Scheinbar nichts hilft

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dariusbritt
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Scheinbar nichts hilft

Beitragvon dariusbritt » 19.03.2014, 12:16

Entschuldigt bitte, ich weiß nicht ob das Thema hier richtig ist.

Ich weiß momentan mal wieder einfach nicht mehr weiter. Gerade die letzten Tage haben mir sehr deutlich gemacht, wie tief ich eigentlich noch drin stecke, auch wenn es mir zwischenzeitlich scheinbar besser ging. (der folgende Kursiv Teil ist mehr oder weniger Vorgeschichte/Hintergrund, also bei Desinteresse kann das auch gern übersprungen werden)

Ich hatte ja vor kurzem bereits davon berichtet, dass ich wieder in den Medikamentensumpf gerutscht bin und dort bin ich auch größtenteils noch immer. Ich fühle mich mittlerweile richtig wie Drogenabhängig. Ich hänge den ganzen Tag nur rum, meist eben durch die sedierende Wirkung der Vomex und wenn ich mal besser drauf bin, bekomme ich sofort mega Angst und es ist eigentlich nur ein hinschleppen zur nächsten Einnahme.. Ich versuche mich immer noch zu trösten vonwegen "Ja, du nimmst es ja nicht täglich." aber so gut wie, daher ist dieser Gedanke eigentlich lächerlich.

Dazu kommt, dass ich seit Sonntag jede Nacht ziemliche Schmerzen im Magen-Darm bereich hatte und morgens dann Durchfall. Angst vor dem Erbrechen habe ich in diesem Moment dann nicht, aber ich fühle mich eben sehr schlapp und unwohl. Daher traue ich mich dann auch nicht mehr aus dem Haus. Zum einen weil ich Angst habe, dass durch die Bewegung meine Verdauung angekurbelt wird und ich draußen Durchfall bekomme, und zum anderen weil ich Angst habe, dass mir draußen dann auch noch schlecht wird und/oder ich umkippe. Das letzte Mal das Haus verlassen habe ich am Montag, aber nur für 5 Minuten schnell zum Bäcker der quasi direkt vor der Tür ist.

Ich weiß aber einfach nicht mehr, was ich machen soll. Im Moment habe ich wieder so einen Punkt erreicht, bei dem ich mir denke "Jo, das schreit nach stationärer Therapie!" aber ich habe gerade erst letzten Sommer den 5.(!) Aufenthalt über mehrere Monate hinter mir. Danach ging es mir auch einige Zeit ziemlich gut. Wie nach jedem Aufenthalt bisher. Aber egal wie lange ich stationär in Therapie war, früher oder später kehre ich wieder zurück an den Punkt, dass ich mich vor Angst nicht mehr aus dem Haus traue. Und jetzt frag ich mich einfach, was ich noch machen soll, wenn selbst monatelange intensive Therapie keine dauerhafte Lösung bringt.

Vielleicht gehe ich ja auch falsch an das Problem ran? Bisher bestand der Großteil der Therapie aus Konfrontation und Übungen, den Alltag angstfrei bewältigen zu können. Vielleicht müsste ich ja doch tiefenpsychologisch an das Problem rangehen? Aber dazu fehlen mir hier in der Umgebung irgendwie die Ressourcen und mein momentaner Therapeut scheint eher der Überzeugung zu sein, dass Gespräche nichts bringen und will ständig mit mir irgendwo hingehen. Mit Übungen generell hätte ich ja auch absolut kein Problem, aber wie gesagt habe ich eben das Gefühl, dass diese immer nur kurzfristig gegen die Angst helfen, weil bei mir "drinnen" irgendwo noch etwas ist, was von der Angst scheinbar nicht loslassen kann. Daher fände ich es glaube ich besser, wenn ich erstmal den Knoten lösen würde, bevor ich mir "unnütz" quasi jedes Mal wieder die Arbeit mache... Gott das klingt so blöd. :roll:

Allerdings habe ich auch irgendwo das Gefühl, dass da nirgends ein richtiger Knoten ist? Ich meine, es ist allen beteiligten mittlerweile bewusst, dass es bei mir mit der Angst vor dem Kontrollverlust zutun hat und gewisser Weise auch mein Perfektionismus damit zutun hat. Aber es scheint mir so, als wäre mit dieser Erkenntnis für alle das Thema "Hintergrundrecherche" quasi abgeschlossen und da dann auch eben kein Ansatzbedarf mehr ist. Aber scheinbar ist dem ja nicht so, sonst würde die Konfrontation ja dauerhaft helfen? Oder?

