CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

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CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 08.02.2012, 00:18


ACHTUNG! - Ich aktualisier die Version immer hier im ersten Beitrag !!! Damit jemand der sich reinliest nicht etliche Male den (fast) gleichen Text lesen muss im Verlauf des Threads!!!
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Nicht gerade mein Meisterwerk und ich weiß auch nicht, obs euch zu subjektiv ist und zu wenig Links drin sind. Ich kann noch mehr Suchen, aber leider bezieht sich das meiste eher auf Alkohol... Verbesserungsvorschläge, Wünsche???

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CO-Abhängigkeit – was ist das und was hat das mit Emetophobie zu tun?

Sicher sind dem einen oder anderen die Begriffe CO-Abhängigkeit oder co-abhängiges Verhalten vom Thema „Alkoholismus“ her bekannt. Eigentlich beschreibt sie ein Verhaltensmuster, dass nicht der Betroffene selbst, sondern die Personen in seinem direkten Umfeld an den Tag legen. Das Konzept der „CO-Abhängigkeit“ stammt ursprünglich aus der Arbeit mit den Familien/Partnern Alkohol- und Drogenabhängiger. Neuere Erkenntnisse zeigen aber, dass typische Muster der CO-Abhängigkeit auch bei Menschen vorhanden sind, die nicht mit Alkohol- oder Drogenabhängigen konfrontiert waren oder sind. Man nimmt an, dass unterschiedlichste Formen von Misshandlung in der Kindheit (körperlich, emotional, verbal etc.) dazu führen, dass Menschen co-abhängige Beziehungsmuster aufbauen.

Typische Merkmale von Menschen mit co-abhängigem Verhalten sind z.B. dass diese sehr in der Beziehung zu anderen aufgehen und durch den anderen Leben. Sie vernachlässigen sich häufig teils und führen, regeln, kontrollieren, sorgen sich eher um einen anderen (z.B. den/die EmetophobikerIn). Hierbei verlieren sie eigentlich immer mehr den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und Wünschen. Sie sind sehr darauf bedacht, was andere von ihnen, ihrer Beziehung, der Familie etc. denken und setzen alles daran nach außen ein positives Bild („perfekte Familie“) aufrecht zu erhalten. Z.B. in dem sie die Probleme des anderen zu kontrollieren versuchen oder sie vertuschen. Häufig äußert sich das auch als intensiver Wille, dem anderen zu helfen. Die Hilfe von Außenstehenden oder Therapeuten wird jedoch innerlich oft abgelehnt (denn das würde das Bild der Perfektion kaputt machen). Häufig ist Co-Abhängigen das Ausmaß des Problems nicht mehr wirklich bewusst, weil sie mit größtem Engagement Strategien entwickeln, um die Situation unter Kontrolle zu halten (z.B. fangen Partner von Alkoholikern an mitzutrinken, um so den Alkoholkonsum des Partners zu verringern). Die Fürsorge, die Co-Abhängige aufbringen ist oft stark übertrieben und kann soweit reichen, dass sie dem Betroffenen nahezu das Regeln seines eigenen Lebens untersagen, sie reißen sozusagen alles an sich, um Kontrolle über die Situation zu behalten und sich unentbehrlich zu machen (wieder erste mal ein Beispiel aus dem Alkoholbereich, da es erst mal „griffiger“ ist, es folgt später eine Übertragung zur Emetophobie – Z.B. lässt man den alkoholkranken Partner unter keinen Umständen mehr alleine auf die Bank oder Geschäfte regeln, weil man unterbinden will, dass er „im Suff“ alles unterschreibt). Mitunter kann dies dazu führen, dass beim Betroffenen auch selbst der Eindruck entsteht, er kann ohne den anderen eigentlich gar nicht mehr sein Leben regeln, ist „nix wert“ oder „kriegt eh nix selbst auf die Reihe“. Eine gegenseitige Abhängigkeit entsteht, die im Extremfall quasi bis zur Entmündigung des Betroffenen führen kann.

Folgen entstehen auch für den Co-Abhängigen: Stressbedingt leidet auch er häufig an Beschwerden, die in den Medien gerne als „Psychosomatische Beschwerden“ betitelt werden (z.B. Kopfschmerzen, Migräne, Magenprobleme…) und die mit der Zeit in ernsthafte Erkrankungen mit den dafür typischen Folgen übergehen (Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen…).
Besonders schwierig im Umgang mit Co-Abhängigen sind deren Grenzenlosigkeit (sie mischen sich auch dann ein und übernehmen Dinge, wenn der Betroffene das nicht unbedingt will…) und Charakterzüge, wie alles persönlich zu nehmen. Letzteres äußert sich häufig in Vorwürfen, Schuldzuweisungen usw.

