Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

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Perna
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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 04.04.2014, 10:03

Hallo ohlone,

vielen Dank für deinen Beitrag, der mir sehr viel Stoff zum Nachdenken gegeben hat.
Habe mich etwas missverständlich ausgedrückt und du hast es in deinem Beitrag genau auf den Punkt gebracht: mir ist die Verbindung zwischen "nicht man selbst sein können" und die Emetophobie in sozialen Situationen schon klar, ich frage mich jedoch, warum diese Angst so plötzlich in meinem Job auftaucht, wo ich 5 Jahre lang keinerlei Probleme hatte.
In der letzten Sitzung ging es sehr viel um Bedürfnisse und "funktionieren müssen". Ich hatte und habe häufig das Gefühl, "fremdgesteuert" zu sein, brauche immer ganz dringend Zeit für mich, habe als Kind gelernt, darauf zu achten, was andere von einem denken und habe Dinge getan, die ich eigentlich nicht wollte, aber tun musste, "weil man so etwas einfach macht".
Wahre Worte, was das "innere Kind" betrifft. Ich habe mir schon oft überlegt, dass man die Gefühle hinter der Emo eigentlich nur entdecken kann, wenn man sich wieder in die kindliche Situation begibt. Als Erwachsener versucht man die Ängste durch Kontrolle, Vernunft und zeitweilig auch Vermeidung in den Griff zu bekommen.
Ich muss mir aber noch tiefergehend Gedanken über deine Denkanstöße machen. Nochmal vielen Dank dafür!
Auf jeden Fall haben wir in der Therapie eine Richtung eingeschlagen, mit der ich mich wohlfühle, aber ich glaube, es liegt noch ein langer Weg vor mir.

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Ohlone » 04.04.2014, 11:40

Warum ein Symptom zu einem bestimmten Zeitpunkt auftaucht ist doch gar nicht so wichtig, sondern dass es eben so ist. Es ist eine Überlebensstrategie der Psyche, Dinge abzuspalten und und sie so von sich fern zu halten. Irgendwann kommt jedoch der Punkt, an dem ein alter innerer Konflikt sich wieder zeigt - über ein Symptom. Meist ist es einfach so, dass eine assoziative Verbindung zwischen der alten problematischen Konstellation und der heutigen Situation besteht, welche die alte Angst, welche doch eigentlich ein Schutz, wieder hervorholt.

Das ist bei allen Phänomenen gleich, die in irgendeiner Weise auf traumatischen Erfahrungen beruhen - und sich als Kind nicht als man selbst zeigen zu können ist auch traumatisch. Ich selbst hab das lange nicht so sehen können und konnte nicht nachvollziehen, woher die Angst eigentlich kommt. Als mir das klar wurde, konnte ich auch die Angst verstehen. Warum sie nun eben zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben so massiv wird, wird vlt erst aus der Distanz klar. Besser ist es, die Angst und andere Symptome einfach als Botschaften aus dem Innersten zu sehen, die darauf hinweisen, dass es da etwas gibt, was immer noch zieht und zerrt und einen daran hindert frei und man selbst zu sein. Dann kann man es auch schaffen, sichmit der Angst versöhnen. Klar ist das ein langer Prozess. Zu einer Zeit in der ich die Angst endlich "einfach" loswerden wollte sagte mir mein Therapeut mal, ich solle mir mal 10 Jahre Zeit geben. War schwer zu akzeptieren, dass ein solcher innerer Umdeutungsprozess viel Zeit braucht, aber es ist wohl einfach so. Wenn man Ende gelernt hat, alle inneren Regungen einfach zu akzeptieren und Gefühle nicht mehr als Bedrohung erlebt, gibt es auch keine Angst mehr.

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Perna
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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 13.04.2014, 07:25

Ich hatte nun wieder eine Therapiesitzung. Ich muss sagen, dass jede Sitzung viele Denkanstöße gibt, mich aber auch sehr verwirrt. Alles, was mir im Leben bisher Sicherheit und Orientierung gab, stelle ich nun in Frage. Es stimmt schon, dass die Angst bei mir identitätsstiftend ist.

Es geht um Moment viel um Überforderug und mangelnde Abgrenzung, gerade im Job. Die Emo stünde damit sinnbildlich für das " sich nicht auskotzen können", Gefühle, die sich nicht an die Oberfläche trauen. "Stünde" deshalb, weil ich nicht weiß, ob ich tatsächlich auf dem richtigen Weg bin. Ich bin so ungeduldig.


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