Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontation

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anxia
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Ja, ich habe es getan! - Therap. begleitete Konfrontation

Beitragvon anxia » 06.08.2010, 22:45

Liebe Leidensgenossen,
einige von Euch haben ja mitbekommen, dass ich im Laufe meiner Therapie vorhatte, eine direkte Konfrontation zu machen.

Nach mehreren Wochen der Vorbereitung war es nun vor 2 Tagen soweit.
Ich habe mich entschieden erstmal nur einen groben Bericht zu schreiben. Sollte jemand Interesse an Details haben, bin ich sehr gern per PN erreichbar.

Zunächst möchte ich nochmal ganz klar sagen, dass diese ganze Sache unter ärztlicher Aufsicht passiert ist und vorher über mehrere Schreibtische ging zwecks ethischer Bedenken. Außerdem möchte ich nochmal meinen Standpunkt erklären, warum ich das machen wollte:
Ich bin davon überzeugt, dass man Emo genau wie jede andere Phobie durch Konfrontation therapieren kann. Einen Spinnenphobiker muss sie in die Hand nehmen, ein Klaustrophobiker muss Fahrstuhl fahren, etc.
„Der Weg geht dorthin, wo die Angst ist.“

Nun zum Eigentlichen: evtl. *Trigger*
Ich kam morgens in die Klinik und musste erstmal etwas Kleines essen (da sonst die Übung eine zu große Qual geworden wäre).
Danach bin ich ins Ärztezimmer, wo Therapeutin und Ärztin auf meinen „Startschuss“ warteten. Es darf mich ja niemand zu einer solchen Sache zwingen. Also hat es fast eine halbe Stunde und viel Angst und Tränen gedauert bis ich tatsächlich „Ja“ gesagt habe. Das war definitiv eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens. Aber auch ein der Wichtigsten.
Ich habe also die Spritze mit dem Medikament bekommen, dass das Erbrechen auslösen sollte. Zunächst nur die halbe Dosis. Zu meinem (Un-)glück dauerte es nichtmal eine Minute bis die Wirkung einsetzte. Kurz vorher war die Angst grenzenlos und ich dachte, es haut mich jeden Moment um. Dann musste ich mich konzentrieren auf das was da kam.
Leider wirkte das Medi zu gut, sodass ich mehrmals erbrechen musste. Allerdings weiß man bei einer MDG auch nicht wie oft man muss. Insofern kann ich es inzwischen doch verstehen, dass die Ärztin die Übung nicht abgebrochen hat (obwohl sie ein Gegenmittel hatte)

Mein Fazit am Mittwoch war, dass es die Hölle war, ich aber trotzdem wahnsinnig stolz auf mich war. Ich hatte etwas schier Unmögliches geschafft. Ich habe mich meiner allergrößten Angst gestellt, mit meinem eigenen Willen.
Gestern ging es mir dann nicht so gut, ich hatte häufig Flashbacks von diesem Erlebnis und verfiel sofort in Panik. Aber ich wußte immernoch, was ich geschafft habe. Und ich war arbeiten. Wie jeden Tag. Allerdings wurde ich häufig gefragt, was denn los wäre, ich sei so neben der Spur.
Heute vormittag waren die Flashbacks schon etwas weniger und ich konnte mich besser auf meine Arbeit konzentrieren. Nachmittags hatte ich dann wie jede Woche meinen Therapiegruppe.
Ich musste also wieder in die Klinik, wieder die Räume betreten, die Geräusche hören,… Der Weg war wahnsinnige schwer, ich war in unzähligen Flashbacks gefangen.
Die Ärztin, die mir vor 2 Tagen die entscheidende Spritze gab, ist gleichzeitig die Leiterin der Gruppe. Das machte die Sache für mich fast unerträglich. Ihre Stimme triggerte mich. Sie erklärte der Gruppe etwas und ich hörte sie Dinge sagen, die sie am Mittwoch während der Konfrontation zu mir gesagt hatte. Jedes Mal wenn sie anfing zu reden, war ich drin in der Exposition. Beinahe wäre ich rausgelaufen. Aber ich habe standgehalten. Auch dieses Mal.
Danach war ich reiten, das lenkt mich immer super ab. Und tatsächlich kam auf dem Weg nach Hause dann zwischen all den Flashbacks mein Verstand zurück. Und ein Gedanke kam ganz unerwartet und von ganz allein: „Schön war es ganz bestimmt nicht, aber auch nicht sooo schlimm wie ich es mir immer ausmale“.
Ich hätte fast geheult vor Freude über diesen Gedanken. Er war nur kurz da, aber er war da!