Funktionieren kann ein solches Beziehungsgefüge, da der Betroffene selbst natürlich auch davon profitiert – seine Ehre wird aufrecht erhalten, er muss sich der Situation, dass er krank ist nicht stellen, da sein Alltag weiterhin funktioniert usw. Probleme tauchen dann auf, wenn eine der beiden Seiten ernsthaft etwas ändern möchte und durch den anderen blockiert wird.
Häufig lassen sich diese – wie bei den meisten Dingen – als Betroffener jedoch gar nicht so leicht erkennen. Insbesondere dann nicht, wenn man selbst der „Betroffene“ ist, um den sich das co-abhängige Beziehungsgeflecht rankt. Sehr wahrscheinlicher ist es, dies entweder gar nicht oder nur diffus wahrzunehmen („Geistesblitze“) oder gar auszublenden, weil es – wie im weiteren noch beschrieben wird – der eigenen Angst entgegen kommt und sie bei oberflächlicher Betrachtung leichter ertragen lässt.

Phasen der Co-Abhängigkeit

Man nimmt an, dass das Verhalten co-abhängiger Personen sich in unterschiedliche Phasen unterteilen lässt. Eventuell kommt Dir dieser Verlauf auch aus deinem eigenen Umfeld im Umgang mit deiner Angst bekannt vor?

Ich übernehme mal die Phasen aus einer Broschüre vom Blauen Kreuz (die Quelle hänge ganz unten als URL an, falls sich wer weiter damit beschäftigen möchte).

1. „Entschuldigungs- und Beschützerphase“
Merkmale: Man bringt dem Erkrankten Verständnis gegenüber, kann verstehen wie es ihm geht und will ihn aus und durch die eigene Liebe heilen.

2. „Kontrollphase“
Merkmale: Es wird versucht, den Betroffenen zu kontrollieren, um nach außen ein positives und perfektes Bild aufrecht zu erhalten. Bezüglich der Emetophobie könnte das bedeuten: Deine Eltern oder dein Partner erfinden vor Freunden Ausreden für dich, warum du nicht mitkommen kannst oder dieses oder jenes nicht essen kannst. Sie verbieten Dir, in der Öffentlichkeit über deine Angst zu sprechen. Sie spielen deine Probleme vor anderen herunter. Vielleicht aber setzen sie auch alles Menschenmögliche daran, dich dabei zu unterstützen eine körperliche Ursache zu finden, selbst wenn du selbst schon verstanden und erkannt hast, dass du eigentlich ein psychisches Problem hast.
Ein Beispiel aus der Praxis: Vor einiger Zeit hat mich eine Mutter angeschrieben, die vollkommen verzweifelt war, weil ihre über 30 Jahre alte Tochter in eine Therapie gehen und immer wieder in der Vergangenheit herumkramen will. Sie wandte sich hilfesuchend an mich, wie sie ihrer Tochter beibringen kann, dass nur ein „Geistheiler“ ihr wirklich helfen kann. Hieraus wird auch nochmal deutlich: Ein erwachsener Mensch (hier die Tochter) sollte eigentlich elternunabhängig seine Probleme lösen. In dem Fall war das scheinbar auch so. Die Mutter allerdings der Meinung, sie selbst müsse das Schicksal ihrer Tochter in die Hand nehmen. Aus ihrer Mail wurde auch deutlich, dass es dadurch zu Spangen kam, denn die Tochter hatte die Absicht sich psychologische Hilfe zu suchen.

