Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontation

...alles über Selbsthilfegruppen, Therapiearten, Therapieerfahrungen und Wissenschaft

Moderatoren: Kinabalu, Ohlone, *

Benutzeravatar
michaela
Beiträge: 834
Registriert: 22.01.2004, 10:00

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon michaela » 12.08.2010, 10:26

Ich glaube, dass das keinen Unterschied macht, ob man jetzt den Angstreiz "in sich selbst" oder "ausserhalb" hat. Fakt ist meiner Meinung nach immer, dass hinter dem Angstreiz etwas steht. Auch hinter einer "Spinne" steht etwas, die Angst vor Kontrollverlust beispielsweise oder irgend eine andere Konditionierung. Ich habe teilweise schon Spinnenphobiker erlebt, die keine Nacht mehr schlafen konnten, weil sie ständig Angst hatten, dass irgendwo eine Spinne rumkrabbelt. Die das Licht anlassen mussten, um sich immer wieder zu vergewissern, dass ja alles okay ist. Die bei jedem Kribbeln auf der Haut Panik bekamen, weil sie dachten, das wär ne Spinne. Man muss da denke ich schon zwischen "extremer Angst vor Spinnen" und "Phobie" unterscheiden.

Konfrontation läuft vom Muster her immer gleich ab, finde ich. Jeder wählt dafür einen anderen Weg, aber die Art und Weise, wie Angst weniger wird, ist bei jeder Phobie gleich. Der einzige Unterschied bei körpereigenen Phobie ist meiner Meinung nach, dass die Sache mit der Konfrontation nicht so einfach ist. Man kann es ethisch sowie auch ärztlich nicht verantworten, jemanden pro Tag 3 mal erbrechen zu lassen, so lange, bis die Angst weniger wird, eine Habituation eintritt und alles gut ist. Und das auch noch über einen längeren Zeitraum. Bei ner Spinne ist sowas schon sehr viel einfacher umzusetzen. Ebenfalls bei Aufzügen oder akuter Höhenangst.

Ich persönlich halte von der Konfrontation, wie sie Plumquatsch beschrieb, am meisten. Sich einfach dem Leben stellen. Dinge tun, auch wenn einem übel ist. Es aushalten. Nicht panisch das Kino verlassen, weil man Brechreiz hat und denkt, es kommt gleich hoch. übelkeit aushalten lernen, schauen, warum sie da ist und was man tun kann, damit die Attacken weniger werden. Gespräche suchen, sich selbst besser kennen lernen. Fähigkeiten sehen lernen und Selbstvertrauen aufbauen. Seinen Körper neu kennen lernen und nicht "harmlose normale Körpergefühle" missinterpretieren. Man kann sich bewusst (!) so vielen Dingen stellen und das jeden Tag. Da muss man sich meiner Meinung nach nicht zwangsweise zum erbrechen bringen.

Lg,
"Ich fühle mich manchmal wie ein kleiner Regentropfen. Denn wie er falle ich den Himmel hinab, genieße für einen kurzen Moment mit Euphorie den freien Fall, um dann in abertausend Kristalle zu zerbrechen"

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon AliasHope » 12.08.2010, 14:59

Plumquatsch hat geschrieben:Puh, und glaubst du das kann man mit ein oder zwei mal KONTROLLIERTEM Erbrechen schaffen? Ich leider nicht. Und das ist es, man müsste es noch öfter und noch öfter machen und das kann einfach nicht gut für den Körper sein....Deshalb seh ich das auch so zwiespaltig,.....

Denn uns ist doch klar das gerade KONFRONTATION wenn schon ziemlich oft gemacht werden muss und man muss da am ball bleiben, also nicht heute mal konfrontieren, 2 wochen pause und dann wieder.


Also, um es kurz zu machen und Anxias Thread nicht weiter zu "verzerren": Ja, deine Zweifel mit Blick auf die notwendige Häufigkeit von Erbechen und daraus folgenden Auswirkungen auf den Körper teile ich durchaus. Vielleicht sollte ich eins dazu sagen: Wenn ich von Konfrontation rede, meine ich nicht zwangsläufig und ausschließlich das Selber-Erbrechen, sondern zunächst einmal jede Form der Konfrontation mit der Kotz-Angst. Dazu zählen auch von dir aufgeführte Beispiele wie das U-Bahn-Fahren mit vollem Magen etc. Quasi alles, was damit zu tun hat, eigene "Fehlannahmen" zu überprüfen und mit der Realität abzugleichen.

