Eine Frage an alle hier......

Alles rund um Emetophobie, dass sonst nirgendwo hinpasst!

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Bellchen
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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Bellchen » 12.12.2013, 21:16

Ich habe in meinem vorherigen Post gerade noch was ergänzt.

Das mit den Gegenargumenten kommt mir bekannt vor. Da fällt mir immer was ein. Wenn mir z. B. eine Tante sagt, dass ich doch so schön schlank bin, dann schießt gleich der Gedanke in meinen Kopf, dass ich aber total schlechte Haut habe, so gut wie keine Brüste, ne zu große Nase, ne dicke Brille und und und.

Bei meiner einen Arbeitsstelle habe ich öfters mal ein Lob bekommen, da hab ich auch immer gesagt "war doch nichts Besonderes", "Ist doch meine Arbeit, das zu machen", ... Anstatt mir mal auf die Schulter zu klopfen und mir zu sagen, dass ich das gut gemacht habe und zufrieden mit mir sein kann. Ich tue mich sehr schwer damit, Lob anzunehmen. Und wenn ich mal was falsch gemacht habe, dann habe ich mich innerlich total runtergemacht deshalb, mich regelrecht beschimpft.

Das mit den "Fehlern" von anderen kenne ich aber auch. Mich stören da auch bei Freunden manche Eigenschaften.
Ganz schlimm ist es auch mit Rechtschreibfehlern. Da gibt es Tage, da könnte ich Leute nur verbessern, wenn ich Fehler sehe, da stört mich das sogar in der Zeitung, wenn ich was lese und da ist nen Wort doppelt, ein Buchstabe zu wenig oder sowas, da könnte ich mich drüber aufregen, wie man das so veröffentlichen kann, einfach weil ich gern alles perfekt hätte.

Ich denke ein paar kleine Fortschritte habe ich schon gemacht. Früher ist mir das an meinem Verhalten nicht mal aufgefallen, wenn ich wieder nicht nein gesagt habe oder dass ich Lob nicht annehme. Nun bin ich immerhin schon an dem Punkt, wo mir auffällt, dass da was schiefläuft bei meinem Verhalten. Nun ist nur die Frage, wie ich es hinbekomme schon in den Situationen das zu merken und dann anders zu reagieren.

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Schlucki
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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Schlucki » 12.12.2013, 21:40

Also ich glaube, dass ich gerade dabei bin Fortschritte zu machen. Auf jeden Fall ists bei mir so, dass ich mir nicht bewusst etwas einrede, sondern das irgendwie von allein kommt im Moment. Das blanke sich einreden hilft vermutlich auf die Dauer aber nicht anhaltend.
Ich denke der erste Schritt ist sich dessen bewusst zu werden, dass es vielleicht etwas "unnormal" bei einem ausgeprägt ist. Das sind wir ja schon mal alle ganz gut dabei hier im Thread. :biggrin: Als nächstes hab ich halt angefangen rauszufinden woher das kommen könnte. Also Ursachenforschung und zurück in die Vergangenheit. Wenn man dort begreift, welcher Mechanismus einem vor Urzeiten so werden lassen hat, kann man lernen sich das selbst zu geben, was einem damals gefehlt hat oder falsch angelegt wurde. Dazu muss man sich halt sehr viel reflektieren und das dauert echt ne Weile und ist nicht ganz ohne.

Auf jeden Fall haben die ganzen Eigenschaften imho was mit der "perfekten Welt" zu tun, in der man gerne Leben wöllte. Das ist auch viel son Kontrollding.

Mir fällt immer mehr auf, dass in mir so eine Art Stimme ist, die mir ständig weiss machen will, wies richtig wär, obwohl das gar nicht wirklich das ist was ich will. Das klingt jetzt vielleicht schizo, aber ich meine damit diese Gedanken die von allein kommen. Ich mag nur seit meinen Rauchstoppversuchen die Vorstellung von den Engelchen und Teufelchen. :biggrin: Diese Stimme ist im Prinzip wie *piep*. Ängstlich, vermeidend und irgendwie so zwanghaft. Und pessimistisch! Diese "Stimme" ist aber sehr gegensätzlich zu meiner Art und sorgt für einen riesen Konflikt. Ja diese Stimme macht mich wie runter, könnte man sagen. Die hemmt mich und zwingt mich gleichzeitig alles richtig machen zu müssen. Die sorgt dafür, dass ich mich permanent schlecht und unterlegen fühle. Und vielleicht deswegen permanent Angst hab was falsch zu machen. Das ist dieser verf*ckte Zweifler, der einem alles madig und schwer macht, obwohl man Begeisterungsfähig, offen und motiviert ist. Der einfach alles scheisse werden lässt.


