Permanente Anspannung

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schnueppchen
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon schnueppchen » 09.08.2015, 21:53

Nein, kein Viagra, sieht aber genau so aus :mrgreen: Obwohl ich auch nicht schlecht geguckt hab, als ich die Packung das erste Mal öffnete. Es ist ein Beruhigungsmittel mit muskelentspannender Wirkung und massivem Abhängigkreitspotenzial, weswegen es eh nicht in Frage kommt, auch wenn mein Therapeut das sehr locker sieht :?

Kenn ich, ich bin auch meistens alleine, was schade ist, weil es mir meist echt gut hilft, wenn ich es abwenden kann.

Ich habe bei mir schon den Verdacht, dass diese Anspannung im Grunde nur eine verkapselte Emo ist. Mir geht es zwar so sehr viel besser und ich habe kaum noch Angst und das Thema ist in meinen Gedanken kaum noch präsent. So fühle ich mich gut und habe das Gefühl, eigentlich relativ normal zu leben. Aber wer weiß, was mein Unterbewusstsein macht? Ich habe die Themen, die zur Emo führten und die alle verknüpft sind, nie aufgearbeitet. Ich habe unter anderem in der Therapie gelernt, mit der Emo zu leben und sie nicht mehr mein Leben bestimmen zu lassen. Und ich bin viel mehr ausgelastet als zu Hochzeiten der Emo. Vielleicht habe ich einen Großteil einfach verdrängt und diese Anspannung ist ein Zeichen, dass es in meiner Psyche brodelt, wer weiß. Könnte das bei dir auch sein?

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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Kinabalu » 09.08.2015, 21:57

Wie war das denn bei den Klausuren während deiner Ausbildung? Warst du bei denen am Anfang/oder durchgängig auch so angespannt.

Also ich vermute stark, dass diese Anspannung zum Teil auch von dem Erwartungsdruck an dich selbst kommt. Studium, Blog und Nebenjob müssen ohne Ausfälle klappen. Ein bisschen kennen wir uns ja schon-auch wenn ich natürlich nicht behaupte dich jetzt komplett zu kennen.
Ich erinnere mich jedenfalls, dass du oft auch das Lesen irgendwie als Stress/Pflicht empfunden hast damit ja regelmäßig was erscheint. Jetzt wo das alles noch erfolgreicher und professioneller läuft stelle ich mir allein den Druck in diesem Bereich schon groß vor. Und auch vor dem Studienbeginn hast du ja erst noch etwas mit dir gehadert.
Und wenn du von zwei Nebenjobs schreibst stelle ich mir auch gewisse existenzielle Sorgen vor.
Also Gründe für Anspannung hast du sicher genug. Oder meinst du da ist noch was anderes?
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Parasomnia » 09.08.2015, 22:11

Wie war das denn bei den Klausuren während deiner Ausbildung? Warst du bei denen am Anfang/oder durchgängig auch so angespannt.


Da war ich auch nervös. Aber in der Regel nicht schon Wochen vorher. Und da waren die Ansprüche halt auch nicht hoch. Klar, man musste auch lernen und da klappte auch nicht immer alles so gut, wie ich mir das vorgenommen hatte. Aber es war okay. Im Studium sind die Ansprüche freilich höher und ich bin eben auch sehr ungeduldig. Bzw. tatsächlich über Gebühr ehrgeizig und verkrampft. Meine erste Klausur habe ich mit 1,0 bestanden, d.h. die nächste sollte - in meinem komischen Universum - bitte auch wieder so laufen. Wo ich schon glaube, dass die Hausarbeit nicht so super fantastisch wird, die ich vor zwei Wochen abgegeben habe.

Und wenn du von zwei Nebenjobs schreibst stelle ich mir auch gewisse existenzielle Sorgen vor.


Die werden glücklicherweise durch meine Mutter ein bisschen abgefedert. Ich bekomme kein Bafög, kein Wohngeld. Aber ich nage nicht am Hungertuch. Bestimmte Dinge kann ich mir halt nicht leisten. Ich kann nicht in den Urlaub fahren oder solche Späße. Wenn ich zu Buchmessen fahre, ist meine Mutter in hohem Maße daran beteiligt, denn ich könnte weder Zugtickets noch Hotelzimmer bezahlen. Aber existentielle Sorgen in finanzieller Hinsicht habe ich eigentlich nicht. Ich gerate nur langsam in die Situation, wo mir alles nicht schnell genug geht. Ich würde gern einfach mal meine Miete selbst bezahlen und mein Leben allein bestreiten können. Ich würde einfach gern einen Job haben und mir sagen: So, jetzt geht "das Leben" los. Denn letztlich ist ja die Ausbildung nur Vorspiel gewesen und auch das Studium ist halt ne Zusatzqualifikation. Und immer sagt man sich: So, DANACH gehts dann aber los und du machst, was du gern machen willst und kannst dann bitte davon einigermaßen leben.

Ich erinnere mich jedenfalls, dass du oft auch das Lesen irgendwie als Stress/Pflicht empfunden hast damit ja regelmäßig was erscheint. Jetzt wo das alles noch erfolgreicher und professioneller läuft stelle ich mir allein den Druck in diesem Bereich schon groß vor.