Im Übrigen habe ich dieFee in meinem vorherigen Beitrag doch nicht korrekt wiedergegeben. Aber "inspiriert" hat sie mich dennoch... :D

AliasHope
Beiträge: 130
Registriert: 15.12.2007, 23:19

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon AliasHope » 12.08.2010, 16:14

Pippilotta hat geschrieben:Gegen die Konfrontationstherapie DIESER Art, wenn es um Alltagssituationen geht, hat doch noch auch NIE jemand was gesagt. Das wird schon seitenlang versucht, verständlich zu machen. Was in diesem Thread angezweifelt und bestritten wird, ist einzig und allein und NUR der Sinn des "künstlichen Brechakts". :wink:


Weiß ich doch... :wink: Die Frage ist, kann, muss oder darf man überhaupt eine "Trennlinie" ziehen, die definiert, wo Konfrontation aufzuhören hat...

PS: Ich schicke dir heute oder morgen noch eine PN dazu.

alii
Beiträge: 32
Registriert: 09.03.2010, 20:48

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon alii » 12.08.2010, 17:22

Ich finde es sind halt berechtigte Zweifel da ob man das nun hören will ( weil man dann vielleicht das künstliche Kotzerlebniss als Heilung mit dem Holzhammer und fraglichem Erfolg sieht) oder nicht.
Fakt ist das ich z.B. aus einem nächtlichen Überfall heraus auch noch eine Riesenangst habe im Dunkeln das Haus zu verlassen. Ich tue es seit Jahren aus eigenem Willen trotzdem aber die Angst ist keinen deut kleiner geworden im Gegenteil. Und warum ist das so? Weil die Angst ja nicht die Dunkelheit selbst ist sondern das traumatische Erlebnis das ich wohl noch in mir trage und nicht so recht verarbeitet habe.Da kann ich noch tausendmal Nachts raus gehen und ich werde immer noch Schiss haben weil ich erst das Erlebnis verarbeiten muss um die Angst zu bessern.
Es ist etwas von tief Innendrin genau wie die Emo.So seh ich das aber ich kann da nur für mich sprechen und nicht für die Allgemeinheit.

Um auf Dich zurückzukommen Anxia. Wie geht es Dir inzwischen denn nun da einige Zeit seit dem Konfrontationserlebnis vergangen ist. Ich denke das würde jeden von uns brennend interresieren. Immerhin hast Du Dich etwas gewagt das die meisten hier niemals tun könnten. Ich denke wir alle können von Deinen Erfahrungen dahingehend profitieren ganz egal obs was gebracht hat oder nicht so viel. Du bist in meinen Augen eine Heldin denn nur wenn Du mit uns teilst wissen wir ob solch eine Behandlung hilft oder nicht.Dasselbe gilt auch für die Erfahrungen von anderen Personen hier drinnen. :top:

LG alii

Benutzeravatar
anxia
Beiträge: 826
Registriert: 13.10.2004, 13:22
Wohnort: Berlin

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 12.08.2010, 22:29

michaela hat geschrieben:Ich persönlich halte von der Konfrontation, wie sie Plumquatsch beschrieb, am meisten. Sich einfach dem Leben stellen. Dinge tun, auch wenn einem übel ist. Es aushalten. Nicht panisch das Kino verlassen, weil man Brechreiz hat und denkt, es kommt gleich hoch. übelkeit aushalten lernen, schauen, warum sie da ist und was man tun kann, damit die Attacken weniger werden. Gespräche suchen, sich selbst besser kennen lernen. Fähigkeiten sehen lernen und Selbstvertrauen aufbauen. Seinen Körper neu kennen lernen und nicht "harmlose normale Körpergefühle" missinterpretieren. Man kann sich bewusst (!) so vielen Dingen stellen und das jeden Tag. Da muss man sich meiner Meinung nach nicht zwangsweise zum erbrechen bringen.

