Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontation

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Wölkchen_25

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Wölkchen_25 » 22.08.2010, 20:20

Hallo,

ich habe mir grade Deinen Text durchgelessen und mein Herz pocht jetzt nur vom lesen so doll. Bin seit Mittwoch in einer Klinik und ich weiß nicht, was hier auf mich zukommt.

Ich finde es so mutig von Dir, dass Du es gemacht hast und es macht mir auch Mut, denn mir steht so etwas auch noch bevor. Ist zwar noch Zeit, aber alleine der Gedanke reicht mir.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns ein bisschen austauschen können.
Ich schreibe Dir später mal meine Geschichte...

Kinabalu
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Kinabalu » 22.08.2010, 21:16

Wölkchen_25 hat geschrieben:denn mir steht so etwas auch noch bevor. Ist zwar noch Zeit, aber alleine der Gedanke reicht mir.


Niemand zwingt dich zu sowas. ich denke eine konfrontation dieser Art sollte man wirklich erst anstreben wenn man relativ gefestigt ist so anxia die das ja auch als letzen Schritt betrachtet hat (wenn ich das richtig verstanden hab).
Also mach dir da jetzt keinen Druck sonder leg es erstmal darauf an normal am Alltagsleben teilnehmen zu können und wenn du dich dazu bereit fühlst kannst du es immernoch angehen. Falscher Zeit/Leistungsdruck bringt da denke ich garnichts
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Sarahlayn1991

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Sarahlayn1991 » 23.08.2010, 15:53

Also ich muss wirklich sagen Hut ab.
Ich glaube ich könnte mich nie dazu durchringen diese Entscheidung zu treffen.
Finde ich wirklich sehr stark von dir.
Würdest du es denn nochmal machen?
Und war es wirklich so schlimm wie du es dir immer vorgestellt hast?

Lieben Gruß :)

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anxia
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 24.08.2010, 00:01

Hallo Sarahlayn1991,

ich hatte ja oben schon geschrieben, dass ich es nochmal machen würde wenn es notwendig wäre. Im Moment schauen wir erstmal wie sich meine Gedanken- und Verhaltenswelt entwickelt. Sollte es absehbar sein, dass eine Wiederholung noch mehr bewirken würde, werde ich es sicher versuchen. Vorstellen kann ich es mir im Moment allerdings nicht :-)
Es war schon ähnlich wie ich es mir vorgestellt hatte. Was schlimm war, war dieses Mehrfacherbrechen. Ich war ja eher auf 1x vorbereitet, oder 2x. Aber es war schon deutlich öfter, wobei wir nach dem 3. Mal nur noch von Würgen sprechen können, nicht mehr von richtigem Erbrechen. Es war ja schon längst nix mehr drin.
Letztendlich zählt für mich aber am meisten der Gedanken, dass ich das wirklich geschafft habe. Was noch vor Kurzem undenkbar schien, habe ich wirklich geschafft. Und egal in welche Situation ich jetzt komme, es ist immer wieder der Gedanke da, dass ich das (unmögliche) überstanden habe und das auch noch aus freiem Willen und dass ich alles andere auch schaffen kann ohne an irgenwelche Dummheiten zu denken. Das ist einfach nur geil.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon AliasHope » 01.09.2010, 23:01

Hallo anxia!

anxia hat geschrieben:Und egal in welche Situation ich jetzt komme, es ist immer wieder der Gedanke da, dass ich das (unmögliche) überstanden habe und das auch noch aus freiem Willen und dass ich alles andere auch schaffen kann ohne an irgenwelche Dummheiten zu denken. Das ist einfach nur geil.


Ja, genau so stelle ich mir die Positiv-Erfahrung vor, die man aus dieser (wie auch aus anderen) Konfrontationen zieht: Die Erfahrung, eben nicht an dem zu zerbrechen, von dem man zuvor immer angenommen hat, dass man es nie und nimmer würde aushalten können - und aus dieser Erfahrung heraus künftig in sehr schwierigen Situationen diese Kraftquelle in sich selber wieder entdecken und anzapfen zu können...

Wie ist es dir denn zwischenzeitlich ergangen? U.a. hattest du ja mal den "Härtetest Soltau" erwähnt...