3. Anklagephase
Merkmale: Der Co-Abhängige lässt seine eigene Hilflosigkeit nun am Betroffenen aus, indem er ihn verantwortlich macht für sein Leben („Sündenbock“). Oft folgen auch inkonsequente Drohungen, die aber nicht umgesetzt werden und in einen Teufelskreis münden.
Hier sind der Phantasie eigentlich kaum Grenzen gesetzt. Ich denke, Anschuldigungen, Vorwürfe usw. könnt ihr euch selbst gut vorstellen („Wegen dir kann ich nicht mehr weggehen“, „Ich hab gar keine Zeit mehr für mich, als dreht sich um deine Angst“, „Ich wär froh, ich hätt dich nie bekommen“, „Wenn du nicht sofort was isst, lass ich dich in eine Klinik einweisen“ etc.). Oft sucht sich der Co-Abhängige dann auch Kontakt nach außen und bespricht seine hoffnungslose Situation mit anderen, die ihn wiederum aufbauen und loben, für das was er leistet. Gestärkt stellt er sich dem Alltag neu – ein Teufelskreis beginnt…

Warum ist für mich wichtig, wie sich mein Umfeld verhält, wenn ich meine Emetophobie loswerden will?

CO-abhängige Systeme können derart eingespielt sein, dass der Betroffene nahezu keinen Anlass mehr hat, gegen sein Problem vorzugehen. In ganz drastischen Fällen kann es sogar passieren, dass der Erkrankte bewusst in seiner Krankheit gehalten wird, da seine Krankheit das ganze Familiensystem/ die Beziehung erst tragfähig und funktional macht. Deswegen ist es wichtig, die eigene Situation zu erkennen und zu verstehen, um aus diesem Teufelskreis auszubrechen.

Warum sollte jemand nicht wollen, dass ich meine Angst los werde?

Hinter dem Verhalten steckt in der Regel keine böse Absicht, sondern ein erlerntes, sehr subtiles Muster, dass dem Co-Abhängigen so in der Regel gar nicht klar ist. Z.B. Kann die Krankheit eines Kindes und die gemeinsame Angst, ums Kind die einzige Sache sein, die den Ehepartner noch bei einem hält.
Oft wird CO-Abhängigkeit profan auch als „Sucht, gebraucht zu werden“ beschrieben, woraus nochmal deutlich wird, dass nicht nur der Erkrankte abhängig von seinen „Bezugspersonen“ ist, sondern unter Umständen auch umgekehrt, diese das von ihm vermittelte Gefühl „gebraucht zu werden“ benötigen. Oft zeigt sich dies in absoluter Sorge, die bis hin zur Selbstaufgabe reicht und gegen sie sich der CO-Abhängige nahezu machtlos fühlt.

Und ein griffiges Beispiel, wie hilflos sich ein betroffener Partner fühlen kann, der sich dem „fügt“ und sich dadurch selbst immer mehr Probleme in seinem sozialen Umfeld erfährt:

„Anfangs machte ich persönlich den Fehler, aus lauter Liebe zu ihr, alle ihre Wünsche und "Regeln" anstandslos zu befolgen… Ich meldete mich in der Firma krank, damit ich bei ihr sein konnte, sobald sie Angst hatte. Ich blieb die ganze Nacht mit ihr wach und kämpfte während der Fahrt zur Arbeit und nach Hause mit dem Einschlafen, was ja auch nicht grad ungefährlich ist. Ich desinfizierte mir ständig die Hände, ich schmiss Lebensmittel fort, die noch lange essbar gewesen wären, ich nervte mein Umfeld (meine Freunde, Familie) mit Fragen zu ihrer Gesundheit. Zeigte unendliches Mitleid ihr gegenüber, räumte im Einkaufsladen die Regale fast leer, damit ich zu den hintersten Waren kam usw.“ (Maximilian, 26 Jahre, Partner einer Betroffenen, der sich im Laufe der Jahre per E-Mail an uns gewandt hat und zugestimmt hat, dass ich das veröffentlichen darf)

Wie erkenne ich, ob ich in co-abhängige Strukturen verwickelt bin?

Gibt Dir dein Umfeld das Gefühl, dem Leben nicht gewachsen zu sein bzw. von ihm (Partner, Eltern) abhängig zu sein, um das Leben zu meistern?

Hand aufs Herz: Wirst Du hin und wieder auch bei Sachen geschont, die Du mit einigem Bauchkneifen schon bereit gewesen wärst zu versuchen?

Gibt es Situationen, in denen die eigene Familie versucht zu „vertuschen“, wie es um einen steht und nach außen eine „heile Welt“ vorzuspielen?

Nimmt Deine Familie die Entscheidungen ab, die dich betreffen und die du durchaus auch selbst zu treffen in der Lage wärst und auch vom Alter her bereits selbst regeln dürftest?