Liebe Michaela, genau das war mein bisheriger Weg. Du beschreibst genau das, was bisher der Inhalt meiner Therapie war. Fast wörtlich :-) Solche Dinge habe ich gemacht, immer wieder. Und es hat was gebracht. Sehr viel sogar: Ich kann das alles inzwischen! Schon das war für mich ein riesen Erfolg. Aber wenn es dann wirklich mal "kurz davor" steht, ist die Panik da. Genauso schlimm wie immer. Das war der Grund für die Entscheidung zu DIESER Art von Konfrontation. Denn was nützt es mir, wenn ich alles essen kann, U-Bahn fahren, Kino, Party,....aber wenn es drauf ankommt doch wieder Panik schiebe...?

Plumquatsch hat geschrieben: Das muss ein Mod machen. Aber ich finde es schon schade das du das jetzt so trennen willst. Ist jetzt nicht bös gemeint,aber wieviel Threads noch? Du hast einen aufgemacht im Wegeforum...wo du dein Vorhaben angekündigt hast, dann diesen hier als es losging (ich bin ja davon ausgegangen du berichtest weiter im wegeforum deinen weg) und nun möchtest du NOCH ein extrathread?! Aber von mir aus...

Nur so zur Info an dieser Stelle: JEDER kann einen Thread aufmachen.
Vielleicht schaust Du Dir nochmal meinen Thread im Wegeforum an, dann wirst Du feststellen, dass es da um eine völlig andere Situation ging, die inzwischen fast 1 Jahr her ist. Mein Vorhaben wurde da nur erwähnt.
Was den extra Thread zu diesem Thema angeht. Ich möchte doch einfach nur, dass meine Gedanken und Gefühle zu der Konfrontation hier für sich stehen dürfen und die allgemeine Diskussion zum Pro und Contra seperat besprochen wird. Warum versteht das denn keiner.
"Der Wille kann Berge versetzen."
"Der Weg geht dorthin, wo die Angst ist."
"Der Mensch erleidet nicht soviel durch das, was ihm zustößt; wie durch die Art, in der er dieses Geschehen hinnimmt."

Benutzeravatar
Ursina
Beiträge: 349
Registriert: 07.11.2004, 18:51
Wohnort: Schweiz

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Ursina » 12.08.2010, 23:09

Ich möchte doch einfach nur, dass meine Gedanken und Gefühle zu der Konfrontation hier für sich stehen dürfen und die allgemeine Diskussion zum Pro und Contra seperat besprochen wird. Warum versteht das denn keiner.


Sorry, ich meins ja nicht böse: aber du kannst als Threadstarterin in einem Forum indem sich hunderte von Leuten rumtummeln doch nicht verlangen, dass nur über deine Gedanken und Gefühle geschrieben werden und das andere, nämlich die Art der Konfrontation die nun mal eben ein wichtiger Aspekt ist, ausgeklammert werden soll.. Wenn es dir um deine Gedanken und Gefühle geht; du über sonst nichts anderes schreiben möchtest, dann mach doch einfach ein Tagebuch für dich, da kommen bestimmt keine kritischen Stimmen mit rein.

Nochmals, bis jetzt liess sich hier niemand blicken, der diese Art der Konfrontation gemacht hat, also kann sich auch niemand darüber mit dir austauschen.

Ich versteh deshalb nicht, was du erwartest, ausser; boah.. hast du toll gemacht, du bist aber mutig etc. etc.

Thine

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Thine » 12.08.2010, 23:23

Was ich nicht ganz verstehe ist, warum du dann nicht deine jetzigen Gedanken und Gefühle über deine Konfrontation schreibst, anstatt immer wieder auf die andere Fragestellung einzugehen. Ich und einige andere haben dir doch auch explizit Fragen dazu gestellt. Ich finde, dass du dich gar nicht ständig dafür rechtfertigen musst, warum du das gemacht hast. Ist doch alles okay, hauptsache es hilft. Also was meinst du, hat es dir schon was gebracht?

Plumquatsch
Beiträge: 485
Registriert: 16.11.2007, 12:32

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Plumquatsch » 13.08.2010, 08:36

anxia hat geschrieben:
michaela hat geschrieben:Ich persönlich halte von der Konfrontation, wie sie Plumquatsch beschrieb, am meisten. Sich einfach dem Leben stellen. Dinge tun, auch wenn einem übel ist. Es aushalten. Nicht panisch das Kino verlassen, weil man Brechreiz hat und denkt, es kommt gleich hoch. übelkeit aushalten lernen, schauen, warum sie da ist und was man tun kann, damit die Attacken weniger werden. Gespräche suchen, sich selbst besser kennen lernen. Fähigkeiten sehen lernen und Selbstvertrauen aufbauen. Seinen Körper neu kennen lernen und nicht "harmlose normale Körpergefühle" missinterpretieren. Man kann sich bewusst (!) so vielen Dingen stellen und das jeden Tag. Da muss man sich meiner Meinung nach nicht zwangsweise zum erbrechen bringen.