Ich lese nach wie vor gern. Aber das Lesen hat sich natürlich verändert, man geht gewisse Abhängigkeiten ein mit Verlagen. Dieses Jahr habe ich bisher fast 70 Bücher gelesen und es stapelt sich immer um mich herum. Das kann einerseits in Stress ausarten, ist andererseits aber auch schön. Und okay so. Auch wenns manchmal so ein Rennen im Hamsterrad ist, weil man all den Neuerscheinungen sowieso nie Herr wird. Das wäre allerdings als bloße Buchhändlerin auch nicht anders. Man müsste nach dem Lesen halt nur nicht drüber schreiben. :wink:

Aber ja, sicher. Die Erwartungshaltung ist hoch, sehr hoch. Anders kann ich es mir nicht vorstellen.

Ich habe die Themen, die zur Emo führten und die alle verknüpft sind, nie aufgearbeitet. Ich habe unter anderem in der Therapie gelernt, mit der Emo zu leben


Ist bei mir ähnlich. Ich bin ja nun schon länger nicht mehr in Therapie. Zwischendurch war ich einmal kurz dort, irgendwann im Herbst letzten Jahres. Ich war mit meiner Mutter in Berlin gewesen und hatte dort zwei oder drei Tage lang ununterbrochen Probleme. Mir war so schlecht wie ewig nicht mehr, ich musste Treffen absagen, hätte mich keinen Schritt allein in dieser Stadt bewegen können. Und das hat mich so geärgert, weil es keinen Grund dafür gab, dass ich mich nochmal bei meinem ehemaligen Therapeuten gemeldet habe. Der fand aber all die Fortschritte bloß toll, die ich gemacht hatte und das müsse ich doch anerkennen und für alles andere Geduld haben. Es war seltsam. Über diesem Wiedersehen schwebte dieses Gefühl, dass wir da nicht mehr weiterkommen. Ich hatte zu der Zeit noch häufig Panikattacken im Bus, das versuchte er dann irgendwie mit einer kurzem EMDR-Sitzung zu beheben, aber alles machte den Eindruck, provisorisch zu sein und irgendwie beliebig. Frei nach dem Motto: Probieren wirs halt aus, aber eigentlich glaube ich nicht, dass Sie das noch brauchen. Und bei zwei Terminen blieb es dann auch. Wir hatten uns nichts mehr zu sagen.
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Kinabalu » 09.08.2015, 23:23

Parasomnia hat geschrieben:ich bin eben auch sehr ungeduldig. Bzw. tatsächlich über Gebühr ehrgeizig


Nicht nur im Bezug auf das Studium sondern auch im bezug auf die Phobie, vermute ich.
Von daher ist:
Parasomnia hat geschrieben:Der fand aber all die Fortschritte bloß toll, die ich gemacht hatte und das müsse ich doch anerkennen und für alles andere Geduld haben.

garkein so schlechter Tipp. Das ist aber von meinem Gefühl her so ein Problem was viele "alt-phobiker" haben-jedenfalls habe ich schon oft von Leuten hier gelesen, die ihre Phobie soweit zurückgedrängt haben dass sie im Alltag garnicht oder nurnoch kaum eingeschränkt werden aber da ist noch dieses fitzelchen Angst/Problem was im Hintergrund rumwuselt und einfach nicht durch pure Willenskraft und Disziplin verschwindet.
Ich kann den Gedanken, dass es damit jetzt aber nicht Enden soll und das der Weg weiter geht sehr gut nachvollziehen. Aber vielleicht ist das was du jetzt noch übrig hast der harte Kern und vorher, die Jahre das war eben das Fruchtfleich. Und um den harten Kern kleinzukriegen brauchst du doch mehr Geduld. Und denk immer an dein Ich vor..x-Jahren. Ich weiß mein ich vor circa 8 Jahren saß zuhause und hat sich nicht aus dem Zimmer getraut. Ein bisschen Stolz ist also schon angebracht ;)

Außerdem meine ich nicht dass das Leben nach dem Studium beginnt :P
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Parasomnia » 10.08.2015, 09:14

Das ist aber von meinem Gefühl her so ein Problem was viele "alt-phobiker" haben-jedenfalls habe ich schon oft von Leuten hier gelesen, die ihre Phobie soweit zurückgedrängt haben dass sie im Alltag garnicht oder nurnoch kaum eingeschränkt werden aber da ist noch dieses fitzelchen Angst/Problem was im Hintergrund rumwuselt und einfach nicht durch pure Willenskraft und Disziplin verschwindet.