Klingt vielleicht etwas derb formuliert, hab ich vor kurzem selbst so formuliert, aber kann damit jemand von euch zufällig was anfangen?
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expanse
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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon expanse » 13.12.2013, 00:03

Da schießt mir ein Ereignis total durch den Kopf: Ich war ca 4 oder 5 Jahre alt und war mit meinen Eltern und Bruder im Urlaub. Im Laden (keine Ahnung was für einer) durfte ich mir eine Keinigkeit zum Spielen aussuchen. Ich wollte ubedingt DAS Pferd (son Spielzeugpferd) aber das durfte ich nicht da es wohl zu teuer war und ich wohl schon massig Pferde derart hatte) Ich war total wütend. Trotzdem hatte ich mir dann so eine Deflinfigur ausgesucht, war aber unzufrieden. Schmiss es dann im Auto durch das Fahrzeug und habe gesagt: Ich wünschte ich hätte andere Eltern, die hätten mir das gekauft. (oder so ähnlich). Aber wenn ich heute daran denke, könnte ich schon wieder heulen^^ einfach mit der Tatsache ob ich eventuell mene Eltern mit diesen Worten verlezt habe... Vielleicht habe ich damals beschlossen, nie wieder irgendwas zu sagen, dass andere Menschen verletzt? Keine Ahnung :?
Liebe Grüße aus dem schönen Unterfranken :)

entschuldigt eine Tippfehler :/ ich bin manchmal so schnell im schreiben, dass das leider oft passiert :/ ^^

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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Nana26 » 13.12.2013, 12:32

Ich denke, dass Kindheitserlebnisse eine sehr große Rolle spielen. Kleine Kinder verstehen ja bekanntlich mehr, als man meint. Schon Säuglinge nehmen Stimmungen in ihrer Umgebung sehr gut wahr und verarbeiten diese auf ihre Art. Ich glaube daran, da ich meine Emo hab, seit ich mich zurück erinnern kann. Schon als kleines Kind hab ich es krampfhaft unterdrückt mich zu übergeben und es sogar wieder runtergeschluckt. Das hat mir meine mum erzählt.

Meine Eltern hatten eine schwere Zeit, als ich so klein war. Mein Vater hat sich selbstständig gemacht und war erst recht erfolglos. Meine Eltern haben sich dadurch oft und lautstark gestritten und sind mittlerweile getrennt. Meiner Mutter fiel es auch bis vor Kurzem sehr schwer mir ihre Liebe zu zeigen. Eigentlich wollte sie keine Kinder.

Als kleines Kind wurde mir dann abends immer schlecht, zumindest habe ich mir das eingebildet. Ähnlich wie jetzt.

Was ich damit sagen möchte, eine Emo hat einen tieferen Hintergrund. Fragt euch, was euch eventuell in der Kindheit belastet hat. Als Kind versucht man oft, die Stimmungen der Eltern abzufangen. Da das aber meist eine sehr große Belastung darstellt, kann sich das z.B. auch durch Angstzustände äußern. Oft kann man auch sehr gut damit arbeiten.

Vielleicht finden wir hier auch Gemeinsamkeiten?
Man muß vor nichts im Leben Angst haben, wenn man seine Angst versteht.
(Marie Curie)

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Schlucki
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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Schlucki » 13.12.2013, 21:42

Oft nicht offen aufgelöste Streitereien meiner Eltern untereinander, eine sehr unsichere und ängstliche Mutter und ein Vater der eher inaktiv war, weil er mit emotionalen Sachen nicht gut umgehen konnte. Insgesamt aber eigentlich liebevoll, was es erstmal schwerer gemacht hat negative Dinge aufzudecken.
Ich bin das jüngste Kind gewesen, vielleicht ist das auch wichtig, weil ich oft das Gefühl habe, dass EInzelkinder in unserer heutigen Gesellschaft besser klarkommen.

Und bei euch so? :biggrin:
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Bellchen
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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Bellchen » 13.12.2013, 22:24

Ich bin auch das jüngste Kind gewesen und meine Mutti ist auch oft ängstlich/besorgt.

Mir ist vorhin an mir selber mal wieder aufgefallen, wie sehr ich darum bemüht bin, nach außen hin perfekt zu sein. Es hatte sich Besuch angekündigt, also habe ich erstmal gefegt, den Teppich abgesaugt, Geschirr abgewaschen, meinen Klamottenstapel weggeräumt usw. Nur damit niemand denken könnte, ich sei unordentlich. Mir fällt es total schwer, dazu zu stehen, dass ich eben oft faul und schlampig bin in der Wohnung, weil es mich selbst nicht so stört, wenn paar Fussel, Haare und Krümel rumliegen. Da müsste ich alle 3 Tage alle saugen, damit es immer gut aussieht und Geschirr wasche ich halt auch nicht bei nur 3 Tellern ab, sondern sammel etwas. Aber wenn Besuch kommt, dann will ich, dass meine Wohnung wie aus dem Katalog aussieht. Aber das haben mir meine Eltern eben auch so vermittelt. Da war es immer sehr sauber und ordentlich, wenn Besuch kam, wurde extra noch alles in Ordnung gebracht. Das ist so drin, dabei könnte es mir doch egal sein, was andere denken, so lange meine Wohnung nicht wie bei Messis aussieht und nicht meterdick Staub liegt (was bei mir eh nicht ein darf, wegen meiner Stauballergie).
Und der Besuch kam dann übrigens doch nicht. Hätte ich mir sparen können (oder zumindest fast, wäre eh bald wieder fällig gewesen, zu putzen). Ich hatte sogar überlegt, meine Plüschtiere vom Sofa zu nehmen, nur weil man denken könnte, dass ich kindisch bin. Aber ich mag Plüschtiere nunmal schon immer. Habe sie dann auch stehen lassen.

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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon expanse » 14.12.2013, 01:08

Mir ist vorhin an mir selber mal wieder aufgefallen, wie sehr ich darum bemüht bin, nach außen hin perfekt zu sein. Es hatte sich Besuch angekündigt, also habe ich erstmal gefegt, den Teppich abgesaugt, Geschirr abgewaschen, meinen Klamottenstapel weggeräumt usw. Nur damit niemand denken könnte, ich sei unordentlich. Mir fällt es total schwer, dazu zu stehen, dass ich eben oft faul und schlampig bin in der Wohnung, weil es mich selbst nicht so stört, wenn paar Fussel, Haare und Krümel rumliegen. Da müsste ich alle 3 Tage alle saugen, damit es immer gut aussieht und Geschirr wasche ich halt auch nicht bei nur 3 Tellern ab, sondern sammel etwas. Aber wenn Besuch kommt, dann will ich, dass meine Wohnung wie aus dem Katalog aussieht. Aber das haben mir meine Eltern eben auch so vermittelt. Da war es immer sehr sauber und ordentlich, wenn Besuch kam, wurde extra noch alles in Ordnung gebracht. Das ist so drin, dabei könnte es mir doch egal sein, was andere denken, so lange meine Wohnung nicht wie bei Messis aussieht und nicht meterdick Staub liegt (was bei mir eh nicht ein darf, wegen meiner Stauballergie).
Und der Besuch kam dann übrigens doch nicht. Hätte ich mir sparen können (oder zumindest fast, wäre eh bald wieder fällig gewesen, zu putzen). Ich hatte sogar überlegt, meine Plüschtiere vom Sofa zu nehmen, nur weil man denken könnte, dass ich kindisch bin. Aber ich mag Plüschtiere nunmal schon immer. Habe sie dann auch stehen lassen.


Ohne Witz, genau das hätte von mr sein können. Das stimmt 1 auf 1 :shock: :)
Liebe Grüße aus dem schönen Unterfranken :)

entschuldigt eine Tippfehler :/ ich bin manchmal so schnell im schreiben, dass das leider oft passiert :/ ^^

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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Bellchen » 14.12.2013, 12:49

Ist schon komisch, dass wir uns so verstecken wollen hinter einer Fassade. :?

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Re: Eine Frage an alle hier......