Übernehmen Partner/Familie unsinnige Verhaltensweisen von Dir (wird bei euch z.B. „wie selbstverständlich“ Essen direkt am Abend weggeworfen, da du befürchtest, jemand der es isst, würde sich übergeben?)

Akzeptiert deine Familie/Umgebung vorbehaltlos dein Vermeidungsverhalten und reagiert ungehobelt oder mit blöden Kommentaren und Sprüchen, wenn du versuchst dagegen anzugehen?

Hast Du das Gefühl ein Familienmitglied (oder mehrere) durchleben deine Erkrankung so, als sei es fast ihre eigene?

Wärst Du in der Lage, deinen Alltag (wenn auch mit viel Angst) irgendwie alleine zu regeln oder nutzt du andere für „Handlangerdienste“ (z.B. Einkaufen gehen, damit du Nahrung hast)?

Hast Du hin und wieder Schuldgefühle, weil anderen Leuten Nachteile auf Arbeit oder privat entstehen, weil sie sich selbst in Sorge um Dich, vernachlässigen?

Wenn Du eine oder mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, solltest du mal in Dich gehen und dir Gedanken machen, an in welchen Situationen es eigentlich vollkommen „normal“ geworden ist, dass du Angst vorm Erbrechen hast. Hilfreich ist oft auch der Gedanke, sich vorzustellen, man müsse plötzlich in einer anderen Familie leben. Was sind die ersten Ängste die Auftauchen bzgl. des Alltags.
Nicht immer ist es leicht, normale (Für-)Sorge von co-abhängigem Verhalten abzugrenzen. Grob kann man sagen: Co-Abhängige gehen weit über die normale Fürsorge hinaus, sie leben nicht nur MIT dem Betroffenen sondern auch für ihn.
Wenn Du dir unsicher bist, Fragen hast oder über das Thema sprechen magst, nutze das Schwerpunktthemaforum „Co-Abhängiges Umfeld“.



Hilfe – ich glaube, ich bin selbst co-abhängig!

Es gibt zahlreiche Literatur und Internetseiten zum Thema (am besten Google oder Amazon nutzen), auch Selbsthilfegruppen.
Ich finde den Ratgeber „Verstrickt in die Probleme anderer – ÜberEntstehung und Auswirkung von Co-Abhängigkeit“ von Pia Mellody ganz nett und erfrischend, zumal er nicht ausschließlich auf einen Zusammenhang mit Alkohol- und Drogenproblemen verweist.

Quellen und nützliche Links:
:arrow: http://www.angsthilfe.com/Co-abhaengigkeit-Merkmale.htm
:arrow: http://www.blaues-kreuz.org/cms/upload/CO-Abhngigkeit-Broschre.pdf
:arrow: http://www.suchtprozesse.de/angehoerige.htm
:arrow: Pia Mellody (2011): Verstrickt in die Probleme anderer – ÜberEntstehung und Auswirkung von Co-Abhängigkeit. Köselverlag: München.
:arrow: Monika Rennert (1995): Co-Abhängigkeit – Was Sucht für die Familie bedeutet. Lambertus Verlag.
:arrow: Zwei Jahre Praxiserfahrung in Suchtprävention & neun Jahre Arbeit rund um Get-Together (E-Mail-Beratung, Selbsthilfegruppenleitung, Gespräche und Treffen mit Betroffenen) :wink:
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Beitragvon Sase » 08.02.2012, 09:09

Ja, kann ich machen. Ich fands extrem schwer über ein Phänomen aus der "anderen Sicht" zu schreiben. Ich hatte Bedenken, dass es verwirrend wird, wenn ich zu viel über Co-Abhängige schreibe und weniger über die Rolle des Emo. Aber ich kann den Link z.B. ausführen und noch genauer schreiben die Ursachen schreiben.

Diesen Gedanken mit der Therapie hatte ich auch, allerdings ist es ja nicht gleich Co-Abhängigkeit, wenn sich eine Mutter z.B. gekränkt durch eine Therapie der Tochter oder Angst hat, dass dies die Beziehung zwischen ihrem Kind undsich verändert, oder dass das Kind sich damit auf ewig den "Lebenslauf versaut" usw. Aber vielleicht kann man es in diese Frageliste mit einbauen...