Vielleicht war dies der Anfang eines Umdenkens, welches mein ganzes Leben verändern könnte. Nach 21 Jahren habe ich einen Hoffnungsschimmer, dass ich die Angst besiegen kann.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon samadhi » 06.08.2010, 22:54

Hallo anxia,
erstmal gratuliere ich dir zu diesem mutigen Schritt. Wie du weißt, stehen manche Leute hier der Konfrontation eher kritisch gegenüber, ich zähle auch dazu. Eventuell verschätze ich mich jetzt, aber nach meinem Empfinden stehst du jetzt genau an dem Punkt, an dem alle Emos stehen, wenn sie eine Magen-Darm-Grippe durchgestanden haben oder aus irgendeinem anderen Grund brechen mussten.
Mich hat dein Bericht deshalb in meiner Ansicht bestätigt, dass Konfrontation im Hinblick auf die Bekämpfung der Angst wenig bis gar nichts nützt. Ich hoffe, ich täusche mich und du kannst aus diesem Erlebnis irgendwelche wichtigen Erkenntnisse für dich ziehen.
Hast du denn vor, diese Konfrontationsübung zu wiederholen?

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anxia
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 06.08.2010, 23:08

Ich kenne diese kritischen Stimmen durchaus und ob Du es glaubst oder nicht, ich gehörte da auch mal dazu.
Was meinen momantanen Zustand betrifft, mache ich mir noch nicht soviele Gedanken. Es ist normal, dass die Angst erstmal voll da ist. Das muss ein paar Tage sacken.

Was die Wiederholung betrifft, da warte ich erstmal ab. Der Klaustrophobiker ist auch nicht nach 1x Fahrstuhl fahren geheilt. Sollte es sich in den nächsten Tagen so entwickeln, dass es besser wird, aber nicht weg, werde ich es wiederholen müssen.

Es gibt aber einen ganz großen Unterschied zwischen einer Magen-Darm-Grippe und einer Exposition wie ich sie gemacht habe. Ich habe mich der Angst bewußt gestellt. Wenn man vom Erbrechen "überfallen" wird, ist die Angst anders als wenn man sich bewußt dafür entscheidet.
Weißt Du, jetzt wo ich das hinter mir habe und den Vergleich habe, ist mir das klar. Jemand, der diese Erfahrung nicht gemacht hat, kann das nicht so sehen.
Früher hielt ich schon die Idee für unmöglich und sinnlos.
Aber es ist eine Erfahrung, die anders ist. Ganz anders. Und deswegen glaubte und glaube ich an den positiven Effekt.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon samadhi » 06.08.2010, 23:28

Mich würde noch interessieren: Inwiefern haben dich die Therapeutin und die Ärztin denn während und nach der Übung begleitet?
Deine Erklärung zum Unterschied zwischen unfreiwilligem und freiwilligem Erbrechen kann ich jetzt nachvollziehen... Es geht also vorrangig darum, sich diesem unangenehmen Erlebnis komplett freiwillig auszusetzen, statt dazu gezwungen zu werden und gar nicht SO sehr um das Erlebnis an sich. Oder?
Gut, aus dem Blickwinkel betrachtet erscheint mir das schon irgendwo sinnvoll...