Ich würde aber in meinem Falle nicht sagen, dass ich im Alltag nicht mehr oder kaum durch die Phobie eingeschränkt werde. Wie gesagt, die ständige Übelkeit und Anspannung momentan führt auch immer wieder zu Panik. Es ist mir nicht möglich, z.B. zu Buchmessen oder anderen Events zu fahren ohne eine Begleitperson. Selbst nach Hamburg zu fahren, bedeutet immer wieder Stress für mich. Panikattacken habe ich nach wie vor, wenn auch seltener. Ich gehe anders damit um, ja. Aber die Symptome sind nicht weg. Genauso, wie es mir eben nach wie vor an Sozialleben mangelt und mich das sehr deprimiert. Auch da hieß es, ich müsse Geduld haben. Ich war noch nie ein geduldiger Mensch, aber manchmal klingt das eben auch nach: Tja, da gibts jetzt wohl keine Lösung, das musst du eben aushalten, bis es irgendwann besser wird. Wann das ist, weiß aber keiner.

Ein bisschen Stolz ist also schon angebracht


Angesichts der Einschränkungen, die noch immer da sind, kann ich nicht wirklich stolz sein. :nixweiss: Bzw. war ich sicher auf einige Dinge mal stolz, aber das hält ja nicht Monate vor. Davon kann ich nicht lange zehren. Das funktioniert für den Moment, ja, aber nicht über ihn hinaus.

Außerdem meine ich nicht dass das Leben nach dem Studium beginnt :P


Du weißt schon, was ich meine. Ich glaube ja auch nicht, dass der Ernst des Lebens erst mit dem Schulanfang beginnt, wie man so sagt, aber dennoch ist es ein Einschnitt. Wie das Ende einer Ausbildung. Und das Ende eines Studiums. :wink:
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon mimi » 10.08.2015, 10:29

Angesichts der Einschränkungen, die noch immer da sind, kann ich nicht wirklich stolz sein.


Der Satz könnte wirklich 1:1 genau so auch von mir kommen, gerne in Kombination mit "ich mein, andere können das doch auch ohne Probleme!"

Ich denk, dieses "stolz sein auf den eigenen Fortschritt" - unabhängig von einem grade vergangenen Erfolg - ist auch etwas, was man lernen muss und wofür es durchaus auch eine Menge Geduld mit sich selbst braucht - also genau das, was dir (und mir übrigens auch) fehlt.

Meine Therapeutin hat mir beim Abschlusstreffen empfohlen, so eine Art Therapiebericht zu schreiben mit allen erfolgen und was sich entwickelt hat von Anfang der Phobie bis jetzt - den sollte ich dann lesen, wenn ich grade wieder über Einschränkungen jammere. War nett, mal zu sehen, was sich insgesamt getan hat, ob man allerdings da ewig drauf stolz sein kann, muss man rausfinden. Wahrscheinlich bist du da auch nicht so der Typ für..
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Sase » 15.08.2015, 04:09

Ich bin auch eher der Proaktive Bewegungs- und Sporttyp. Mit Yoga und Co. das macht mich eher fahrig.

Vielleicht musst du aber einfach akzeptieren, dass es in Prüfungsphasen so ist bei dir? Bei mir war das auch eigentlich immer so, am Ende hatte ich fast schon einen krankhaften Trieb irgendwie mal kurz so abzuschalten, dass ich entspannen kann - meistens fand sich aber nix, weil sich echt alles immer nur um das Thema "du musst jetzt lernen" drehte.

Ich finde, es gibt nix anstrengenderes, als sich krampfhaft entspannen zu wollen/müssen.
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Parasomnia » 15.08.2015, 08:47

Die permanente Anspannung ist ja auch außerhalb von Prüfungsphasen ein Problem, sie hatte sich bloß vor kurzem so gesteigert, dass es wieder einmal auffällig wurde. Aber ja, vielleicht muss ich das akzeptieren.
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Abbel » 15.08.2015, 18:48

Bevor man sich ganz quält, kann man verschriebene Medikamente ruhig mal nehmen. Aber vorsichtiger Umgang damit ist natürlich gut :top:

Eventuell könnten Listen von Skillstraining hilfreich sein? Da ist echt für jeden was dabei. Müssten im Internet zu finden sein, sonst schaue ich mal, ob ich meine noch finde.
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon tanyamoustache » 20.08.2015, 19:17

Hey Parasomnia,

ich glaube, ich kenne das Problem, das du beschreibst, ganz gut, deshalb melde ich mich hier auch mal zu Wort. Ich leide immer unter einer gewissen Grundanspannung bzw. -nervosität, auch wenn es mir gut geht, nur dass dieser Zustand eben noch schlimmer wird, wenn ich viel zu tun habe, gestresst bin oder es irgendwelche anderen Baustellen in meinem Leben gibt. Ich erinnere mich an eine stressige Zeit vor zwei Jahren, in der mein Puls so durch die Decke ging, dass ich in der Notaufnahme gelandet bin, um mich herum lauter Ärzte, die besorgt auf das EKG gestarrt und gerätselt haben. :lol: Bei mir existiert diese Anspannung meistens auch unabhängig von einer konkreten Angst, zumindest könnte ich sie bewusst nicht benennen – aber meine Ängste und körperlichen Symptome sind meistens eh sehr konfus und für mich schwer durchschaubar. Aufs Kotzen schieße ich mich dann eigentlich nur in für mich schwierigen Situationen – wie z. B. sozialer Interaktion – ein (auch ein Grund, weshalb ich hier nur noch selten aktiv bin, weil ich mittlerweile für mich herausgefunden habe, dass mein Hauptproblem wohl eher eine Sozialphobie als die Emetophobie ist).