Liebe Michaela, genau das war mein bisheriger Weg. Du beschreibst genau das, was bisher der Inhalt meiner Therapie war. Fast wörtlich :-) Solche Dinge habe ich gemacht, immer wieder. Und es hat was gebracht. Sehr viel sogar: Ich kann das alles inzwischen! Schon das war für mich ein riesen Erfolg. Aber wenn es dann wirklich mal "kurz davor" steht, ist die Panik da. Genauso schlimm wie immer. Das war der Grund für die Entscheidung zu DIESER Art von Konfrontation. Denn was nützt es mir, wenn ich alles essen kann, U-Bahn fahren, Kino, Party,....aber wenn es drauf ankommt doch wieder Panik schiebe...?


UND? Mal ganz ehrlich WIE OFT kommt es denn vor das man WIRKLICH erbrechen muss? Oder hast du ständig das Gefühl das du erbrechen musst und verfällst so in Panik? Dann könnte ich das noch verstehen? Aber wenn man jetzt alle jubelmonate/jahre mal das GEfühl hat wirklich sich erbrechen zu müssen oder auch muss und dann Panik schiebst, wo ist das problem? Klar ist panik nicht schön und nicht angenehm. Aber ich glaube du verlangst viel zu viel von dir und der Schuss, kann meiner Meinung nach nur nach hinten losgehen. Statt dich über DAS zu freuen was du bereits geschafft hast und das auch ZU LEBEN, willst du die perfekte Emoheilung, das heißt ALLES muss wenn schon stimmen, man DARF auch keine Angst/Panik mehr vorm Akt haben....weißt du eigentlich was für ne HÜRDE du dir selbst damit auferlegt hast und das du eigentlich das LEBEN was JETZT läuft, so verpasst?
!Angst ist die Herausforderung das Glück zu finden

Benutzeravatar
michaela
Beiträge: 834
Registriert: 22.01.2004, 10:00

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon michaela » 13.08.2010, 09:27

anxia hat geschrieben:Liebe Michaela, genau das war mein bisheriger Weg. Du beschreibst genau das, was bisher der Inhalt meiner Therapie war. Fast wörtlich :-) Solche Dinge habe ich gemacht, immer wieder. Und es hat was gebracht. Sehr viel sogar: Ich kann das alles inzwischen! Schon das war für mich ein riesen Erfolg. Aber wenn es dann wirklich mal "kurz davor" steht, ist die Panik da. Genauso schlimm wie immer. Das war der Grund für die Entscheidung zu DIESER Art von Konfrontation. Denn was nützt es mir, wenn ich alles essen kann, U-Bahn fahren, Kino, Party,....aber wenn es drauf ankommt doch wieder Panik schiebe...?


Also bei mir ist es momentan so, dass ich die Emo wirklich gut im Griff habe. Ich kann alles tun und gerate bei "leichter" Konfrontation (ich kenne jemanden, der unter psychischem Würgreiz leidet und das gelegentlich auch ziemlich auslebt, sich manchmal sogar übergibt, bzw. würgend aus dem Speisesaal läuft) nicht mehr in Panik, sondern ekle mich einfach nur. Was aber absolut natürlich ist und nicht nur mir so geht. Die einzige Hürde in Bezug auf Emo habe ich allerdings noch bei akuter Konfrontation, d.h. wenn mir selbst wirklich übel ist, ich erbrechen muss oder dies ein anderer tut. Da hab ich Panik hoch drei und krieg mich nicht mehr ein.

Ich glaube allerdings folgendes: irgendwann werde ich auch dieses Problem in den Griff bekommen. Ein Thema, nämlich die Abhängigkeit zu anderen, wurde bei mir noch nicht gut geklärt. Es ist immer noch so, dass ich schlecht alleine sein kann und mich zu stark auf andere und deren Hilfe fixiere, was sich hier deutlich in der Emo zeigt. Das Kotzen ist der Trigger und in dem Moment laufen bei mir innerlich alle Muster ab, die mit dem Thema Abhängigkeit zu tun haben. Ich kann nicht alleine kotzen, brauche jemanden, der mir zu Seite steht, ist eine Seite davon. Oder die Panik wenn ein anderer erbricht: wer kann mir dann helfen? Klingt egoistisch, aber unterbewusst laufen dann solche emotionalen Schemata bei mir ab. Und diese muss ich noch in den Griff bekommen, dann wird denke ich die Panik bei dem Akt an und für sich auch weniger.