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anxia
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 06.08.2010, 23:46

Ja genauso meinte ich es. Und genau aus diesem Blickwinkel erschien es auch mir sinnvoll. Ganz egal, wie es in meinem Fall ausgeht, es gibt meiner Meinung nach kein vernünftiges Argument gegen einen Versuch.

Also richtig begleitet hat mich nur meine Therapeutin. Mit ihr habe ich das Ganze auch vorbereitet. Die Ärztin kenne ich auch aus Gesprächen, aber sie war mehr für die medinzinsche Seite da. Sie hat die Spritze gesetzt und kam zwischendurch immer mal zur Kontrolle rein (Blutdruck messen und so) und sie hätte die Möglichkeit gehabt, die Übung abzubrechen.
Meine Therapeutin saß die ganze Zeit neben mir und hat immer wieder mit mir gesprochen. So ca. 2 Stunden nach der Übung hatten wir dann das erste kurze Auswertungsgespräch, die richtige Auswertung kommt erst am Mittwoch, weil mein Kopf das ja erstmal verarbeiten muss.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon samadhi » 06.08.2010, 23:52

Ich stelle es mir schon ziemlich schwierig vor, sich zu der Spritze zu überwinden. Als ich Anfang des Jahres meine Darmspiegelung hatte und vorher das Abführmittel trinken musste, ist mir das wahnsinnig schwer gefallen, weil ich wusste, dass ich meinem Körper/mir etwas Unangenehmes bewusst zufüge. Ich hatte einfach die totale innere Ablehnung gegen dieses Zeug, weil ich wusste, dass es mir davon schlecht gehen würde... Umso krasser stelle ich es mir vor, sich bewusst für das Erbrechen zu entscheiden. Würdest du sagen, dass das der schwierigste Moment war oder war das Erbrechen gleichwertig schwierig für dich?
Darf ich fragen, wie lang die Übung insgesamt gedauert hat?

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Plumquatsch » 07.08.2010, 11:37

Oh hier steht ja dein Bericht. sorry hatte in dem anderen Thread schon verwundert nach dir gefragt!

anxia hat geschrieben:Es gibt aber einen ganz großen Unterschied zwischen einer Magen-Darm-Grippe und einer Exposition wie ich sie gemacht habe. Ich habe mich der Angst bewußt gestellt. Wenn man vom Erbrechen "überfallen" wird, ist die Angst anders als wenn man sich bewußt dafür entscheidet.


Hm...ich seh es ehrlich gesagt immernoch (oder gerade jetzt noch mehr) kritisch...GENAU DAS ist es DOCH....du sagst du stellst dich BEWUSST der Angst. Aber in meinen Augen ist es einfach eine KONTROLLIERTE Situation. Du WEIßT du musst dich übergeben, du WEIßT es ist ein ARZT , deine THERAPEUTIN, quasi Hilfe da....klar du weißt nicht wie es wird und wie oft du erbrechen musst, aber einiges weißt du schon....ich weiß allerdings nicht wie man SO die Angst im alltäglichen Leben heilen soll. Ich kanns mir absolut nicht vorstellen FÜR MICH das es so klappt. Weil "normalerweise" ist ein Erbrechen nunmal in den meisten Fällen unvorhersehbar. Es sei denn du bist schwanger und weißt schon das du jeden Morgen wieder erbrechen musst.

Also ich glaube das mit DIESER Art der Therapie ein ganz ganz wichtiger Punkt eben NICHT beachtet wird. Und das ist das KONTROLLDING. und es geht ja darum Kontrolle ABZUGEBEN und nicht noch mehr Kontrolle im Leben über was auch immer haben zu wollen. Und was du gemacht hast ist ja KONTROLLIERTES Erbrechen.

Ich wünsche dir wirklich das es bei dir hilft und dich heilt. Für mich hat dein Bericht nur gezeigt das es für mich nie und nimmer der richtige Weg wäre. Das ich mir nicht ein SCHÖNEN Tag wo es mir EIGENTLICH körperlich gut geht versauen will durch ein "erzwungenes" Erbrechen, wonach ich noch tagelang flashbacks habe...was mir auch wieder evtl SCHÖNE Tage versaut....

