Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontation

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Nightingale
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon Nightingale » 13.02.2013, 16:53

Hallo Anxia,

ich würde gern wissen, wie es dir mittlerweile mit der Angst geht?
Hast du die Konfrontation wiederholt?

Grüße

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anxia
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon anxia » 13.02.2013, 17:36

Nach der Konfrontation bis vor ca. einem halben Jahr ging es mir ziemlich gut mit der Angst.
Wiederholt habe ich sie (leider) nicht. Wahrscheinlich wäre das notwendig gewesen, um die Erfahrungen langfristig zu sichern. Es nicht überraschend für mich, dass die Angst wieder da ist.
Derzeit bin ich auf der Suche nach einem neuen Therapeuten (ich bin umgezogen). Wenn sich dieser drauf einlässt und genau wie ich davon überzeugt ist, dass es hilfreich ist, werde ich auch einen zweiten Anlauf wagen.
"Der Wille kann Berge versetzen."
"Der Weg geht dorthin, wo die Angst ist."
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon Sase » 14.02.2013, 08:49

@Anxia: Ok, wir gucken drauf! Du kannst auch einfach mit dem Button "Beitrag melden" (ist oben rechts bei den Symbolen) selbst Beiträge melden, dann werden wir auch schneller darauf aufmerksam.
Niemand wird kommen, um dir zu helfen - Du musst es selbst tun!

Nightingale
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon Nightingale » 15.02.2013, 07:59

Ok, was könnte deiner meinung nach dahinter stecken, dass die angst wieder da ist? abgesehen vom festigen der erinnerung, ich weiß ja nicht, in wie weit du dich noch an die details erinnern kannst. steckt man ja doch nicht einfach so schnell weg.

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon samadhi » 22.11.2013, 11:55

Hallo anxia,
falls du dich hier noch das ein oder andere Mal herumtreibst: Wie geht es dir mittlerweile? Konntest du einen neuen Therapeuten auftreiben und die Konfrontation wiederholen?
LG,
samadhi

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon anxia » 23.11.2013, 23:04

Hallo samadhi, ich treibe mich noch rum :-) Leider habe ich die Konfrontation bisher noch nicht wiederholt. Mein derzeitiger Therapeut macht ein ganz anderes Therapieverfahren mit mir, wo eine Konfrontation gar nicht vorgesehen ist. Es ist ein bisschen schade, aber eine neue Chance. Ich hätte es damals schon wiederholen müssen, wahrscheinlich recht kurz nach dem ersten Mal.
Hast Du inzwischen etwas in dieser Richtung gemacht?
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon samadhi » 25.11.2013, 01:53

Hallo anxia,
danke für deine Antwort.
Handelt es sich denn um eine Verhaltenstherapie oder ist es ein anderer Therapieansatz? Wie zufrieden bist du bisher mit dem "neuen" Konzept?
Ich persönlich habe mich in Richtung Emo nicht wirklich weiterentwickelt, in meinem Leben gab es dieses Jahr viele Veränderungen, aber ich möchte mich nun in der neuen Stadt um einen Therapieplatz bemühen und endlich die Emo konkret angehen, sonst war sie nur Randthema und/oder wurde gar nicht bearbeitet. Ich bin die Phobie aber leid und will endlich ausbrechen, auch wenn es viel Kraft kosten wird. Momentan kann ich mir noch nicht vorstellen, jemals eine Konfrontation machen zu können, aber man fängt ja auch nicht gleich mit den schwierigsten Aufgaben an und man wächst ja mit den Herausforderungen, von daher will ich es nicht zu 100% ausschließen. Das hängt auch einfach davon ab, was der Therapeut für den richtigen Weg hält.