Auf der anderen Seite bin ich auch fest davon überzeugt, dass ein bisschen Sensibilität in Bezug auf das Kotzen immer (!) bleiben wird. ähnlich wie bei einer Suchterkrankung. Man kann sie sehr gut in den Griff bekommen, aber ein kleines bisschen Restsensibilität bleibt einfach. Und mit dem muss man dann lernen zu leben.

Zudem denke ich, hat jeder "ein bisschen Angst vor dem Kotzen". Ich hab - das war glaube ich sogar hier im Forum - gelesen, dass kurz vor dem Akt im Körper Dinge vor sich gehen, die man mit Angst gleichsetzen kann. Der Puls wird schneller, das Herz klopft schneller usw. Ein bisschen Angst, ein bisschen "sich wehren", ein bisschen "angespannt sein" ist denke ich normal... ich hab einmal von der Schule aus eine Umfrage zu dem Thema gestartet und fast über 80% der Leute haben angegeben, dass sie kurz vor dem Akt Beklemmungsgefühle haben.

Ich finde es auf der einen Seite wirklich gut und auch sehr tapfer von dir, dass du diesen Weg gewählt und auch durchgestanden hat. Allerdings bleibt bei mir halt immer dieser "ethische" Aspekt. Kotzen ist eine Schutzfunktion des Körpers und dies willentlich herbeizuführen wäre für mich der verkehrte Weg.

Auch von mir noch einmal: wie geht es dir mittlerweile? haben die Flashbacks aufgehört? Hast du irgendetwas Neues für dich entdecken können, jetzt, wo du das Ganze mit etwas Abstand betrachtest?

ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg für die Therapie,
lg,
"Ich fühle mich manchmal wie ein kleiner Regentropfen. Denn wie er falle ich den Himmel hinab, genieße für einen kurzen Moment mit Euphorie den freien Fall, um dann in abertausend Kristalle zu zerbrechen"

samadhi
Beiträge: 408
Registriert: 08.12.2005, 12:45

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon samadhi » 13.08.2010, 12:22

Unfassbar, wie hier alle trotzdem immer weiterdiskutieren, obwohl anxia mehrfach darum gebeten hat, dass es woanders getan wird. :|

Benutzeravatar
blondie1982
Beiträge: 528
Registriert: 28.03.2009, 23:57
Wohnort: Köln
Kontaktdaten:

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon blondie1982 » 13.08.2010, 14:48

Ich denke das ist halt einfach ein sehr brisantes Thema, was viele dazu anregt zu schreiben und ihre Meinung zum Ausdruck bringen. Sicherlich schwer, so was dann hinterm Berg zu halten.

Ich persönlich würde es nicht machen wollen, dafür ist meine Angst einfach zu groß und ich würde es einfach nicht freiwillig wollen, aber wenn es passieren sollte, muss ich damit leben, es wird vorbei gehen und ich werde nicht dran sterben. Aber finde es nicht verwerflich das sie es gemacht hat, jeder sollte sich doch seinen eigenen Weg suchen, wie er damit klar kommt, lernt und umgeht.

Finde es gut das es auch so einen Erfahrungsbericht hier gibt und die Diskussion ist doch klar, das sie bei so einem Thema entsteht, das unvermeidlich, aber vielleicht hätte man einen andere Thread dafür eröffnen sollen, da sie drum gebeten hat es hier nicht zu tun!
Das Schicksal ereilt einen oft gerade auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.
Jean de la Fontaine

Benutzeravatar
blondie1982
Beiträge: 528
Registriert: 28.03.2009, 23:57
Wohnort: Köln
Kontaktdaten:

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon blondie1982 » 13.08.2010, 15:01

So Ihr Lieben, habe einen neuen Thread gestartet auf Anxias Wunsch hin, der hier zu Anfang geäußert wurde und hoffe das er Beachtung findet, dann sind wir alle zufrieden und jeder kann was dazu sagen :D

