Fantasiekonfrontation? Kennt sich jemand aus?

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zwergi27
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Fantasiekonfrontation? Kennt sich jemand aus?

Beitragvon zwergi27 » 18.12.2015, 15:23

Hallo zusammen.
Ich habe mich hier lange nicht mehr gemeldet.
Es hat sich sehr viel getan. Ich bin im Januar zum zweiten Mal Mama geworden.
Und die Emo ist im Alltag ziemlich nach hinten gerutscht und ist auch besser geworden.
Die klopftherapie hat gut angeschlagen. Mittlerweile habe ich generell keine Probleme mehr damit jemanden erbrechen zu sehen oder zu wissen das jemand erbrochen hat.
Allerdings habe ich immer noch ein riesen Problem damit wenn mir mal schlecht ist. Ich bekomme direkt Panik wenn ich nur dran denke, das es mir passieren könnte.
Nun musste mein Therapeut die Therapie verlängern und da wurde dann auch nochmal geschaut, was sich verbessert hat und woran wir in Zukunft noch intensiv arbeiten müssen.
Er möchte im neuen Jahr mit mir eine "Fantasiekonfrontation" durchführen. Es geht darum das ich mir wohl vorstellen soll, wie eine für mich "schlimme Situation" eintritt usw. Es wird wohl von Anfang bis Ende durchgespielt... :?
Hat jemand Erfahrung mit dieser Art von Konfrontation gemacht?
Am liebsten möchte er dies noch filmen, für die Kollegen und Studenten, da wohl irgendeine Fortbildung / Studie bevorsteht. Ich habe Bedenkzeit bis zum nächsten Termin ob ich dabei gefilmt werden möchte. Aber das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.
LG zwergi27

Linnunrata
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Re: Fantasiekonfrontation? Kennt sich jemand aus?

Beitragvon Linnunrata » 18.12.2015, 16:02

Hallo,

Ja ich habe tatsächlich während meines 3 monatigen Klinikaufenthaltes solche Situationen durchgespielt.
Also wirklich geholfen hat es mir nicht. Vielleicht muss man es einfach viel viel öfter machen.
Ich denke nämlich schon dass Konfrontation die beste Therapie ist.
Ich musste mich vor wenigen Wochen das erste mal seit fast 30 Jahren wieder übergeben. Und es war gar nicht so schlimm wie ich es mir in meinen Horror Szenarien immer ausgemalt habe.
Wenn ich jetzt an die Situation vor paar Wochen denke bekomme ich ein breites Grinsen im Gesicht und denke mir.....es war das Beste was mir passieren konnte.

War dir denn in deiner Schwangerschaft nie schlecht?

Wenn du Vertrauen zu deinemTherapeuten hast dann lass dich drauf ein. Du kannst nur gewinnen.
Ich wurde zwar nie gefilmt. Aber es haben schon mal junge Therapeuten bei einer Stunde zugeguckt. Das hat mich gar nicht gestört. Ich habe die dritte Person im Raum irgendwanngar nicht mehr wahr genommen.
Die Idee mit dem Filmen finde ich aber sehr gut. Im Rahmen einer Erziehunsberatung wurde ich öfter gefilmt und durfte mir im Anschluss die Filme ansehen. Das hat mir mein Vertrauen in mich selbst sehr gestärkt.

Ich bin gespanntwas du berichtest!!

Liebe Grüße

zwergi27
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Re: Fantasiekonfrontation? Kennt sich jemand aus?

Beitragvon zwergi27 » 18.12.2015, 21:23

Hallo Linnunrata,

danke für deine Antwort.
Wie ist es jetzt für dich nach dem Erbrechen? Ist deine Angst weniger geworden?
Ich habe mich das letzte Mal vor 7 Jahren übergeben und habe ehrlich gesagt gar keine Erinnerung mehr daran wie sich das anfühlt. Dennoch hab ich panische Angst davor.
Und egal wann mich mein Therapeut frgat, egal wie oft ich schon drüber nachgedacht habe, ich kann die Frage" Was für mich so schlimm am Erbrechen ist" nicht beantworten.