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon anxia » 02.12.2013, 00:24

Hallo samadhi, ich mache keine Verhaltenstherapie mehr, sondern eine tiefenpsycholgische. Die Verhaltenstherapie hat sicherlich große Stärken und kann in erheblichem Maße zu einer Besserung der Lebensqualität beitragen. Ich war sehr dankbar für diese Therapie und die großen Fortschritte, die ich durch sie machen konnte. Natürlich war die Konfrontation so etwas wie der Gipfel dieser Behandlung. Viele (einschließlich ich selbst) hielten das für eine Art Abschluss oder Ziel, vielleicht sogar Heilung. Inzwischen weiß ich es besser und glaube, dass die Verhaltenstherapie ihre Grenzen hat. Mit der tiefenpsychologischen Arbeit möchte ich nun über diese Grenze hinausgehen und bin recht überzeugt, dass das möglich ist und dass ich mit dieser noch deutlich weiterkommen kann. Niemals möchte ich aber auf die Verhaltenstherapie verzichtet haben, sie war gold wert für mich und mein Leben. Insbesondere auf meine Erfahrungen mit der Konfrontation kann ich in der neuen Therapie in erheblichem Maße zurückgreifen und sie als Arbeitsgrundlage nutzen.

Was für eine Therapie möchtest Du denn machen? Eine Verhaltenstherapie muss nicht zwingend in einer Konfrontation gipfeln, da braust Du keine Angst haben.
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon samadhi » 02.12.2013, 10:57

Hallo anxia,
ich finde deine Einstellung bzgl. der Therapieformen sehr gut. Ich bin momentan starker Verfechter der Verhaltenstherapie im Fall von Angsterkrankungen, finde deine Erklärung aber schlüssig und weiß daher noch nicht, wie ich einem tiefenpsychologischen Konzept gegenüberstehen würde, wenn ich an deiner Stelle wäre. Ich hab mal in eine tiefenpsychologische Therape reingeschnuppert, als ich in einer psychosomatischen Rehaklinik war, die hat mir allerdings nicht sonderlich gefallen, aber das kann auch am Therapeuten gelegen haben.
Ich habe vor einigen Jahren mal eine Verhaltenstherapie gemacht, aber die Emo dort nicht weiter angesprochen (erst ganz zum Ende hin, ich war einfach noch nicht so weit) und möchte jetzt wieder mit einer Verhaltenstherapie beginnen, weil mir der Ansatz einfach gut gefällt und so alltagsnah ist.
Was genau bespricht man in der tiefenpschologischen Therapie? Ich musste damals sehr viel in frühen Kindheitserinnerungen "kramen" und hatte ein wenig das Gefühl, dass manche Situationen vom Therapeuten sehr überbewertet wurden, die mir subjektiv nicht weiter tragisch vorkamen. Das fand ich doch recht seltsam, aber wie gesagt, ich glaub der Therapeut und ich haben auch einfach nicht so gut zusammengepasst.

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon Ohlone » 02.12.2013, 14:00

Um mal kurz meinen Senf dazu zu geben... ich denke dass immer eine Kombination beider Therapieansätze für einen langfristigen Erfolg nötig ist. Wenn man kein tieferes Verständnis für seine Symptome entwickelt, kommt es im besten Fall zu einer Symptomverschiebung oder die alten Symptome tauchen bald wieder auf. Immerhin deckeln sie ja ein Problem, welches immer noch da ist. Schafft man es nun, von beiden Seiten das Problem einzukreisen, schafft man die Basis für eine Festigung neuer Erfahrungen viel eher. Von daher denke ich auch, dass die konfrontative Auseinandersetzung sicher nicht verkehrt war und du darauf zurückgreifen kannst.

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon anxia » 02.12.2013, 23:32

Hallo Ihr beiden, ich denke auch jeder sollte für sich entscheiden, welche Therapieform die richtige ist. Manchmal ist es auch situationsabhängig. Ich glaube vor einigen Jahren hätte mich eine tiefenpsychologische Behandlung total überfordert, da war die Verhaltenstherapie genau richtig. Und vor allem diese Konfrontation war gold wert. Ich werde mit Sicherheit auch in der jetzigen Behandlung davon profitieren.

Samadhi, ich finde es gut, dass Du für Dich entschieden hast, welche Therapie Du machen möchtest. Ich glaube auch, dass es richtig ist wie Du das angehst. Wichtig ist ja, dass man überhaupt irgendwo anfängt. Und wer weiß, vielleicht bist Du in einigen Monaten/Jahren schon so weit, dass Du auch über einen solchen Schritt nachdenkst ;-)
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon ImStrongerThanYou » 10.01.2015, 13:23

Hallo anxia,

Hmmm, sehr interessant ist dein Beitrag! Ich bewundere dich total. Ich hab mich mehrmals in dich hereingefühlt und die pure Panik gekriegt. Ich glaube man merkt auch, dass ich die "normalen" Menschen immer noch nicht verstehen kann. Wäre ich die Therapeutin gewesen, hätte ich dir die Spritze gesetzt, rausgerannt und so weit wie es mir möglich wäre geflüchtet.

