Erlebnisbericht Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thrive"

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Erlebnisbericht Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thrive"

Beitragvon m.d. » 11.01.2015, 17:49

Wie versprochen werde ich hier meine Erlebnisse mit dem Arbeitsbuch von Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thrive" erzählen.
Das Buch wird in zwei anderen Threads schon diskutiert, es handelt sich um einen "Hilfe zur Selbsthilfe"-Ansatz, den man auf jeden Fall auch kritisch betrachten kann. Ich les trotzdem mal los und lasse euch an meiner Erfahrung teilhaben.

P.S: Der Autor empfiehlt, parallel zum Buch mit einem Psychotherapeuten zu arbeiten. Ich habe noch keinen gefunden, bin aber auf der Suche.
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Re: Erlebnisbericht Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thr

Beitragvon m.d. » 11.01.2015, 17:58

Wie versprochen berichte ich ab jetzt von meinen Erfahrungen mit dem Buch bzw. Arbeitsheft. Es kam nach einer Woche Lieferzeit in einem großen A4-Umschlag bei mir an und ist durchaus ein ziemlicher Wälzer (dicker als meine BA-Thesis, 240 Seiten stark).

KW1:
Diese Woche ging es mir nicht gut, ich hatte immer wieder Panik und habe kaum was gegessen. Sobald ich was im Bauch hatte war mir übel und ich hatte richtig Angst. Warum es auf einmal so schlimm ist weiß ich nicht, vielleicht eine MDG? Es fiel mir deswegen extrem schwer, zur Uni zu gehen (bzw. dort zu bleiben) und ich hab mich auch seelisch sehr mies gefühlt. Deshalb bin ich auch froh, jetzt Wochenenden zu haben und daheim bleiben zu können und mich zu schonen.

In diesem Zustand will ich also mit dem "Selbst-Heilungs-Programm" anfangen und lese erst mal das ausführliche Vorwort. Das Englisch macht mir keine Probleme, ich "zelebriere" das Lesen und genieße es auch ein bisschen, mich (mit leerem Magen) mit diesem Teil meines Lebens ausführlich zu beschäftigen, der mich jetzt schon seit 15 Jahren begleitet. Der Autor schreibt sehr einfühlsam. Mir tut es gut, zu lesen, auch wenn es für mich - die ich deutsche Zurückhaltung gewohnt bin - manchmal befremdlich ist, so viel Beschreibung von seiner Person zu lesen und warum sein Programm so toll ist. Schon direkt nach dem ausführlichen Vorwort stolpere ich über die "Declaration", die ich unterschreiben soll, bevor ich mit dem Arbeitsbuch beginne. Rob Kelly schreibt, dass es nur dann Sinn macht, das Programm zu durchlaufen, wenn man bereit ist, sich ihm voll und ganz zu widmen. Und dass man die Unterschrift tatsächlich leisten soll, auch wenn sich das albern anfühlt.

Nun, und da stehe ich jetzt immer noch. Bin ich wirklich bereit, Kraft, Hoffnung, Glauben, Überwindung aufzubringen, um mein Leben nach 15 Jahren zu ändern? Ich will es "wenn, dann richtig" machen. Wird es sich wirklich lohnen? Bin ich bereit, daran zu glauben und mich zu investieren? Diese Frage beschäftigt mich und ich will nicht weiter machen, bevor ich so weit bin.

(Btw: Ich bin immer noch dabei, mir eine Psychotherapeutin in KA zu suchen, bisher ohne Erfolg. Ich will aber auf jeden Fall auch nen Profi dazuziehen. Wenn er/sie nix von dem Buch hält, ist das ja auch in Ordnung.)
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Re: Erlebnisbericht Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thr

Beitragvon Sase » 15.01.2015, 15:00

Kannst du deine Zweifel beschreiben, oder diesen inneren kleinen "Kampf", wenn es darum geht, dich der Sache zu widmen oder nicht? Dieses Problem hat fast jeder, der sich "investiert" hat mal gehabt. Und es hat allein irgendwie immer sehr geholfen, mal laut darüber nachzudenken und im Gespräch mit anderen auch zu verstehen, was genau der Punkt ist. Denn im Grunde geht es dabei meist um sehr sehr mächtige, angstaufrechterhaltende Faktoren. Sie zu kennen, ist oft hilfreich. :D
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Re: Erlebnisbericht Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thr

Beitragvon m.d. » 17.01.2015, 15:38

KW 2

In der vergangenen Woche hat sich nicht viel getan, weil erst mein freund krank wurde und dann seine Oma gestorben ist. Deswegen war ich viel unterwegs und eher mit Emo-symptombekämpfung statt -Bewältigung beschäftigt.(Beerdigung, Zugfahrten, auswärts schlafen,...)
Mit dem Buch konnte ich also nicht wirklich weiterarbeiten, vor allem auch weil ich merke, dass man sich beim lesen schon konzentrieren muss.