Ich finde einfach man sollte im JETZT leben und lernen kontrolle abzugeben und das beste aus jedem Tag machen. Dazu zählt für mich auch , sich selbst und den Körper nicht zu quälen. Aber in meinen Augen sieht SOWAS leider so aus.

Alles Gute Jen
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 07.08.2010, 15:33

Jeder hat seine Sicht der Dinge.
Witzig, dass ich früher fast genauso argumentiert habe wie Du. Bei mir hatte diese Argumentation aber lediglich den Hintergrund, dass ich mich das niemals getraut hätte. Ich hatte so Schiss vor ner Konfrontation, dass ich jeden davon hätte überzeugen können, wie wenig Sinn sowas macht.Letztendlich habe ich mich damit nur selbst betrogen.

Leider hast Du den Hintergrund der ganzen Geschichte nicht verstanden. Es geht nicht um kontrolliertes Erbrechen, es geht darum sich bewußt seiner größten Angst zu stellen. Sich nicht abzulenken, sondern die Angst in ihrem ganzen Ausmaß zu erleben. Genau das ist es nämlich, was dann das Wenigerwerden der Angst ermöglicht.
Und ich sage es gern nochmal: Diese Art von Therapie ist bei jeder Angsterkrankung gleich. Ein Spinnenphobiker muss sich seiner Angst auch ganz bewußt stellen und das Vieh auf die Hand nehmen. Sollte der dann auch lieber drauf warten, bis ihm mal eine Spinne im täglichen Leben begnetet?
Oder der Klaustrophobiker; soll er nicht mit therapeutischer Hilfe in den Fahrstuhl steigen? Ganz bewußt sich seiner größten Angst aussetzen? Soll er warten bis er irgendwann mal in einem Gebäude steht, wo es keine Treppe gibt.
Wenn Deine Theorie stimmen sollte, dass diese bewußte Konfrontation mit dem Angstobjekt nichts bringt, wäre niemand von irgendeiner Angst geheilt worden.

Eigentlich war dieser Thread für Euch als Motivation gedacht und ich für mich als Feedbackgeber für meine "Tat". Deshalb möchte ich darum bitten, dass hier nicht mehr über die Frage diskutiert wird, ob Konfrontation etwas bringt oder nicht, sondern nur noch zum eigentlichen Thema geschrieben wird. Das andere kann gern in einem seperaten Thread diskutiert werden.

@ samadhi
Also insgesamt war ich 5 Stunden in der Klinik, da war aber danach schlafen und Nachbesprechung schon dabei. Die eigentlich Übung dauerte ungefähr eine Stunde.
Und ja, ich glaube Du hast Recht, die Spritze war echt schwer. Ob es das Schwierigste an der Übung war, kann ich noch gar nicht genau sagen. Das Erbrechen selbst war auch extrem und vor allem nicht zu wissen, wie oft sich das Ganze noch wiederholt und dem nicht selbst ein Ende setzen zu können. Ich habe die Ärztin zwischendurch angefleht, dass sie die abbrechen soll, weil ich dachte, ich halte es nicht mehr aus. Aber sie hat nicht abgebrochen und ich habe es trotzdem geschafft. Es wäre wohl auch nicht hilfreich gewesen abzubrechen, weil man das in Real auch nicht kann. Wenn man k***, dann k***, solange bis es vorbei ist und nicht bis einer mit nem Gegenmittel kommt.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon samadhi » 07.08.2010, 15:48

Also insgesamt war ich 5 Stunden in der Klinik, da war aber danach schlafen und Nachbesprechung schon dabei.

War es so geplant, dass du danach schläfst? Ging das überhaupt?
Musst du die Kosten für diese Konfrontationsübung eigentlich selbst tragen oder übernimmt das die Krankenkasse?

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 07.08.2010, 16:19

Es war so geplant, dass ich danach noch bleibe. Das Ganze war ja auch körperlich extrem anstrengend. Habe mich auch erst gewundert, dass ich danach gleich eingeschlafen bin.