Ich hab die Lösung für das Problem leider noch nicht gefunden, aber hier sind zumindest ein paar Ansätze, von denen ich weiß, dass sie mir ganz gut helfen – auch wenn für die Umsetzung eine gewisse Disziplin vonnöten ist, an der es dann ganz oft auch scheitert, insbesondere wenn es mir gerade relativ gut geht. :wink:

Tagespläne:
Beim selbstständigen Lernen fürs Studium und selbstständigem Arbeiten allgemein hatte ich immer große Probleme mit der Selbstmotivation und meinem Zeitmanagement. Dadurch, dass ich immer so angespannt und teilweise körperlich angeschlagen war, habe ich mich dann auch schnell ablenken lassen, von wegen: Jetzt legst du dich halt kurz hin und machst ’ne Pause, holst dir ’nen Tee etc. Wenn ich dann nicht genug geschafft habe, wurde ich noch gestresster und dadurch noch nervöser. Mittlerweile hilft es mir, wenn ich mir am Abend vorher den nächsten Tag ganz klar durchstrukturiere: Von 10-12 Lernen oder was auch immer, dann eine halbe Stunde Pause, dann der nächste Block usw. Und das dann auch konsequent durchziehen, ggf. indem man sich Belohnungen ausdenkt, die man sich selbst gönnt, wenn man den Tagesplan erfolgreich eingehalten hat. Ich bin abends meist sehr viel ruhiger, wenn ich auf den Tag zurückschauen kann und weiß, dass ich tatsächlich was geschafft habe. Noch besser ist es für mich, wenn ich das nicht nur tage-, sondern wochenweise mache, was aber selten klappt. Aber eine gewisse Tages- und Arbeitsroutine hilft mir schon mal enorm, allgemein ruhiger und entspannter zu werden.

Rausgehen:
Wenn ich den ganzen Tag zu Hause bleibe, äußert sich meine Anspannung unter anderem auch dadurch, dass ich sehr viel und unsinnig hin und her laufe, einfach nur weil ich nervös bin und die ganze Energie irgendwo hinmöchte. Deshalb versuche ich meist, so viel Zeit wie möglich draußen zu verbringen, zum Arbeiten z. B. in die Bibliothek oder ins Café (ich bin selbstständig und habe kein festes Büro). Da kann man nicht einfach aufspringen, sondern muss sich hinsetzen und auf etwas konzentrieren, was mich und meinen Körper ruhiger macht. Ich mache das aber auch, weil ich, wie gesagt, relativ sozialphobisch bin und deshalb versuche, mich jeden Tag mit Menschen zu umgeben. In meiner Einzimmerwohnung würde ich sonst außerdem irgendwann durchdrehen, weil ich die ganze Zeit nur die gleichen vier Wände sehe.

Sport:
Das wurde hier ja schon zu Genüge gesagt – regelmäßige Bewegung ist wichtig, auch mal richtig auspowern, wenn man so angespannt ist. Mir hilft es besonders, wenn ich morgens Sport mache, bevor der Tag richtig anfängt, z. B. eine halbe Stunde Joggen gehen, auch wenn's mir schlecht geht.

Kein Internet/Computer nach 20 Uhr:
Ich hatte im März drei Wochen lang kein Internet und habe gemerkt, dass ich in dieser Zeit sehr viel entspannter und ausgeglichener war. Im Nachhinein führe ich es darauf zurück, dass ich abends nicht mehr online sein konnte und dadurch besser geschlafen habe. Ich schlafe auch jetzt nicht schlecht, aber ich merke schon, dass das abendliche Arbeiten (oder Surfen) am PC einen Unterschied macht, insbesondere wenn Social-Media involviert ist, wo man in kürzester Zeit unglaublich viele verschiedene Reize präsentiert bekommt. Deshalb versuche ich auch jetzt noch, nach zwanzig Uhr meinen Computer auszuschalten und auch nicht irgendwas an meinem Smartphone zu machen. Ich muss aber auch zugeben, dass das nur bedingt klappt.

Ernährung:
Ich war (und bin es manchmal immer noch) in meinem Alltag oft gestresst, weil ich so schnell hungrig werde und mich dann gleich unterzuckert fühle, was Körper sowie Geist natürlich extrem aufreibt und dieser Daueranspannung auch nicht zuträglich sein kann. In den letzten Monaten hab ich mich verstärkt mit meiner Ernährung auseinandergesetzt (auch wegen Lebensmittelallergien) und stelle diese gerade um, weg von Unmengen Zucker und Weizenprodukten, die den Blutzuckerspiegel erst mal ordentlich in die Höhe treiben, ihn aber genauso schnell wieder sinken lassen, hin zu einer ausgewogeneren Ernährung mit sehr viel Obst und Gemüse und genug Protein. Mittlerweile merke ich auch, wie mein Körper sich an dieses Essverhalten gewöhnt hat, auf Kuchen, Kekse oder Unmengen an Brot hab ich eigentlich überhaupt keine Lust mehr und fühle mich, wenn ich dann doch mal so was esse, danach meistens vollgestopft und schlecht.

