausbildung. Sie sind die idealen Ansprechpartner, wenn eine längere Psychotherapie gewünscht wird. Gesetztliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Psychotherapie nur, wenn der Therapeut die Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten absolviert hat. Hier unterscheidet man die Fachrichtungen Verhaltenstherapie vs. Psychoanalyse/Tiefenpsychologie.

Einen Therapeuten kann man auf verschiedenen Wegen finden:
:arrow: Seine Krankenkasse kontaktieren und um eine Liste mit Therapeuten bitten bzw. nach Namen und Fachrichtung von Therapeuten am Wohnort fragen.
:arrow: Seinen Hausarzt oder einen Psychiater fragen.
:arrow: Freunde und Bekannte fragen, die bereits eine Therapie absolviert haben,
:arrow: In den Gelben Seiten nach "Psychologischen Psychotherapeuten" suchen.
:arrow: Auf der Website der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung unter „Arztsuche“ nach einem Psychotherapeuten suchen.
:arrow: Die Therapeutensuche auf der Website http://www.psychotherapiesuche.de


Die Suche kann sich als mühsam gestalten, zudem haben Therapeuten i.d.R. mehrmonatige Wartelisten. Sinnvoll ist, sich vorab Gedanken zu machen, ob man evtl. nur einen Mann oder eine Frau als Therapeuten haben möchte – und dann einfach alle abtelefonieren.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:05

Wenn ich mich für einen Therapeuten entschieden habe, wer kümmert sich dann um die Kosten?

Wenn es sich um einen Psychologischen Psychotherapeuten mit Kassenzulassung handelt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.
Der Ablauf ist wie folgt:
Man hat Anrecht auf bis zu 5 sog. „probatorische“ Sitzungen. Diese dienen dem Kennenlernen von Therapeut und Patient. Dafür reicht es, wenn man mit seiner Versichertenkarte und einer Überweisung (oder dem Nachweis, dass man in dem Quartal die Praxisgebühr entrichtet hat) zum Psychotherapeuten geht.
Entscheidet man sich für eine Therapie bei diesem Therapeuten, wird ein Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt. Dazu muss der Therapeut einen Antrag stellen und einen anonymisierten Bericht verfassen. Der Patient muss ebenfalls ein Antragsformular unterschreiben. Außerdem ist ein sog. Konsiliarbericht eines Arztes erforderlich aus dem hervorgeht, dass gegen eine Psychotherapie keine medizinischen Bedenken bestehen. Zudem muss der Arzt angeben, ob eine medikamentöse Mitbehandlung empfehlenswert oder erforderlich ist.
Der Antrag geht dann an die Krankenkasse, das anonymisierte Gutachten geht an einen Gutachter, der im Auftrag der Krankenkasse untersucht, ob eine Therapie erforderlich ist und die vorgeschlagenen therapeutischen Maßnahmen sinnvoll erscheinen.

Man unterscheidet bei der Verhaltenstherapie zwischen einem Antrag auf Kurzzeittherapie (25 Sitzungen à 50 Min.) oder Langzeittherapie (mind. 45 Sitzungen à 50 Min.). Zusätzlich können Verlängerungsanträge gestellt werden. Das Maximum bei einer Verhaltenstherapie sind 80 Sitzungen, wobei Ausnahmen möglich sind.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:06

Muss ich einen Therapeuten suchen, der sich mit Emetophobie auskennt?

Nein. Die wenigsten Therapeuten werden den Begriff jemals gehört haben – dies ist auch nicht weiter schlimm.
Wichtiger ist es, sich zu erkundigen, ob der Therapeut Erfahrungen hat im Umgang mit Angststörungen. Man sollte außerdem während der probatorischen Sitzungen das Gefühl haben, dass er die Symptome richtig einordnet. Also Nicht-Essen nicht auf eine Magersucht schiebt, etc. Er sollte zeigen, dass er den Zusammenhang zwischen den Symptomen und Ängsten richtig verstanden hat.

Werde ich während einer Therapie zur Konfrontation durch Bilder/Filme gezwungen oder muss ich selber erbrechen?

