Hilft die Therapie? Welche Therapie macht ihr?

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feenstaub_

Hilft die Therapie? Welche Therapie macht ihr?

Beitragvon feenstaub_ » 01.06.2013, 14:54

Hallo ihr lieben!

Also ich bin 21 Jahre und leide allen Anschein nach an Emetophobie.
Ich habe meine Leidensgeschichte im Beitrag im "Wir sind GT, und wer bist Du...?" geteilt und habe nun eine Frage zwecks der Therapie.

Also mir wird schlecht, wenn ich weiß, dass ich irgendwo hin muss, wo ich nicht schnell wieder zu Hause sein kann (bsp. Arzttermin, Geburtstagsparty, Essen mit Freunden im Restaurant und was zur Zeit besonders belastende ist, Unigänge). Eigentlich wird mir hierbei nicht mal schlecht, das einzige was ich bekomme ist ein Brechreizgefühl im Hals. Dieses Gefühl kann man auch als "Anspannung im Hals" beschreiben. Weiß nicht, ob ihr das kennt, wenn ihr total aufgeregt seit (negativ aufgeregt) und sich euer Bauch total anspannt und verkrampft. Diese Verspannung ist dann nicht so leicht zu lösen (jedenfalls bei mir) und genauso fühlt es sich in meinem Hals an.
Ich hab das jetzt seit einem Monat und schön langsam macht es mich total fertig. Ich habe ohnehin mit Depressionen/depressiven Verstimmungen zu kämpfen und der Zustand dieser "Übelkeit", der dann auch noch verhindert, dass ich rausgehen und mich mit Freunden treffen kann, macht alles nur noch schlimmer.
Angefangen hat alles damit, dass ich mich aus irgendeinem unerklärlichen Grund übergeben musste (also nach dem Frühstück), seitdem verschwindet dieses Gefühl nicht mehr.

Ich hab das Gefühl nicht, wenn ich zu Hause bin und weiß, dass ich den ganzen Tag nirgend wo hin muss. Genausowenig hab ich es mittlerweile, wenn ich Einkaufen fahre, jemandem mit dem Auto abhole o.ä. Wenn ich weiß, dass ich schnell wieder zu Hause bin, kommt das Gefühl nicht mehr. Am Anfang war sogar dass der Horror für mich. Ich habs hier dann so gemacht, dass ich es einfach trotzdem getan hab, dass ich einfach mit Einkaufen gefahren bin, obwohl ich die Angst hatte, zu kotzen bzw. die ANgst vor diesem Gefühl. Die Angst/das Gefühl besteht jedoch noch, wenn ich weiß, dass ich mich mit jemandem treffe und beispielsweise Frühstücken gehen soll. Heute war eine solche Situation, ich musste absagen, weil ich mich einfach nicht getraut habe, dorthinzugehen. Wenn ich daran denke mit dem Zug oder der Straßenbahn zu fahren, kommt das Gefühl sofort, ich fühle mich praktisch außerstande, ein öffnetl. Verkehrsmittel zu benutzen, weil ich so angst davor habe, dass mir plötzlich so schlecht wird und ich mich übergeben muss. Ich kann es mir nicht vorstellen, mich in der Öffentlichkeit zu übergeben. Da ich aber in einer anderen Stadt studiere, die ich nur mit dem Zug erreichen kann (Autofahren würd ich mir nicht trauen, wenn ich diese Angst habe), und die nächsten zwei Wochen täglich zur Uni muss (die ich wiederum nur mit der Straßenbahn erreichen kann, ca. 15 Minuten Fahrzeit), und aber diese schreckliche ANgst habe vor 1) dem Gefühl des Brechreizes und 2) dass mir wirklich so unbehaglich wird und ich mich übergeben muss, sehe ich den nächsten zwei Wochen sehr ängstlich entgegen.

Ich habe mir nun einen Therapeuten gesucht, hab aber leider noch keinen Termin bekommen, ich hoffe aber, dass ich in der nächsten Woche schon hingehen kann. Einfach mal, um abzuklären, wie man am besten vorgeht usw.