Keine erzwungenen Pausen oder Urlaube:
Wenn man Leuten erzählt, man sei angespannt/gestresst/wasauchimmer, bekommt man meistens zu hören, dass man doch einfach mal eine Pause einlegen soll. Mir hat das noch nie wirklich geholfen, weil ich dann nur noch mehr Zeit hatte nachzugrübeln und ich mich allgemein nicht besonders gut fühle, wenn ich unproduktiv bin und mein Tag keine Struktur hat. Und das Problem liegt ja (bei mir zumindest) nicht darin, dass man wirklich so einen immensen Berg an Arbeit vor sich hat, der einen stresst, sondern dass man sich von den Anforderungen einfach überfordert fühlt und sich deshalb selbst den Stress macht. D. h. man sollte eher an seinem Umgang mit stressigen Situationen arbeiten, anstatt diese komplett zu vermeiden – was im Übrigen ja auch nicht möglich ist (insbesondere als Phobiker!), wenn man in Leben irgendwas schaffen möchte. Ich habe daraus für mich gezogen, dass ich – selbst wenn ich wirklich fertig bin, egal ob körperlich oder psychisch oder beides zusammen – jeden Tag ein bisschen was erledige, sei es auch nur überfällige E-Mails schreiben, Termine für die nächste Woche ausmachen, irgendwelchen Organisationskram erledigen, der sowieso früher oder später gemacht werden muss. Größere Pausen mache ich hingegen lieber, wenn es mir gut geht, da kann ich die dann auch wirklich zur produktiven Entspannung nutzen.

Meditation/Yoga:
Du schreibst ja schon, dass du das mit der Mediation versuchst, aber dass es nicht so einfach ist. Diese Erfahrung hab ich auch gemacht. Ich glaube, für jemanden, der es gewohnt ist, bei jedem kleinen Zwicken in seinem Körper durchzudrehen, ist es sehr, sehr schwierig, sich auf so etwas einzulassen, weil es einen natürlich erst mal unruhig macht, so genau in seinen Körper hineinzufühlen, man gleichzeitig aber tatsächlich stillsitzen muss und wenn möglich auch noch an nichts denken soll. Ich glaube aber auch, dass es gerade dann umso wichtiger ist, an dieser Fähigkeit zu arbeiten und solche Techniken zu erlernen, weil man wirklich sehr davon profitieren kann. Ich bin da auch gerade dran, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, und wie immer hapert es natürlich oft an der Disziplin, gerade in guten Zeiten. 2013, als ich an meiner Bachelorarbeit geschrieben hab, hab ich schon mal regelmäßig jeden Tag Yoga gemacht und habe damals auf jeden Fall einen positiven Effekt gespürt. Der kommt aber natürlich nicht beim ersten oder zweiten Mal, sondern erst, wenn man das eine Weile lang durchzieht. Deshalb: Dranbleiben! Ich möchte mich im Winter hier für einen zehntätigen Meditationskurs einschreiben: https://www.dhamma.org/de. Ich hab jetzt schon riesige Angst davor, weil es bestimmt unglaublich hart wird, andererseits habe ich aber von Praktizierenden auch extrem viel Gutes über diese Mediation gehört und es ist ja nur wieder mal eine Gelegenheit, sich der eigenen Angst zu stellen. Ich weiß nicht, ob so was für dich infrage kommt, aber du kannst es dir ja mal anschauen.

Falls du übrigens mal eine Meinung zu einer deiner Hausarbeiten brauchst, kannst du dich gern bei mir melden. Ich hab Literaturwissenschaft studiert und war immer relativ gut im wissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere in der Strukturierung von Argumenten, allgemein im Aufbau usw. Und ich erinner mich auch, dass ich an der Uni den Druck besonders beim Verfassen von Hausarbeiten am Anfang als riesig empfunden habe, deshalb kann ich deine Ängste und natürlich auch die eigene Erwartungshaltung gut nachvollziehen, denn ich bin selbst Perfektionistin und hätte gern am liebsten für alles eine Eins bekommen. :wink:

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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Parasomnia » 20.08.2015, 20:55

Liebe tanya,

wow, vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Einiges, was du beschreibst, kenne ich gut von mir selbst. Ich habe zwar mehr Emetophobie als Sozialphobie, aber ansonsten scheinen wir uns wenigstens in der Lagerung unserer Probleme recht ähnlich zu sein. Mir geht es auch wesentlich besser, wenn mein Tag Struktur hat, wenn ich etwas schaffe, statt nur rumzusitzen. Glücklicherweise habe ich ja zwei Minijobs, d.h. vier Tage in der Woche arbeite ich, bin unter Menschen. Die anderen Tage sind für die Uni reserviert. Freie Zeit geht für die Arbeit an meinem Blog drauf. Meinen Geist kann ich sehr schlecht entspannen, eigentlich beschäftige ich mich permanent mit irgendwas. Durch das Studium, das Lesen. Wenn ich abends noch Kapazitäten habe, sehe ich mir Dokumentationen an. Ich habe zwar durchs Radfahren fast täglich Bewegung, vielleicht fange ich aber auch nochmal mit dem Joggen an. Und wenn es nur eine Runde im Park ist, besser als nichts.