Was mich überdies mal interessieren würde: Welche Konfrontationsübungen im Zusammenhang mit Erbrechen hast du dieser "ultimativen" Übung eigentlich vorgeschaltet? Waren da auch Dinge wie Konfrontation mit Fremdkotzen dabei?

Viele Grüße,

Hope.

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 05.09.2010, 22:13

Mir geht es emomäßig immernoch ganz gut. Es ist genauso wie Du sagst, Hope: in schwierigen Situationen kann ich immer darauf zurückgreifen, was ich da geschafft habe. Das ist echt toll und ich hoffe, es bleibt so.

Im Heidepark Soltau war es total schön. Hab mir fast gar keinen Kopf gemacht wenn ich irgendwo eingestiegen bin. Allerdings konnten wir nicht überall rauf, weil es so voll war. Und auf die "LIMIT" bin ich nicht drauf. Das war mir zu doll.

Klar habe ich vorher schon Konfrontationen gemacht. Ganz zu Anfang haben wir eine Angst-Hierarchie aufgestellt, d.h. eine Reihenfolge der Übungen nach Höhe der Angst. Die Übungen aus dem unteren Schwierigkeitsgrad habe ich größtenteils selbst gemacht und ab mittel mit meiner Therapeutin zusammen.
Wenn ich jetzt alle Übungen aufzähle, die ich gemacht habe, sprenge ich glaub ich das Forum :-) , aber ihr könnt gern fragen.
ein paar Beispiele (nicht nach Schwierigkeit sortiert):Fisch essen, Szenen aus Filmen ansehen, auf öffentliche Toilette gehen, ohne Händewasche essen, ins Restaurant gehen/am Dönerstand essen, in die Disco gehen, auf den Jahrmarkt gehen, Karussell fahren, Softeis essen, .......

Und ganz wichtig: Ich habe vorher mein Sicherheitsverhalten abgebaut. Das war verdammt schwer, aber wichtig. Keine Medis mehr in der Handtasche, kein Desinfektionsmittel im Bad,......
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sonic

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon sonic » 07.09.2010, 00:01

hi...
also ich finde es auch mutig das du diesen schritt gegangen bist aber ich bin wirklich gespannt wie es dir hilft,also auch wie lange,ich frage mich das weil ich das verstehe das du der angst ins auge blickst und dich ihr stellst,aber das macht man ja auch wenn man sich aus irgendwelchen unerfindlichen gründen übergeben muss und ich muss saqgen obwohl mir das in meiner emo-zeit öfter passiert ist,habe ich nie die angst vorm erbrechen bzw vor dieser ungewissheit (kommst,kommst nicht uns so weiter) verloren.es ist zwar jetzt auch nicht schlimmer geworden aber es hat mich auch nicht "geheilt".ich hab zwar auch gedacht-siehste-haste geschafft und leben tuste sogar auch noch und auch den akt an sich fand ich nicht überhaupt schlimm aber wie gesagt meine angst ist dieselbe wie vorher..... :(
soll jetzt nix gegen dich oder deinen weg sein,ist eher nur so als meine erfahrung in der hinsicht gedacht....
alles gute auf jeden fall schon mal für alles weitere... :)
:arrow: Lg

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon AliasHope » 08.09.2010, 00:17

anxia hat geschrieben: Klar habe ich vorher schon Konfrontationen gemacht. Ganz zu Anfang haben wir eine Angst-Hierarchie aufgestellt, d.h. eine Reihenfolge der Übungen nach Höhe der Angst. Die Übungen aus dem unteren Schwierigkeitsgrad habe ich größtenteils selbst gemacht und ab mittel mit meiner Therapeutin zusammen. Wenn ich jetzt alle Übungen aufzähle, die ich gemacht habe, sprenge ich glaub ich das Forum :-) , aber ihr könnt gern fragen. .


Ok, dann frage ich mal noch einen Tick präziser: Was stand in deiner Angsthierarchie zwischen bestimmte Filmszenen anschauen, alles mögliche essen etc. und dem Selbst-Erbrechen on Top? Gab es da noch eine Art Mittelding wie, ich sag mal so salopp, "Fremdkotzen live"?