Ich wollte nun fragen, was ihr macht.
1) Seit ihr in Therapie?
2) Hilft euch die Therapie was bzw. hat sie euch geholfen?
3) seit ihr die Emetophobie je wieder losgeworden?
4) wie lebt ihr damit, hat jemand ein ähnliches Problem wie ich?
5) hat jemand von euch Hypnose ausprobiert?
6) Hat jemand von euch Medikamente (beispielsweise ein Anti-Depressivum) bekommen und hat es euch geholfen?

Ich würde mich wahnsinnig über ANtworten freuen, ich bin echt verzweifelt! Ich kann auch mit niemandem gut über das Problem sprechen. Labere meine Mutter und Schwester die ganze Zeit voll, aber die wissen mir auch nicht mehr zu helfen. Eins weiß ich jedenfalls - so kann ich nicht normal weiterleben!!!

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Re: Hilft die Therapie? Welche Therapie macht ihr?

Beitragvon Kinabalu » 02.06.2013, 23:49

Hallo feenstaub.
ich versuch es mal kurz zu halten damit du einen Überblick bekommst-wenn du noch Fragen hast-raus damit!! :)

1) Seit ihr in Therapie?
Aktuell bin ich nicht in Therapie (und sehe es auch für die Zukunft nichtmehr für notwendig an), ich war allerdings "früher" vor ca. 7 Jahren lange in Therapie. Zu der Zeit noch bei einer Kinder& Jugendtherapeutin.

2) Hilft euch die Therapie was bzw. hat sie euch geholfen?
Mir hat die Therapie sehr geholfen. Meine Mutter war damals mit meiner Phobie schlich überfordert-und ich sowieso. Ich war irgendwann an dem Punkt an dem ich zu nichts mehr in der Lage war-ich konnte nichtmal mehr den Müll runter bringen. Meine Mutter hat mich dann zu der therapie gezwungen und ich hab anfangs total gemauert und wollte da einfach nicht hin. Aber mit der Zeit habe ihc gemerkt, dass ich dieser Frau trauen kann und habe mich anch und nach geöffnet. Eine Therapeutin kann dir in jedem Fall helfen neue Blickwinkel einzunehmen, neue verhaltensweisen auszuprobieren und natürlich auch Ursachenforschung zu betreiben. Mir hat die Therapie sehr geholfen! Natürlich muss man sagen, dass der Erfolg der Therapie auch einfach davon abhängt ob man mit der Therapeutin klarkommt-ich war auch erstmal beim Falschen, habe gewechselt und war danach super zufrieden. Lass dich also nicht abschrecken wenn du erstmal an jemanden gerätst den du ganz furchtbar findest, gib ihm noch 1/2 weitere termine und wenn du bei deinem Urteil bleibst suchst du dir jemand anderes.

3) seit ihr die Emetophobie je wieder losgeworden?
Jein. Ich würde sagen, dass ich die Angst vor Erbrechen losgeworden bin-ich kann alles essen, alles machen und kann Freunden beistehen, wenn ihnen schlecht ist, ertrage Erbrechen in meiner Umgebung (auch wenn ich nicht drauf abfahre). Aber ich habe noch so eine diffuse Angst-wenn mich Situationen körperlich oder emotional überfordern bekomm ich so ein "Versteck dich im bett"-Gefühl. Ich bekomm dann Angst, will aus der Situation fliehen-kann aber nicht beschreiben warum. Allerdings tritt das dann wirklich nur selten und konkret in der Situation auf und belastet mich nicht im Alltag.


4) wie lebt ihr damit, hat jemand ein ähnliches Problem wie ich?
Ich lebe sehr gut damit. Mein Leben unterscheidet sich nicht von dem von meinen Freunden.

