Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

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Perna
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Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 25.03.2014, 18:24

Hallo zusammen,

im November habe ich hier bereits über mein Problem geschrieben.
Ich bin Emo, seitdem ich denken kann, allerdings hat es mich selten im Alltag wirklich belastet. Ich habe immer alles gegessen, nie stark auf meine Handhygiene geachtet und konnte immer ohne Probleme mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln fahren sowie fliegen. Spürbar war meine Emo nur, wenn jemand in meiner Familie MDG hatte. Auch bekam und bekomme ich Angst, wenn mir im Beisein anderer Leute schlecht ist. Ich habe besonders Angst davor, mich im Beseisein anderer Leute zu übergeben.
Dann kam der letzte November- denn da hatte ich in der Schule (mitten im Unterricht, ich bin Lehrerin) meine erste "Panikattacke" (plötzliche Übelkeit, Schwindel, Würgegefühl, Zittern, Herzklopfen...). Ich bekam plötzlich im Unterricht panische Angst, mich vor meinen Schülern übergeben zu müssen und habe fluchtartig den Raum verlassen. Passiert ist nichts (also, ich habe mich nicht übergeben). Seitdem hat sich leider einiges zum Negativen entwickelt. Diese Angst vor dem Übergeben im Unterricht hat sich leider verfestigt und begleitet mich seitdem quasi jeden Tag. Ich habe seitdem viele Unterrichtsstunden mit Angst verbracht, es ist jedoch nie etwas passiert.
Da mich diese Situation psychisch so stark strapazierte, habe ich mich zu einer kognitiven Verhaltenstherapie entschlossen. Ich hatte nun schon 5 Sitzungen - und bin seit letzter Woche stark verunsichert.
Wir haben in den ersten Sitzungen viel über die Entstehung von Angst gesprochen und mein Therapeut fragte immer wieder nach, wovor ich genau Angst hätte, was für mich so schlimm daran wäre, mich im Unterricht vor meinen Schülern zu übergeben. Ich weiß es selbst nicht so genau- ich denke, es ist Scham, Ekel, Angst vor Kontrollverlust und Schwäche zeigen...
Letzte Woche sprachen wir über Konfrontationsübungen. Bisher dachte ich, dass das lediglich heißen würde, Orte, die ich seitdem meide und Situationen, die ich vermeide, bewusst aufzusuchen und "Hilfsmittel" (Tüte, Wasser, Bonbons, vermeidende Gedanken...) wegzulassen. Nun meinte mein Therapeut jedoch, dass Konfrontation in meinem Falle hieße, genau das zu tun, wovor ich solche Angst habe: Erbrechen zu provozieren und mich vor meinen Schülern im Unterricht auf den Boden zu übergeben.
Ich kann mich mit dieser Maßnahme überhaupt nicht identifizieren. Ich weiß, dass er mich zu nichts zwingen kann und wird. Aber ich frage mich: Schaffe ich es tatsächlich nur so, meine Ängste zu überwinden? Dass ein Mensch, der Angst vorm Fliegen hat, fliegen muss, ist mir klar. Aber verglichen mit meiner Situation wäre das doch, als ob sich jemand mit Flugzeugphobie bewusst in ein Flugzeug setzt, das abstürzen wird (bildlich gesprochen)?! Kann es nicht eher sein, dass sich die Phobie dann eher verschlimmert?

Ich hoffe sehr auf eure Meinungen!!

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Ohlone » 26.03.2014, 00:12

Ich würde nicht sagen, dass es zwingend notwendig ist, sich zu konfrontieren, indem man selbst erbricht. Viel wichtiger ist es, die innere Bereitschaft zu entwickeln, Vertrauen zuzulassen und so aus neuen Erfahrungen im Umgang mit dem Thema zu lernen. Das Erbrechen selbst kann eine solche Erfahrung sein. Fehlt die Bereitschaft, wird die Angst auch nicht verschwinden, trotz der Konfrontation.

Die Verhaltenstherapie sieht solche Übungen als bestes Mittel an, Ängste zu überwinden. Ich seh das insofern anders, als das ich glaube dass es mindestens genau so wichtig ist, die Angst zu verstehen, die kindliche Not dahinter zu sehen und anzunehmen und die Angst so langfristig zu integrieren. Ich bin heute (nach inzwischen über 4 Jahren der Auseinandersetzung und Aufarbeitung meiner Emo) der Ansicht, dass sich hinter einer solchen körperbezogenen Angst ein Trauma verbirgt, welches sich durch die Emo Ausdruck verschafft. In meinem Falle weiss ich auch, dass es nicht ein traumatisches Erlebnis war, sondern das Erbrechen die kindliche Angst vor Tod und Verlust symbolisiert. Es gibt da einige Erlebnisse, die mit dem Erbrechen zu tun haben (Mutter ist krank, ich habe Angst dass sie stirbt, etc.) und mir heute bewusst sind.