Aber, Überraschung, ich hab die Unterschrift gemacht und angefangen zu lesen! *jippie*

So logisch das auch klingt, was Rob Kelly schreibt, so kompliziert ist es, das wirklich zu verinnerlichen. Dazu kommt sein narrativer schreibstil. Am liebsten würd ich ein exzerpt auf Deutsch davon machen, um sicherzugehen, dass ich auch wirklich alles verstanden hab.

Da liegt denk ich auch der Punkt, warum es mir schwer gefallen is, die Unterschrift zu machen. Die Emo hat mich die letzten Wochen echt auf Trab gehalten, sodass ich nicht sicher war, ob ich das alles gerade "leisten" kann, psychisch und nervlich. Ich denke sie war auch ein Hauptgrund dafür, dass ich von meiner BA-Thesis zurücktreten musste. Sicher haben diese Befürchtungen auch einen tiefer liegenden Grund. Ich will's auf jeden Fall "richtig" machen und hab auch große Angst, dass es total umsonst sein könnte. Vor allem im Moment, wo ich nichtmal eine Minute ohne Emo- Gedanken bin. Ich kann's mir schon vorstellen, dass der Ansatz was für mich ist, aber wenn Ichs nicht richtig mache oder besser gesagt versage, wird's vielleicht noch schlimmer...?

Generell weiß ich gar nicht, warum meine Emo gerade wieder so heftig ist. Ich habe eigentlich etliche Jahre hinter mir, in denen ich zwar mein stabilisierendes zwangsverwalten aufrecht erhalten habe, aber trotzdem alles ganz ordentlich geschafft habe. Auch meinen ersten BA inkl. Lehrproben hab ich ohne große Ausfälle gemeistert. Zur zeit (ein-zwei Wochen, bevor ich das Buch bestellt habe) ist es so schlimm, dass ich nicht mal mehr s-Bahn fahren kann ohne panikattacke, von Kino gehen oder auswärts Essen ganz zu schweigen...

Ihr hört von mir, wenn ich wieder weiter gelesen hab bzw. Der Prozess vorangeht.

P.s. Mir fiel grade auf, dass ich mich noch gar nicht im Forum vorgestellt habe- das hol ich nächste Woche nach!
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Re: Erlebnisbericht Rob Kelly "Cure your emetophobia and Thr

Beitragvon m.d. » 26.01.2015, 14:36

Woche 3+4

Die Prüfungszeit hält mich in Schach. Nebenbei versuche ich, mit dem Buch weiterzumachen und die Übungen ernst zu nehmen. Das wiederholt der Autor wie ein Mantra: "du musst die Übungen ernst nehmen und verinnerlichen...". Ich merke, dass es mir leichter fällt, etwas wirklich konsequent zu tun, wenn ich es in meinen Tagesablauf Stück für Stück einbette. Also nicht so "Ab jetzt jeden Tag ne Stunde" sondern eher flexibel, und wenn dann richtig und mit Lust und Laune.

Ich denk dabei oft, es wäre besser, die Fragen ("Wie denkst du über dich selbst?") im Dialog zu erarbeiten. Ich hab das Gefühl, wenn man das für sich selbst macht, kommt man häufig einfach nicht so tief und so weit. Und ein bisschen Abwechslung wäre glaub ich auch ziemlich gut. Ich überlege gerade, meine systemische Beraterin einzuweihen und evtl. mit ihr den Prozess zu gehen, denn die Psychotherapeut*innen im Umkreis sind scheinbar wirklich alle ausgebucht. Vielleicht kann ich mit ihr die restlichen 2 Monate der "Wartezeit", bis die Krankenkasse einer privaten Behandlung zustimmt, überbrücken. Kostet halt ziemlich viel Geld.

Gerade bearbeite ich die Frage nach meinen "Negativen Glaubensmustern/Überzeugungen". Ich merke, dass es für mich viel Sinn macht, die Fragen mit in den Alltag zu nehmen. Und weil ich sowieso immer viel über alles nachdenke, fühlt es sich ganz gut an, den Gedanken eine Richtung zu geben.

Nebenbei hab ich damit angefangen, jeden Tag eine halbe Stunde zu meditieren. Ich bin Christ, hab aber in den vergangenen Jahren ziemlich wenig mit meinem Glauben gelebt. Das hat mir gefehlt und ich denke, eine zusätzliche Ressource zu erschließen ist sicher nicht verkehrt in so einem "life changing process"... :wink:
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