Und genau diese ABgrenzung Verständnis vs. krankes Umfeld ist ziemlich schwer. Aber ich probier es :-) - SPÄTER!
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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 09.02.2012, 14:55

@pippi: Und, geht's diesmal durchs "Pippi-Akkreditierungsverfahren"? :wink:

@all: Die neu hinzugefügten Stellen sind blau. Ich würde mich über Rückmeldung - auch von anderen als Pippilotta (!) - echt freuen. Möchte irgendjemand einen Erfahrungsbericht hinzufügen? Oder einfach Beispiele schreiben (kurze "Ereignisschilderungen" von Situationen, wo euch klar wurde, eure Eltern/Partner haben ein Problem damit, wenn ihr wieder selbstbestimmter werdet?)

@Janinchen: Was ist mit deinem Teil? Poste den doch auch mal hier!
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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 09.02.2012, 20:59

Mh, liest überhaupt wer, was ich schreibe?
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Doris

Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Doris » 09.02.2012, 22:52

Hallo Sase,

ja, ich habe es gelesen, ich finde es und verständlich geschrieben, kann aber ansonsten nicht viel dazu sagen, da ich diese Probleme nicht hatte.

Danke für Deine Mühe!

Doris

Doris

Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Doris » 10.02.2012, 09:56

Pippilotta hat geschrieben:Ich schmeiß jetzt mal eine provokative Frage in den Raum: gibt es jemanden unter uns, der noch nie selbst Co-Verhalten an den Tag gelegt hat?


Ja, ich. Und ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe eine ehemals drogenabhängige, nun alkoholkranke Schwester. Ich habe mir Sases Ausführungen gut durchgelesen und kann sagen, daß mich das nicht betrifft.

Doris

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AW: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 10.02.2012, 10:07

Ich war eigentlich auch nie in so einer situation. Co-abhaengigkeit ist ja ein symptomkomplex. Bestimmte verhaltensweisen hat sicherlich jeder schon mal gehabt. Meinst du eher das? Ich hab auch schon mit 19 versucht, manipulativ meinen freund zum abnehmen zu bewegen o sowas. Aber bei suchtgeschichten war ich die, die sich weigert da irge.dwas zu regeln und es immer offen kritisiert hat und noch nie verstanden hat warum man bestimmte sachen vertuschen soll. Ich denk als jugendlicher weist man staerker diese probleme noch auf. Entwicklungsbedingt.
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AW: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 10.02.2012, 10:12

Gerade beim schreiben kam mir ein gedanke. Ich war glaub ich doch mal in einer solchen situation, aber eigentlich hatte ich auch da eher die rolle des widersachers und hab die situation auch nicht wirklich verstanden, da ich kind war.
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Gast

Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Gast » 10.02.2012, 10:48

Ich hatte so ein Verhalten, aber da war ich noch ein Kind. Ich denke, da ist man noch nicht in der Lage solch ein Handeln zu reflektieren.

Gast

Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Gast » 10.02.2012, 10:54

Ja,, aber als Kind. Ich denke, da ist man noch nicht in der Lage sein Verhalten bezüglich so einer schweren Situation zu reflektieren.

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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 10.02.2012, 13:54

(Irgendwie muss ich nachher mal schauen, wo ich ausstellen kann, dass die Beiträge freigegeben werden müssen, obwohl das für die Zukunft gar nicht schlecht ist...)

Also ich sehe, der Begriff "Co-Abhängigkeit" ist etwas "schwierig" eben wegen dem "Abhängigkeit". Was damit gemeint ist (war), ist folgendes:

Es stellte sich irgendwann in der Therapie mit Alkohol- und Drogenkranken bzw. deren Familien heraus, dass andere Familienmitglieder quasi genauso vom "Alkohol(konsum des Partners!) abhängig" waren, wie derjenige selbst. Sie brauchten also z.B. diese Helferrolle oder dir Rolle als "leidende Frau", oder den Alkohol als Rechtfertigung dafür sich zu sagen "Es hat einen Grund, warum mein Partner mich schlecht behandelt" usw. Sie waren quasi abhängig von der Beziehung, die durch Krankheit geprägt war.
Darin sieht man auch die Ursache, dass Menschen mit diesem Muster z.B. immer wieder "so Leuten" begegnen. Oder warum z.B. Kinder als Alkoholikerfamilien oft später selbst Partner haben, die Alkoholprobleme haben.