Kein Therapeut darf einen direkt zu etwas zwingen. Konfrontation ist zwar ein essentieller Bestandteil einer jeden Angstbehandlung; allerdings kann Konfrontation ganz unterschiedlich aussehen.
Allgemein bedeutet Konfrontation nur, sich Dingen auszusetzen, die man aus Angst vermeidet. Es kann sich also um so simple Dinge wie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel handeln. Oder aber halt auch um Bildkonfrontation.
Dazu muss der Patient aber grundsätzlich immer bereit sein. Kein Therapeut kann einen dazu zwingen. Was leider passieren kann: Das ab einem gewissen Punkt der Therapie ohne Konfrontation keine Fortschritte mehr zu erwarten sind – und der Therapeut bei einer grundsätzlichen Weigerung des Patienten die Therapie beendet.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich selber klar zu machen: Halte ich Konfrontation persönlich für „falsch“? Oder ist es nur die Angst davor, best. Dinge machen zu müssen, die mich abhält?
Letzteres ist ganz typisch bei der Entscheidung für/gegen Konfrontation – und man sollte sich wirklich überwinden und es zumindest versuchen. Und zwar mehr als ein Mal. Im Idealfall hat man bis dahin verstanden, wie und warum Konfrontation sinnvoll ist und helfen kann.

Die Basis für eine Konfrontation ist: Der Patient muss begriffen haben, weswegen die Vermeidung best. Dinge die Angst aufrecht erhält, weswegen Konfrontation zu einer Angstreduktion führen kann. Und auch, wie genau er sich dabei zu verhalten hat. Idealerweise begleitet einen der Therapeut am Anfang – bis man sich die Übungen selber zutraut.
Wichtig ist in dem Zusammenhang:
Konfrontation ist etwas anderes, als die Angst einfach nur auszuhalten. Das macht man im Alltag oft genug, und dennoch ändert es nichts. Was daran liegt, dass das sehr wichtige Hintergrundwissen fehlt.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:08

Erfahren meine Eltern von der Therapie?

Das ist unterschiedlich. Bei Minderjährigen müssen die Eltern einverstanden sein mit einer Therapie, d.h. sie müssen den Antrag auf Kostenübernahme unterschreiben.
Bei allen anderen Personen kann es lediglich passieren, dass der Schriftwechsel mit der Krankenkasse auffällt (die Krankenkassen schreiben bspw. den Patienten an und informieren ihn darüber, ob sie die Kosten übernehmen).
Grundsätzlich unterliegen Krankenkassen aber auch der Schweigepflicht; außerdem erfahren sie vom Therapeuten nur grobe Eckdaten und keine Details.

Was erwartet mich in der ersten Therapiestunde?

Die erste(n) Stunde(n) dienen dem gegenseitigen Kennenlernen. Man erzählt, weswegen man eine Therapie machen möchte, wo die Probleme liegen, wie sie sich entwickelt haben. Wie das Leben sonst so aussieht: Was man macht, wie man lebt,...
Es ist also ein ganz harmloses Kennenlernen. Es bleibt viel Raum zum Erzählen, es kommen aber auch genaue Fragen vom Therapeuten. Je zurückhaltender man ist, desto mehr wird der Therapeut fragen.
V.a. bei einer Verhaltenstherapie wird viel mit Fragebögen gearbeitet und es kann gut sein, dass man beim ersten Termin Fragebögen mit nach Hause bekommt, die man bis zur nächsten Sitzung ausfüllen soll. Diese Fragebögen helfen dem Therapeuten dabei, das Problem ganz systematisch zu erfassen und nichts zu übersehen. Man sollte die Fragebögen ehrlich und vollständig ausfüllen, weil von den Ergebnissen auch die weitere Therapie abhängt.
Unterschieden wird hier zwischen allgemeinen Fragebögen, die z.B. die Lebensgeschichte erfassen oder alle möglichen Symptome abfragen. Daneben gibt es ganz spezifische Fragebögen, die nur ein Symptom oder eine Erkrankung erfassen (z.B. Depressionen, Bewegungsspielraum bei Panikattacken, typische Gedanken bei einer Panikattacke,...).

