Stationäre Psychotherapie abbrechen?

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SevenDeagle
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Stationäre Psychotherapie abbrechen?

Beitragvon SevenDeagle » 05.08.2014, 12:59

Hallo :)
Ich mache zurzeit eine stationäre Therapie wegen meiner Emetophobie und die Angst dadurch raus zu gehen und zu essen. Bevor ich hierher kam, war es allmählich dabei besser zu werden, ich bin wieder öfter rausgegangen, bin längere Strecken mit dem Auto gefahren und habe weniger darüber nachgedacht, was ich denn essen darf, damit es mir nicht schlecht geht. Jetzt bin ich seit einer Woche in Therapie und es hat sich alles verschlechtert, ich traue mich kaum mehr zu essen, komme mit den anderen Mitpatienten nicht so gut klar und habe riesiges Heimweh, was mich sehr blockiert und mitnimmt. In der Nacht habe ich mich sogar übergeben, was ein Horror für mich war. Sogar vor dem Gang zu Rossmann hatte ich große Angst, obwohl ich das vor Therapiestart mit Leichtigkeit hätte durchziehen können. Deswegen bin ich am überlegen die Therapie abzubrechen. Ich habe nur Angst davor, was mich erwartet, wenn ich wieder zu Hause bin, ob es genau so bleibt, oder wieder besser wird, dass ich es auch bereue, wenn ich abbreche. Ich weiß auch nicht, ob ich dann irgendwann nochmal eine Therapie anfangen kann, die von der Krankenkasse genehmigt und übernommen wird. Ich weiß, nach einer Woche kann man noch nicht viel erwarten aber ich kann einfach nicht mehr. Ich denke, dass die Zeit die ich hier verbringe an meinem Zustand auch nichts ändern wird.
Vielleicht hat jemand von euch ja Erfahrungen mit einer stationären Therapie oder einem Abbruch dieser gemacht. Dankeschön im voraus :)

Neo
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Re: Stationäre Psychotherapie abbrechen?

Beitragvon Neo » 06.08.2014, 00:42

Hi,
Ich bin zwar neu hier, aber vieleicht kann ich dir bischen helfen.
Und zwar war ich vor ca zwei Monaten auch in stationären Behandlung.
Ich wollte gleich am ersten tag nach Hause, war aber so schlau und hab mich hinfahren lassen, damit ich nicht abhaue von dort.
Hatte die ersten Tage auch Heimweh und war nur am heulen.
Die Patienten dort hatten alle dort unterschiedliche psychische Erkrankungen. Schlimm für mich waren die Patienten mit Bulimie.
Bin aber trotzdem dort geblieben, und konnte auch mal die andere Seite, wenn man es so nennen kann, sehen.
Ich sollte auch immer raus, was ich auch getan hab, egal wie schwierig und schlimm es auch immer war.
Einmal die Woche musste die Gruppe /Patienten was selbst unternehmen, das war für mich ein Horror am Anfang.
Hab es aber doch mitgemacht, und die Menschen in der Gruppe haben mir dann auch geholfen.
Es dauert ein wenig bis man sich integriert hat dort, aber alle sind mit irgendwelchen Problemen dort, und man unterstüzt sich gegenseitig.
Und man muss es auch wollen, man muss an sich arbeiten bzw, man muss es auch zulassen.
Die erste Woche ist immer schlimm, weil man nicht weis wohin man gehört, ist das was ich hier mache richtig oder falsch.
Aber das geht mit der Zeit weg, jedenfalls war es bei mir so.
Schlimmer war die lezte Woche, als mir denn bewusst wurde, das es nach Hause geht.
Für mich war es seit langen wieder eine schöne zweit gewesen dort.

Das kuriose was ich mitgenommen hab aus der Therapie ist , das ich dort zwei wunderbare Menschen kennengelernt habe, mit denen ich immer noch im kontakt stehe, die Bulimiker waren.
Interessant oder?
Lass den Kopf nicht hängen, auch wenn es grad schlimm ist. Aber es kann nur noch besser werden.

Wenn du noch Fragen hast, einfach fragen.
PS: Nicht wundern über meine grauenhafte Rechtschreibung bzw den Satzbau. Bin mehr der Mathematiker als der Grammatiker.

MfG Neo

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Re: Stationäre Psychotherapie abbrechen?

Beitragvon Sase » 07.08.2014, 12:17

Hallo Neo! Es ist total normal, dass sich Beschwerden erst mal verschlimmern, wenn man auf dem richtigen Weg ist. Je näher man an das kommt, was einer Psychischen Erkrankung zu Grunde liegt, je mehr "wehr sie sich", um Dich zu schützen. Sprich doch mal mit deinen Mitpatienten! Ich bin mir sicher, sie werden dir Ähnliches berichten!
Gib nicht gleich auf! Vielleicht hilft es Dir, deine Fluchtgedanken aufzuschieben indem du dir z.B. sagst: Ok, wenn es morgen immer noch so scheiße ist, kann ich immer noch gehen... und am nächsten Morgen schaffst du es vielleicht doch noch bis zum Abend... dann bis zum Ende der Woche.. Probier es mal aus!
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!


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