Falls du übrigens mal eine Meinung zu einer deiner Hausarbeiten brauchst, kannst du dich gern bei mir melden. Ich hab Literaturwissenschaft studiert und war immer relativ gut im wissenschaftlichen Arbeiten, insbesondere in der Strukturierung von Argumenten...


Vielen Dank für das Angebot! Habe gerade heute die Note für meine erste Hausarbeit bekommen. Immerhin eine 2,0. Hätte mir zwar gewünscht, dass es noch besser wird, aber man muss ja auch lernen, mit sich zufrieden zu sein, wenn das Ergebnis nicht perfekt ist!

Was mir definitiv fehlt - auch als Ausgleich - ist ein Freundeskreis. Ich habe hier niemanden, den ich anrufen würde, wenn es mir nicht gut geht (von meiner Mutter abgesehen), niemanden, mit dem ich spontan etwas unternehmen könnte. Niemanden, der sich mal nach mir erkundigt oder mich anruft. Außerhalb der Arbeit sitze ich also tatsächlich überwiegend allein zuhause. Was sehr bedauerlich ist, denn ich halte mich eigentlich für einen relativ angenehmen Umgang. Meine Versuche, engere und dauerhafte Freundschaften zu knüpfen, laufen leider immer wieder ins Leere. Es bleibt bei guten Bekanntschaften. Warum das so ist, weiß ich selbst nicht. Ich hatte während der Ausbildung zwei Freundinnen gefunden, allerdings sind die mittlerweile beide weggezogen. Die eine ist ausgewandert nach Australien, die andere für's Studium umgezogen. Das ist auf Dauer natürlich alles ein bisschen frustrierend.

Heute ist mal wieder so ein verlorener Tag eigentlich. Ich hatte frei, bin morgens zum Friseur gefahren und war dort ca. 3 Stunden (Prozedur war etwas aufwendiger :wink: ), bin dann wieder nach Hause gefahren. Seitdem sitze ich auf der Couch, wollte eigentlich noch etwas Sinnvolles tun, war dann aber zu müde. Ich habe heute nicht anständig gegessen, dementsprechend bin ich heute Abend sehr nervös, ich habe Bauchschmerzen, mir ist leicht übel. Nichts, was mich jetzt in Panik versetzt, aber vermutlich etwas, was mich heute lange wach halten wird. An Tagen wie diesen schlafe ich meist erst zwischen 1 und 2 Uhr nachts. Und ärgere mich, dass ich sie nicht sinnvoller genutzt habe.
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon tanyamoustache » 23.08.2015, 12:02

Dass dir der soziale Ausgleich fehlt, kann ich gut verstehen. Auch wenn ich oft nicht wirklich Lust habe, Menschen zu treffen, versuche ich doch immer, mich mindestens jeden zweiten Tag mit irgendwem zu verabreden - trotz dem anfänglichen Widerwillen hilft es mir einfach dabei, mich besser zu fühlen. Man wird aus seiner eigenen Gedankenwelt herausgerissen, bekommt eine andere Perspektive auf die Dinge und redet einfach auch viel über Belangloses, was sehr gut tun kann, wenn man wie ich und du ja ganz offensichtlich auch zum Grübeln neigt. Letztes Jahre hatte ich mir mal den Vorsatz gefasst, jeden Tag mindestens eine Stunde mit einer anderen Person zu verbringen, und wenn das nicht klappt, zumindest eine Stunde Tag mit jemandem zu telefonieren. Das hat zwar nur zehn Tage geklappt, weil auch der Organisationsaufwand entsprechend hoch war, aber ich hab deutlich gemerkt, was für einen positiven Effekt das hatte. Und mittlerweile fällt mir das alles auch leichter, weil ich seit ein paar Monaten einen Freund habe, der gleich bei mir um die Ecke wohnt und den ich daher oft einfach so zwischendurch sehen kann - auch wenn ich hier ebenfalls darauf achte, dass ich noch genug andere Leute treffe, weil ich aus Erfahrung weiß, dass ich mich gern mal auf eine Person "einschieße". Und das ist dann ja nicht so gut, wenn die irgendwann eventuell weg ist ...