Wahnsinn, ich bin immernoch geflasht, dass du dich das getraut hast. Darf ich dich fragen, wie lange du auf diesw Situation hingearbeitet hast?

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon anxia » 19.04.2015, 11:08

Hallo ImStrongerThanYou, bitte entschuldige zunächst meine verspätete Antwort.

Vielen Dank für Dein großes Kompliment :-) Um ehrlich zu sein, soooo lange haben wir das gar nicht direkt vorbereitet. Es war in den Jahren sowie so immer mal Thema, ob ich das mache. Von der Entscheidung es zu machen bis zur Umsetzung waren es glaub ich 2 Monate. Dies war hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass diese Konfrontation vor einer Ethik-Kommision abgesegnet werden musste. Das Medikament, welches ich dafür bekommen sollte, fällt unter das BTMG.
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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon yr1860 » 23.07.2015, 20:52

Ich finde es unglaublich, so eine Entscheidung zu treffen! NIE, aber wirklich NIEMALS würde ich das fertigbringen. Ich leide seit über 30 Jahren an dieser Angststörung und ich werde schon panisch, wenn ich mich nur in die Situation versetzen soll. Das alleinige vorstellen dessen ist unerträglich. Es muss auch andere Möglichkeiten geben. Nicht jede Phobie muss zwangsläufig mittels Konfrontation behandelt werden. Das ist zumindest meine Hoffnung. Jedoch habe ich noch keinen passenden Therapeuten gefunden, der auch nur irgendeine Verbesserung hinkriegt. Mal davon abgesehen, dass es eh selten ist, dass ein Psychologe die Thematik überhaupt kennt. Zumindest hier auf dem Land....

Größter Respekt vor deiner Überwindung!

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Re: Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontatio

Beitragvon samadhi » 21.08.2015, 10:35

Ich bin auch immer etwas hin- und hergerissen, weil die Emetophobie für mich irgendwie eine sehr spezielle Angst darstellt. Ich habe nach 8 Monaten des Wartens nun letzte Woche meine Verhaltenstherapie an einem Forschungs- und Behandlungszentrum meiner Uni begonnen, d.h. dort werden Studien durchgeführt (aktuell läuft sogar eine zur Behandlung von Angsterkrankungen) und die Therapeuten arbeiten immer nach dem neuesten Forschungsstand, filmen die Sitzungen, haben wöchentlich Evaluation usw. etc. pp.
Gerade stehen andere Probleme bei mir im Vordergrund, aber wenn diese erstmal weniger relevant geworden sind, kommt auf meinem ursprünglichen Behandlungsplan die Emo an erster Stelle. Ich weiß bereits, dass man dort schon viele Emetophobiker behandelt hat und auch aktuell behandelt, die Phobie scheint wirklich sehr weit verbreitet zu sein. Und ich weiß auch, dass man dort nach wie vor auf Konfrontation setzt. Ich habe jetzt noch keine Ahnung, ob dort die Spitze der Konfrontation auch das eigene Erbrechen darstellt, aber ich weiß dass man mit künstlichem Erbrochenem (das aber sehr echt aussehen soll) konfrontiert wird und gehe auch von anderen, unangenehmen Erlebnissen aus. Ich habe aber auch einfach keine Lust mehr, mit meinen fast 26 Jahren andauernd meine Desinfektionsmittelvorräte zu prüfen, andauernd meinen Freund mit seinen "unsauberen" Händen zu drangsalieren und mir selbst weiterhin diese Zwänge aufzuerlegen. Deshalb habe ich mich für die 45 Therapiestunden entschieden und für alle daraus folgenden Konsequenzen. Wenn meine Therapeutin Richtung Ende eine Konfrontation für nötig hält, werde ich auch diese machen. Ich bin zur Zeit alles andere als stabil, aber 45 Wochen sind eine lange Zeit, in der man viel verändern kann. Es wird anstrengend, aber das muss es auch sein, wenn man wirklich etwas ändern will und nicht länger nur an der Oberfläche kratzen.


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