Ach ich weiß einfach nicht mehr, an wen ich mich überhaupt noch wenden soll. Irgendwie komme ich ja doch immer wieder an dem Punkt, an dem ich gerade bin, an.

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Re: Scheinbar nichts hilft

Beitragvon mimi » 19.03.2014, 18:24

Du schreibst, dass die Hintergrundrecherche abgeschlossen ist, weil du weißt, dass die Emo mit Perfektionismus und kontrollverlust zu tun hat.
Jetzt frag ich mich, ob's mit den beiden Stichpunkten wirklich schon getan ist, oder ob du da schon tiefer gegraben hast. Also WARUM hast du Angst, die Kontrolle zu verlieren? WARUM hast du das Gefühl, perfekt sein zu müssen?
Vielleicht wär das ein kleiner Punkt, der dich der Lösung näherbringt... Wenn du nicht schon drüber nachgedacht hast..
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Re: Scheinbar nichts hilft

Beitragvon Sase » 19.03.2014, 20:18

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Re: Scheinbar nichts hilft

Beitragvon dariusbritt » 20.03.2014, 13:03

Nein, das habe ich glaube ich nicht genau genug ausgedrückt, ich selbst will und würde da ja auch weiter suchen und tiefer graben, aber für meine bisherigen Therapeuten und auch meine Eltern ist das Erklärung genug.

Ich selbst glaube, dass die Angst davor viel mit meiner Kindheit/Jugend zutun hatte, weil ich da sehr unter dem Kontrollzwang meines Vaters litt. Gerade in der Zeit der Pubertät, wo es ja darum geht, selbstständig zu werden etc... dazu hatte ich eben gar keine Möglichkeit, da jegliches bisschen Privatsphäre von meinem Vater schlichtweg ignoriert wurde und je mehr ich mich versuchte davon zu lösen, desto mehr kontrollierte er mich. Und eben da wäre es ja mMn sehr interessant zu schauen weil das auch so die Zeit war, wo die Probleme schlimm(er) wurden.

Aber anscheinend sehe nur ich das so da sämtliche Therapeuten bisher diese Ansätze "ignoriert" haben und sich eher auf die Probleme meines Vaters fixiert haben, was ich tun kann um ihm deutlich zu machen, dass er Hilfe braucht etc...

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Re: Scheinbar nichts hilft

Beitragvon Abbel » 20.03.2014, 23:10

Versuch es doch mal mit einer analytischen Therapie, anstatt einer Verhaltenstherapie. Mich bringt das zum ersten mal wie mehr weiter als all die ganzen verhaltenstherapeutischen Sitzungen davor. Bei mir geht es zwar um eine andere Erkrankung, aber ich glaube das ist genau das wonach du suchst.
No Narcotics In My Brain Can Make This Go Away
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Re: Scheinbar nichts hilft

Beitragvon Sase » 21.03.2014, 12:05

Kann mich Abbel im Grunde nur anschließen - eventuell hast du einfach fachlich die falschen Therapeuten gehabt. Ein Verhaltenstherapeut z.B. wird das tiefer nicht m it dir durchdringen...
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Re: Scheinbar nichts hilft

Beitragvon dariusbritt » 21.03.2014, 13:36

Ach verdammt.. in der näheren Umgebung gibt es nur einen weiteren Therapeuten der tiefenpsychologisch arbeitet und da habe ich vor August/September keine Chance auf einen Termin. Und da ich Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres umziehe, wäre das dann doch etwas sehr kurzweilig. :(

Ein bisschen habe ich mich aber im Laufe des gestrigen Tages wieder ein bisschen gefangen. Ich habe gegen Abend das Haus verlassen, sogar ein bisschen Sport gemacht und einen Motivationsspruch ("No matter how you feel; Get up, dress up, show up and never give up.") aufgehängt, in der Hoffnung, dass es etwas hilft, wenn ich es 24/7 vor Augen habe. Morgen früh werde ich dann mal wieder versuchen in einen Discounter zu gehen. Zwar erstmal (bewusst) nur ein kleiner Schritt, da es morgens noch sehr leer ist, aber es ist ja auch nur ein Schritt und nicht das Ziel.

Aber mal so allgemein, meint ihr wenn man es lang genug intensiv Verhaltenstherapeutisch behandelt, ob man die Angst dann trotzdem in den Griff bekommen kann, auch ohne das "eigentliche Problem" anzugehen?


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