Das zahlt ganz normal die Kasse, weil es ja zur Therapie gehört.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon danseusenoire » 07.08.2010, 19:50

Hi Anxia,

ich finde es sehr spannend zu lesen, wie das alles ablief. Für mich wäre das nichts, weil ich mich nicht überwinden könnte, mich bewußt zum Brechen zu bringen, gerade auch noch durch so eine Medikamentendosis, bei der man nicht mal eben sagen kann "ok, nur ein bißchen bitte!". ;)

Nach Deinem Bericht wird mir diese Differenzierung zwischen bewußter Konfrontation und komplett unfreiwilliger klarer. Ich kann diesen Ansatz nachvollziehen. Es wird ja ziemlich oft hier gesagt, dass es den meisten Emos nichts bringt, zu Kotzen, weil die Angst dann nach einem kleinen "war ja gar nicht so schlimm"-Plateau zurückkommen würde. Bei mir war es so, dass mir meine MDGs bisher schon was gebracht haben. Als ich meine erste hatte, habe ich damals echt gelacht vor Erleichterung über die Erfahrung, dass das Brechen selbst nicht so schlimm ist, sondern nur die Angst und Übelkeit davor. Eben das Gefühl, die Kontrolle über das, was mein Körper macht, abgeben zu müssen. Direkt im Anschluss war ich auch nicht Emofrei, aber dieser Punkt war trotzem in der Hinsicht wichtig, als dass ich danach wußte, dass es eben NICHT das Brechen an sich ist! Die Angst war noch da, aber die Basis war eine andere. So nach dem Motto "ok, jetzt haben wir gesehen wie's ist, das war ja nicht so dramatisch. Aber die Angst ist irrationalerweise noch da - wat nu?"
Ich bin im Laufe der Zeit meine Emo so gut wie losgeworden und die Erfahrung, dass Brechen eben nicht so schlimm ist war mir definitiv eine der Basisstützen.
Was ich damit sagen will, ist dass ich es jetzt so interpretiere, dass Du die Erfahrung "Kotzen ist nicht soo schlimm" machen willst/wolltest und von da ausgehend eben schauen kannst, ob es wirklich das war (wo dann Konfrontation weiterhin helfen würde), oder ob sich mehr dahinter verbirgt (in welchem Falle Dir die Konfrontationserfahrung eben genau besagte Erkenntnis bringen würde und Deine Arbeit in eine andere Richtung lenken würde). Hab ich das richtig verstanden?

Viele Grüße und Respekt, dass Du das durchgezogen hast.
Nach manchem Gespräch mit einem Menschen hat man das Verlangen, einen Hund zu streicheln, einem Affen zuzunicken oder vor einem Elefanten den Hut zu ziehen.
-Maxim Gorki

Plumquatsch
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Plumquatsch » 07.08.2010, 20:35

Pippilotta hat geschrieben:
Würde deine als Tatsache vorgebrachte These stimmen, müsste man nach entsprechender therapeutischer Vorbereitung und mit professioneller Begleitung zwangsläufig einem Kardiophobiker einen künstlichen Herzinfarkt zufügen, einen, der Panik vor OP's hat, in eine unnötige Narkose versetzen und an ihm herumschnippeln, und einer, der panische Angst vor Gewalt hat, bräuchte sich zur Heilung nur ein paar Mal krankenhausreif prügeln lassen.

Die Grenze zwischen (evtl.) hilfreicher Konfrontationstherapie verläuft für mein Verständnis da, wo Eingriffe in einen gesunden Körper/Körperverletzung beginnen. Mag jeder selbst entscheiden, in welchem Bereich er die Kotzkonfrontation mittels eines Brechmittels ansiedelt.



Genau das meinte ich! Es mag sein das viele Phobien durch diese Art von Phobie geheilt werden können, aber das sind Phobien die "außen" stattfinden und nicht direkt in uns. Ich denke es gibt noch ein Unterschied zwischen einer objektbezogenen Phobie oder einer körpereigenen Phobie....

