Stabilisierungskurs oder Imaginationsübung

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zauberin87
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Stabilisierungskurs oder Imaginationsübung

Beitragvon zauberin87 » 15.11.2011, 11:50

Hallo zusammen,

ich habe während meines Klinikaufenthaltes bei einem Stabilisierungskurs mitgemacht. Da ich jetzt eine Anfrage hatte, was genau das denn ist, dachte ich mir, ich kann ja einfach mal für euch alle eine Übung aufschreiben. Ihr könnt ja selbst sehen, ob es etwas für euch ist, oder nicht.

Dieser Kurs war extra für Angstpatienten und Patienten mit traumatischen Erlebnissen. In einer Gruppe von ca. 5 Personen haben wir in diesem Kurs Übungen erlernt, die in Angstsituationen helfen sollen. Es gibt da viele verschiedene.
Es ist allerdings normal, wenn man sich bei den ersten Übungen nicht sofort konzentrieren kann. Alltagsgedanken dürfen dazwischen funken, nur darf man sich nicht an ihnen festhalten.

Am liebsten war mir die vom Garten. Ich schreib sie hier einfach mal auf.

Also man beginnt damit, sich bequem hinzusetzen, sofern dass in der Situation möglich ist. Die Konzentration soll ganz bei dir und deinem Körper sein. Dann beginnt man erstmal damit, sich auf die Übung einzulassen:

Du kannst die Augen dabei auf oder zu machen. In Gedanken schaust du jetzt auf deinen linken oder rechten Fuß - je nach dem welcher dir lieber ist.
Jetzt stell dir vor, wie er auf dem Boden ruht, welchen Abdruck er im Sand hinterlassen würde. Beginne mit den Zehen zu spielen, konzentriere dich ganz und gar auf den Fußabdruck im Sand. Was passiert, wenn du den großen Zeh abhebst, wie stellt sich der Fuß, was passiert mit den anderen Zehen, was bewegt sich mit? Senke den Zeh wieder, bis alles ruhig steht. Hat sich der Fuß etwa verändert?
Hebe nun noch einmal den großen Zeh und senke dabei die anderen Zehen zu Boden. Was bewegt sich dabei noch mit, vielleicht etwas in der Wade? Senke den Zeh nun wieder, bis alles ruhig steht.

Diese Anfangsübung macht man so 5 Minuten, einfach um seine Gedanken zu bündeln. Wenn man nämlich nur an seinen Fuß denkt, kann man nicht gleichzeitig an "Oh Gott, ich muss gleich kotzen" denken.

Wenn man dann soweit ist. Beginnt man mit dieser Aufmerksamkeit die Übung vom Garten:

Stell dir eine Landschaft vor, die dir gefällt, in der du dich wohlfühlst.
Du hast ein Stück Land darin geschenkt bekommen, dein eigenes Land, das noch ganz unberührt ist. Es ist für deinen Garten bestimmt. Es kann klein sein wie ein Fingerhut, es kann eine großflächige Parklandschaft sein, du kannst wählen.

Richte nun deinen Garten ein. Soll er Gewässer oder einen Bach haben? Soll er Grenzen aus Bäumen, Büschen, Wällen oder Hügel haben? Soll es Tiere geben in deinem Garten? Beete für Früchte oder einfach weite Wiesen? Brauchst du einen Kompost, auf dem Abfälle und Abschnitte für neues Leben zum Dünger werden?

Wirst du einen Platz haben zum Sitzen, Ruhen, zum Gast sein? Vielleicht auch, um Gäste zu haben?

Du kannst jederzeit in deinen Garten zurückkehren. Du kannst ihn allezeit bearbeiten und verändern. Verabrede dich mit einem Körpersignal, dass dir umgehend Zugang zu deinem Garten eröffnet.

Danach beginnt man noch einmal die Übung vom Fuß.

Ich schaffe es mich durch diese und andere Übungen innerhalb von ca. 15 Minuten (je nachdem, wielange ich in meinem Garten sein will :D) zu entspannen.
Es hilft natürlich ungemein, wenn einem jemand die Übungen langsam abschnittsweise vorliest, so wie es in dem Kurs war.

Ich kann die Übung schon gut anwenden, wenn mir schlecht wird und ich Angst bekomme. Es funktioniert eigentlich wie unsere Angst, reinsteigern - aber in eine gute Situation.

Schön wäre es, falls das mal jemand ausprobieren will, wenn ihr mir schreibt, wie es für euch war.
Vielleicht, wenn ihr wollt, auch, was ihr euch vorgestellt habt.

Liebe Grüße, die Zauberin

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