Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontation

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anxia
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 15.08.2010, 02:18

Ja, dieses "Katastrophendenken" ist nicht besonders hilfreich,aber kommt irgendwie von allein. Das ging mir bei meiner Übung auch so. Deshalb habe ich fast ne halbe Stunde mit mir gekämpft bis ich meine Zustimmung zum Start der Übung geben konnte. In dieser Zeit enstand vor meinem geistigen Auge ein Horrorzenario über das was da gleich passieren wird. Aber genau darum ging es ja in der Übung, dass ich lerne diese Situation auszuhalten. Es sollte der Effekt entstehen, dass mein Kopf diese Erfahrung abspeichert eben als Nicht-Horror-Erlebnis und so wie es bisher aussieht mit Erfolg.
"Der Wille kann Berge versetzen."
"Der Weg geht dorthin, wo die Angst ist."
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Sahne
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Sahne » 15.08.2010, 08:28

Hallo Anexia

Wärst du nach deiner Konfrontation nun in der Lage dir den Finger reinzustecken, wenn dir übel ist.
Oder auch nun einfach so, oder überfällt dich dann wieder die Angst.

Lg Sahne

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Schorschla
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Schorschla » 15.08.2010, 11:18

Also ich hatte ja im März diesen Jahres Noro mit allem drum und dran. Das war ja meine erste Horrorvorstellung, nach 13 Jahren wieder brechen zu müssen. Zu allem Überfluss war ich auch noch allein, das war ne weitere Angst von mir. Was passiert wenn ich es nicht auf`s Klo schaffe und dann putzen muss? Was wenn ich hyperventiliere oder ohnmächtig dabei werde?

So, ich hab mich 3x übergeben und ja, ich hab`s überlebt. Und die Tage / Wochen danach war ich stolz auf mich es (allein) geschafft zu haben und dabei gemerkt zu haben das es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Klar, es ist supereklig, aber eigentlich doch nichts wovor man Angst haben muss.

Und was ist heute? Knapp 5 Monate später? Die Panik ist genauso groß wie vorher, wenn nicht noch größer. Ich hab Angst wenn mir oder anderen schlecht ist, ich kann fast nichts mehr essen ohne danach Übelkeit und Brechreiz zu haben. Deshalb frage ich mich ob man die Emo überhaupt heilen kann. Für mich steht auf jeden Fall fest: DURCH KONFRONTATION NICHT!!!

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Kinabalu » 15.08.2010, 11:56

Aber Schorschla du hast dich ja zum einen nicht bewusst in diese Situation begeben von daher kann man das nicht umbedingt vergleichen.
Das was du erlebt hast kann dir jeden Tag erneut wiederfahren-diese Art der konfrontation kannst du nunmal nicht vermeiden!
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Sahne » 15.08.2010, 14:30

Hallo Schorschla

Mir gehts genauso wie dir und genau diese Frage stelle ich mir immer wieder auch.

Die Menge die bei mir rausgekommen ist, ohne das ich überhaupt Ekel empfand. Es war wirklich nicht schlimmer wie Durchfall nur halt von oben.

Bin immer noch einerseits stolz auf den 8.6. um 21.14 Uhr.

Und kürzlich war mir übel da kam Madame Emo wieder aus der Ecke gekrochen. gott wie mir das gegen den Senkel geht. Fast mein ganzes Umfeld hat keine Probleme damit. Gehen sich munter den Finger in hals stecken um sich zu erleichtern. Finden MDG schön, schulfrei und mal fühlt sich zwischen den Kotzakten wohl - besser wie Angina das mit Halsschmerzen verbunden ist --> aussage eines 10 und einer 7 jährigen.

Klar es ist was anderes in sone Situation natürlich oder konfrontiert zu kommen. Doch für mich allein besteht der Unterschied im Mut der Freiwilligkeit sich dem ganzen Auseinander zu setzten.

Doch das Resultat ist im Grunde das selbe. Sowohl wir als auch Anexia haben wieder die Empfindung des Erbrechens erlebt und erlebt das der Akt an sich nicht schlimm ist.

Und ich fände es interessant, ob die Freiwilligkeit, dass bewusste Konsequenzen andere Auswirklungen hat als die Konfrontation des natürlichen Erbrechens.


lg sandra

Schnuffel

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Schnuffel » 15.08.2010, 14:36

Sahne hat geschrieben:Finden MDG schön, schulfrei und mal fühlt sich zwischen den Kotzakten wohl - besser wie Angina das mit Halsschmerzen verbunden ist --> aussage eines 10 und einer 7 jährigen.


was kennst du für leute?? :-)
Ich kenn zwar auch eine, die da so ne "mir doch wurscht" einstellung hat, aber des liegt daran, dass die seit jahren an bulimie leidet und da auch mehr den schöhnheitsaspekt drinne sieht...
Der rest meines umfelds gehen lieber zur schule als zu erbrechen...

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 15.08.2010, 15:35

Sahne hat geschrieben:Doch das Resultat ist im Grunde das selbe.