Warum man es nicht schafft, Bekanntschaften zu wirklichen Freundschaften auszubauen, kann natürlich tausend Gründe haben, und ganz oft hat das auch gar nichts mit einem selbst zu tun, denke ich. Ab irgendeinem Zeitpunkt ist es allgemein schwieriger, Freunde zu finden, weil die Leute normalerweise so ab Mitte zwanzig so beschäftigt mit ihrer Arbeit/ihrem Leben sind und halt einfach schon ein ausreichend großes soziales Netzwerk haben, dass sie jetzt nicht unbedingt noch viel Energie und Zeit investieren wollen, um neue Leute näher kennenzulernen. Gleichzeitig denken sie dann eben auch, dass es bei ihrem Gegenüber genauso aussieht - und ich kann mir vorstellen, dass du schon auf viele Leute den Eindruck machst, als seist du sehr ausgelastet und zufrieden, mit dem was du tust, und bräuchtest daher den zusätzlichen Kontakt gar nicht. Ich weiß aber auch, dass es nicht unmöglich ist, Freunde zu finden, auch in diesem Alter. Ich war im Frühjahr sechs Wochen in Budapest und kannte da keinen einzigen Menschen, und trotzdem habe ich sehr schnell Leute kennengelernt und auch Freundschaften geschlossen, weil ich einfach nicht so viele Hemmungen hatte wie zu Hause und eher auf andere Menschen zugegangen bin.

Vielleicht könntest du dein Glück bei Facebook versuchen, da gibt es ja eigentlich für jede Stadt (oder sonst die nächstgrößte, auch wenn das natürlich wegen Anfahrt usw. Überwindung kostet) irgendwelche Gruppen, um neue Leute kennenzulernen, oft auch gleich sortiert nach Interessen. Du scheinst ja sehr kulturinteressiert zu sein und da gibt es bestimmt viele Veranstaltungen, die man gemeinsam besuchen könnte. Oft muss man sich einfach nur trauen und den ersten Schritt machen. Bestimmt sitzen irgendwo in deiner Stadt eine ganze Menge von Leuten allein zu Hause, die sich ebenfalls mehr Kontakt und Freunde wünschen, aber halt auch nicht wissen, wie sie das angehen sollen. Ansonsten würde ich immer dazu raten, allein zu Veranstaltungen zu gehen, die einen interessieren, und da zu schauen, ob es andere Leute gibt, die auch allein sind. Oft fühlt man sich natürlich dämlich, wenn man die dann anquatscht, aber eigentlich gibt es dazu doch keinen Grund.

Ansonsten hab ich gemerkt, dass es ein paar "Regeln" gibt, an die man sich halten kann, um Freundschaften zu pflegen und wachsen zu lassen (die sind vielleicht für viele Menschen selbsterklärend, für mich waren sie es nicht):
- Proaktiv sein und Aktivitäten vorschlagen: Wenn man immer nur darauf wartet, dass einen irgendjemand irgendwohin mitnimmt, dann kommt man damit wahrscheinlich nicht besonders weit, weil keiner ein passives Anhängsel mag. Ich hab dagegen gute Erfahrungen damit gemacht, Sachen zu schreiben wie: "Ich gehe nächste Woche da und da hin und das hört sich so an, als ob es dich auch interessieren könnte. Kommst du mit?"
- Interesse an der Person zeigen: Ich hab einen Freund, der gern am Wochenende einfach mal schreibt "Was geht bei dir?" - und das nervt so ungemein. Weil man einfach merkt, dass er gelangweilt zu Hause sitzt und bespaßt werden möchte, aber es ihm eher egal zu sein scheint, wer diese Aufgabe dann letztendlich übernimmt. Stattdessen fände ich es sehr viel besser, wenn er fragen würde "Wie geht es dir?" oder "Wie war deine Woche? Wollen wir uns die Tage mal auf ein Bier treffen?" etc. Einfach irgendwas, das signalisiert, dass er wirklich genau MICH treffen will und nicht irgendwen. Ansonsten ist es auch immer gut, nachzufragen, wenn bei der anderen Person gerade irgendwelche besonderen Ereignisse anstehen, z. B. "Wie war dein Urlaub?", "Wie war das Vorstellungsgespräch?", "Hast du die Erkältung überstanden?" usw.
- (Positive) Gefühle zeigen: Darin war ich sehr lange sehr schlecht, weil ich das in meiner Familie halt auch nie vorgelebt bekommen habe, da dort alle im Umgang miteinander immer relativ distanziert waren. Aber mittlerweile hab ich gelernt, dass so ein "Ich freu mich!" am Ende einer Konversation, in der man sich gerade verabredet hat, wirklich schön ist - nicht nur zu hören, sondern auch selbst zu schreiben. Oder eben irgendwelche Herzchen-Emojis auf WhatsApp oder was auch immer, auch wenn es einem irgendwie blöd vorkommt. Oder die andere Person einfach mal zu umarmen, wenn es ihr gerade schlecht geht, und ihr anzubieten, dass sie sich melden kann, selbst man nicht so dicke befreundet ist - das kann ja dadurch noch entstehen.