Als ich 9 Wochen in einer Klinik war, war in meinem Zimmer eine Herzphobikerin die jeden Tag wahnsinnige Angst hatte einen Herzinfarkt zu bekommen und die ständig zum Kardiologen ist. WAs würdest du ihr empfehlen? herzinfarkt probehalber einleiten???
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Doris

Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon Doris » 07.08.2010, 21:47

Sorry, ich verstehe nicht, wieso man diesen Thread hier jetzt so zerpflücken muß. Wir haben hier jemanden, der sich ohne Wenn und Aber auf eine Konfrontationstherapie eingelassen hat. Die Therapeutin hat empfohlen, das Erbrechen herbeizuführen und Anxia hat sich darauf eingelassen, warum könnt ihr das nicht einfach so akzeptieren? Noch nie hat hier jemand etwas ähnliches gemacht - nehmt es als Erfahrungsbericht und nichts weiter.

Anxia hat nicht nach eurer Meinung gefragt und sogar explizid darum gebeten, hier keine solchen Diskussionen anzufangen, sondern das in einem extre Thread zu tun, wenn es denn wirklich nötig ist.

Ich finde es sehr mutig, daß sie diesen Weg (auf Empfehlung der Therapeutin) wirklich in aller Konsequenz geht. Und ich bin mutig genug, zu sagen, daß ich mir das nicht trauen würde.Ich brauche keine Ausflüchte und Diskussionen darüber, ob dieser Weg richtig ist oder nicht. Das kann jeder nur für sich selber entscheiden und Anxia hat sich entschieden!

Gruß, Doris

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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 07.08.2010, 22:32

Doris hat geschrieben:Anxia hat nicht nach eurer Meinung gefragt und sogar explizid darum gebeten, hier keine solchen Diskussionen anzufangen, sondern das in einem extre Thread zu tun, wenn es denn wirklich nötig ist.

Vielen Dank für diesen Beitrag Doris. Es machte mich schon von Anfang traurig, dass ich anstatt Feedback für meinen Erfahrungsbericht zu bekommen, mich hier rechtfertigen zu müssen warum ich das gemacht habe. Und schade, dass meine Bitte ignoriert wurde.

Das Letzte, was ich dazu sagen werde:
1. ich habe nie gesagt, dass es NUR diesen Weg gibt, die Phobie loszuwerden
2. ist natürlich auch mir klar, dass Konfrontation ihre Grenzen hat. Man kann solche Übungen nur machen, wenn dies praktisch möglich ist. Erbrechen kann man konfrontieren, Angst vor Atombomben sicherlich nicht.
Es ist echt traurig, dass hier einige sich offensichtlich nie mit Konfrontation beschäftigt haben und trotzdem solche Beiträge verfassen.
Nur so zur Info:
Ich kenne mich inzwischen damit aus und kann Dir auch sagen, was der Herzinfarktphobiker tun KANN. Es werden Übungen gemacht, bei denen der Patient vor einem Infarkt Angst hat. z.B. Sport (erhöhte Herzfrequenz, etc). Dieser Patient muss lernen, dass die Angst unbegründet ist und er keinen Infarkt bekommt wenn er z.B. Sport macht. Und genau diese angstbesetzten Situationen übt man dann.

Ich bitte nochmals inständig darum, für diese Diskussion einen eigenen Thread zu eröffnen oder in einem bestehenden weiterzuschreiben. Auch die Moderatoren bitte ich um radikale Löschung wenn hier weiter zerpflückt wird.
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Re: Ja, ich habe es wirklich getan!

Beitragvon anxia » 07.08.2010, 22:43

Doris hat geschrieben:Noch nie hat hier jemand etwas ähnliches gemacht - nehmt es als Erfahrungsbericht und nichts weiter.

Hatte das nicht schonmal jemand gemacht? Mir ist irgendwie so. Falls es jemanden gibt, bitte melden :D
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