Naja, das werden wir sehen. Keiner von uns kann hellsehen, aber in meinem Fall war es ja ganz bewußt und freiwillig und ich denke es werden erst die nächsten Wochen/Monate zeigen wie effektiv diese Art der Konfrontation tatsächlich ist.
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Schnuffel

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Schnuffel » 15.08.2010, 15:55

Ich wünsche dir alles gute und das dieser mega schritt dir weitergeholfen hat!
Ich habe respekt vor deiner courage!

Ich könnte das nicht, die panik und die mega angst vor dem spritze setzen lassen... hört sich seeehr heftig an!

Deshalb, du scheinst sehr stark zu sein!

Lg, alex

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 15.08.2010, 16:11

Glaub mir, Schnuffel, ich habe mir auch fast vor Angst in die Hose gemacht als es ernst wurde. Da war nix mehr mit Stärke. So Schiss hatte ich lange nicht mehr und ich glaube, ich habe geheult wie ein kleines Kind. Aber ich weiß wofür ich es gemacht habe.
Im Moment geht es ziemlich gut (hab ja auch Urlaub :D ), keine Flashbacks mehr und die "Anti-Katastrophen-Gedanken" werden deutlicher.
Nächstes Wochenende habe ich eine Einladung in den Heidepark Soltau, ich glaube das wird der Härtetest. Aber ich freue mich drauf.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon michaela » 15.08.2010, 18:11

Ich möchte auch noch mal sagen, wie mutig ich es finde, dass du diesen Weg gegangen bist. Ich identifiziere mich zwar nicht damit, aber alleine die Tatsache, dass du der Angst ins Gesicht gesehen hast, finde ich wirklich bewundernswert. Ich hätte diesen Mut, selbst wenn alles passen würde, nicht.
Hattest du bei dieser Konfrontation eigentlich auch noch andere ängste, die nur indirekt mit der Emo zu tun haben? Ich hab ja beispielsweise enorme Probleme damit, vor anderen Menschen zu kotzen, bzw. zu wissen, dass diese mich sehen und hören. Wenn mein Freund oder meine Mutter da sind, stört mich das nur ein kleines bisschen (denn ich brauche sie auf der anderen Seite unbedingt, da ich nicht alleine kotzen kann), aber bei "fremden" Menschen würde ich mich glaube ich sehr schämen und einen enormen Druck in mir haben. War das bei dir auch der Fall oder musstest du dich in dem Moment "nur" (nur klingt gut, ist ja auch schon ein riessen Brocken) mit der Emoangst auseinandersetzen? Oder gab es noch andere Gedanken oder Dinge, die dir im Kopf herumschwirrten?

Lg,
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 15.08.2010, 22:18

Hallo Michaela,
bei mir war es so, dass ich vor allem im Vorfeld Angst davor hatte, dass ich mich vielleicht voll daneben benehmen. Ich hatte sogar Angst davor, dass es vielleicht meiner Therapeutin während der Übung nicht gut geht, weil sie ja dabei zusehen musste. Irgendwie ist das schon ne interessante Frage. Wo ich so drüber nachdenke... Mit am meisten Angst hatte ich vor meiner eigenen Reaktion auf die Emoangst. Dass ich völlig am Rad drehe oder wieder irgendwo runterspringen will. Mir war schon klar, dass die Therapeutin und die Ärztin das niemals zugelassen hätten, aber die Angst war trotzdem da.
Und mit den Gedanken war das ganz komisch: Direkt vorher war mein Kopf megavoll mit Gedanken und Ängsten, dass ich dachte ich werde irre. Aber während des Akts war das weg, da habe ich gar nichts gedacht. Erst als "es" vorbei war, fingen die Gedanken wieder an, bis zum nächsten Brechakt,...Das hat mich selbst ein bißchen überrascht, dass im entscheidenen Moment tatsächlich alle Aufmerksamkeit beim Erbrechen selbst sind.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Sahne » 16.08.2010, 06:47

anxia

machst du das nochmal? Um zu schauen, ob die erste Geschichte positive Konsequenzen auf deine Angst hatte?

wenn ja, ich bin echt neugierig auf deine ERfahrungen........

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 19.08.2010, 23:19

@ Sahne
Das steht noch nicht so ganz fest, aber die ursprüngliche Idee war schon, das zu wiederholen. Es könnte aber auch sein, dass sich durch diese eine Konfrontation in meinem Denken etwas wesentlich verändert. Sicherlich wird die Angst nicht von einem Mal weg sein, aber vielleicht so, dass der Rest mit "Denkarbeit" zu schaffen ist. Im Moment könnte ich mir auch nicht vorstellen, es nochmal zu machen. Schön war's schließlich nicht. Aber wenn man mir glaubhaft erklären würde, dass es doch notwendig wäre, würde ich wohl nochmal versuchen.
Man kann mich sicherlich für ein bißchen bekloppt halten, aber ich will einfach nie wieder solche Angst haben und bin bereit, dafür einiges zu tun...
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Sahne » 20.08.2010, 18:51

Hi

Keiner wird dich für bekloppt halten..... es ist nachvollziehbar.
lg sahne

Gast

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Gast » 20.08.2010, 21:19

Wollte ich auch sagen, warum soll man dich für bekloppt hier halten: Auch wenn man sagt, man hält es für falsch (tue ich immer noch) und oder es wäre nichts für einen selber(auch das trifft zu) heisst es ja nicht, dass man den anderen für bekloppt hält.


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