Beitragvon Nana26 » 16.12.2013, 11:31

Bellchen hat geschrieben:Mir ist vorhin an mir selber mal wieder aufgefallen, wie sehr ich darum bemüht bin, nach außen hin perfekt zu sein. Es hatte sich Besuch angekündigt, also habe ich erstmal gefegt, den Teppich abgesaugt, Geschirr abgewaschen, meinen Klamottenstapel weggeräumt usw. Nur damit niemand denken könnte, ich sei unordentlich. Mir fällt es total schwer, dazu zu stehen, dass ich eben oft faul und schlampig bin in der Wohnung, weil es mich selbst nicht so stört, wenn paar Fussel, Haare und Krümel rumliegen. Da müsste ich alle 3 Tage alle saugen, damit es immer gut aussieht und Geschirr wasche ich halt auch nicht bei nur 3 Tellern ab, sondern sammel etwas. Aber wenn Besuch kommt, dann will ich, dass meine Wohnung wie aus dem Katalog aussieht. Aber das haben mir meine Eltern eben auch so vermittelt. Da war es immer sehr sauber und ordentlich, wenn Besuch kam, wurde extra noch alles in Ordnung gebracht. Das ist so drin, dabei könnte es mir doch egal sein, was andere denken, so lange meine Wohnung nicht wie bei Messis aussieht und nicht meterdick Staub liegt (was bei mir eh nicht ein darf, wegen meiner Stauballergie).
Und der Besuch kam dann übrigens doch nicht. Hätte ich mir sparen können (oder zumindest fast, wäre eh bald wieder fällig gewesen, zu putzen). Ich hatte sogar überlegt, meine Plüschtiere vom Sofa zu nehmen, nur weil man denken könnte, dass ich kindisch bin. Aber ich mag Plüschtiere nunmal schon immer. Habe sie dann auch stehen lassen.

Schlucki hat geschrieben:Oft nicht offen aufgelöste Streitereien meiner Eltern untereinander, eine sehr unsichere und ängstliche Mutter und ein Vater der eher inaktiv war, weil er mit emotionalen Sachen nicht gut umgehen konnte. Insgesamt aber eigentlich liebevoll, was es erstmal schwerer gemacht hat negative Dinge aufzudecken.
Ich bin das jüngste Kind gewesen, vielleicht ist das auch wichtig, weil ich oft das Gefühl habe, dass EInzelkinder in unserer heutigen Gesellschaft besser klarkommen.


@ Bellchen und Schlucki: Genauso ist/war es bei mir auch! Allerdings bin ich Einzelkind! Ich denke, es hat eher mit dem Verhältnis zu den Eltern zu tun. Meine Mutter ist megaängstlich. Sie traut mir und vorallem sich selbst nichts zu. Mein Papa hat immer versucht mich "stark" zu machen, war und ist ansonsten aber auch eher inaktiv. Wenn ich ihn jetzt als Erwachsene betrachte, glaube ich, dass er mir an den falschen Stellen "Stärke" beigebracht hat. Es fällt ihm sehr schwer überhaupt "Schwäche" zu zeigen und somit über den Schwächen zu stehen, worin ja genau die Stärke besteht. Das musste ich aber erst begreifen.
Es scheint ja sehr eindeutig zu sein, dass bestimmte Wesenszüge, wie wir sie haben eindeutig mit der emo verknüpft sind. Nach außen hin perfekt sein wollen, keinem zur Last fallen. Sich übergeben in aller Öffentlichkeit, oder einfach vor anderen Personen, fällt mit Sicherheit deshalb schwer, weil man sich in unseren Augen nicht mehr unter kontrolle hat und anderen "zumutet" das anzusehen.

Wenn wir vielleicht lernen, uns selber mehr im Alltag mehr zu verzeihen und mal drauf achten, wo wir uns selbst unter Druck setzen, uns selbst im Kopf beschimpfen (das mache ich übrigens seeeehr häufig!) können wir vielleicht auch die Angst vorm Erbrechen mildern.

Wenn ich merke, dass ich mich mal wieder selbst innerlich bestrafe oder mich unter Druck setze ("Oh Gott, bin ich dumm" usw...) , sage ich mir in letzter Zeit einfach laut und deutlich: "Scheiß drauf!" und tu es dann auch.

Versucht das mal.
Man muß vor nichts im Leben Angst haben, wenn man seine Angst versteht.
(Marie Curie)


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