In diesen ersten Sitzungen, die dem Kennenlernen und der Diagnostik dienen, sollte man noch nicht viel konkrete therapeutische Hilfe erwarten. Dies kann frustrierend sein, aber: Der Therapeut kann einem nur helfen, wenn er ausreichend über eine Person und ihre Probleme weiß.
Ohne Diagnose und Therapievorschlag kann zudem kein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden. Je besser einen der Therapeut kennt, je fundierter die Diagnose und der Therapievorschlag, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass der Gutachter die Kostenübernahme bewilligt.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:09

Hilft eine Therapie sehr schnell oder wird die Emetophobie erst schlimmer?

Hier kann man keine pauschale Antwort geben, da es von vielen Faktoren (der eigenen Situation, dem Therapeuten, der Emo-Ausprägung, anderen Problemen, dem eigenen Engagement etc.) abhängt.
Je offener und ehrlicher man ist, je mehr man zwischen den Sitzungen an sich arbeitet, desto schneller werden erste Erfolge eintreten.
Therapie ist generell mehr als nur eine Stunde pro Woche zu reden; Therapie ist letztlich, was zwischen den Sitzungen stattfindet.

Therapien verlaufen oft in Phasen. Dazu gehört, dass es immer wieder Momente geben kann, wo es einem schlechter geht. Das bezieht sich jetzt nicht unbedingt auf die Emetophobie direkt, aber es kann halt sein, dass einen bestimmte Themen emotional sehr aufwühlen und einige Tage beschäftigen. Hier ist es wichtig, sich mit diesen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen, um sich da ein Mal „durchzuarbeiten“. Je mehr schwierige Themen bearbeitet werden, desto besser wird es einem gehen.
Allerdings ist es auch völlig normal, dass man dies manchmal nicht schafft und doch wieder auf „ungesunde“ Verhaltensweisen zurückgreift, weil man mehr in dem Moment nicht schafft.
Solche Tiefs sollte man aber nicht als völlig negativ abstempeln – oft sind sie die Basis für Fortschritte. Wichtig ist nur, dass man sich bei seinem Therapeuten gut aufgehoben fühlt, ihm vertraut – und er einem aus so einem Tief heraushelfen kann. Wie das konkret aussieht, ist individuell ganz unterschiedlich.

Tatsache ist leider auch: Je länger und ausgeprägter eine Störung existiert, desto länger wird es dauern, bis man die Erkrankung im Griff hat. Das soll jetzt nicht demotivieren, da man bei viel eigenem Engagement auch viel erreichen kann. Zudem ist die Erkrankungsdauer allein kein Anhaltspunkt dafür, wie schnell es einem besser geht, sondern genauso wichtig ist das eigene Engagement.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:11

Nehmen mir Antidepressiva meine Gefühle weg? Verändern sie meine Persönlichkeit?

Nein. Antidepressiva nehmen keine Gefühle weg. Sie sorgen lediglich dafür, dass Stimmungsschwankungen nachlassen und man Dinge wieder positiver sehen kann. Sie werden aber nicht bewirken, dass man alles nur noch rosarot sieht. Ebenso wenig können Antidepressiva verhindern, dass normale schlechte Laune auftritt. Antidepressiva sind keine Happy Pills, die alle Probleme nehmen. Sie stabilisieren jemandem bestenfalls auf einem besseren Niveau. Außerdem ist es ja so, dass man sich durch Depressionen oder Ängste verändert – wenn dann Antidepressiva einen Einfluss auf die Persönlichkeit haben, dann dahingehend, dass man wieder so wird wie man früher, d.h. vor der Depression oder Angststörung, war.

Je nach Wirkstoffgruppe können Antidepressiva den Antrieb fördern, d.h. dafür sorgen, dass man aktiver ist. Oder aber beruhigen und Anspannung und Ängste reduzieren. Best. Antidepressiva werden aber auch bei chronischen Schmerzen eingesetzt, weil sie auf die Schmerzwahrnehmung Einfluss haben.