Wenn man den Begriff Alkohol weglässt heißt das:
Andere Familienmitglieder (oder z.B. ein sehr enger Freund, ein Kollege oder sowas) brauchen die Krankheit einer Person, als Existenzgrundlage. Sie gehen darin auf sozusagen. Sie leiden quasi an sowas wie "Beziehungssucht" gegenüber einer kranken Person.

Pathologische Störungen im psychiatrischen Bereich zeichnen sich auch nicht dadurch aus, dass man bestimmte Verhaltensweisen aufweist, die andere Menschen NICHT haben. Sondern eigentlich dadurch, dass man bestimmte Kombinationen aufweist und die Verhaltensweisen ein Maß der "Normalität" überschreiten. Ein Beispiel: Egozentrismus. Man kann sowohl eine Macke oder Spleen haben, dass sich alles um einen dreht, aber auch einen krankhaften Egozentrismus. Jeder war schon mal "depri", dennoch leidet nicht jeder davon an einer Depression. Man kann Drogen konsumieren, ohne davon abhängig zu sein. Es ist ja z.B. auch normal, dass man Erbrechen nicht schön findet und viele Menschen haben Angst davor - dennoch sind das nicht alles Emetophobiker.

Um wirklich "co-abhängig" zu sein muss man eine gewisse Regelmäßigkeit und Nähe im Umgang mit der Betroffenen Person haben. Oftmals taucht aber auch typisches Verhalten auf, ohne das man im einzelnen co-abhängig ist - z.B. aus Bequemlichkeit. Ein Beispiel: Man hat einen Kollegen, der immer zu spät kommt. Man nimmt an, dass er Abends in der Lotto-Toto-Bar versumpft. Man spricht ihn da aber auch nicht drauf an, sondern der Chef duldet das einfach. Gegenüber der Personalabteilung usw. schützen die Kollegen ihn, indem sie z.B. behaupten sagen, der jenige wäre Dienstag morgen da gewesen und hätte xy erledigt (was er natürlich nicht hat, was aber nicht überprüfbar ist). Sowas ist dann z.B. auch ein Umfeld, das nicht gerade dazu führt, dass dem Kollegen der A... auf Grund geht von wegen: Meine Stelle ist in Gefahr! Dennoch kann hier ein Grund für das Verhalten schlichte Bequemlichkeit sein (wer spricht sowas schon gerne an?), HIlflosigkeit oder dergleichen, ohne dass man abhängig von der Person wär. Eigentlich wär der Chef wahrscheinlich eher froh, derjenige würde die Abteilung wechseln. Das hat dann auch viel mit Weggucken zu tun. Wie aber kann es nun sein, dass z.B. ein Kollege echt co-abhängig würde? Nehmen wir an, einer nimmt sich dem Leid des Lotto-Toto-typen voll an. Er weiß, dass der Lotto-Toto Typ von seiner Frau verlassen wurde und ihm gehts nicht nur um Bequemlichkeit. Er entwickelt Mitleid, weil der Lotto-Toto-Mann, für den alle dide Arbeit miterledigen, ihm leid tut! Er beginnt, eine Freundschaft zum Lotto-Toto Mann aufzubauen. Er geht abends einige male mit ihm weg und es bestätigt sich das Gerücht: Der Typ ist Spielsüchtig! Vom Leid ergriffen will der Kollege dem Lotto-Toto-Mann nun aus seiner Misere helfen. Mittlerwile weiß er auch, dass es bei LTM (Lotto-Toto-Mann) schon keinen Strom mehr in der Wohnung gibt, also bietet er ihm an, bei sich zu übernachten. Er versucht dann auch immer öfter mit dem LTM abends zusammen wegzugehen und sich zu treffen, um LTM die Zeit zu nehmen, in einen Wettschuppen zu rennen. Vielleicht klappt das auch immer mal... LTM bedankt sich oft für die ganze Hilfsbereitschaft. Dennoch kann er sich nicht vom Wetten wegreißen, warum auch? Mittlerweile läd ihn der Kollege, der nun auch miterlebt, dass LTM nicht mal Kohle für essen hat, öfter in der Kantine mittags ein und beim Kollegen kann LTM sogar das Internet nutzen, um Online-Poker zu zocken (was der Kollege nicht checkt, weil er im Glaube ist, dass LTM seine E-Mails checkt oder sonstwas tut). Jeden Rückfall von LTM erlebt der Kollege als persönliches Versagen und ist zutiefst gekränkt. Ok, ich will das jetzt nicht bis ad absurdum ausführen. Aber vielleicht das mal als ein Beispiel.
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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon anxia » 10.02.2012, 23:24

