Posttraumatische Belastungsstörung kanalisiert Emo

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Track11

Posttraumatische Belastungsstörung kanalisiert Emo

Beitragvon Track11 » 02.05.2013, 14:30

Versuche sachlich zu bleiben damit der Text viel Informationen beinhaltet.

Bin 25 Jahre alt und habe die Nachforschungen zu meinen Ticks sehr vernachlässigt. In den letzten Wochen bin ich aber aktiv hinterher.

Habe meine Ticks seit dem ich mich erinnern kann, war schwer erziehbar, akzeptierte keinerlei Autoritäten, wanderte durch sämtliche Schulformen, habe letzten Endes aber die Kurve bekommen und bin jetzt in einem guten Job. Habe mich bis zum 20ten Lebensjahr hinter dem PC in meinen Zimmer verkrochen. Kann keine Liebesbeziehung eingehen. Vermisse ausschließlich Gegenstände und materielle Dinge. Habe das Bedürfnis nach Nähe. Kann mich nicht geistig von einer Person abhängig machen. Ich empfinde vorwiegend folgende Dinge nach Häufigkeit aufgelistet:
- Angst öffentlich bloß gestellt zu werden
- Angst vor dem Erbrechen in der Öffentlichkeit
- Ansgt vor unvorhersehbaren Eventualitäten
- Hass auf menschliche Eigenarten
- Angst vor unangenehmen Konversationen
- Hass auf Leute die mir dumm erscheinen (Lebensberechtigungszweifel)
- Hass auf Unestetik jeglicher Art
- Stolz auf andere herab sehen zu können
- Stolz wenn mich andere bestätigen
- Angst zu versagen
- Bewunderung anderer

Andere beschreiben mich als selbstgerecht, extrovertiert, salopp, gebildet, eigenartig, selbstsüchtig, herabwürdigend, jähzornig, zielorientiert, kalt

Meine Mutter war sehr zierlich und ich wog bei der Geburt 4,7 Kilo. Beide wären bei der Geburt fast gestorben, sie dauerte 12 Stunden mit einer Saugglocke. Hatte auf dem Kopf deshalb 3 Monate lang ein hematomartigen Bluterguss. Dies erzählte mir mein Vater. Bin darauf hin zu dem Entbindungs/Frauenarzt gegangen der jetzt im Ruhestand ist und nach diesen 25 Jahren konnte er mir genau erklären was damals abgelaufen war.

Es ist durchaus vorstellbar und naheliegend, dass ich durch die sehr schwere Geburt eine posstraumatische Belastungsstörun / Angststörung davon getragen habe.

Demnach weiß ich also nicht wie ein "normaler" Mensch lebt und trage diese Psychose mein gesamtes Leben lang mit mir rum.

Ich schreibe dies eigentlich für meinen Psychologen auf, denke aber, dass es den ein oder anderen hier im Forum gibt der diesen Beitrach informativ findet.

Wie oder was genau ich jetzt anstreben soll um eine Verbesserung meiner geistigen Lebensweise zu erwirken, weiß ich natürlich nicht.
Ich werde aber einen Kausalbaum aufzeichnen in dem alle großen schlimmen und guten Ereignisse meines Lebens drin stecken.

Mit freundlichem Gruß


Silvan

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Re: Posttraumatische Belastungsstörung kanalisiert Emo

Beitragvon Sase » 06.05.2013, 10:22

Hallo Silvan,
ich schreibe dir jetzt einfach mal, damit dein Thread nicht so leer bleibt :D
Ich finde es absolut interessant, was du geschrieben, habe jetzt auch eine Weile darüber nachgedacht, was ich darauf antworten könnte, aber das ist gar nicht so leicht. Deswegen will ich versuchen, dir einen Gedankenanstoß zu geben: Du hast jetzt sehr stark dein Fremdbild aufgezeichnet. Sprich: Was andere dir erzählt haben (z.B. das mit dem Hämatom) oder wie andere dich sehen/ über dich denken. Eventuell erklärt sich einiges davon durch deine Ängste (die ja aus deiner Sicht sind). Aber versuch doch vielleicht mal, das ganze noch weiter darum zu ergänzen, wie du dich siehst! Da fehlt ein bisschen die Brücke. Vielleicht die Brücke, die dir selbst auch fehlt:

Es existiert ein Fremdbild und es existiert eine Beschreibung von deinen Ängsten und Wünschen. Man kann als Außenstehender leicht sagen "Ja, klar passt doch wie die Faust aufs Auge, dass einer der menschliche Eigenarten und dumme Leute hasst von anderen als herabwürdigend und kalt wahrgenommen wird". Aber ist es wirklich so? Wie sieht das in dir aus? Gibt es diesen Zusammenhang? Wie siehst du dich? Bist du im Kern ein (ich übertreib das jetzt bewusst!) "Arschloch by nature"?