6) Hat jemand von euch Medikamente (beispielsweise ein Anti-Depressivum) bekommen und hat es euch geholfen?
Ich hab ja schon geschrieben, dass ich irgendwann echt garnichtsmehr konnte. Da hingen natürlich ziemliche Depressionen mit drin. Ich konnte absolut problemlos den ganzen tag rumsitzen und de Wand anstarren-ich hatte garkeine Kraft mehr um gegen irgendwas anzukämpfen. Als ich angefangen habe AD zu nehmen habe ich irgendwann gemerkt, dass ich unruhiger werde und ich anfange in meinem kleinen Umfeld was zu machen. Ich hab dann z.B an einem Tag den Herd sauber gemacht, bin mal zu Briefkasten usw. Nach und nach habe ich meine Kraft wieder bekommen bzw. überhaupt den Willen etwas zu ändern-mal wieder rauszugehen, was zu amchen. Es war auf keinen Fall so, dass die Angst plötzlich weg war, ich war auch keine Andere (auf Drogen und nurnoch happy-so hatte ich mir das vorgestellt) aber ich hab wieder gesehen dass es sich lohnt zu kämpfen und dann ahbe ich mich halt hochgearbeitet bis ich wieder zur Schule gegangen bin. Bis dahin hatte ich dann soviel Motivation, dass ich ab dem Tag als ich wieder zur Schule gegangen bin nichtmehr einen Tag gefehlt habe-ich hab mich da richtig durchgebissen. Also Fazit: Mir hat AD sehr geholfen. aber es nimmt dir die Arbeit halt nicht ab. Meine therapeutin meinte mal, dass es wie eine Krücke nach einem beinbruch ist. Es hilft dir halt dabei langfristig deine eigenen Beine wieder voll zu belasten.
Später habe ich auch Benzos genommen, wobei ich hier wirklich sagen muss, dass das Suchtpotenzial sehr sehr hoch ist und es immer besser ist wenn man es ohne schafft!

Ich hoffe ich konnte dir weiter helfen :)
And every demon wants his pound of flesh
but I like to keep some things to myself
I like to keep my issues strong
it's always darkest before the dawn

And it's hard to dance with a devil on your back
so shake him off!

feenstaub_

Re: Hilft die Therapie? Welche Therapie macht ihr?

Beitragvon feenstaub_ » 15.06.2013, 20:03

Danke für deine lange und ausführliche Antwort!

Ok, das hört sich ja schon mal gut an. Ich hatte/habe total Angst, dass mir niemand helfen kann und ich diese komischen Gefühle nie wieder weg bekomme, obwohl ich normal ja an Therapie glaube und daran, dass man damit so ziemlich alles wieder verbessern und in den Griff bekommen kann. Nur wenns mich selbst betrifft, bin ich immer total unsicher, ob es bei mir auch was hilft.

Ich hab halt irgendwie ein komisches Gefühl, weil ich nicht wirklich beschreiben kann, wie diese Gefühl wirklich ist... das ist das schwierige und ich hoffe, dass ich es meiner Therapeutin klar machen kann (hab am Donnerstag endlich einen Termin!)

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Re: Hilft die Therapie? Welche Therapie macht ihr?

Beitragvon Bellchen » 19.07.2013, 11:43

1) Seit ihr in Therapie?
ja, ich habe vor 1,5 Jahren eine ambulante Therapie angefangen (Verhaltenstherapie). Im letzten Herbst ging es mir dann aber so schlecht, dass ich ins Krankenhaus musste und danach war ich da noch in der Tagesklinik. Seit Mai wieder ambulante Therapie.

2) Hilft euch die Therapie was bzw. hat sie euch geholfen?
Naja, ein bisschen hilft es schon. Aber ich habe noch einen weiten Weg vor mir.

3) seit ihr die Emetophobie je wieder losgeworden?
Bis jetzt noch nicht.