Leider wirken Antidepressiva erst nach ca. 4-8 Wochen, so dass man in den ersten Tage v.a. mit eventuell auftretenden Nebenwirkungen zu kämpfen hat. Bei beruhigend wirkenden Antidepressiva kann es z.B. vorkommen, dass man sich lethargisch und apathisch fühlt, dies vergeht nach einigen Tagen i.d.R. aber. Wenn nicht, sollte man mit seinem Arzt sprechen und evtl. das Medikament wechseln. Nebenwirkungen lassen i.d.R. innerhalb der ersten 1-2 Wochen nach.

Zur Wirkungsweise von Antidepressiva:
Unser Hirnstoffwechsel funktioniert über Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter. Dazu gehören (Nor)Adrenalin, Serotonin, Dopamin. Bei Angststörungen und Depressionen geht man davon aus, dass ein Mangel an diesen Stoffen herrscht. Durch Antidepressiva wird dieser Mangel behoben. Aber nicht, in dem diese Stoffe dem Körper zugeführt werden, sondern dadurch, dass die ohnehin in den Nervenzellen im Gehirn produzierten / ausgeschütteten Transmitter verstärkt ausgeschüttet werden, länger wirken oder verlangsamt abgebaut werden. Es gibt einfach ein Mehr an Botenstoffen, wodurch der Mangel ausgeglichen wird. Je nach Art des Antidepressivums (trizyklisch, tetrazyklisch, Selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Selektiver Noradrenalin-Aufnahmehemmer) werden unterschiedliche Transmittersysteme beeinflusst.
Bei Gesunden ohne diesen Mangel sind Antidepressiva bspw. wirkungslos. Und auch individuell gibt es Unterschiede, was Wirkung und Nebenwirkung angeht.

Außerdem ist nachgewiesen mittels spezieller bildgebender radiologischer Verfahren (sog. funktionelles MRT = fMRT), dass bei Depressiven und Angstpatienten zum Teil andere Hirnareale aktiver sind als bei Gesunden, oder dass das Niveau der Aktivität in wichtigen Hirnzentren von dem Normaler abweicht.
DAS korrigieren Antidepressiva. Das kann aber ebenso eine Therapie beeinflussen, zu beidem (Effekt von Medikamenten und kognitiver Verhaltenstherapie) gibt es Vorher-Nachher-Studien, die diese Normalisierung des Hirnstoffwechsels belegen.
Diese Normalisierung kann auch nach dem Absetzen andauern. Absetzen bedeutet nicht zwangsläufig, dass die alten Symptome wiederkommen.

Wichtig für eine Stabilisierung von Erfolgen ist: Man darf nicht nur Medikamente nehmen, sondern sollte immer eine Therapie machen, damit sich wirklich etwas ändert.
Und wenn man Medikamente nimmt, sollte man zwar eine bessere Stimmung darauf zurückführen,, aber wichtige Erfolge durchaus sich selber zuschreiben.

Machen Antidepressiva abhängig?

Nein. Allerdings sollten die nicht abrupt abgesetzt werden, weil es sonst zu unschönen Absetzerscheinungen kommen kann. Dennoch handelt es sich hierbei nicht um eine Abhängigkeit, sondern lediglich um eine Umstellung des Stoffwechsels.
Genauso, wie die Dosis zu Beginn langsam erhöht werden muss, muss die Dosis am Ende langsam reduziert werden.

Gefährlich hinsichtlicher einer Abhängigkeit sind Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine (Valium, Tavor,...). Diese starken Beruhigungsmittel machen bei regelmäßiger Einnahme auch geringer Dosen innerhalb kurzer Zeit auch körperlich abhängig, zusätzlich zur psychischen Abhängigkeit. Bei der Einnahme dieser Medikamente kann es durchaus zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:17

Soll ich eine stationäre oder ambulante Therapie machen?

Die Frage kann man nicht pauschal beantworten. Bei zu langen Wartezeiten auf einen ambulanten Therapieplatz kann eine stationäre Therapie oft die einzige Hilfe darstellen, die man bekommen kann. Eine stationäre Therapie kann auch hilfreich sein, wenn die Situation zu Hause insgesamt angespannt ist, man nicht mehr arbeitsfähig ist – oder andere Dinge selber nicht mehr im Griff hat (Essverhalten,...).