Ansonsten hab ich mir gerade auf Empfehlung hin das Buch "How to win friends and influence people" gekauft, ein Klassiker unter den Self-help-Büchern, von dem du eventuell auch schon mal was gehört hast, wenn du in der Branche arbeitest. :lol: Klingt natürlich furchtbar und manipulativ, aber seit ich Freelancerin bin, hat sich meine Meinung zu diesem Thema zwangsläufig ein wenig geändert und ich denk mir, probieren kann man's ja mal, vielleicht lerne ich noch was daraus. ;)

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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon Parasomnia » 24.08.2015, 18:03

Liebe tanya,

danke noch einmal für deinen Beitrag! Ich bin auch niemand, der ständig Menschen um sich herum braucht, ich wohne seit über drei Jahren allein und käme nicht im Traum auf die Idee, das wieder rückgängig zu machen. Ich brauche meine Zeiten für mich, meine Routine, meine Stille, wenn ich sie haben will. Nichtsdestotrotz ist der Gedanke: "Tja, jetzt sitzt du halt wieder zuhause und wenn du jetzt wolltest, du könntest niemanden anrufen und mit niemandem etwas unternehmen" eher frustrierend, ganz gleich, wie gern man ab und an Zeit nur mit sich selbst verbringt. Mir ist es in den letzten Jahren sehr häufig so gegangen, dass sich Kontakte immer wieder verlaufen haben oder eben die Leute weggezogen sind. Kaum hatte man sich angefreundet und angenähert, gab es irgendeine große Veränderung im Leben, die die Leute weitergetrieben hat, während ich eben blieb, wo ich war. Im Moment versuche ich, mich mit einem Mädel anzufreunden, das in unseren Betrieb Ausbildung macht. Was erzählte sie neulich? "Mein bester Freund will ja zum Studieren eigentlich umziehen und ich sage ihm schon immer, er soll das machen, wenn ich die Ausbildung fertig habe, komm ich sofort nach." Klar, das sind noch zwei Jahre, da kann sich viel tun, muss aber eben auch nicht.

Vielleicht könntest du dein Glück bei Facebook versuchen, da gibt es ja eigentlich für jede Stadt (oder sonst die nächstgrößte, auch wenn das natürlich wegen Anfahrt usw. Überwindung kostet) irgendwelche Gruppen, um neue Leute kennenzulernen, oft auch gleich sortiert nach Interessen.


Leider habe ich da bei Facebook für meine Stadt bisher nichts gefunden. Es gibt diverse Flohmarktgruppen, eine Gruppe für Neulinge in der Stadt, die sich regelmäßig zum Billard treffen - das wäre jetzt nicht so meine Kragenweite, bzw. mein Interessengebiet. Sonst sieht es eher mau aus. Ich gehe recht regelmäßig als Gast zu einer Offene-Bühne-Show, da kenne ich auch so einige Leute, aber es entwickelt sich nie etwas über diesen Abend hinaus. Mit einem habe ich zwar mal was unternommen, das blieb aber ein einmaliges Ereignis, alles, was danach geplant war, verlief irgendwie im Sande. Jetzt hatte die Veranstaltungsreihe auch gerade Sommerpause und beginnt im September wieder. Ich gebe auch zu: ich wäre eher nicht der Typ, der allein auf Veranstaltungen geht. Egal, wo ich bisher war, ich habe eigentlich nie Leute gesehen, die da allein herumstanden. Und auf einen Abend zwischen lauter Grüppchen, die sich kennen, habe ich keine Lust, auch wenn da natürlich rein theoretisch die Möglichkeit besteht, dass man mal jemanden erwischen könnte, mit dem sich ein gutes Gespräch ergibt. Vielleicht bin ich dafür auch einfach zu zurückhaltend. Nicht mal schüchtern - aber zurückhaltend.

- Proaktiv sein und Aktivitäten vorschlagen: Wenn man immer nur darauf wartet, dass einen irgendjemand irgendwohin mitnimmt, dann kommt man damit wahrscheinlich nicht besonders weit, weil keiner ein passives Anhängsel mag. Ich hab dagegen gute Erfahrungen damit gemacht, Sachen zu schreiben wie: "Ich gehe nächste Woche da und da hin und das hört sich so an, als ob es dich auch interessieren könnte. Kommst du mit?"


Ja, das übe ich immer wieder und es ist nicht ganz einfach. Ich will nicht das Gefühl haben, mich aufzudrängen und das habe ich leider sehr oft. Das Interesse an einer anderen Person fällt mir gar nicht schwer, da bin ich mittlerweile sehr offen und freue mich auch herzlich mit. :wink:
Es kommt dazu - trotz alledem -, dass sich die Furcht in Widerstand verwandeln wird - trotz alledem.
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Re: Permanente Anspannung

Beitragvon tanyamoustache » 27.08.2015, 14:40

Leider habe ich da bei Facebook für meine Stadt bisher nichts gefunden.

Vielleicht könntest du ja dann selbst solch eine Gruppe gründen? Keine Ahnung, wie schnell sich bei so was Mitglieder ansammeln, aber versuchen könntest du es ja immerhin ... Zwar kann ich verstehen, wenn du dir diese Zusatzarbeit neben deinen sonstigen Verpflichtungen jetzt nicht unbedingt aufhalsen willst, aber zu Beginn, wenn es nur eine Handvoll Mitglieder gibt, sollte es ja nicht so viel Aufwand sein, so eine Gruppe zu verwalten. Hm. Das wäre jetzt zumindest alles, was mir noch einfallen würde.


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