4) wie lebt ihr damit, hat jemand ein ähnliches Problem wie ich?
Ich habe schon seit meiner Kindheit Probleme (Emetophobie ist eigentlich nur ne Nebendiagnose, habe eine Persönlichkeitsstörung, Panikstörung, ...) Von 2006 bis 2012 ging es mir richtig super. So gut wie nie angst, kaum Symptome. Aber seit letztem Herbst habe ich echt wieder total zu kämpfen mit Übelkeit, Panik, ...

5) hat jemand von euch Hypnose ausprobiert?
Hypnose hatte ich nur gegen meine Zahnarztangst. Da hat es einige Sitzungen gedauert, ehe ich überhaupt hypnotisiert war und dann einige Sitzungen mit Hypnose gingen. Dann hatte ich aber wieder Angst vorm Zahnarzt und war Jahre lang nicht und seit letztem Jahr war ich aber wieder regelmäßig beim Zahnarzt und das ganz ohne Hypnose.

6) Hat jemand von euch Medikamente (beispielsweise ein Anti-Depressivum) bekommen und hat es euch geholfen?
Ich nehme seit Dezember Mirtazapin. Es hilft etwas gegen die innere Unruhe und macht Appetit (was bei meinem Untergewicht von Vorteil ist) und außerdem hilft es beim Schlafen. Ich kann besser einschlafen.

feenstaub_ hat geschrieben:Ich hatte/habe total Angst, dass mir niemand helfen kann und ich diese komischen Gefühle nie wieder weg bekomme

Das kenne ich, so geht es mir auch zur Zeit. Ich war ja nun schon im Krankenhaus, Tagesklinik usw. und mir geht es immer noch nicht viel besser und da kommen dann die Zweifel, ob es jemals wieder "normal" wird.

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Jacey
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Re: Hilft die Therapie? Welche Therapie macht ihr?

Beitragvon Jacey » 12.01.2014, 14:50

Hi,

zu 1.)
Ja, bin seit 10 Jahren in einer Verhaltenstherapie. Allerdings nicht direkt wegen der Emo, sondern das waren zunächst andere Probleme, die zwar von der Emo kamen, dies habe ich aber erst so 5, 6 Jahre später kapiert. Davor kannte ich den Begriff "Emo" überhaupt nicht.

zu 2.)
Phasenweise hat sie mir gut geholfen, es gab aber auch Phasen, in denen mir die Therapie überhaupt nichts gebracht hat.

zu 3.)
Nein, bisher leider nicht. Auch hier gab es Phasen (Wochen, gar Monate), in denen es überhaupt nicht präsent war, dann wieder Phasen, in denen ich Schwierigkeiten hatte, meine Alltag zu meistern.

zu 4.)
Mal besser, mal schlechter. Im Moment eher schlechter. Habe regelmäßig auf Arbeit "Angstattacken" (Panik möchte ich es noch nicht nennen.)
Ich versuche das beste daraus zu machen und habe es bisher auch geschafft, mich NICHT krankschreiben zu lassen, egal wie schlecht es mir wegen der Emo ging.

zu 5.)
Nein, habe ich nicht. Evtl. würde ich es gerne mal probieren.
Habe aber die EMDR-Methode ausprobiert. Bei mir mit mäßigem Erfolg, allerdings liegt mein Traumaerlebnis in der sehr frühen Kindheit und ist damit schon schwer zu bearbeiten. Außerdem spüre ich, dass ich mich gegen diese Art der Therapie etwas sperre, weil ich Angst davor habe, was ggf. noch rauskommt.....was ich vielleicht gar nicht wissen möchte....

zu 6.)
In einer ganz schlimmen Angst-Phase habe ich von meinem Hausarzt Opipramol verschrieben bekommen. Hat mir sehr gut geholfen und mich aus dem Loch befreit. Habe es nach ca. 5 Monaten im Urlaub dann selbstständig reduziert und dann schließlich abgesetzt.

Wünsche Dir alles Gute.

VG Jac.
Wer keine Angst vor dem Teufel hat, braucht auch keinen Gott.
Und schlimmer als (zeitweise) mein Leben, kann die Hölle gar nicht sein.


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