Wichtige Hinweise dafür, dass eine stationäre Therapie angezeigt ist, sind:
:arrow: Vorliegen vieler körperlicher Probleme bzw. Fokus auf körperlichen Problemen, die psychisch bedingt sind.
:arrow: Chronische Überlastung im Alltag
:arrow: Erhebliche Probleme im Beruf oder in der Familie, d.h. allgemein im häuslichen Umfeld
:arrow: Erhebliche Selbstmordgedanken
:arrow: Stark ausgeprägte Symptomatik bei einer Störung
:arrow: Das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Störungen, die sich gegenseitig negativ beeinflussen.
:arrow: Viele erfolglose ambulante Vorbehandlungen
:arrow: Unerreichbarkeit einer geeigneten ambulanten Behandlung (Mangel an Therapeuten vor Ort oder auch eigene, krankheitsbedingte Einschränkungen)
:arrow: Es ist eine intensivere Behandlung, bestehend aus mehreren Komponenten, erforderlich (statt nur 1-2 Sitzungen Psychotherapie pro Woche).

Wie komme ich in eine Klinik?

Es gibt verschiedene Wege.

Unterschieden muss bei einer stationären Behandlung zwischen der Behandlung in einer sog. „Akutpsychiatrie“ und der Behandlung in einer Fachklinik.

Unter Akutpsychiatrie versteht man psychiatrische Abteilungen von Allgemeinkrankenhäusern oder Univreistätskliniken oder rein psychiatrische Kliniken.
Hier bekommt man i.d.R. sehr schnell oder als Notfall sogar sofort einen Platz. Über die Qualität der Behandlung kann man pauschal nichts sagen. Man sollte sich (sofern man noch die Kraft hat) vorher informieren, welche Therapien man dort durchführt, wie viele Einzelgespräche man hat, etc.
Generell ist die Atmosphäre in solchen Kliniken sehr krankenhausmäßig – was aber nebensächlich sein sollte, da die Behandlung im Vordergrund stehen sollte.
Immer mehr Stationen in solchen Kliniken spezialisieren sich zudem auf best. Erkrankungsbilder (Stationen zur Depressionsbehandlung, für Angstpatienten,...).

Für solche Kliniken reicht der Einweisungsschein zur stationären Behandlung durch den Hausarzt.


Daneben gibt es spezialisierte Fachkliniken, i.d.R. handelt es sich hierbei um sog. „Psychosomatische Kliniken“. Dies sind dann keine Akutkliniken, sondern sog. Rehakliniken. Für eine Behandlung in einer solchen Einrichtung benötigt man i.d.R. eine Kostenzusage von der Krankenkasse oder dem Rentenversicherungsträger. Dies ist je nach Lebenssituation, Versicherung und Klinik sehr unterschiedlich. Hier empfiehlt es sich, die jeweils in Frage kommende Klinik direkt zu kontaktieren, um das genaue Vorgehen in Erfahrung zu bringen.

Steffi

Beitragvon Steffi » 01.03.2007, 01:18

Helfen Hypnose, Akupunktur, EMDR, EFT, Linden-Methode, ...?

JEIN. Generell ist es so, dass eine psychische Erkrankung wie z.B. eine Angststörung das Denken und Fühlen einer Person auf vielen Ebenen beeinträchtigt. Demzufolge erfordert es ein aktives Vorgehen der Person, um diese Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Abzuraten ist daher von allen alternativen Verfahren, die Heilung ohne Anstrengung versprechen.

Ansonsten ist bei diesen alternativen Ansätzen zu unterscheiden zwischen Verfahren, die von professionellen Therapeuten praktiziert werden, und Verfahren, bei denen dies nicht der Fall ist.

Von professionellen Therapeuten angewendete Verfahren sind Hypnose, EMDR und z.T. EFT. Diese Verfahren stellen dann aber nur einen Baustein in einer umfassenden Therapie dar, bzw. sollten nur einen Baustein darstellen. Zudem sollte der Therapeut eine seriöse Fortbildung in diesem Bereich absolviert haben.