Es geht also um das Gefühl der Sicherheit, welches während dieser Erlebnisse erschüttert wurde, ganz wie bei einem schlimmeren Trauma, da man als Kind eben nicht weiß, welche Situationen wirklich gefährlich sind und welche Ängste unberechtigt sind. Und genau da liegt in meinen Augen eher der Schlüssel, die Angst in den Griff zu kriegen, sie zu verstehen und das innere Kind an die Hand zu nehmen.

Das Erlebnis was du schilderst, hat vielleicht eine viel ältere Angst an die Oberfläche gebracht. Das Erbrechen steht als Symbol für diese Angst, die man vlt gar nicht greifen kann, weil sie schon da war, bevor wir Worte dafür hatten. Es geht jedoch um Scham und darum Gefühle nicht steuern zu können (Übelkeit), besonders in Situationen in denen man funktionieren muss und gewissermaßen ausgeliefert ist, so wie du in der Rolle als Lehrerin der Situation ausgeliefert bist. Aus der Rolle kommst du erst raus, wenn die Schulstunde vorbei ist.

Wäre es eine Idee, mal mit deinem Therapeuten in diese Richtung zu gucken oder hast du das vielleicht schon getan? Ich glaube dieser Weg ist langfristig vielversprechender und führt einen an die Ursache des Problems, was sich sonst vlt einen neuen Ausdruck, also ein anderes Symptom sucht.

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 26.03.2014, 06:43

Danke für deine Rückmeldung!
Ja, ich habe eine ähnliche Richtung schon bei meinem Therapeuten angesprochen. Ich selbst bin (ohne genaue Gründe nennen zu können) eher der Meinung, dass die Emo bei mir ein "Schutzmantel" für etwas ist. Er sagte, dass auch dieser Gedanke jedoch eine Vermeidungsstrategie darstellen KÖNNTE, um sich nicht zu konfrontieren.
Er sagte beim letzten Mal, dass wir wohl erstmal mehr in Richtung gedankliche Konfrontation arbeiten, weil meine Angst häufig durch Katastrophengedanken beginnt. Ich denke aber, dass ich beim nächsten Mal noch mal sagen werde, dass ich glaube, dass bei mir nicht die Angst vorm Erbrechen das Problem ist, sondern das, was dahintersteht...
Ich bin im Moment total verwirrt...

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Sase » 27.03.2014, 21:17

Erbrechen zu provozieren und mich vor meinen Schülern im Unterricht auf den Boden zu übergeben.


Also zuerst saß ich etwas so vorm Rechner: :shock: :shock: :shock: :shock: - denn das ist ja schon irgendwie sehr krass. Ganz schön mutig auch von deinem Therapeuten. Deswegen habe ich jetzt bewusst ein bisschen nachgedacht und bin zu folgenden Gedanken gekommen:
- Ich denke, auch wenn es ziemlich krude und brutal klingt, wird dein Therapeut (hoffentlich) irgendeinen Gedanken dahinter haben, der sich einem vielleicht nicht gleich erschließt; ich persönlich finde diesen Vorschlag auf den ersten Blick aber enorm risikobehaftet, - also das finde ich schon so extrem, dass ich denke: Was kommt dabei raus, wenn das schief geht?
- Was ich etwas seltsam finde ist, dass dein Therapeut dich scheinbar ein bisschen drauf festnagelt, dass du benennen sollst wovor du eigentlich angst hast. Viele Emos können das zwar, wiederum andere können das gar nicht (das geht anderen Phobikern übrigens auch so). Wenn ich dann mit einbeziehe, dass du ja noch nicht oft da warst, verstehe ich das wiederum. Allerdings find ich es dann wieder ziemlich lässig so einen krassen Vorschlag zu machen. Ich meine, es geht nicht nur um eine therapeutisch begleitete Konfrontation, sondern das ist wirklich hardcore.
- Ich frage mich auch irgendwie, wie stellt er sich das vor? Sollst du dir da den Finger in den Hals stecken? Oder vor er Stunde ein Glas Salzwasser trinken? Oder vielleicht gleich sturzbetrunken im Unterricht erscheinen? :lach: Im Ernst: Ich glaube, er hat sich da selbst noch keine Gedanken richtig gemacht, deswegen denke ich, dass das einfach auch mal so dahergesagt war, ein Gedankengang, der durchaus Sinn macht und/aber auf jeden Fall durchdenkenswert ist.
- Ich persönlich denke nicht, dass eine solche Konfrontation zwingend notwendig ist, die Frage ist aber, was dein persönliches Ziel ist? Wenn du z.B. sagst, dass du einfach wieder unbeschwert Leben willst, ohne kontinuierlich ans Erbrechen zu denken, es aber ok findest, wenn du z.B. in Extremsituationen schon noch Probleme hättest, dann kann ich dir sagen, dass es sehr viele Emos gibt, die das ohne Konfrontation erreicht haben. Und man kann auch ohne Konfrontation an den Punkt kommen die Einstellung zu haben, dass man auch bereit ist zur Not vor der Klasse zu kotzen und die Sicherheit zu haben, dass auch zu überleben.. - aber ob man da auf diesem Weg oder andere hin kommt ist in letzter Konsequenz halt auch immer eine Typfrage.
- Die Beste "Therapie" ist sicherlich eine Kombi aus beidem - Dahinterzuschauen aber auch Konfrontieren. Was davon jetzt im Rahmen einer Therapie stattfindet und was anderswie umgesetzt wird, ist halt auch wieder typabhängig. Aber das wichtigste ist das, was Ohlone sagt, die Bereitschaft und das Wissen, dass man das übersteht.
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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 27.03.2014, 21:44

Vielen Dank, Sase, auch für deine Rückmeldung!

Ja, mir ging es ähnlich, als der Therapeut die Idee vorbrachte. :shock: Ich war erstmal total schockiert und frage mich ehrlich gesagt immernoch, ob er das wirklich ernst meint. Sowas würde doch noch nicht mal ein Nicht-Emo machen. Ganz ehrlich: Ich dachte immer, dass Konfrontation dazu da ist, Angstsituation auszuhalten, um dann zu merken, dass die Situation doch nicht so angstbehaftet ist, wie man sich in seinem Katastrophendenken immer ausgemalt hat, also seine eigene Wahrnehmung mit der Realität abzugleichen und dann umzudenken. Bei so einer Konfrontation kam man jedoch überhaupt nicht voraussagen, ob es wirklich Ängste nimmt oder im Gegenteil sogar noch verschlimmert. Ich habe ihm erklärt, dass sowas für mich nicht in Frage kommt. Noch nicht mal wegen der Angst, sondern weil ich es verantwortungslos meinen Schülern gegenüber fände, sie zum Versuchsobjekt meiner Angstbewältigung zu machen.

Komischerweise geht es mir seit dieser Therapiesitzung derzeit wesentlich besser, ich habe keine Angstgefühle mehr bei der Arbeit gehabt (die mich seit der Panikattacke fast täglich begleitet haben während der Arbeit) und ich fühle mich innerlich stärker, weil mich diese Idee zum Nachdenken angeregt hat. Ich bin mir mittlerweile total sicher, dass das Erbrechen (bzw. die Angst davor) bei mir keine so immens große Rolle spielt, sondern die Gefühle, die damit einhergehen sowie die Gefühle, die sich hinter der Emo verstecken.

Es ist tatsächlich so, dass er jedes mal fragt, was für mich so schlimm wäre zu erbrechen. Ich kann es selbst nicht so genau sagen. Den Akt an sich finde ich nämlich gar nicht sooooo schlimm. Es ist vielmehr der soziale Aspekt. Aber ich finde es erstmal prima, dass er Emetophobie überhaupt kannte.

Auf jeden Fall habe ich mir überlegt, ihm bei der nächsten Sitzung zu sagen, dass ich glaube, dass für mich weniger Konfrontationen (im Grunde vermeide ich in meinem Leben kaum etwas) als vielmehr die Gedanken und Gefühle hinter der Emo wichtig sind. Ich kann mich nämlich dran erinnern, dass ich schon als kleines Kind immer mit Übelkeit und Angst vor dem Erbrechen reagiert habe, wenn ich in Situationen war, die ich nicht wollte, mir Angst machten etc. Hatte auch als kleines Kind ein äußerst traumatisches Erlebnis mit dem Erbrechen, ich denke, daher kommt auch meine Angst... Oh je, ich glaube, das führt jetzt hier alles viel zu weit... :gruebel:

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Sase » 27.03.2014, 21:53

Du hast jetzt selbst nochmal das Soziale aufgegriffen bzgl. deiner Angst. Das las sich für mich auch in deinem ersten Beitrag schon so... kannst du dich vielleicht eher damit anfreunden an sozialphobischer Brechangst zu leiden anstellt von Emetophobie? Gerade, wenn du sagst ,dass du den Akt an und für sich gar nicht sooo schlimm findest. Schau mal hier: www.panikattacken.at das ist die HP von Dr. Morschitzsky, sie ist sicherlich nicht das Vorzeigebild für Layout und Informationsvermittlung, aber inhaltlich super. Dort gibt es die Kategorien soziale Angst und Sozialangst (oder so ähnlich, findest du links im ellenlangen Menue irgendwo). Ließ dir das mal durch!
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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 27.03.2014, 22:01

Super, danke fûr den Link, lese es mir gleich mal durch!
Ich bin mir selbst nicht so sicher, was das Soziale angeht, da ich trotz allem auch Angst bekomme, wenn mir Zuhause übel ist, allerdings kommt das nicht häufig vor und es geht mehr um das Erbrechen im Beisein anderer Menschen.

Mein Therapeut meinte allerdings, dass meine Symptome nicht komplett auf eine Soziale Phobie schließen lassen. Ich muss selbst auch sagen, dass sich das bei mir von Zeit zu Zeit sich mal ändert, manchmal steht mehr das Erbrechen im Fokus, dann wieder mehr der soziale Aspekt...

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 27.03.2014, 22:31

Tja, so hundertprozentig kann ich mich mit einer Sozialen Phobie auch nicht identifizieren, aber schon teilweise.
Oh je...

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Ohlone » 28.03.2014, 15:14

Achso, es geht sogar darum, sich als Übung in der Klasse zu übergeben. Na das finde ich jetzt auch etwas gewagt und ehrlich gesagt auch etwas kurz gedacht. Wenn ein Lehrer von mir das getan hätte, hätte das noch Generationen von Schülern belustigt. Ob das nun besonders wünschenswert ist, sei mal - unabhängig von der Emo - so dahingestellt.
Selbst wenn einem Lehrer im Unterricht schlecht wird, gehe ich davon aus, dass er sich irgendwann Richtung Toilette bewegt, insofern wäre ich als Schüler ziemlich überrascht, wenn sowas mal passieren sollte. Ich habe ja schon von wirklich schrägen Konfrontationsübungen gehört (bei anderen Ängsten) - dieser Vorschlag gehört nun definitiv dazu! :lach:

Ich frage mich gerade, ob es sein kann, dass dein Therapeut dich an der Stelle testen will, um zu schauen wie du reagierst, um vlt auf dem Wege deine Angst zu hinterfragen?

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Sase » 28.03.2014, 16:33

@ohlone: den Gedanken hatte ich auch - ich kann mir nicht vorstellen dass er das ernst meint irgendwie
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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon AliasHope » 28.03.2014, 16:58

Ich glaube auch nicht, dass der Therapeut ernsthaft DIESE Konfrontation (also das Erbrechen vor der Klasse) würde herbeiführen wollen. Ich kann mir auch eher vorstellen, dass er damit Stoff zum Nachdenken liefern wollte. Das passt ja zu der von ihm geäußerten Befürchtung, dass so manches "sachliche" Argument gegen Konfrontation im Grunde nur ein weiteres Mittel zum Zweck, also zur Vermeidung ist.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das in der Tat oftmals so ist, und man sich der Tatsache, wann man (wie) vermeidet, bewusst sein sollte, damit eine Verhaltenstherapie zielführend durchgeführt werden kann.
Im Übrigen können manche Situationen, die sich in der Realität aus welchen Gründen auch immer nur schlecht herbeiführen lassen, auch "in sensu" durchgespielt werden.

Noch eine kleine Anekdote am Rande: Bei uns in der Schule hat sich ein Lehrer mal vor der Klasse übergeben - wenn auch in einen Mülleimer und nicht auf den Boden. Und es war nun wahrlich nicht so, dass ihm dieses Missgeschick für immer und ewig "anhaftete", im Gegenteil: Es ist lediglich zu einer Randbemerkung geworden, die seine Schüler hin und wieder erzählt haben, aber keinesfalls zum Treppenwitz. Denn dafür war das Ereignis einfach zu unbedeutend.

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Ohlone » 28.03.2014, 17:54

@Alias

... was es ja auch ist... aber ich war als Schüler eben sehr leicht zu belustigen 8) und da kam jedes Mißgeschick eines Lehrers einfach gelegen. Ich kann mich erinnern wie ein Mitschüler mal einen Lehrer während der Pause mit einem Sprenkler (der Schulhof war der Stadtpark) "beschossen" hat - die Geschichte hielt sich wirklich einige Jahre. Nicht dass ich sowas rückblickend betrachtet gut finde, aber wenn Lehrern ein Mißgeschick passierte, war das schon immer irgendwie erzählenswert. Tiefe Einblicke geb ich hier... :roll:

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 01.04.2014, 20:33

Hallo zusammen,

danke für eure Beiträge.

Hatte nun wieder eine Sitzung. "Komischerweise" geht es mir seit der letzten Sitzung sehr gut, habe kaum Problem in der Schule gehabt.
Auch die neue Sitzung hat mir wieder viele Denkantöße gegeben. Wir wollen nun eher den Weg gehen, den ich mir gewünscht habe: hinter die Emo zu gucken, schauen, welche Gefühle wirklich hinter der Angst vor dem Erbrechen stecken. Die letzte Sitzung war da echt fruchtbar- es spricht vieles bei mir in Richtung "nicht sich selbst sein können, Erwartungen anderer erfüllen, selbstauferlegte Normen und Druck", eben dieses sprachliche Bild "sich nicht auskotzen können". Da sich die Angst seitdem in Grenzen hält, denke ich, dass ich da auf einem guten Weg bin. Ich sehe da bloß irgendwie noch keine richtige Verbindung zu meinem Job bzw. warum die Emo insbesondere in sozialen Situationen auftaucht.
Oh je, ich glaube, ich schreibe heute wieder etwas durcheinander. Muss meine Gedanken nach der Sitzung erstmal wieder neu sortieren...

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Perna » 01.04.2014, 20:34

"nicht man selbst sein können"

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Re: Mein Therapietagebuch- Bitte um Hilfe!

Beitragvon Ohlone » 02.04.2014, 11:50

es spricht vieles bei mir in Richtung "nicht sich selbst sein können, Erwartungen anderer erfüllen, selbstauferlegte Normen und Druck",


Ich sehe da bloß irgendwie noch keine richtige Verbindung zu meinem Job bzw. warum die Emo insbesondere in sozialen Situationen auftaucht.


Wirklich nicht? :shock: Also ich sehe da einige mögliche Verbindungen. Im Job ist Funktionieren gefragt, Schwäche zu zeigen, krank zu sein hindert einen daran, perfekt zu funktionieren. Es wird Schwäche nach außen sichtbar und ein Teil von uns hat Angst davor, vor der Kritik, vor Schuld und Scham. Das ist das Kind, was früher gegen seine Bedürfnisse handeln musste. Bedürfnissen nachzugeben und "auf den Bauch zu hören" kennt dieses Kind nicht. Entsprechend macht es große Angst, wenn auf einmal deutlich wird, dass man nicht mehr Herr über seinen Körper ist. Etwas passiert einfach und es nimmt keine Rücksicht darauf, ob es nun gerade in einer völlig unpassenden Situation, vor der Klasse, oder wo auch immer passiert. Der erwachsene Teil kann das alles gar nicht verstehen und will dass die blöde Angst endlich aufhört, aber er schafft es nicht, die sich zu disziplinieren, weil er mit dem Verstand arbeitet und den kindlichen Teil mit Disziplin nicht erreichen kann. Die Angst wird sogar größer, je mehr man versucht zu funktionieren und sich nichts anmerken zu lassen.

Ich habe gestern noch einen Satz gelesen, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat: "Wenn man als Kind verletzt wurde, kann man auch nur als Kind geheilt werden."

Frag dich, warum du es dir als Kind nicht erlauben konntest, du selbst zu sein und Bedürfnisse zu zeigen. Warum darf es nicht aus ihm herausbrechen? Hat es Angst, dass es die Kontrolle verliert und etwas dummes, unüberlegtes tun könnte? Hat es es Angst bestraft zu werden oder die Liebe der Eltern zu verlieren? Was bräuchte es, um sich so zeigen zu können, wie es wirklich ist und Vertrauen zu entwickeln, dass ihm nichts passiert.

Das klingt jetzt alles sehr vlt etwas konfus und ich weiss nicht, wieviel du davon wiedererkennst Es fiel mir spontan ein, da ich mich viel mit dem alten Schmerz befasse, der hinter der Angst liegt und spüre, dass es ein langer Prozess ist, in dem sich aber schon sehr viel verändert und gewandelt hat, was ohne die Emo nie in Gang gekommen wäre.


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