Du musst hier keinesfalls dazu Stellung nehmen! Aber vielleicht würde es das Schriftstück für deinen Therapeuten noch etwas plastischer machen.

Gruß
Sase
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

Track11

Re: Posttraumatische Belastungsstörung kanalisiert Emo

Beitragvon Track11 » 07.05.2013, 14:09

Also das ist natürlich ein psychologish sehr tiefgreifender Aspekt, denn um dazu Stellung nehmen zu können bedarf es ja erstmal der Klarstellung, was ich eigentlich wirklich bin.Ich denke, dass ich meiner Theorie nach, mein eigentliches "Ich" aus vielen anderen Menschen denen ich begegnet bin zusammen gestellt habe. Ich versuche es mal einfach zu erklären.
Ich bin all das, was im Laufe der Jahre sich für mich als nützlich erwiesen hat. Dinge die mir im Leben weitergeholfen haben verinnerlichte ich und somit bin ich quasi die Summe aus Erfahrungen. Dies geht natürlich jedem so, wobei ich bei mir selbst den Nachteil sehe keine natürlichen Gefühle aufbauen zu können sondern lediglich ein dem Kind einen Namen zu geben. (Ich bin in der Situation und sage den und den Satz = Zuneigung)

Mich selber unter dem Haufen an Angelernten zu erkennen wird sehr schwierig, da ich weit weit zurück denken muss.

Wenn ich heute so handeln würde wie ich als Kleinkind war würde ich mich so beschreiben. Permanenter Jehzorn, Gewalt gegen Außenstehende die nicht meinem Idealbild folgen, permanente und alles vernichtende Aussagen gegen Leute richten die anders sind. Selbsthass auf meinen Körper der sogar in Richtung selbstverstümmelung gehen würde. Nichtakzeptanz von jeglichen Autoritätspersonen. Permanentes Infragestellen fester Regeln. Kurz um: Ich bin eigentlich als Anarchist zur Welt gekommen.

Je mehr ich mir dieses soziale "Ich" angelernt habe, desto stärker wurden meine Ängste. Darauß schließe ich, dass wenn ich mich zurück entwickeln würde, alle Ängste verschwinden

Mutti82
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Re: Posttraumatische Belastungsstörung kanalisiert Emo

Beitragvon Mutti82 » 11.05.2013, 22:18

Hallo Track11

Hier nur ein paar Gedankengänge von mir keine Ahnung ob es irgendeinen Wert hat... :roll:

Hmm...Wie war denn deine Kindheit so? Was sagt denn der Psychologe zu deinen Aussagen und Thesen?
PTBS wegen der schweren Geburt? Sagt man nicht eh, jede Geburt ist traumatisch? Konnte das "Trauma"
denn nach der Geburt aufgefangen wurden? Oder gab es Probleme in der Kindheit die nicht aufgefangen werden konnten?
Wie ein Trauma an sich entsteht ist dir ja sicher klar. Ich finde deine Angaben sehr interessant aber auch schockierend
und hoffe für dich, dass du weiter kommst und eine Besserung in deinem Leben erziehlst.

Viel Erfolg 8)
Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.
"Mark Twain"

AAA
Beiträge: 3
Registriert: 30.12.2014, 16:30

Re: Posttraumatische Belastungsstörung kanalisiert Emo

Beitragvon AAA » 30.12.2014, 16:41

Mittlerweile weiß man, dass Geburtstraumata das ganze Leben beeinflussen können, und wenn Mutter und Kind beinahe beide gestorben sind, ist das nicht lustig. Am hilfreichsten habe ich bei solchen Themen Körperpsychotherapeuten mit extra Traumaausbildung erlebt.

Ansonsten ist ein Problem, dass es relativ wenige bekannte Traumadiagnosen außer PTBS gibt (die relativ eng definitiert ist). Aber das heißt natürlich nicht, dass man nur ein Trauma hat, wenn man im Krieg war oder extreme Übergriffe erlebt hat, sondern nur, dass 2/3 der Autoren des internationalen Krankheitenkataloges DSM von der Pharmaindustrie gesponsort sind. Wenn sie anfangen würden, lange beantragte und gründlich recherchierte Diagnosen wie "Entwicklungstrauma" aufzunehmen, könnte man Probleme an der Wurzel behandeln, anstatt dass Menschen jahrelang von Arzt zu Arzt tigern und von jedem eine andere Diagnose und andere Medikamente bekommen.


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