Sicherlich kann es hilfreich sein, andere alternative Verfahren auszuprobieren. Man sollte sich aber drüber im Klaren sein, dass kein Verfahren (auch eine seriöse Therapie nicht!) magische Heilung ohne jegliche Eigeninitiative bewirken kann.
Verspricht ein Behandler so etwas und verlangt womöglich noch viel Geld dafür, sollten man auf diese Behandlung besser verzichten.
Ebenso sollte ein Therapeut immer ansprechbar sein und einen nicht nur mit einer CD o.ä. abspeisen.

Unternimmt man gewisse Behandlungsversuche (z.B. auch Bachblüten) auf eigene Faust, parallel zu einer regulären Psychotherapie, sollte man seinen Therapeuten immer darüber informieren.

Steffi

Beitragvon Steffi » 14.10.2007, 16:55

Adressen der Landespsychotherapeutenkammern

Tipps zur Therapeutensuche finden Sie auf den Seiten der Landespsychotherapeutenkammern

Baden-Württemberg

Hauptstätter Straße 89
70178 Stuttgart
Telefon: 0711 674470-0
Telefax: 0711 674470-15
eMail: lpk-bw@t-online.de
Internet: http://www.lpk-bw.de

Berlin

Kurfürstendamm 184
10707 Berlin
Telefon: 030 887140-0
Telefax: 030 887140-40
eMail: info@psychotherapeutenkammer-berlin.de
Internet: http://www.psychotherapeutenkammer-berlin.de

Schleswig-Holstein

Walkerdamm 17
24103 Kiel
Tel: 0431 66119-90
Fax: 0431 66119-95
E-Mail: Info at pksh dot de
Internet: http://www.pksh.de

Psychotherapeutensuchdienst für:

* Bremen
* Hamburg
* Niedersachsen
* Schleswig-Holstein

Internet: http://www.psych-info.de

Bremen

Hollerallee 22
28209 Bremen
Telefon: 0421 2772-000
Telefax: 0421 2772-002
eMail: Verwaltung@Psychotherapeutenkammer-HB.de
Internet: http://www.lpk-hb.de

Hamburg

Curschmann Str. 9
20251 Hamburg
Tel.: 040 4210-1234
Fax.: 040 4128-5124
eMail: info@psychotherapeutenkammer-hamburg.de
Internet: http://www.ptk-hamburg.de

Niedersachsen

Roscherstr. 12
30161 Hannover
Telefon: 0511 850-30430
Telefax: 0511 850-304 44
eMail: info@pk-nds.de
Internet: http://www.pk-nds.de

Hessen

Gutenbergplatz 3
65187 Wiesbaden
Telefon: 0611 53168-0
Telefax: 0611 53168-29
eMail: psychotherapeutenkammer.hessen@t-online.de
Internet: http://www.psychotherapeutenkammer-hessen.de

Nordrhein-Westfalen

Willstätterstr. 10
40549 Düsseldorf
Telefon: 0211 52284-70
Telefax: 0211 522847-15
eMail: info@ptk-nrw.de
Internet: http://www.psychotherapeutenkammer-nrw.de/

Saarland

Talstraße 32
66119 Saarbrücken
Telefon: 0681 95455-56
Telefax: 0681 95455-58
eMail: kontakt@ptk-saar.de
Internet: http://www.ptk-saar.de

Keinen Online-Therapeutensuchdienst haben:

Bayern

St.-Paul-Str. 9
80336 München
Telefon: 089 515555-0
Telefax: 089 515555-25
eMail: info@psychotherapeutenkammer-bayern.de
Internet: http://www.psychotherapeutenkammer-bayern.de

Rheinland-Pfalz

Wilhelm-Theodor-Römheld-Str. 30 (Bürozentrum Mainz)
55130 Mainz-Weisenau
Telefon: 06131 570-3813
Telefax: 06131 570-0663
eMail: service@lpk-rlp.de
Internet: http://www.lpk-rlp.de/

Quelle: DGVT - Übersicht Landes-Psychotherapeutenkammern



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