Mir war in beiden Schwangerschaften nie schlecht. Zum Glück sage ich... Mein Therapeut meinte es wäre vielleicht von Vorteil gewesen wenn mir schlecht gewesen wäre.

Damals war ich noch nicht so weit, hab jegliche Konfrontationstherapie abgeschlagen. Mein Therapeut wollte damals mit mir verschiedene Feste spät abends besuchen und ich sollte genau da hinschauen wo sich jemand erbricht. Aber das hätte ich nicht können. Die Klopftherapie hat mir sehr geholfen, jedoch wird es nun Zeit für die Konfrontation. Obwohl sich das ja nun auch sehr schwierig gestaltet, bei der Angst sich selber zu erbrechen.
Denn der richtigen Konfrontation, sich ein Brechmittel spritzen zu lassen, würde ich zur jetzigen Zeit nicht zustimmen.
Ich habe schon ein wenig Hoffnung das die Fantasiekonfrontation etwas hilft. Denn wenn ich auch im Alltag nicht eingeschränkt bin, nervt es mich trotzdem das, sobald eine akute Situation auftritt, ich förmlich Amok laufe.
Ich werde auf jeden Fall hinterher berichten, wie es war.

zwergi27
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Re: Fantasiekonfrontation? Kennt sich jemand aus?

Beitragvon zwergi27 » 16.01.2016, 23:06

Gestern hatte ich den Termin bei meinen Therapeuten.
Bis zur letzten Sekunde habe ich es mit der Kamera verdrängt. Als er mich fragte ob es ok sei, habe ich spontan zugestimmt.
Am Anfang fühlte ich mich total beobachtet, aber nach kurzer Zeit hatte ich die Kamera schon vergessen.
Er fragte mich ob ich eine Situation aus der Vergangenheit im Zusammenhang mit dem eigenen erbrechen als Konfrontation nutzen möchte, er mir anhand seiner eigenen Erfahrungen eine akute Situation erfinden soll oder ich mir eine Situation ausmalen möchte. Erst war ich am überlegen ob er mir was erzählen sollte wo ich mich reinversetzen muss, aber dann entschied ich mich für eine Situation die ich als 4 jährige erlebt habe. Diese Situation sehe ich auch als Auslöser meiner Emo.
Es wurde von Anfang bis Ende in allen Details durchgekaut. Immer und immer wieder musste ich mich in diese Situation rein versetzen... Wie ging es mir, wie fühlte ich, wer war dabei, wie wurde ich behandelt, was hätte ich mir gewünscht, wie hätte ich behandelt werden wollen, was war für mich das schlimmste in dieser Situation...
Es war sehr emotional, mir fiel es schwer darüber zu reden, es tat unheimlich weh wieder zu fühlen, wie es damals war.
Und schnell wurde klar, daß es bei mir viel mit der erlebten Abneigung und Demütigung nach dem erbrechen zu tun hat.
Mein Therapeut sagte am Ende der Stunde das ich nun einen Schritt weiter bin. Es wird noch ein langer Weg, aber er ist sehr zuversichtlich das ich diese Phobie irgendwann komplett los werde...

Ich fühlte mich hinterher eigentlich ganz gut, war aber ziemlich durcheinander. Ich denke sehr viel drüber nach seit gestern.
In zwei Wochen werde ich das Video mit ihm anschauen um es mal aus einer anderen Sichtweise zu sehen. Und dann wird es nochmal alles durchgespielt...
Das Video nutzt er mit meiner Zustimmung als Arbeitsmaterial für eine Fortbildung mit jungen Ärzten zu dem Thema Fantasiekonfrontation.
Ich habe zwar zugestimmt, jedoch bin ich verunsichert ob das richtig war.


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