Ich nehme an, du ahnst schon, Anxia, worauf meine Frage hinaus läuft: Bei der Abarbeitung meiner eigenen Angsthierarchie fehlt es mir gerade an geeigneten "Übungen"... :wink:

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 08.09.2010, 15:23

Also das Schwierigste, was ich vorher gemacht habe, war das detailierte Durchsprechen der Übung. Das war schon ziemlich hart und das musste ich auch mehrmals machen. Ganz genau überlegen, wie ich was haben möchte in der Situation, Eimer oder Toilette, wie ich mir vorstelle, wenn ....
"Fremdkotzen - live" hätte ich auch haben können, aber da hatte ich dann doch extreme ethische Bedenken. Ansonsten ist ein Gang auf die Innere eines Krankenhauses oft ne gute Übung. Das habe ich auch mal gemacht und da hatte ich auch das "Glück" hinter einer Tür deutliche Geräusche zu hören. Sonst kannste auch abwarten bis ma einer MDG hat und dann zugucken gehen ;)
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon binetriene » 10.09.2010, 12:29

Also ich kann ihr nur meinen absoluten Respekt aussprechen!!!!!
Ich stehe vor einer Ähnlichen Entscheidung und bin mir noch nicht sicher ob ich den Mut und die Kraft habe :cry:

Gruß binetriene

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 12.09.2010, 20:01

Wenn ich Dir bei Deiner Entscheidung irgendwie weiterhelfen kann, kannst Du mich gern anschreiben. Also, ich kann Dir die Entscheidung nicht abnehmen, aber Fragen beantworten :-)
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon AliasHope » 29.11.2010, 18:02

Hallo anxia!

Wie ist es dir in der Zwischenzeit denn so ergangen? Deine "Selbstkotzkonfrontation" liegt ja nun schon ein paar Monate zurück. Wie hat sich dein Weg "danach" gestaltet? Hat die Konfrontation die erhoffte langfristige Verbesserung gebracht oder deine Hoffnungen nicht (ganz) erfüllt? Lass doch einfach mal wieder von dir hören - egal, ob du von "Erfolgen" oder "Misserfolgen" zu berichten hast...

Viele Grüße, Hope.

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 19.12.2010, 00:32

Hallo AliasHope und alle anderen!

Ob meine Konfrontation eine Besserung gebracht hat? Ganz klares JA! Sicherlich ist die gesamte Therapie der 'Grund für die Besserung, aber ich bin mir ganz sicher,dass mich diese Erfahrung langfristig gestärkt hat.
Mein weiterer Weg soll nun ohne Therapie weitergehen, also die Therapie wird in den nächsten Wochen enden. Für mich persönlich steht jetzt noch das Ziel das Medikament abzusetzen. Meine Ärztin wird mich da unterstützen. Ich finde es soooo geil, dass ich jetzt tatsächlich die Aussicht habe, bald ohne Therapie und Medis zu leben. Diese Vorstellung ist für mich noch ziemlich ungewohnt und macht mir auch ein bißchen Angst. Schließlich bin ich jetzt schon fast 3 Jahre in Behandlung.
Natürlich freue mich auf ein Leben ohne Therapie, aber ich habe auch große Angst dann in ein Loch zu fallen, wenn ich diesen Halt nicht mehr habe. Irgendwie ist ein Therapeut ja auch eine Sicherheit.
Aber schon allein die Tatsache, dass Therapeut und Ärztin mir zutrauen allein klarzukommen, find ich toll. Ich merke ja auch selbst, dass ich mit den meisten Situationen viel besser zurechtkomme und die Angst deutlich in den Hintergrund getreten ist.
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Schnuffel

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Schnuffel » 19.12.2010, 13:59

Hey super!!

Ich wünsche dir viel Erfolg dann ohne die Therapie :-) du kannst ja auch sicher wieder dort anrufen, solltest du doch merken, dass es nicht geht, oder? Quasi so n Rückhhalt?

Hast du Eigentlich zwischenzeitlich die Konfrontation mit dem Selber erbrechen noch einmal gemacht, oder bliebs bei einem Mal?

Grüßle,

Schnuffel

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Parasomnia » 19.12.2010, 14:00

Mich würde noch interessieren, nachdem ich mir neulich dieses Thema hier durchgelesen habe - ist die Angst in den Hintergrund getreten oder ist sie weg ?
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
(Hannes Wader)

Let me forget about today until tomorrow.
(Bob Dylan)


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