Also ich würde mich total gern beteiligen, aber ich habe leider Null Erfahrungen mit Co-Abhängigkeit.
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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Parasomnia » 11.02.2012, 09:35

Ich glaube, ich kann da aus der Beziehung mit meinem Ex-Freund etwas beitragen.
Der war zwar weder drogen - noch abkoholabhängig, hatte aber massive Probleme damit, sein Leben allein auf die Reihe zu bekommen. Er hat sich auch noch selbstständig gemacht und da hing natürlich sehr viel Verantwortung dran, die er unmöglich tragen konnte. Also habe ich begonnen, ihm unter die Arme zu greifen. Ich habe seine Papiere sortiert, ihn an Termine erinnert, beim Aufräumen und Renovieren der Kneipe geholfen, bis ich nicht mehr konnte, ihm immer ein offenes Ohr geboten, den Haushalt geschmissen usw. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich mich damit total überfordert habe UND vorallendingen dafür gesorgt habe, dass sich für ihn absolut nichts verändert. Irgendwann war ich soweit, dass bei jedem geschilderten Problem meine Alarmglocken angingen, wie man das lösen könnte, während er sich meistens drauf verlassen hat, dass andere das für ihn übernehmen. Und nicht nur er brauchte mich, ich brauchte auch ihn und dieses Gefühl, gebraucht zu werden. Ich habe mich damit irgendwie unverzichtbar gemacht und es steigerte mein Selbstwertgefühl schon enorm, zu wissen, dass ICH die Dinge regeln kann, die ER nicht auf die Kette kriegt. Das war ein absoluter Teufelskreis. Ich weiß nicht, ob das was mit Co-Abhängigkeit zu tun hat, aber aus den Schilderungen hier heraus, hatte ich das Gefühl, es könnte zumindest im Ansatz sowas sein.
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
(Hannes Wader)

Let me forget about today until tomorrow.
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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Sase » 16.02.2012, 14:22

Anonymes Beispiel, dass ich hier posten darf/soll.

Ich war irgendwie selbst im Zentrum von so einem co-abhängigen Umfeld. Is irgendwie schwer das zu beschreiben, aber z.B. hat meine Familie irgendwie versucht zu unterbinden, dass ich zu einem Psychologen gehe. Meine Mutter hat mir irgendwie immer gesagt, dass man dann ihr die ganze Schuld geben wurde und deswegen hatte ich das Gefühl, dass Psychologen eigentlich böse sind und meine Mutter schlecht reden wollen. Sie konnte auch meinen Anblick nicht mehr ertragen, hat mich in weite Kleider gesteckt und auch irgendwie dazu überredet, dass ich mich schminke, damit ich nicht immer so krank aussehe. Im Grunde hat meine Familie nach Außen immer so getan, als wie ich hätte kein Problem. Mir fallen auf Anhieb keine anderen Beispiele ein, aber im Grunde war es so, dass ich nach außen immer gesund wirken musste. Später als dann bei mir eine Krankheit festgestellt wurde und ich Tabletten nehmen musste, wurde mir auch vermittelt, dass ich darüber am besten nicht spreche, da ich nur Nachteile dadurch habe. Also vor allem in der Schule. Ich hatte dann wirklich auch Schuldgefühle und Angst, weil z.B. teiweise meine Klassenlehrer auf Klassenfahrten nicht bescheid wussten. Irgendwann habe ich das alles auch so angenommen und selbst geglaubt. Ich weiß nicht, ob das ein Beispiel für co-abhängiges Verhalten ist, aber ich glaube auf jeden Fall, dass mich dieses Verhalten daran gehindert hat, dass ich gesund wurde.
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Re: CO-Abhängiges Verhalten --- OFFEN ZUR DISKUSSION

Beitragvon Janinchen_007 » 17.02.2012, 11:37

Ich wollte ja eigentlich auch einen Text zur Co-Abhängigkeit posten, allerdings fallen mir einfach keine anderen Dinge ein, als hier eh schon geschrieben wurde. Wollte das auch eher sachlich halten, weil meine persönlichen Erfahrungen eher auch in Richtung Co-Abhängigkeit im Bezug auf Drogensucht gehen und es hier ja primär um die Emetophobie geht. :(


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