Diskussion: gewollte Konfrontation mit dem Erbrechen *Trigger*

http://www.emetophobie.de/forum/viewtopic.php?f=18&t=12928
Das Schicksal ereilt einen oft gerade auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.
Jean de la Fontaine

alii
Beiträge: 32
Registriert: 09.03.2010, 20:48

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon alii » 13.08.2010, 22:33

Verwerflich? Beim besten Willen nicht

Mutig und bewundernswert? :bindafür: :top:

Benutzeravatar
anxia
Beiträge: 826
Registriert: 13.10.2004, 13:22
Wohnort: Berlin

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 13.08.2010, 22:53

Vielen vielen Dank Blondie für Deinen Einsatz.
Nachdem es nun hoffentlich nur noch um die konkrete Erfahrung meinerseits geht, werde ich dazu auch mal wieder etwas sagen.

Ja, es hat etwas gebracht! Die Flashbacks der ersten Tage ließen von ganz allein wieder nach und sind inzwischen ganz weg. Dafür verstärken sich die Gedanken, die ich schon vor einigen Tagen hatte.
Es gab zwischendurch wieder Situationen, wo es mir schlecht ging (körperlich). Klar kamen Angstgedanken, dafür sind die einfach zu stark verankert. Aber es kamen dazwischen immer wieder Gedanken wie "Hey, ich brauche keine Angst haben, immerhin weiß ich doch jetzt wie es geht" "Selbst wenn ich brechen muss, werde ich es überstehen" Ich weiß, dass das Kleinigkeiten sind, aber ich finde es geil.
Auch meine Therapeutin ist optimistisch. Sie ist genau wie ich der Meinung, dass ich nicht von heute auf morgen geheilt bin. Aber diese kleinen Gedanken zwischendurch sind ein total positives Zeichen.

Ich bin im Moment auch optimistisch, dass es mich weiterbringt und selbst wenn nicht, dann gebe ich Kami recht, es war eine Erfahrung die mir niemand mehr nehmen kann.
"Der Wille kann Berge versetzen."
"Der Weg geht dorthin, wo die Angst ist."
"Der Mensch erleidet nicht soviel durch das, was ihm zustößt; wie durch die Art, in der er dieses Geschehen hinnimmt."

Benutzeravatar
blondie1982
Beiträge: 528
Registriert: 28.03.2009, 23:57
Wohnort: Köln
Kontaktdaten:

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon blondie1982 » 14.08.2010, 10:57

Mein Therapeut sagte mir auch mal, es ist wichtig wenn der Akt des Erbrechens eintritt ihn nicht als Supergau oder Horrorerlebnis abzustempeln, zu speichern, sondern so wie du es machst, zu sagen, Hey ich weiß wie es war, war nicht schön, aber es ist ok, wenn es passiert. Es geht vorbei, es bringt mich nicht um und ich muss keine Angst davor haben! Da das Gehirn es dann anders abspeichert, als wenn es als absolutes Drama und Supergau gewertet wird.

Natürlich hast du noch Angst, aber es wird sicherlich mit der Zeit besser.

Ein kleines Beispiel ist ja mein Freund, hatte ja hier geschrieben das es immer wieder mal passieren kann, das er sich übergeben muss, wenn er feiern war. Die ersten zwei Jahre bin ich voller Panik durch die Wohnun gerannt, habe mir die Ohren zu gehalten, war den ganzen Tag davon geprägt und hatte echt Angst. Heute, nach fast fünf Jahren kann ich damit umgehen. Wenn er brechen muss ist das halt so. Stelle mich zwar nicht daneben, aber bleibe normal, gelassen und mache das weiter was ich vor hatte oder grade tat und das ohne Angst oder PAnik, kein Zittern, Übelkeit oder sonstiges. Es hat mir also gezeigt, das die Konfrontation auch ein Weg ist, der helfen kann. Trotz alle dem würde ich persönlich nie den Schritt wagen, den du gegangen bist. Sicherlich aus Angst, aber trotzdem finde ich es absolut ok, wenn man für sich selber diesen Weg wählt. Jeder muss für sich seinen Weg finden wie er damit umgeht, es angeht und mindert.
Das Schicksal ereilt einen oft gerade auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.
Jean de la Fontaine


Zurück zu „Therapie, SHGs & Medizinisches“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast