Warum ich wünschte krank zu sein.

Alles rund um Emetophobie, dass sonst nirgendwo hinpasst!

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Desperate
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Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Desperate » 18.11.2013, 09:41

Anmerkung: Wenn ich von "krank" spreche, meine ich organisch/körperlich krank. Ich behalte das "Leib-Seele-Problem" für besseres Verständnis.

Tag für Tag das selbe... Übelkeit, Bauchschmerzen, Apetitlosigkeit usw. Vielleicht könnt ihr meinem Gedanken folgen:

Worauf treffen diese typischen Alltagssymptome zu?
Das beginnt bei einer Magenverstimmung bis zur Gastritis, einer Nahrungsmittelunverträglichkeit bis hin zum Magengeschwür. Aber auch noch viel viel mehr.
Wenn man seinem Arzt die Symptome aufzählt werden diverse Untersuchungen eingeleitet. Ich habe auch schon einige hinter mir (von Bluttests bis Spiegelungen).
Ihr wisst vermutlich wie viel bei solchen Untersuchungen in unseren Fällen herauskommt.
...und ich höre "Herr ****, es gibt keine Auffälligkeiten, sie sind komplett gesund." - Aber wieso kann es nicht so einfach sein? Die Medizin kann heutzutage so viele Krankheiten behandeln, aber nicht das im Kopf. Das bleibt für immer..oder zumindest ein Teil davon.
Auch wenn das schon schlimm genug ist, so ist die Fürsorge wenn ein Problem quasi unsichtbar ist gleich null. Man ist entweder Simulant oder nicht ganz knusper. Es ist sehr schwer anderen sein Problem zu erklären und oft trifft man nur auf Unverständnis. Und das allerschlimmste: Im Prinzip, gibt es kein Medikament welches dir hilft. Du musst lernen mit diesen Symptomen zu leben. Keine Ahnung...

Ich möchte wissen wen oder was ich bekämpfe.. darum wünsche ich mir oft einfach nur krank zu sein..

Engelxx3
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Engelxx3 » 18.11.2013, 11:34

Hallo Desperate,

Ich kenne das. Ich wäre auch lieber körperlich Krank, als so wie jetzt, seelisch. Das denke ich auch bei meinem anderen seelischen "leiden" , nicht nur bei der Emo.

Man muss dann erstens nicht so viel erklären müssen, und auf unverständniss stoßen sondern auch finde ich gibt es teilweise bessere Heilungschancen als bei seelischen Krankheiten.

Ich nehme ein Beispiel, wenn ich jemals meinem Vater sagen müsste, ich bin psychisch Krank, ich hab Ängste, Depressionen o.ä. ich würde dort nicht auf Verständnis stoßen, sondern eher Abneigung und würde gesagt bekommen, das ich doch nur faul sei, Ausrede benutze o.ä.
Würde ich ihm aber sagen, ich habe (zb.) ein Magengeschwür oder irgendetwas körperliches, würde mein Vater total anders reagieren.

Die Gesellschaft sieht psychische Krankheiten noch nicht so an wie körperliche. Wobei ich finde das es alles quasi das gleiche ist, egal ob körperlich oder seelisch.
Außer das mit den Heilungschancen.


Lg

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Giiqii
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Giiqii » 18.11.2013, 12:41

Diese Gedanken hab ich auch zu genüge :'(
Ich wünschte ich könnte einfach wie mein Freund was nehmen und wäre wieder das blühende Leben :(
Ich weiss das ich diese Symptome nie ganz los werde. Sondern immer nur Phasen weise!? Ich stoße auch nur auf Unverständnis, " Mein Gott das ist bei dir doch eh nur Kopfsache, wird schon nicht so schlimm sein" usw usf..
Manchmal schluchtze ich Nachts umher, weil ich so einfach nicht weiter machen will. Wenn ich gute Phasen habe ist wieder irgendwas anderes, Kopfschmerzen, Schwindel. Irgendwas ist immer und das macht mich wahnsinnig.

Ich kann dich dabei also gut verstehen.
Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsgehen,
fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben

samadhi
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon samadhi » 18.11.2013, 16:53

Ich verstehe einerseits diesen Wunsch sehr gut, aber ich kann euch nur dazu raten zu versuchen, die Perspektive zu wechseln.
Bei mir haben die Beschwerden körperliche Ursachen und ich darf mich seit vier Jahren mit einer Diagnose abfinden, die bedeutet, dass ich bis an mein Lebensende kein gesunder Mensch mehr sein werde. Morbus Crohn ist bis dato nicht heilbar und man kennt nach wie vor die Ursache für diese Erkrankung nicht, was auch zu einer recht ziellosen Behandlung führt. Ich bekomme Immunsuppressiva, die man für Organempfänger und Leukämiekranke einsetzt. Ganz ehrlich: Ich wäre lieber "nur" psychisch krank, als sowohl psychisch wie auch physisch. Aber es nützt nichts, ich habe mich an die Beschwerden, die Tabletten und Magen- und Darmspiegelungen gewöhnt und versuche, das Beste draus zu machen. Mein Leben könnte wesentlich stärker durch die Krankheit bestimmt werden, was auch daran liegt, dass ich es gar nicht erst soweit kommen lasse.
Ich kann euch als Betroffene jedenfalls sagen: Es ist egal, woher die Beschwerden kommen und ob man ihre Ursache kennt, nervtötend bis quälend sind sie dann trotzdem noch.

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Desperate
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Desperate » 19.11.2013, 08:02

Das tut mir wirklich Leid für dich samadhi.
Aber ich glaube die weißt wie ich das meine, also nicht dass psychische Erkrankungen schlimmer sind, sondern dass sie im Empfinden für den Betroffenen sich einfach schlimmer anfühlen.
Wünsche dir viel Glück!

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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon lauri00 » 19.11.2013, 19:59

Ich kann manchmal gar nicht glauben wie ähnlich wir uns doch alle sind....
Ich wünschte es mir auch manchmal und dann einfach ein paar Tabletten und gut ist.. Ich Kämpfe nun schon seit fast nem Jahr und bin zurzeit in der 2. Stationären Therapie dieses Jahr...
Es könnte alles soooo einfach sein..
LG
Vielleicht gab es schönere Zeiten, aber diese ist unsere !

Jean-Paul Sartre

samadhi
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon samadhi » 19.11.2013, 20:39

Desperate, das muss niemandem leid tun ;) Ich finde, ich hätte auch durchaus schlimmere Krankheiten haben können und die eigene Gesundheit mit der anderer Leute zu vergleichen, macht sowieso auf Dauer nicht glücklich.
Ich wollte an meinem Beispiel nur zeigen, dass eine Diagnose nicht unbedingt das Problem an sich löst.
Ich denke, was das persönliche Empfinden angeht, wie schlimm eine Erkrankung ist, sei sie nun psychisch oder physisch, hängt immer vom Betroffenen selbst ab. Da würde ich nicht pauschalisieren und sagen, dass sich psychische Erkrankungen generell schlimmer anfühlen. Mein Crohn hat mich eindeutig mehr Tränen gekostet als die Emo, obwohl ich genau wie ihr oftmals gern einen Knopf drücken würde, um sie einfach auszuschalten. Für jemand anderen würde die Emo evtl einen größeren Leidensdruck erzeugen als ein Crohn. Das ist einfach individuell verschieden.

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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon blondie1982 » 21.11.2013, 22:37

Jaa denke das kennen wir alle. Wie sagt man immer so schön, ein Beinbruch kann man sehen, man kann es heilen, man hat was handfestest, bei der Seele, tja da gibt es viele fasettenreiche Ausführungen, und die können von Kopf bis Fuß ghen, aber sehen und nachweisen ka nn man es nicht. Es ist einfach da. Man schwankt von, bin ich wirklich so schlimm?? Stelle ich mich an?? Bin ich Hypochonder? Übertreibe ich einfach nur oder ist es wirklich was ernstes, was nicht entdeckt wurde.

Ich habe gelernt, nicht gegen die Emo anzukämpfen sondern sie verstehen zu lernen! Mich zu fragen warum ist sie da, warum genau jetzt die Panik und was will mir mein Körper und Seele damit sagen. Aber wirklich richtig los, wird man sie nie. Ich habe gelernt damit zu leben. Durch viel Therapie, hinter die Fassade gucken und wahrnehmung. Aber diese körperlichen Dinge bleiben oft oder kommen gerne mal wieder. Wie nach dem Tod von meinem Vater. Helfen konnte mir keiner, Magen und Darm haben täglich massiv gesponnen und ein Jahr am Stück Kopfschmerzen, etliche Untersuchungen und kein wirkliches Ergebnis. Die Darmspiegelung habe ich mir dann wirklich geschenkt.

Ich denke man muss einene Weg finden für sich selber um einfach damit umzugehen, es anzunehmen und damit zu leben.

Ich nenen es immer: der Emo den Nährboden entziehen.
Mein Körper darf reagieren aber ich muss aufmerksam sein warum er es tut!!

Ich nehme es so an wie es ist und erstaunlicherweise kann und wird die Emo dadurch oft kleiner und auch die Leiden werden weniger!

Das ist meine Erfahrung mit 15 Jahren Emo und viel Therapie!

LG
Das Schicksal ereilt einen oft gerade auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.
Jean de la Fontaine

Sunshine
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Sunshine » 02.12.2013, 15:24

...mir fehlen die worte wenn ich so etwas lese. ich selbst habe emetophobie und zusätzlich eine chronisch entzündliche darmerkrankung.
ich wünschte mein arzt würde zu mir sagen, liebe frau sie sind kerngesund!
ich nehme medikamente die ich freiwillig niemals nehmen würde, die mich, meinen körper und meinen alltag völlig verändert haben. wenn es mir schlecht geht und das geht es mir sehr oft, weiß ich dass es körperlich ist und das aktuell keine heilung besteht. ich kann nur darauf achten, dass es nicht schlimmer wird, aber auch das steht nicht in meiner macht und ich kann es nicht steuern.
wie gerne würde ich sagen, es ist eine reine kopfsache, ich bin gesund, brauche keine medikamente.
sowas versteht ihr anscheinend nicht und vielleicht geht euer wunsch eines tages in erfüllung tatsächlich körperlich zu erkranken.
viel spaß dabei!

samadhi
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon samadhi » 02.12.2013, 15:27

Sunshine, das ist keine wirklich sachliche Reaktion auf das Thema. Wie man lesen kann, bin ich auch von einer CED betroffen, aber es bringt nichts, den Leuten nun deshalb so zornig gegenüberzutreten. Ich persönlich wünsche niemandem meine Krankheit und ich glaube, in Wirklichkeit tust du das auch nicht. Ich hab versucht, zu erklären wie es ist, chronisch krank zu sein, aber ich glaube das Verständnis ist dennoch begrenzt. Das muss man dann einfach akzeptieren, aber deswegen muss man nicht ungerecht werden.

Sunshine
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Sunshine » 02.12.2013, 15:40

Auf solch ein Thema kann man einfach keine sachliche Antwort abgeben.
Es ist völlig absurd zu behaupten man wäre gerne körperlich krank. Hallo?
Seid froh gesund zu sein! Man kann sich auch in was reinsteigern...

samadhi
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon samadhi » 02.12.2013, 16:01

Man kann sich auch in was reinsteigern...

Genau. :wink:

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Bellchen
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Bellchen » 02.12.2013, 17:30

@ Sunshine: Ich denke, dass hier nicht von nicht heilbaren/chronischen Krankheiten die Rede war, sondern eher um etwas behandelbares. Schwer krank ohne Hoffnung auf Besserung möchte keiner sein. Der Gedanke war eher, dass man statt sich Monate oder Jahre mit körperlichen Symptomen rumzuquälen, für die es keinen körperlichen Grund gibt, lieber körperlich etwas hätte, was behandelt werden kann mit Tabletten, oder sonstigem. So habe ich das zumindest verstanden.

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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon blondie1982 » 02.12.2013, 18:22

Gebe ich Bellchen recht! Es ging hier offensichtlich um dass das was erkannt wird, was greifbar ist und nicht sie haben ein "an der klatsche". Keiner wünscht sich freiwillig solche oder andere krankheiten. Und es tut mir auch leid, das du davon betroffen bist aber bitte mal ein wenig über den Tellerrand hinausschauen :wink: und nicht gleich so reagieren, sondern zwischen den zeilen lesen! Hier sollte doch niemand verurteilt oder mit etwas gleichgezogen werden, das es nicht so schlimm wäre, wenn man eine krankheit hat oder einem das lieber wäre schmerzen zu ertragen. Die beste aussage ist, ein Beinbruch, da sieht man es, da weiß man was los ist, wird behandelt und es wird langsam besser und alles ist gut!! Das sollte es wohl aussagen und nicht das was du vermutest.
Das Schicksal ereilt einen oft gerade auf den Wegen, die man eingeschlagen hat, um ihm zu entgehen.
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Schlucki
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Re: Warum ich wünschte krank zu sein.

Beitragvon Schlucki » 02.12.2013, 20:37

Ich glaub jeder mit nem psychischen Problem hat sich am Anfang mal gewünscht, was einfach zu behandelndes körperliches zu haben. Mittlerweile bin ich froh, dass ich körperlich vermutlich kerngesund bin. Das ganze Problem an der Sache ist doch, dass man sich seiner Psyche irgendwie ausgeliefert fühlt oder? Ist das nicht eigentlich krass? Als könnte man nichts machen, aber im Endeffekt ist es doch ein Teil von einem. Dieser innere Konflikt ist doch schonmal der Hinweis schlechthin.

Mich motiviert die Sache mittlerweile sehr, dass ich es selber in der Hand hab. Sicher, einige Sachen sind vorgegeben, aber dann muss man einfach lernen, damit richtig zusammenzuarbeiten. Man musses halt einfach schaffen sich selbst richtig kennenzulernen, damit man sich überhaupt erstmal versteht. Diese Selbstreflektion scheint aber ziemlich kompliziert, zeitintensiv und anstrengend zu sein. Wenn es sich lohnt für irgendwas zu kämpfen, dann imho dafür und dort sollte man seine Energie auch investieren wenns geht.

Irgendwie hab ich immer mehr das Gefühl alle wollen nur funktionieren und nicht leben. Lieber ne körperliche Krankheit, Tabletten drauf und weiter gehts. Vielleicht bin ich auch gerade auf dem Holzweg, aber meine Symptome und Probleme zwingen mich momentan förmlich dazu, mich mal mit mir selber zu Beschäftigen. Klar, ich würde jetzt auch lieber mitn Kumpels ordentlich einen Draufmachen gehn, aber vielleicht hat irgendwas in mir gar keinen Bock da drauf. Ich bin nur viel zu verblendet dass zu sehen.
Alle Lebewesen ausser den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu geniessen. Samuel Butler


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